Comanche (Pferd)
Comanche (* um 1862; † 7. November 1891)[1] war ein US-Kavalleriepferd, das die Schlacht am Little Big Horn überlebte.
| Comanche | |
![]() Comanche 1887 | |
| Rasse: | Mustang/Morgan |
| Vater: | |
| Mutter: | |
| Mutter-Vater: | |
| Geschlecht: | Wallach |
| Geburtsjahr: | um 1862 |
| Sterbejahr: | 1891 |
| Land: | USA |
| Farbe: | braun |
| Reiter: | Myles Keogh |
Verwendung in der US-Kavallerie
Comanche wurde vermutlich als Wildpferd (Mustang) geboren, später eingefangen, in einer Remontenstation in St. Louis kastriert und danach zum Kavalleriepferd abgerichtet. Er wurde für 90 US-Dollar an die Army verkauft und zunächst in Fort Leavenworth stationiert. Am 3. April 1868 wurde er dem 7th Cavalry Regiment zugewiesen, das damals in Ellis Station sein Hauptquartier hatte. Dort traf er am 19. Mai 1868 ein und wurde bald darauf von Captain Myles Keogh ausgewählt, der ihn bis zu seinem Tod am 25. Juni 1876 geritten hat. Das Pferd wird als 925 Pfund (419 kg) schwer, am Widerrist 15 Handbreit (150 cm) hoch, mit lehmfarbenen Fell, einem kleinen weißen, sternförmigen, Fleck auf der Stirn und von seinem Wesen her als sehr sanftmütig beschrieben. Es nahm an zahlreichen Einsätzen des Kavallerie-Regiments teil und wurde dabei zwölfmal verwundet.[2]
Schlacht am Little Big Horn


Neben Comanche hatten auch noch andere Pferde die Schlacht lebend überstanden, waren aber dabei so schwer verwundet worden, dass sie noch vor Ort getötet werden mussten. Diejenigen, die unverletzt geblieben waren, wurden von den siegreichen Indianern wohl als Beute weggeführt. Ein Maultiertreiber, Private William White, war einer der ersten der kurz nach Ende der Kämpfe auf dem mit skalpierten und verstümmelten Soldaten und Pferdekadavern übersäten Schlachtfeld eintraf. Allein 39 Tiere lagen rund um Custer Hill auf dem auch der kommandierende General der 7. Kavallerie, George A. Custer, starb (Custers last Stand), die meisten waren von den Soldaten erschossen worden um sie als Deckung benutzen zu können.[3]
White und Sergeant Milton J. DeLacey entdeckten das Tier schwer verletzt in einer Schlucht, nahe dem Little Bighorn, stehend, sein Sattel war verdreht und hing ihm vom Bauch herab. Comanche wies sieben Schusswunden auf (vier hinter der vorderen Schulter, eine durch einen Huf und eine an jedem Hinterlauf). Zuerst hielt man es noch für das Beste ihn ebenfalls mit einem Gnadenschuss von seinem Elend zu erlösen, besann sich dann aber doch anders, da er sich offensichtlich noch soweit auf den Beinen halten konnte um aus eigener Kraft den Versorgungsdampfer Far West zu erreichen. Seine Verletzungen waren zwar schwer, aber nicht zwangsläufig tödlich, wenn man sie rasch und fachkundig behandelte. Die Soldaten verbanden – so gut es ging – die Wunden und tränkten Comanche mit einem Gemisch aus Wasser und Alkohol, um damit seine Schmerzen auf dem Weg zur Far West erträglicher zu machen, die etwa 5 Meilen vom Schlachtfeld entfernt, am Zusammenfluss von Little Bighorn und Big Horn vor Anker lag. Als die Gefallenen geborgen und beerdigt wurden, fand man auch Captain Keoghs Leiche, sie lag inmitten der Soldaten seiner I-Kompanie. Sein linkes Knie war von einer Kugel zerschmettert worden, dessen Reitposition stimmte mit einer Wunde an Brust und Flanke seines Pferdes überein, was darauf hindeutet, dass Keogh es bis unmittelbar vor seinem Tod geritten hat.[4][5]
