Boris Pietsch
Boris Pietsch (* 30. April 1971 in Leverkusen) ist ein deutscher Schauspieler und Klangkünstler.

Biographie
Boris Pietsch ist der Enkel des Malers und Filmarchitekten Oskar Pietsch, Sohn der bildenden Künstlerin Heidrun Pietsch und des Baukünstlers Martin Pietsch. Aufgewachsen in Wuppertal spielte er seit dem 15. Lebensjahr am Wuppertaler Kinder- und Jugendtheater unter der Leitung von Herwig Mark. 1998 begann er ein Schauspielstudium am Konservatorium der Stadt Wien.
Engagements führten ihn zur Münchener Biennale[1][2], dem Max-Reinhardt-Seminar, diversen Theatern in Wien, zur Kulturhauptstadt Graz 2003[3][4], sowie auf die Kinoleinwand (Anatomie 2, Die Männer Ihrer Majestät von Stefan Ruzowitzky) und ins Fernsehen (Pfarrer Braun). Von 2008 bis 2013 war er festes Ensemblemitglied beim Saarländischen Staatstheater. 2010 wurde ihm dort der Preis des Sponsor-Clubs des Staatstheaters „für seine exzellente Darstellung des Mephisto“ verliehen.[5]

Im selben Jahr nahm er als Musiker das Album Wet Dog[6] auf, das im September 2019 unter dem Pseudonym John Peach veröffentlicht wurde.[7]
Seit Sommer 2012 ist Pietsch für das von ihm gegründete, essayistische m-i-t-Lab („Membran im Tiger Labor“)[8] tätig, in dem es ihm um das Ausloten der Zusammenhänge zwischen individueller Kunst und gesellschaftlichem Engagement geht. 2014 war Pietsch dort „Reality Renovation Manager“ (RRM) des Biosphärenmodelldorf-Projekts.[9]
2014 war er zudem als Meik Welby in der nach drei Folgen eingestellten WDR.de-Produktion Welby’s Welt zu sehen.[10]
Nach siebenjähriger Krankheit eröffnete er 2020 die Manufaktur der Klänge,[11] Tonsalon und Kreativwerkstatt in München, wo er als Sprecher und Tonkünstler tätig ist. 2021 schloss sich Pietsch mit anderen Mitwirkenden zur Verlags- & Produktionsgemeinschaft Vordergrundrauschen zusammen.[12]
Filmografie (Auswahl)
- 2000: Die Männer Ihrer Majestät
- 2001: Coming Home[13]
- 2001: Karel
- 2002: Anatomie 2
- 2005: Klinik Dr. Guth
- 2006: Thule
- 2006: Tom Turbo – Das Wesen aus dem Wasserfall
- 2007: Anna und Du
- 2008: Pfarrer Braun (Folge: Im Namen von Rose)
- 2009: LAAF[14]
- 2009: Selbstmord für Anfänger[15][16]
- 2011: Das geht nur langsam[17] – als Stimme (Zitate Otto Freundlich)
- 2013: Feinde Brüder[18] – als Sprecher
- 2014: Welby’s Welt[19]
- 2015: Der Geruch des Glücks[20]
- 2015: Behinderte Ausländer[21]
- 2020: Krai[22] – als Sprecher
Klangkunst (Auswahl)
- 2010/2019: Wet Dog (Musikalbum)[6]
- 2019: I got you babe – Sprecher, Schnitt und Sounddesign (Hörspiel)[23]
- 2020: Abenteuer Bibliothek (Klangcollage)[24]
- 2020: Krai – Voiceover-Bearbeitung und Dialogregie (Dokumentarfilm, Horse&Fruits / ORF)[22]
- 2021: les voueés – Co-Übersetzer, Sprecher, Co-Regisseur, Klangkünstler und Produzent (Hörspiel)
Rezensionen (Auswahl)
Theater
„Der berufene ‚Zufall‘ kam anderweitig manifester zum Vorschein: etwa als Körperpräsenz der drei begabten, in raffiniert kaschierter Nacktheit exzellierenden Tänzerdarsteller Boris J. Pietsch, Sabine Friesz und Anna Tenta-Pancevski, [...]“
„Boris Pietsch erfüllt schon von Natur aus sämtliche Rimbaud-Vorraussetzungen: Als eine an den schwachen Schultern aufgehängte, hagere Gestalt, mit glimmenden Blicken, tritt er schmerztaumelnd aus dem türkisblauen Hintergrund wie aus dem eigenen Spiegelbild und hält seinen Anti-Provinz-Monolog. Später in der Dichterlesung-Szene – ‚Ich scheiß auf den ganzen Bockmist von Literatur!‘ – trinkt er aus der Weinflasche, als wollte er zum dramaturgischen Countdown die Trompete Blasen.“
„Der Teufel muss kaum nachhelfen. Boris Pietsch erlangt in dieser Rolle eine magische Präsenz: ein schmaler Vampir mit knallrotem Schopf, ein spöttischer, spitzzüngiger Luftikus, der in gespreizter Mick-Jagger-Manier auftanzt. Pietschs scharfkanntige, überzeichnete Gestik und Mimik erinnert an die einer Marionette. Und auch dies hat seine Sinnfälligkeit: Goethe lernte den Faust-Stoff über ein Puppenspiel kennen. Saarbrücken feiert einen neuen Schauspieler-Prinzen. Und wir sind mehr als zufrieden. Denn die Spots, die Schlingmann aufs Monumentalgemälde richtet, bringen ihm neuen Glanz. Mehr Kompliment ist kaum zu holen.“
Musik
„Das und die Musik von John Peach klingen so wie das, was Boris Pietsch, als er noch der Major war, damals in Saarbrücken tat: ‚Innehalten – und eine Welt betreten, die uns der sozialen und ökonomischen Neurosen für eine Weile entledigt.‘ Und zwischen all dem taucht eine Frage auf, die den Major schon auf der ‚Joyce/Medea‘ umtrieb: ‚Kann es geschehen, dass wir uns selbst dabei nicht verlieren, sondern möglicherweise sogar finden?‘“
Weblinks
- Magazin Forum „Wer braucht ein Motto?“ – Fragebogen zur Person.
