4MATIC

4MATIC ist eine Marke für allradgetriebene Pkw-Modelle von Mercedes-Benz.

4MATIC-Getriebe an einem Motorblock

Bezeichnung 4MATIC

Das MATIC bedeutet im Vergleich zu herkömmlichen Allradantrieben, dass die nicht angetriebene Achse bei Bedarf automatisch zugeschaltet wird. Dies übernimmt eine Elektronik, die verschiedene Fahrsituationen und Zustände auswertet. Das G-Modell mit serienmäßigem (manuell zuschaltbarem) Allradantrieb trägt demnach die Bezeichnung 4MATIC nicht. Für die Entwicklung der Allradantriebssysteme der meisten Pkw-Modelle von Mercedes-Benz war das österreichische Unternehmen Magna Steyr zuständig.

Ausführungen

G-Modell (W 460, W 461, W 462)

Im G-Modell (Baureihen W 460, W 461, W 462) war der Allradantrieb manuell zuschaltbar. Die Hinterachse wurde starr angetrieben, mit einer Klauenkupplung konnte die Vorderachse zugeschaltet werden. In schwierigen Situationen verhinderten die optionalen Klauen-Differentialsperren an Vorder- und Hinterachse das Durchdrehen einzelner Räder.

G-Modell (W 463)

Die seit 1990 gebaute Baureihe 463 der G-Klasse erhielt anders als das Vorgängermodell (Baureihe 460) einen permanenten Allradantrieb mit drei Kegelraddifferentialgetrieben, die jeweils manuell vollständig gesperrt werden konnten.

E-Klasse (Baureihe 124)

Der Allradantrieb 4MATIC im Mercedes-Benz W 124
1: Motor
2: Kupplung
3: Zentraldifferential

Beim aufwändigen Allradantriebsssystem der Baureihe 124 wurden im Standardbetrieb ausschließlich die Hinterräder angetrieben. Falls notwendig, wurde von der elektronischen Steuerung automatisch auf Allradantrieb umgeschaltet, die Kraftverteilung (33:67 zugunsten der Hinterachse) und den Drehzahlausgleich übernahm dann ein als Stirnrad-Planetengetriebe ausgeführtes Zentraldifferential. In zwei weiteren Stufen wurden, falls notwendig, die Hinterachse und das zentrale Differential gesperrt.

Betriebsarten:

  • Hinterradantrieb: Kupplung der Antriebswelle zur Vorderachse geöffnet, Überbrückungskupplung des Zentraldifferentials geschlossen
  • Allradantrieb: Kupplung der Antriebswelle zur Vorderachse geschlossen, Überbrückungskupplung des Zentraldifferentials geöffnet
  • Allradantrieb mit Längssperre: Beide Kupplungen geschlossen
  • Allradantrieb mit Längs- und Quersperre an Hinterachse: Beide Kupplungen geschlossen und zusätzlich Hinterachsdifferential gesperrt

Restliche Modelle

Der permanente Allradantrieb
1: Motor
2: Zentraldifferential

Der direkte Nachfolger der Baureihe 124, die Baureihe 210, erhielt einen permanenten Allradantrieb (Momentaufteilung 35:65 zugunsten der Hinterachse). Die Differentialsperren werden durch elektronisch gesteuerte Bremseingriffe der Antriebsschlupfregelung 4ETS ersetzt. Dreht ein Rad durch, betätigt das System an diesem Rad die Bremse, so dass die anderen Räder Kraft auf die Straße übertragen können.

Das Konzept des permanenten Allradantriebs mit drei offenen Differentialen und elektronischer Schlupfregelung wurde auch in allen nachfolgenden allradgetriebenen Modellen angewendet. Im Allradantrieb der S-Klasse (Baureihe 221) ist das Längsdifferential zusätzlich mit einer Festwertsperre versehen, die bis zu einem Grenzwert von 50 Nm Vorder- und Hinterachse koppelt.

Bei den Geländewagen sind teilweise zusätzlich noch (zum Teil gegen Aufpreis) Differentialsperren eingebaut.

Derzeitige Modelle

Der Allradantrieb ist in der E-Klasse All-Terrain (X 213), im GLC-Coupé (C 253), GLE-Coupé (Mercedes-Benz C 292, Mercedes-Benz C 167), GLS (Mercedes-Benz X 166, Mercedes-Benz X 167), und der G-Klasse serienmäßig. Gegen Aufpreis ist allerdings in fast jeder Modellreihe Allradantrieb verfügbar, ausgenommen sind der AMG GT und die Roadster SL sowie SLC.

Übersicht der Mercedes-Benz-Pkw mit Allradantrieb

Bauzeitraum Fahrzeug Baureihe Allradantrieb
Serie/Option
Allradart Differentialsperren elektronische Antriebsschlupfregelung Untersetzung
1980–2001 G-Modell W 460, W 461, W 462 Serie zuschaltbarer Allradantrieb optionale Klauensperren in Vorder- und Hinterachse ja
1987–1996 E-Klasse W/S 124 Option zuschaltender/Permanenter Allradantrieb Lamellensperre des Mittel- und Hinterachsdifferentials
seit 1990 G-Klasse W 463 Serie permanenter Allradantrieb Klauensperren an allen drei Differentialen ja, ab 2001 ja
1997–2003 E-Klasse W/S 210 Option permanenter Allradantrieb ja
1997–2005 M-Klasse W 163 Serie permanenter Allradantrieb ja ja
1997–2005 S-Klasse W/V 220 Option permanenter Allradantrieb ja
2002–2007 C-Klasse W/S 203 Option permanenter Allradantrieb ja
2003–2009 E-Klasse W/S 211 Option permanenter Allradantrieb ja
2005–2011 M-Klasse W 164 Serie permanenter Allradantrieb optional („Offroad-Paket“) Lamellensperren des Mittel- und Hinterachsdifferentials ja optional („Offroad-Paket“)
2005–2014 R-Klasse W/V 251 Option permanenter Allradantrieb ja
2006–2014 Viano W/V 639 Option permanenter Allradantrieb ja
2006–2013 CL-Klasse C 216 Option permanenter Allradantrieb 50 Nm Festwert-Sperre im Längsdifferential ja
2006–2012 GL-Klasse X 164 Serie permanenter Allradantrieb Lamellensperre an Mittel- und Hinterachsdifferential ja ja
2006–2013 S-Klasse W/V 221 Option permanenter Allradantrieb 50 Nm Festwert-Sperre im Längsdifferential ja
2007–2014 C-Klasse W/S 204 Option permanenter Allradantrieb 50 Nm Festwert-Sperre im Längsdifferential ja
2008–2015 GLK-Klasse X 204 Option permanenter Allradantrieb 50 Nm Festwert-Sperre im Längsdifferential ja
2009–2016 E-Klasse W/S 212 Option permanenter Allradantrieb 50 Nm Festwert-Sperre im Längsdifferential ja
2011–2018 CLS-Klasse C/X 218 Option permanenter Allradantrieb 50 Nm Festwert-Sperre im Längsdifferential ja
seit 2011 M-Klasse W 166 Serie permanenter Allradantrieb optional („Offroad-Paket“) Lamellensperren des Mitteldifferentials ja optional („Offroad-Paket“)

Siehe auch

  • Audi vermarktet allradgetriebene Fahrzeuge unter dem Namen quattro.
  • BMW vermarktet allradgetriebene Fahrzeuge unter dem Namen XDrive.
  • Volkswagen vermarktet allradgetriebene Fahrzeuge unter dem Namen 4Motion.

Einzelnachweise

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