An Bord richtete man zwischen Heck und Ruder für Comanche einen Pferch ein und schüttete noch extra Präriegras auf dem Boden aus. Auch alle verwundeten Soldaten wurden mit der Far West abtransportiert, sie konnte die Fahrt nach Bismarck in 54 Stunden bewältigen. Etwas später notierte Captain Grant Marsh in sein Logbuch:
„Das schwer verwundete Tier wurde so schonend wie möglich per Wagen nach Fort [Abraham] Lincoln gebracht, dieselbe Garnison, die es erst vor acht Wochen verlassen hatte.“
Der Hufschmied der 7th Cavalery, John Rivers, untersuchte Comanche dort genauer und stellte fest, dass er bei angemessener Behandlung eine gute Überlebenschance hätte. Im Fort Abraham Lincoln wurden zunächst drei der vier noch im Körper steckenden Kugeln entfernt, die letzte konnte erst im April 1877 entnommen werden. Nachdem das Tier von Rivers wieder gesundgepflegt worden war, was ca. ein Jahr dauerte, avancierte es bald zum Publikumsliebling, fälschlicherweise wurde es aber öfters als General Custers Pferd und als der einzige Überlebende der Schlacht bezeichnet.
Postum Verwendung
Auf Anordnung des Standortkommandanten, Colonel Samuel D. Sturgis, wurde Comanche, nach seiner vollständigen Genesung offiziell in den „Ruhestand“ versetzt.[6] Anlässlich einer Gedenkzeremonie am 10. April 1878 wurde hierfür folgende Proklamation verkündet:
„Das als Comanche bekannte Pferd, ist der einzige Überlebende der blutigen Tragödie am Little Big Horn am 25. Juni 1876, seine freundliche Behandlung ist eine Angelegenheit des besonderen Stolzes und des Trostes für alle Angehörigen der 7. Kavallerie, sein Leben soll daher bis zum Äußersten bewahrt werden. Verwundet und vernarbt wie es ist, symbolisiert seine bloße Existenz, mehr als beredte Worte, den verzweifelten und hoffnungslosen Kampf gegen eine überwältigende Zahl von Feinden und heroisiert alle, die an diesem todbringenden Tag untergingen. Der Kommandant der Kompanie I hat dafür Sorge zu tragen, dass ihm ein guter und bequemer Stall eingerichtet wird, und er soll - unter keinen Umständen - von irgendjemandem geritten oder für irgendwelche Arbeiten eingesetzt werden. Bei allen offiziellen Zeremonien des Regiments soll Comanche, gesattelt, aufgezäumt und in Trauerflor gehüllt, von einem Soldaten der Kompanie I vorgeführt werden.“ (Gezeichnet: Colonel Sturgis, sowie der Oberleutnant und der Adjutant der 7. Kavallerie.[7])
Als die 7. Kavallerie 1888 nach Fort Riley, Kansas, abkommandiert wurde, begleitete Comanche sie, zwar schon im fortgeschrittenen Alter, war er aber immer noch bei guter Gesundheit. Als lebendes Denkmal der Tragödie von 1876 genoss das Tier auch weiterhin unbeschränkt alle Privilegien und Ehren.[8] Die meiste Zeit seines restlichen Lebens streifte er dort frei über die Weiden oder auch mal durch die Blumengärten und frönte ansonsten seiner Vorliebe für Bier. Als besondere Ehrenbezeugung wurde er etwas später sogar zum „stellvertretenden Kommandanten“ der 7. Kavallerie ernannt. Nur bei den gelegentlichen Regimentsparaden wurde er, in eine schwarze Schabracke gehüllt, mit Steigbügel und daran festgemachten, umgedrehten Stiefel, an der Spitze des Regiments mitgeführt.[9]
Tod und Präparation

