Arnd Kaestner

Arnd Kaestner (* 1961 in Hamburg) ist ein deutscher Künstler. Er lebt und arbeitet seit 1988 in Berlin.

Arnd Kaestner 2020

Leben

Nach Abitur und Zivildienst in Hamburg studierte er ab 1983 Zeichnung und Komposition an der Pariser École Nationale Supérieure des Beaux-Arts. 1988 zog er nach Berlin und arbeitete einige Jahre als Mitarbeiter für Farbuntersuchungen in der Baudenkmalpflege. Dort lernte er den aus Dresden stammenden Maler Peter Herrmann kennen, mit dem ihn eine bis heute währende Freundschaft verbindet.

Zu seinem frühen Umfeld in Hamburg gehörten Manfred Bissinger, der Autor Dirk C. Fleck, und der Komponist Jens-Peter Ostendorf (1944–2006), bei dem er 1986 sein erstes Atelier bezog.

In seinem Berliner Umfeld sind u. a. die Künstler der Gruppe Inges Idee, der Zeichner Vitek Marczinkiewicz, Matias Bechtold, Albrecht Schnider, Kritiker Ulrich Clewing und der Musiker Sven-Åke Johansson.

Er besuchte zwischen 1990 und 1995 die Ästhetik-Vorlesungen von Günter Abel (TU Berlin) und Robert Kudielka an der HdK (der jetzigen UdK) Berlin. Seit 1995 arbeitet er für letzteren als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent.

Werk

Kaestners Frühwerk um 1980 ist zunächst von Egon Schiele, Paul Klee und Joseph Beuys geprägt.

Die Zeit an der Pariser École Nationale sowie die Willem-de-Kooning-Retrospektive im Centre Pompidou (1984) führte zur Erweiterung seiner Bildfarbigkeit.

Es entstanden gestisch-expressive Monotypien (zu Giogione) oder von Samuel Beckett angeregte Werkreihen wie „Journey“ aus dem Jahr 1987/88. Das Interesse an der Figur weicht ab 1990, unter dem Einfluss von Richard Tuttle, Cy Twombly und Eva Hesse, einem minimalistisch-geprägten Erforschen der Bildfläche.

In den folgenden Jahren entstanden ca. 500 Photogramme, in denen er der Frage nach der Materialität von Farbe (Wasser, Pigment und Licht) nachging. Diese Arbeiten wurden sowohl immateriell, als Projektion auf Wand oder Fußboden, aber auch als C-prints präsentiert (Ausstellungen: K(X) auf Kampnagel, mit Dunja Evers u.Thomas Mass, Hamburg 1992 und ,Die reine Ikone/ Photoarbeiten für Eva Hesse' in der Galerie Mulack 23, Berlin 1995).

Durch Josef und Anni Albers mit deren Werk er sich durch die denkmalpflegerische Untersuchung der Villa Otte in Berlin-Zehlendorf intensiv auseinandersetzte, veränderten sich seine Arbeiten hin zu einem ,konstruktiven' Bildraum, der gleichzeitig Instabilität thematisiert (,When Instability Becomes Form‘, Galerie Josef Filipp, Leipzig 2010).

Kaestners Arbeiten spielen dabei oft mit optischen Erfahrungen von Alltagsgegenstände (etwa Regalen, Boxen, Absperrbändern oder Falzblechen) wie beispielsweise in den Ausstellungen „Standards“ und „Tapes“ in der Galerie Kuttner Siebert (Berlin 2004/2005).

Durch Vermittlung Robert Kudielkas lernt er 1993 die englische Künstlerin Bridget Riley in London kennen, mit deren Werk er sich bis heute intensiv auseinandersetzt, vor allem mit ihren präzisen Recherchen zu Farb-Nachbarschaften und deren ‚räumlichen‘ Folgen.

Kaestner veranschaulicht einen unhierarchischen Bildraum, der keine innerbildliche Dominanz zulässt und dessen Teile gleichwertig nebeneinander stehen.

Literatur

  • Peters Tisch. Gespräche mit Peter Herrmann, Arnd Kaestner, H.H.Grimmling und Nikolai Makarov. Bermel von Luxburg Gallery Berlin: 2021
  • Arnd Kaestner: Do Not Bend. Zeichnungen und Pigmentprints. Mit Texten von Anke Hervol und Birgit Szepanski. Wien: Verlag für Moderne Kunst, 2016.
  • Anja Blum: Wo bitte gehts nach Arkadien? In: Süddeutsche Zeitung, 5. Februar 2019.
  • Frank Wegner: Arnd Kaestner, Jedes Detail ist gleich wichtig. In: Die Welt, 29. Mai 2009 (S. 32/ Kunstmarkt).
  • Laura Weißmüller: Luftwechsel, Vier Berliner Künstler stellen in Regensburg aus. In: Süddeutsche Zeitung, 5. Februar 2008.
  • Ulrich Clewing: Photoarbeiten von Arnd Kaestner, In: Die Tageszeitung, 26. Mai 1995.
  • Evelyn Preuss: Arnd Kaestner: In Paris zum Koloristen geworden, In: Hamburger Abendblatt, 12. Oktober 1985.
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