Bad Schinznach
Bad Schinznach ist eine Hotel- und Kuranlage in Schinznach Bad, seit 2020 ein Stadtteil von Brugg.[1] 1651 wurde die schwefelstoffhaltige Quelle erstmals entdeckt und ab 1654 genutzt. 1670 verschüttete ein Hochwasser die Quelle, die erst 1690 wiederentdeckt werden konnte. 1696 erteilte der Kleine Rat von Bern die Konzession zur Nutzung der Quelle und rasch entwickelte sich das Bad zu einem der bekanntesten Bäder der Alten Eidgenossenschaft.[2] Im 18. Jahrhundert war Bad Schinznach Modebad von europäischer Bedeutung und Gründungsort der Helvetischen Gesellschaft. Nach dem Bau des klassizistischen Rundbaus 1824/27 mit einzelnen Badekabinen und Hotelzimmern besuchten vorwiegend französische und britische Gäste die luxuriösen Einrichtungen und brachten Tennis und Golf in den Kanton Aargau. Daneben war Bad Schinznach immer auch ein Ort der Heilung für kranke Menschen. Das veränderte Freizeitverhalten im 20. Jahrhundert führte zu einem schrittweisen Niedergang, der jedoch dank weitsichtigen Investoren Ende der 1980er-Jahre gestoppt und rückgängig gemacht werden konnte. Heute gibt es in Bad Schinznach verschiedene Wellnessanlagen (Aquarena Fun, Thermi Spa), Kliniken (Privat-Klinik Im Park, aarReha), ein Hotel (Kurhotel Im Park) sowie Freizeiteinrichtungen (Pitch & Putt, Tennis- und Golfplatz).[3]

Lage
Bad Schinznach befindet sich im Brugger Stadtteil Schinznach-Bad im Kanton Aargau. Schinznach-Bad liegt an der Grenze zum Jura im Aaretal, genauer gesagt direkt an der Aare. Wenige hundert Meter nach dem Bad, verläuft die Autobahn A3 Richtung Basel entlang. Nach Basel und Bern braucht es jeweils ca. eine Stunde, nach Zürich sind es ungefähr 45 Minuten. Umgeben ist die Region von dem Linnerberg, dem Bözberg, dem Wülpelsberg und Schloss Habsburg.
Geologie

Aus der Thermalquelle Bad Schinznach tritt warmes, schwefelstoffhaltiges Wasser aus, welches aus den Tiefen der Gesteinsschichten im Grenzbereich zwischen dem Faltenjura und der nördlich angrenzenden Vorfaltenzone kommt. Es wird vom artesischen Druck im Tal zwischen dem Linnerberg im Westen und dem Wülpelsberg im Osten an die Oberfläche gedrückt. Die Thermalquelle gehört zu den Heilwässern im Kanton Aargau. Kanton und Gemeinden sind gemäss Kantonsverfassung verpflichtet, Heilquellen und Heilbäder sowie deren Ruhe- und Erholungslandschaft zu schützen. 2018 genehmigte der Grossrat den kantonalen Nutzungsplan zum Schutz der Thermalquelle Bad Schinznach.[4]
Geschichte
17. Jahrhundert

Nachdem die Aare 1651 nach einer Überschwemmung ihren Lauf geändert hat, fand man in der Nähe des Hofes „Gottines-Husum“ eine heisse, nach Schwefel riechende Quelle. Der bernische Kleine Rat liess sie 1654 untersuchen und kam zum Schluss, dass die Lage der Quelle, neben der Aare nicht ideal war, da es zu Überschwemmungen kommen konnte. Man fand auch heraus, dass die Quelle heilende Kräfte besass. Trotzdem durfte die Stadt Brugg 1657 eigene Nachforschungen anstellen und dann die Quelle fassen.[5] Samuel Nöthiger, ehemaliger Berner Landvogt im Schenkenbergertal, interessierte sich ebenfallsfür die Nutzung der Quelle und es gelang ihm 1660 die Brugger, bei der Vergabe der Badekonzession, auszustechen. Die Anlage durfte damals bereits aus zwei Gebäuden, einer Scheune und zwei Badehäusern bestanden haben.