Blattspiel

Unter dem Begriff Blattspiel (englisch sight-reading) oder dem Ausdruck vom Blatt spielen versteht man das Umsetzen einer notierten Komposition auf dem jeweiligen Instrument direkt beim ersten Lesen der Noten ohne vorheriges Üben. Die italienische Bezeichnung lautet a prima vista auf den ersten Blick. Der Musiker muss dafür die Noten schnell lesen und erfassen können, um die Komposition im vorgesehenen Tempo sofort spielen zu können.[1] Gleiches gilt beim Gesang, es wird hier als (Vom-)Blattsingen bezeichnet, verlangt aber andere Fähigkeiten (siehe Gehörbildung).

Beim Blattspiel ist Antizipieren von besonderer Bedeutung: sowohl das Lesen des Notentextes als auch die Bildung einer inneren Klangvorstellung dazu geschieht bei geübten Spielern im Voraus, während noch eine frühere Passage des Stücks gespielt wird.[2] Zu den weiteren Voraussetzungen gehört die Fähigkeit, im Notentext schnell einen Überblick zu gewinnen, Wesentliches zu erkennen (um Unwesentliches zur Not wegzulassen) und bekannte oder im Stück wiederkehrende Muster und Modelle zu erkennen.[3]

Einzelnachweise

  1. https://www.duden.de/rechtschreibung/prima_vista
  2. Renate Klöppel, Eckart Altenmüller: Die Kunst des Musizierens. Von den physiologischen und psychologischen Grundlagen zur Praxis. 6., überarb. Aufl., Neuausg. Schott, Mainz 2013, ISBN 978-3-7957-8706-6, S. 35 f. und 56 f.
  3. Christian Nagel: Literaturspiel - Blattspiel. In: nagelmusic.eu. 2. September 2016, abgerufen am 7. Januar 2023 (deutsch).
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