Chasseral

Der Chasseral ist mit 1606 m ü. M. die höchste Erhebung im Berner Jura, im Nordwesten des Kantons Bern, Schweiz. Sein früherer deutscher Name Gestler wird in der Region teilweise noch verwendet, ist jedoch in der übrigen Schweiz nicht bekannt.

Chasseral

Der Gipfel des Chasseral mit dem Hôtel Chasseral und dem Sendeturm

Höhe 1606,2 m ü. M.
Lage Kanton Bern, Schweiz
Gebirge Jura
Dominanz 49,5 km Pfyffe
Schartenhöhe 670 m Les Verrières
Koordinaten 571359 / 220485
Chasseral (Kanton Bern)
Gestein Kalkstein
Besonderheiten höchste Erhebung im Berner Jura

Seit November 2022 wird die Region des Berner Juras als «Grand Chasseral» bezeichnet, in Anlehnung an seinen höchsten Gipfel.[1]

80 Meter östlich des Berggipfels steht die Sendeanlage Nods Chasseral, 1,25 Kilometer westlich vom Berggipfel befindet sich seit 1875 das Hôtel Chasseral.

Der Berg ist die dominierende Landform des Naturparks Parc régional Chasseral. Die nähere Landschaft rund um den Chasseral ist im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung verzeichnet; das BLN-Gebiet umfasst eine Fläche von 21,6 Quadratkilometern.[2]

Geographie und Geologie

Der Chasseral ist der höchste Abschnitt einer Antiklinale des Faltenjuras und bietet eine 360°-Rundumsicht über die Schweizer Alpenkette, das Mittelland und den Jura bis hin an die Vogesen und den Schwarzwald. Die etwa 20 Kilometer lange Chasseral-Kette wird im Norden durch das Tal von Saint-Imier, im Osten durch die Klusen der Schüss (französisch Suze), im Süden durch den Bielersee und im Westen durch das Val de Ruz begrenzt. Im Westen liegt der Bergvorsprung Chasseral Ouest, der den höchsten Punkt des Kantons Neuenburg bildet.

Am Südhang des Chasseral liegt auf durchschnittlich 800 m ü. M. das ausgedehnte Hochplateau Tessenberg mit mehreren Ortschaften. Nach Nordwesten zum Tal von Saint-Imier erstreckt sich die Combe Grède, eine steile Schlucht, die heute als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

Vom Gipfel aus sind auf einem nördlichen Bergplateau zahlreiche Dolinen zu sehen, die sich in dem klüftigen und verkarsteten Kalkgestein gebildet haben. Das Niederschlagswasser versickert grösstenteils im Berginnern, und so entspringen am Bergmassiv nur in einzelnen Bereiche Oberflächengewässer, so wie der Bach in der Combe Grède im Norden und der Ruz Chasseran im Westen.

Am Chasseral sind mehrere Höhlen bekannt, die sich im Winter mit Schnee und Eis füllen und früher für die Lebensmittelindustrie als Kühllager beziehungsweise für den Abbau von Kühleis dientew. Der bekannteste davon ist der Creux de Glace.[3]

Klima

Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 4,3 °C, wobei im Februar mit −2,8 °C die kältesten und im August mit 12,1 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 147 Frosttage und 62 Eistage zu erwarten. Ein Sommertag tritt statistisch gesehen in zwei von drei Jahren auf. Hitzetage wurden auf dem Chasseral bisher keine aufgezeichnet. Die Messstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von 1594 m ü. M.

Chasseral
Klimadiagramm
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_ Temperatur (°C)   _ Niederschlag (mm)
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[4]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Chasseral
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 0,3 −0,1 2,3 5,8 10,1 13,7 15,8 15,6 11,7 8,4 3,7 1,2 Ø 7,4
Min. Temperatur (°C) −4,7 −5,2 −3,0 −0,3 3,5 7,0 8,9 9,3 5,9 3,0 −1,3 −3,8 Ø 1,6
Temperatur (°C) −2,3 −2,8 −0,5 2,5 6,4 10,0 12,0 12,1 8,4 5,5 1,1 −1,4 Ø 4,3
Niederschlag (mm) 96 92 97 104 134 134 136 142 117 122 110 113 Σ 1397
Sonnenstunden (h/d) 3,2 3,7 4,5 5,2 5,3 6,0 6,5 6,1 5,0 4,2 3,1 2,7 Ø 4,6
Regentage (d) 11,1 9,9 10,7 11,2 13,9 12,7 12,5 12,1 10,7 12,7 11,3 12,5 Σ 141,3
Luftfeuchtigkeit (%) 75 76 79 79 82 82 81 81 84 80 78 76 Ø 79,4
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Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[5]

Flora

Bis auf eine Höhe von 1400 m ist der Chasseral bewaldet, darüber befinden sich Bergweiden und Trockenrasen. Sie sind reich an alpinen Stauden, die im Sommer für bunte Blühaspekte sorgen. An den Hängen wächst in stattlicher Zahl zum Beispiel der Gelbe Enzian. Die Felsen sind unter anderem mit Zwerg-Glockenblumen bewachsen.