[6] Die Heilquelle gewann schnell an Beliebtheit, die Badeanlage wurde jedoch 1670 durch ein erneutes Hochwasser weggespült. Nach langem Suchen fand der Zürcher Lienhard Bindschedler 1690 die Quelle wieder. Eine nichtständige Kommission des Berner Rats konstatierte 1692 vor Ort die Wiederentdeckung der Quelle. Der Hofmeister von Königsfelden und die Landvögte von Lenzburg und Schenkenberg erhielten den Auftrag, die Insel, auf der die Quelle gefunden worden war, mit dem Festland zu verbinden. Noch im gleichen Sommer dürften die ersten Gäste in einfachen Holzzubern gebadet haben. 1693 beauftragte der Berner Rat einen Badmann, das sogenannte Schachenhaus zu führen. Bern hatte aber kein Interesse, das unternehmerische Risiko selber zu tragen. 1695 bewarb sich der bernische Stadtwerkmeister Samuel Jenner beim Rat erfolgreich um die Nutzungsrechte der Quelle.[7] Sogleich fing er den Bau eines ersten Gasthauses an.[8]
18. Jahrhundert

1700 schickte Bern erstmals seine Kranken nicht mehr nach Baden, sondern nach Schinznach. 1703 liess Samuel Jenner ein zweites Gasthaus bauen, das es durch eine Mauer mit dem ersten Gebäude verband. Östlich davon wurde 1706 eine Scheune gebaut, die „Massena-Scheune“. Jenner wusste, dass er Werbung für sein Bad machen musste und lud deshalb Ärzte ein in das Bad zu kommen und Artikel über die Quelle und deren Heilkräfte zu veröffentlichen. Das Bad war in ganz Europa bekannt, da körperliche Schmerzen im Wasser gelindert wurden. Es galt als Modebad. Aus ganz Europa kamen Gäste nach Schinznach. Die Popularität zeigte sich etwa darin, dass Schinznach in einem zeitgenössischen Robinson-Roman (aus der Niederlande mit dem Titel „Baron von Schinznach“ erschien). 1728 übernahm Abraham Morell von seinem Schwiegervater den Betrieb. Er baute für die reicheren Gäste in dem verbindenden Mauergang einen Gesellschaftssaal. Für die Armen liess er 1738 ein Armenbad erbauen, womit der die Bestimmung der Konzession von 1696 erfüllte. Auf Anregung des Baslers Isaac Iselin trafen sich aufklärerische Kräfte einmal im Jahr von 1761 bis 1779 im Bad Schinznach. Dabei Gründeten sie die Helvetische Gesellschaft. Bad Schinznach gilt deshalb auch als das „Rütli der modernen Schweiz“. Anstelle des Armenbades wurde 1787 das Bernerhaus gebaut, um Patienten des Berner Inselspitals dort unterzubringen. Von etwa 1798 bis 1800 war der Stab des französischen Generals André Masséna im Badegasthaus einquartiert, was den Kurbetrieb zum Erliegen brachte. Schliesslich reiste der General ab ohne seine Rechnung zu begleichen.[9]
19. Jahrhundert


Nach den Wirren der napoleonischen Kriege erlebte das Bad mit den Besitzern Gottlieb Rohr (1769–1844) und dessen Schwager Johann Rauschenbach (1770–1840) einen neuen Aufschwung. 1809 wurde die Verbindungsgalerie zwischen den beiden Hauptgebäuden aufgelöst und durch eine Kolonnade mit darüberliegendem grossen Speisesaal ersetzt. Der Rundbau, der im unteren Stockwerk Badekabinen und im oberen Stock Hotelzimmer enthielt, wurde von 1824 bis 1827 nach den Plänen von Hans Konrad Stadler errichtet. Ausserdem wurde der Fischteich zugeschüttet. Das Bad Schinznach war schon sehr modern für seine Zeit, denn es hatte warmes Wasser (Erwärmung durch Kupferkessel) und eine Zentralheizung mit warmer Luft in den Gästezimmern.[10]
Um 1828/1829 wurde die Quellfassung neu gebaut. Das Schwefelwasser galt weitherum als heilend. Es wurde nicht nur zum Baden genutzt. Vielmehr tranken die Gäste das Wasser oder atmeten den Dampf des erhitzten Wassers ein. Bis zur Fassung der Quelle S2 (1979) musste das Quellwasser noch erhitzt werden, bevor es zum Baden benutzt wurde.