- Offizielle Webseite Boris Johannes Pietsch.
- Sprechprobe (Intern) – Slowfox In: hoer-talk.de.
- John Peach Music on Bandcamp.
- Videotagebuch Vorbereitende Odyssee zum Projekt Spinnerei trifft Wirklichkeit des m-i-t-Labors.
- Faustische Karussellfahrt auf dem Schiff nach GONZO-VILLE Essay über Hunter S. Thompson, im Rahmen des m-i-t Labors.
- SR-Fernsehen zum Joyce-Medea-Projekt des m-i-t-Labors und der Inszenierung Die Stunde der Komödianten, Oktober 2012.
- Boris Pietsch in der Internet Movie Database (englisch)
Einzelnachweise
- Reinhard Schulz: Fantastische Entführungen in virtuelle Opernwelten. In: nmz.de. Juni 2002, abgerufen am 18. April 2021.
- Heptameron – Münchener Biennale. In: archive.muenchener-biennale.de. Abgerufen am 18. April 2021.
- Zwang ist zwecklos – Sicherheitsnetze der Menschenwürde, 2003. In: andrae-kunst.org. Abgerufen am 18. April 2021.
- Graz 2003: Die Lange Nacht der Toleranz. In: graz03.at. Abgerufen am 18. April 2021.
- Besuchereinbruch bei Antikenfestspielen. In: saarbruecker-zeitung.de. Abgerufen am 18. April 2021.
- Music. In: johnpeach.bandcamp.com. Abgerufen am 18. April 2021.
- Martin Rolshausen: Boris Pietsch hat Musik veröffentlicht, die in Saabrücken entstanden ist. In: saarbruecker-zeitung.de. 7. November 2019, abgerufen am 18. April 2021.
- m-i-t-Lab – „Membran im Tiger Labor“ – Dramatische Solution. In: mitlabor.wordpress.com. Abgerufen am 18. April 2021.
- biospharenmodelldorf. In: mitlabor.wordpress.com. Abgerufen am 18. April 2021.
- Christian Dassel zu "Welby's Welt" - Kultur - WDR.de. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www1.wdr.de. 25. Februar 2014, archiviert vom Original am 27. Januar 2015; abgerufen am 27. Januar 2015.
- MdK – Manufaktur der Klänge. In: mdk.salon. Abgerufen am 18. April 2021.
- Verlags- & Produktionsgemeinschaft Vordergrundrauschen. In: vordergrundrauschen.de. Abgerufen am 18. April 2021.
- Karl Bretschneider. In: austrianfilms.com. Abgerufen am 18. April 2021.
- Laaf / Films / Film Catalogue / Laptop - Film Fund Luxembourg. In: filmfund.lu. Abgerufen am 18. April 2021.
- Selbstmord für Anfänger bei crew united, abgerufen am 20. März 2021.
- Selbstmord für Anfänger. In: misman.de. Abgerufen am 18. April 2021.
- das geht nur langsam - home. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.das-geht-nur-langsam.de. Archiviert vom Original am 23. Oktober 2016; abgerufen am 23. Oktober 2016.
- Filmheft FEINDE | BRÜDER. Deutsche Kriegsgefangene in Japan. Ein Dokumentarfilm von Brigitte Krause. (PDF; 2,6 MB) In: nibis.de. Abgerufen am 18. April 2021.
- Welbys Welt - Unterhaltung - WDR.de. (Nicht mehr online verfügbar.) In: archive.ph. Archiviert vom Original am 17. Mai 2014; abgerufen am 18. April 2021. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- Der Geruch des Glücks bei crew united, abgerufen am 20. März 2021.
- BEHINDERTE AUSLÄNDER. In: horseandfruits.com. Abgerufen am 18. April 2021.
- KRAI - EINE LANDSCHAFT. In: horseandfruits.com. Abgerufen am 18. April 2021.
- I got you babe // Komplettes Hörspiel auf YouTube, 9. April 2019.
- https://www.dropbox.com/s/xv63ubkrsozpci5/Abenteuer_Bibliothek.wav?dl=0
- Cathrin Elss-Seringhaus: Zwei wie Feuer und Funken. In: jessica-karge.de. Abgerufen am 18. April 2021 (Rezension Saarbrücker Zeitung, 14. September 2009).