Etwa 15 Jahre nach der Schlacht am Little Bighorn verendete Comanche bei Fort Riley im Alter von (vermutlich) 29 Jahren an den Folgen einer Kolik. Er ist eines von nur vier Pferden in der Geschichte der Vereinigten Staaten, denen eine Beerdigungszeremonie mit vollen militärischen Ehren zuteilwurde (die anderen waren Black Jack, Reckless und Chief).[10] Man beschloss, ihn von dem damals besten verfügbaren Taxidermisten, Lewis Lindsay Dyche, präparieren zu lassen, und brachte zu diesem Zweck Haut und Knochen des Pferdes ins Naturwissenschaftliche Museum der University of Kansas. Nachdem das Präparat fertiggestellt war, war aber offenbar das Interesse der Offiziere in Fort Riley an dem Tier erloschen. Dyche machte daher dem Militär das Angebot, ihnen die Zahlung von 400 Dollar für seine Dienste zu erlassen, unter der Bedingung, dass die Universität das Präparat behalten und ausstellen durfte.[11] Comanche blieb daher im Museum und wurde 1893 nach Chicago transportiert, um dort auf der World’s Columbian Exposition gezeigt zu werden. Obwohl keine Abrechnung über die Zahlung dieser Gebühr existiert, wurde das Pferd dem Museum der Universität gespendet, und auch die Eigentumsrechte lagen ab da bei der Universität (genauer bei L. Dyche). Bis in die 1970er Jahre befand sich ein Hinweis, er sei der einzige Überlebende der Schlacht gewesen, bei dem Exponat.[12]
2005 wurde Comanche, nachdem seit den 1950er Jahren nichts mehr an dem Exponat und dem Ausstellungsraum, in dem es sich befand, geändert worden war, in einen neuen Ausstellungsraum verschoben. Es folgte eine aufwendige Restaurierung, in der unter anderem aufgerissene Nähte, beschädigte Fellteile und andere Mängel ausgebessert bzw. behoben wurden.[13] Comanche ist derzeit in einem vor Feuchtigkeit geschützten Glaskasten im Museum für Naturgeschichte der Universität von Kansas, Dyche Hall, Lawrence, Kansas, ausgestellt.[14]
Literatur
- Evan S. Connell: Son of the Morning Star: Custer and the Little Bighorn. Macmillan Publishers, 1984, ISBN 0-88394-088-4.
- Annie Tallent: The Black Hills or the Last Hunting Ground of the Dakotahs: A complete history of the Black Hills of Dakota, from their first invasion in 1874 to the present time, Nixon-Jones, 1899.
Weblinks
Einzelnachweise
- Archivlink (Memento des Originals vom 18. Juni 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- Smithsonian: Famous Horses, (abgerufen am 1. Februar 2023).
- America comes alive/Great storys simply told. Kate Kelly: Comanche: Horse Survivor Of Little Bighorn, Civil War Stories, Heroes & Trailblazers (abgerufen am 31. Januar 2023).
- Bericht in der Bismarck Tribune, 10. Mai 1878.
- America comes alive/Great storys simply told. Kate Kelly: Comanche: Horse Survivor Of Little Bighorn, Civil War Stories, Heroes & Trailblazers (abgerufen am 31. Januar 2023).
- America comes alive/Great storys simply told. Kate Kelly: Comanche: Horse Survivor Of Little Bighorn, Civil War Stories, Heroes & Trailblazers (abgerufen am 31. Januar 2023).
- America comes alive/Great storys simply told. Kate Kelly: Comanche: Horse Survivor Of Little Bighorn, Civil War Stories, Heroes & Trailblazers (abgerufen am 31. Januar 2023).
- Annie Tallent: The Black Hills or the Last Hunting Ground of the Dakotahs: A complete history of the Black Hills of Dakota, from their first invasion in 1874 to the present time, Nixon-Jones, 1899, S. 635–636.
- Smithsonian: Famous Horses, (abgerufen am 1. Februar 2023).
- Smithsonian: Famous Horses, (abgerufen am 1. Februar 2023).
- Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 2. Januar 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- Smithsonian: Famous Horses, (abgerufen am 1. Februar 2023).
- Dokumentation der University of Kansas über Comanches Restauration (englisch) (Memento vom 10. Juni 2010 im Internet Archive)
- Smithsonian: Famous Horses, (abgerufen am 1. Februar 2023).