Ein Hochwasser der Aare überschwemmte das alte Badhaus, das Armenbadhaus, die Gipsmühle und die Wohnung des Fährmanns und machte weitere Erneuerungen notwendig. Für die Kranken aus Bern und aus dem jungen Kanton Aargau war das Armenbad da, um das sich eine Badarmenkommission kümmerte. Die Finanzierung erfolgte einerseits durch die Badbesitzer, andrerseits durch Spenden reicher Gäste.
1840 liessen die Besitzer Albert Hünerwadel und Friedrich Grether-Rauschenbach ein "Conversations-" oder Billardhaus bauen. Im Erdgeschoss gab es unter anderem zwei Speisesäle und einen Saal für die Kinder, im Obergeschoss Gästezimmer.
Ein grosser Fortschritt in der Mobilität war 1858 der Bau einer Eisenbahnlinie von Brugg nach Bern mit einem Bahnhof Schinznach Bad. Nun mussten die Gäste nicht mehr lange und unbequem mit der Kutsche anreisen, sondern konnten einfach und schnell per Zug anreisen. Dies war möglich, weil es einen Schnellzughalt in Bad Schinznach gab. Das erleichterte besonders für internationale Gäste die Anreise. Eine neue Blütezeit wurde eingeläutet: 1865 wurden ganze 40’000 Bäder ausgegeben – eine Zahl, die erst wieder Mitte des 20. Jahrhunderts erreicht werden sollte.[11] Das Geschäft lief gut, weshalb weitere Um- und Neubauten möglich waren.

Der Deutsch-Französische Krieg brachte 1870/71 einen grossen Einbruch der Gästezahlen. Stattdessen wurden internierte französische Soldaten gepflegt. Um nach ihrer Rückkehr weiterhin attraktiv zu sein, waren grosse Investitionen nötig. 1872 wurde deshalb eine erste Aktiengesellschaft gegründet und die Erneuerung vorangetrieben. Das Billardhaus wurde erhöht und östlich davon der Pavillon du Chemin de De Fer angebaut. Man ersetzte das Wasserrad durch eine Turbine, baute ein Süsswasserbad auf der Ostseite und eine Waschanstalt auf der Nordseite. Ausserdem baute man drei grosse Reservoirs um das Badewasser zu erwärmen.[12] Die Kurgäste waren nach wie vor begeistert von Bad Schinznach und spendeten 1881 für den Bau einer Kapelle. 1882 wurde die Quelle erneut neugefasst. 1895 baute man neue Inhalationsräume (Atmiatrie) inklusive einer Trinkhalle, westlich des Rundbaus. Um 1900 wurde ein erster Tennisplatz beim Südgarten errichtet. Das Bad Schinznach war nach wie vor ein angesehener Kur- und Badeort für reiche Gäste aus ganz Europa. Unter anderem gefiel den Gästen auch die idyllische Lage auf dem Land. Oft unternahmen die Gäste auch Ausflüge in die umliegenden Gemeinden, zum Beispiel Brugg, oder besuchten das nahegelegene Schloss Habsburg oder die Klosterkirche Königsfelden.
20. Jahrhundert
In der Zeit zwischen 1884 und 1914 kamen viele internationale Gäste, meist aus England, zum Bad. Um diesen Gästen attraktiver zu erscheinen bauten sie viele unterschiedliche neue Attraktionen wie z. B. einen Tennisplatz, sowie neue Damfkammern und viele neue Bäder. Die Strategie funktionierte und viele unterschiedliche ausländische Gäste tauchten neu auf.