Infrastruktur

Der Gipfel des Chasseral ist ein Hauptpunkt der Landesvermessung der Schweiz.

Am 26. Juni 1945 wurde ein erster Sendeturm der PTT in Betrieb genommen. Ab 1954 diente der Turm dem Radio- und Autotelefon-Betrieb. 1970 kam eine provisorische Sendeeinrichtung für den Fernsehempfang auf dem Bergzug zwischen Solothurn und Yverdon hinzu. Seit 1983 unterhalten die PTT und heute Swisscom Broadcast auf dem Chasseral einen 120 Meter hohen Sendemast, hauptsächlich im Auftrag der SRG SSR. Er wird heute fernbedient und steht zu 90 Prozent leer.[6] Der Sendeturm ist einer der bekanntesten und ikonischsten Gebäude des ganzen Jurabogens.

Seit 1875 befindet sich auf der Gipfelkrete ein Berggasthaus, welches 1925 niederbrannte und 1926 im Heimatstil in der typischen Form eines Jurabauernhauses als «Hôtel Chasseral» wieder errichtet wurde. Das ganzjährig geöffnete Hotel-Restaurant zählt zu den meistbesuchten Berggasthäusern der Schweiz, da es als eines der wenigen Schweizer Gipfelhotels über eine Strasse zugänglich ist. Der Parkplatz der Liegenschaft wurde in der Geschichte mehrfach für militärische Paraden genutzt.

Erreichbarkeit

Sowohl von Saint-Imier im Norden als auch von Nods auf der Montagne de Diesse ist die Höhe des Chasseral im Sommerhalbjahr durch eine Strasse erreichbar, welche die Bergkette am Col du Chasseral überquert. Im Sommer verkehrt von beiden Seiten her eine Buslinie (zwischen Nods und Hôtel Chasseral nur am Wochenende).

Bis 1993 führte ein Sessellift von Nods zum Hôtel Chasseral westlich etwas unterhalb des Chasseral-Gipfels.[7] Über den Grat verläuft ein aussichtsreicher Wanderweg, der einen Abschnitt des weiten Jurahöhenwegs bildet. Bei klarer Sicht bietet sich vom Chasseral aus ein Alpenpanorama, das vom Säntis bis zum Mont Blanc reicht.

Tourismus

Das Skigebiet von Les Bugnenets-Savagnières liegt auf dem Nordkamm nordwestlich des Chasseral-Passes. Es verfügt über acht Skilifte für 16 Abfahrtspisten (30 Kilometer) zwischen 1090 und 1450 m Höhe. Es ist auch der Ausgangspunkt für eine 25 Kilometer lange Langlaufloipe, die mit denjenigen von Vue des Alpes und Les Prés-d'Orvin verbunden ist.[8] Auch am Südhang oberhalb von Nods ist Skisport möglich. Bis 1993 war vom Hôtel Chasseral bis Nods eine Skipiste in Betrieb, heute hat es in Nods noch einen kleineren Skilift.

Bilder

Commons: Chasseral – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Le Jura bernois veut modifier son image avec la marque Grand Chasseral. In: RTS. 19. November 2022, abgerufen am 14. Januar 2023 (französisch).
  2. Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung, Objekt Nr. 1002: Chasseral.
  3. https://www.outdooractive.com/de/naturdenkmal/neuenburg-jura-berner-jura/creux-de-glace/7131066/
  4. Klimanormwerte Chasseral. Normperiode 1991–2020. (PDF) In: meteoschweiz.admin.ch. Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, abgerufen am 19. Januar 2022.
  5. Klimanormwerte Chasseral. Normperiode 1991–2020. (PDF) In: meteoschweiz.admin.ch. Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, abgerufen am 19. Januar 2022.
  6. Hubert Droz: Visite de la SRT à l'antenne du Chasseral. In: Média-tic, le journal des sociétés de radiodiffusion et de télévision de la Suisse romande. Nr. 204. RTSR, Lausanne Dezember 2018, S. 10.
  7. 1993 stillgelegt, soll der Sessellift Nods-Chasseral auf die Expo. In: Bieler Tagblatt. 26. Juli 2000, abgerufen am 18. August 2014.
  8. Skifahren Bugnenets-Savagnières – Saint-Imier. Abgerufen am 1. September 2021.
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