Vor dem Ersten Weltkrieg, im spätem 19. Jahrhundert, kamen grosse Scharen von illustrierte so wie reiche Gäste aus ganz Europa zu der Anlage (verähmlich aus Frankreich so wie England). Meistens kamen sie zu einem mehrwöchigen, in manchen Fällen sogar mehrmonatigen Aufenthalt. Während des Ersten Weltkriegs 1914 verlor die Anlage dann aber viele ihrer Gäste. Stattdessen zogen Internierte ein. Schon vor dem Ende des Ersten Weltkrieges begannen die Eigentümer der Firma Amsler & Co Schinznach Bad darüber nachzudenken, wie sich das Bad entwickeln soll. 1918 wurden von den Zürcher Architekten Pestalozzi und Schucan Pläne für einen Neubau im ,,Heimatstil‘‘ gemacht, aus finanziellen Gründen allerdings nie realisiert.[13]
In der Zeit zwischen 1928/1929 erbaute die Bad Schinznach AG die Pension Habsburg. Um diese Zeit veränderte sich auch das Verhalten der Gäste drastisch. Die Leute wollten lieber im Freien baden. Um den neuen Erwartungen der Gäste zu entsprechen, wurden neue Golf- und Tennisplätze angelegt. Die neuen Sportanlagen lockten viele Besucher aus dem ganzen Kanton an und machten Bad Schinznach zu einem beliebten Ausflugsziel für gehobene Schichten. 1934 wurde die Atmiatrie für die Inhalationstherapien westlich des Rundbaus abgebrochen. Im Jahr darauf wurde der Park nach den Plänen des bekannten Zürcher Landschaftsarchitekten Otto Mertens umgestaltet. 1956 konnte das neue Habsburgbad- oder Passantenbad eingeweiht werden. Gleichzeitig wurde die bisherige Pension Habsburg in Kurhotel Habsburg umbenannt.

1965 erfolgte die Ausgliederung der Spitalabteilung in eine gemeinnützige Stiftung, welche fortan die Rheumaklinik Schinznach Bad betrieb. Diese setzte auf die Behandlung von verschiedenen Beschwerden, wie zum Beispiel Rheuma, Knochen- sowie Gelenkschmerzen, Hautkrankheiten oder Entzündungen. Durch die Abtrennung wurde es möglich, auf der Grundlage des schweizerischen Rheumagesetzes öffentliche Gelder zu erhalten. Gleichzeitig konnte sich die Aktiengesellschaft auf den Hotel- und Kurbetrieb fokussieren. 1969 sprach der aargauische Grosse Rat einen Kredit für die Erneuerung der aargauischen Heilbäder. Noch im selben Jahr erfolgte der Spatenstich für die neue Klinik, die 1972 die ersten Patientinnen und Patienten aufnehmen konnte. Bereits nach drei Wochen waren alle Betten besetzt. In den 1970er-Jahren geriet die Bad Schinznach AG in existenzielle Schwierigkeiten. Innerhalb weniger Jahre sanken die Logiernächte um 20 %. Gleichzeitig verfolgte die Aargauische Regierung für die Autobahn eine Linienführung über das Areal der Gesellschaft. 1976 wurde der überalterte Verwaltungsrat neu besetzt, unter anderem mit Robert Barth (Rivella Gründer). Dank ihm erhielt das Bad einen neuen Aufschwung.

Im Frühling 1977 orientierte der neue Verwaltungsrat die Aktionäre über die schwierige Ausgangslage. Der Cashflow lag praktisch bei Null, die hohe Verschuldung drückte und verunmöglichte Investitionen. Diese wären aber dringend notwendig gewesen, um die Hotelanlagen zeitgemäss zu erneuern. Nach harten Auseinandersetzungen stimmten die Aktionäre dem Sanierungsplan zu: Das Aktienkapital wurde erhöht und im ehemaligen Hofratsgebäude nach Plänen von Otto Glaus ein offenes Thermalschwimmbad Thermi gebaut, das 1978 seinen Betrieb aufnahm. Gleichzeitig wurde vom bisher reinen Sommerbetrieb auf einen Ganzjahresbetrieb umgestellt. Ab 1977 blieb zunächst die Pension Habsburg, ab 1981 auch das Parkhotel ganzjährig geöffnet. Eine neue Quellfassung lieferte pro Minute 500 Liter Schwefelwasser mit einer Temperatur von 39°. 1980 wurde der alte Ostflügel abgebrochen und durch einen eingeschossigen Speiseraum ersetzt.[14]
1988 wurde das Parkhotel renoviert und unter dem neuen Namen Kurhotel wieder eröffnet. Zugleich stimmte die Generalversammlung einer Bilanzbereinigung zu. Der Brugger Unternehmer Hans-Rudolf Wyss stieg als Grossaktionär (ab 1993 Verwaltungsratspräsident) ein und trieb die Realisierung des neuen Konzepts voran. Das Aktienkapital konnte von 6 auf 10,8 Millionen Franken erhöht werden. Dadurch wurden die Voraussetzung für die notwendigen Bankkredite zur Realisierung des neuen Konzepts geschaffen. Die Pension Habsburg wurde geschlossen. 1989 erfolgte die betriebliche Entflechtung zwischen der Bad Schinznach AG und der Rheumaklinik Schinznach Bad. Der Grosse Rat sprach dazu einen Staatsbeitrag von 2,5 Millionen zum Erwerb des alten Habsburgbads durch die Stiftung. Das Gebäude des früheren Hotels wurde später an den Kanton vermietet, der 1991 darin eine Schule für Physiotherapie einrichtete.
Am 3. November 1991 konnte das Thermi II unter dem Namen Aquarena eröffnet werden. Ein neues Parkhaus entlastete die Kuranlage vom Verkehr. 1993 wurde der Rundbau ausgeräumt und komplett erneuert. Im Empirefügel wurde währenddessen der erste Teil der Rehabilitationsklinik Privat-Klinik Im Park eingerichtet. 1994 wurde dann im Rundbau der zweite Teil eröffnet. 1996 wurde die Massena-Scheune saniert und Geschäfte, Verwaltungsräume und eine Bar gebaut. 1999 wurde die Pitch & Putt Kurzgolfanlage eröffnet.[15]
21. Jahrhundert

Im Jahr 2000 wurde die Klinik Meissenberg übernommen und 2001 saniert. 2002 lag der Umsatz erstmals über 30 Mio CHF. 2004 tritt der neue Gestaltungsplan in Kraft, der das bauliche Entwicklungspotential der Anlage festlegt. 2006 wurde die Wärmepumpe des Thermalbades erneuert, die den Heinzölbedarf massiv reduzieren half. Als im gleichen Jahr die Erneuerung der betriebseigenen Wäscherei anstand, entschied der Verwaltungsrat stattdessen, die Wäschereifirma Eclipse AG in Arlesheim zu übernehmen und die Reinigung der Wäsche an eine Tochterfirma auszulagern. Bereits zwei Jahre später wurde die Firma an die Wäscherei Schwob AG abgetreten, gegen eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma. 2008 löste Daniel Bieri den bisherigen Direktor Paul Fehr ab, der seit 1991 CEO war. Nach der Finanzkrise 2008 folgten schwierige Jahre. Trotzdem wurde investiert und das Thermi geschlossen und im Oktober 2011 als Thermi Spa neu eröffnet. Neben einem Outdoorbecken gibt es einen grossen Wellness- und Saunabereich. Der Therapiebereich wurde 2017 umfassend erneuert und gleichzeitig erfolgte der Baustart beim Haus Habsburg. 2019 wurden rund 5 Mio CHF in die Erneuerung der Saunalandschaften investiert. Der gesamte Badebereich musste 2020 wegen der Covid-19 Massnahmen geschlossen werden und in den Kliniken, im Kurhotel gab es weniger Patienten und Gäste. Aufgrund der unsicheren Lage musste das Bauprojekt für einen neuen Hoteltrakt verschoben werden.[16] Am 22. November 2022 genehmigte der Stadtrat Brugg die Teiländerung des Gestaltungsplans Kurbauzone, womit die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Realisierung vorliegen.[17]
Bad Schinznach AG
| Bad Schinznach | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1922 |
| Sitz | Schinznach Bad |
| Leitung | Daniel Bieri (Vorsitzender der Geschäftsleitung) und Hans-Rudolf Wyss (Verwaltungsratspräsident) |
| Mitarbeiterzahl | 319 |
| Umsatz | 48,7 Mio. CHF |
| Branche | Gesundheit und Wellness |
| Website | Bad Schinznach |
| Stand: 31. Dezember 2021 | |
Eigentümerin und Betreiberin der Kur- und Hotelanlagen Bad Schinznach ist die Bad Schinznach AG. Die Aktiengesellschaft wurde 1922 gegründet, doch reichen die Wurzeln des Unternehmens bis 1696 zurück, was sie zu einer der ältesten Firmen des Kantons Aargau bzw. der Schweiz macht. Geführt wird sie von Daniel Bieri, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung und Hans-Rudolf Wyss, dem Verwaltungsratspräsidenten der Schinznach Bad AG, welcher als Eigentümer der Wyss Gruppe AG mit 56,6 % der Aktien Hauptaktionär ist. Die Relag Holding ist mit 13,8 % beteiligt und der Rest gehört über 800 Einzelaktionären. Der Bad Schinznach AG gehören auch die 100%ige Tochterfirma Klinik Meissenberg und zu 38,1 % die Schwob AG.[18]
Thermi spa
Das Thermi wurde im Februar 1978 nach Plänen von Otto Glaus eröffnet. Mit seinem Aussenbecken läutete es eine neue Epoche in Bad Schinznach ein. Dank moderner Wasseraufbereitung war der frühere Schwefelgeruch nicht mehr wahrnehmbar. Im Frühling 1979 wurde das Thermigebäude um eine Saunaeinrichtung mit Massageräumen und Solarien erweitert. 2011 konnte das Thermi nach umfassender Erneuerung unter dem neuen Namen Thermi Spa wieder eröffnet werden und verfügt heute über:
- ein Thermalwasserbecken mit Sprudelliegen und Whirlpool
- zwei Saunen
- einen Erdlehmraum
- gewärmte Steinliegen im Orient Cocon
- einen Dampf-Cocon mit aromatischen Düften[19]
Aquarena fun
Am 3. November 1991 wurde das Aquarena, ursprünglichThermi II, eröffnet. Das Aquarena stellte mit einer Wasserfläche von rund 610 Quadratmetern, verschiedenen Attraktionen ein grosser Meilenstein in der Geschichte der Bad Schinznach AG dar. Zu dieser Zeit gab es noch nicht viele Wellnessbäder in der Schweiz, die sich unter anderem an Jugendliche richteten, weshalb der Erfolg auch nicht lange ausblieb und Gäste weit über die Kantonsgrenzen anlockte.[20]
Im Jahr 2011 wurde die Aquarena-Eingangshalle und das Restaurant erneuert. Gleichzeitig wurden im Aussenbereich neue Anlagen gebaut. Heute gehören zum Aquarena fun:
- ein Innen- und Aussenbereich mit verschiedenen Whirlpools und Sprudelliegen
- ein Flussbad
- eine Grottenrutsche
- ein 25 Meter Schwimmbecken mit kaltem Wasser
- eine Saunaanlage
- ein Restaurant[21]
Privat-Klinik Im Park
Die Klinik wurde am 1. April 1993 mit zunächst 27 Zimmern eröffnet. Ziel war es, Rehabilitationsleistungen in einem Hotelambiente anzubieten. Mittlerweile (2023) hat die Klinik 48 Zimmer mit insgesamt 64 Betten für Privat-, Halbprivat- und Allgemeinversicherte.
Als anerkannte Rehabilitationsklinik verfügt sie über ein vom BAG anerkanntes Heilbad. Die Klinik ist auf die Betreuung von chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparats sowie neurologischen Beschwerden spezialisiert. Die Lage in der Parklandschaft der stärksten und ausgewogensten Schwefelquelle der Schweiz und das Hotelambiente schaffen ein ideales Umfeld für die Genesung, was sich in einer hohen Auslastung niederschlägt.[22]
Kurhotel Im Park
Die Hotellerie hat gegenüber früher an Bedeutung eingebüsst. Gab es anfangs des 20. Jahrhunderts noch über 200 Gästezimmer, so verfügt das Kurhotel gegenwärtig noch über 29 Einzel- und Doppelzimmer sowie zwei Junior Suites (2023). 2018 konnten im Haus Habsburg acht 2½-Zimmerwohnungen für «Wohnen mit Service» sowie eine Junior Suite eingeweiht werden. In den nächsten Jahren ist ein Hotelneubau geplant.[23]
Pitch & Putt
Die Pitch und Putt Kurzanlage neben dem Kurhotel hat 9 Löcher. Diese Anlage wurde vom Golfplatzarchitekten Peter Harradine entworfen und 1999 eingeweiht. Verschiedene Hindernisse wie Bunker, Wasserlöcher, ein Seerosenteich und Bäche sind Bestandteile dieser Golf-Anlage. Daneben gibt es auf dem Areal einen Golfplatz, der seit 1929 durch den Golfclub Schinznach-Bad bewirtschaftet wird. Es handelt sich um den ältesten Golfplatz des Kantons Aargau und einen der ältesten der Schweiz.[24]
Klinik Meissenberg
Die Klinik im Meissenberg wurde im Jahre 1926 als Privatsanatorium für Frauen gegründet. Sie wurde von der Menzinger Schwesternkongregation geleitet. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt heute noch in der Psychotherapie. Im Jahre 1999 wurde die Klinik Meissenberg an die Bad Schinznach AG verkauft und ist heute eine 100%ige Tochterfirma der Bad Schinznach AG. Heute wird sie von Beatrice Bill-Wyss, Delegierte des Verwaltungsrates der Klinik Meissenberg AG / CEO und von Rolf Tanner, CFO der Bad Schinznach AG zusammen mit Dr. med. Peter Peiler, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinischer Leiter die Klinik Meissenberg AG geleitet. Heute hat die anerkannte psychiatrische und psychotherapeutische Spezial- und Akutklinik für Frauen über 74 Betten, verteilt auf 5 Abteilungen.[25]
Trivia
- Der berühmte französische Komponist Paul Marie Théodore Vincent d'Indy (1851–1931), einer der Wegbereiter der musikalischen Hochblüte in Frankreich um die Jahrhundertwende und in den Jahrzehnten danach, besuchte anlässlich einer Reise nach Bayreuth 1882 Bad Schinznach. Der Aufenthalt gefiel ihm so gut, dass er 1884 in Paris einen Zyklus von drei Konzertwalzern für Klavier Opus 17, betitelt "Helvetia" veröffentlichte. Darin enthalten ist ein Walzer namens "Schinznach" als Reminiszenz an seinen Besuch im Kurort, die übrigen beiden heissen "Aarau" und "Laufenburg".[26][27]
- In der beliebten Fernsehserie Der Bestatter mit Mike Müller als Luc Conrad war Bad Schinznach 2018 ein Drehort. An zwei Tagen wurden mehrere Szenen für die Folge "Spiel mit dem Feuer" der siebten Staffel gedreht.[28]
Literatur
- Karl Amsler: Das Bad Schinznach in der Schweiz, 1871.
- Paul Glarner, Lili Zschokke-Glarner: Aus Bad Schinznachs Vergangenheit, ca. 1943.
- Manuel Kehrli: „Hab drum die gesunde bader quell hervorgesucht an bessere stell“. Der Werkmeister Samuel Jenner (1653–1720) und das Schinznacher Bad. In. Argovia 2012, S. 114–125. doi:10.5169/seals-391288
- Titus J. Meier: Aus der Geschichte von Bad Schinznach, Brugg 2022
- Titus J. Meier: 100 Jahre Bad Schinznach AG – Rückblick auf eine wechselvolle Erfolgsgeschichte. in: Brugger Neujahrsblätter, Band 132, Brugg 2022
- Dr. Jürg Stüssi-Lauterburg: Bad Schinznach – Geschichten, ISBN 978-3-033-09597-7.
- Jacob Ziegler: Beschreibung des köstlichen warmen Gesund-Bads bey Schintznacht an dem Aren-Fluss, 1663
Weblinks
Einzelnachweise
- Felix Müller: Schinznach-Bad. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 5. Januar 2020, abgerufen am 12. Januar 2023.
- Quirinus Reichen: Bäder. Historisches Lexikon der Schweiz, 4. Mai 2017, abgerufen am 12. Januar 2023.
- Titus Meier, Bad Schinznach AG, 2022, S. 56 ff. Jürg Stüssi-Lauterburg, Bad Schinznach Geschichten, 2022.
- Regierungsrat Kanton Aargau: Botschaft an den Grossen Rat betreffend kantonaler Nutzungsplan für den Schutz der Thermalquelle Bad Schinznach. Nr. 18.216. Aarau 31. Oktober 2018, S. 2.
- Dr. Jürg Stüssi-Lauterburg: Bad Schinznach Geschichten. 1. Auflage. ISBN 978-3-03309597-7, S. 3.
- Kehrli 2012, S. 116.
- Jürg Stüssi-Lauterburg: Bad Schinznach Geschichten. S. 6 f.
- Titus J. Meier: Aus der Geschichte von Bad Schinznach. 2022, S. 1.
- Dr. Jürg Stüssi-Lautenburg: Bad Schinznach Geschichten. S. 25–29.
- Titus J. Meier: Aus der Geschichte von Schinznach Bad. S. 3.
- Paul Glarner, Lili Zschokke-Glarner: Aus Bad Schinznachs Vergangenheit. Aarau 1943, S. 110.
- Titus J. Meier: Aus der Geschichte von Bad Schinznach. 2022, S. 3.5-4.5.
- Titus J. Meier: 100 Jahre Bad Schinznach AG - Rückblick auf eine wechselvolle Erfolgsgeschichte. S. 56.
- Titus J. Meier: 100 Jahre Bad Schinznach AG - Rückblick auf eine wechselvolle Erfolgsgeschichte. 2022, S. 65–66.
- Titus J. Meier: 100 Jahre Bad Schinznach AG - Rückblick auf eine wechselvolle Erfolgsgeschichte. S. 57–69.
- Titus J. Meier: 100 Jahre Bad Schinznach AG - Rückblick auf eine wechselvolle Erfolgsgeschichte. S. 70–71.
- Stadtrat Brugg: Genehmigung Teiländerung Gestaltungsplan Kurbauzone. 9. November 2022, abgerufen am 4. Februar 2023.
- Geschäftsbericht 2021 Bad Schinznach AG. Abgerufen am 3. Februar 2023.
- Thermi Spa, Bad Schinznach AG. Abgerufen am 3. Februar 2022.
- Titus J. Meier: 100 Jahre Bad Schinznach AG - Rückblick auf eine wechselvolle Erfolgsgeschichte. 2022, S. 69.
- Aquarena fun, Bad Schinznach AG. Abgerufen am 3. Februar 2022.
- Heilbäder Kurhäuser Schweiz. Abgerufen am 3. Februar 2023.
- Titus J. Meier: 100 Jahre Bad Schinznach AG - Rückblick auf eine wechselvolle Erfolgsgeschichte. S. 62–63.
- Pitch & Putt, Bad Schinznach AG. Abgerufen am 3. Februar 2023.
- Klinik Meissenberg. Abgerufen am 3. Februar 2023.
- Valentin Trentin: Etwas Lokalpatriotismus bitte. Abgerufen am 5. Februar 2023.
- Albert Killer: Ein Hauch der grossen Musikwelt über Laufenburg. In: Vom Jura zum Schwarzwald: Blätter für Heimatkunde und Heimatschutz. Band 69, 1995, S. 68.
- Michael Hunziker: Dreharbeiten: Bestatter Conrad ermittelt im Kurhotel. In: Aargauer Zeitung. 7. September 2018, abgerufen am 5. Februar 2023.