Eleonore von dem Knesebeck

Eleonore von dem Knesebeck (* 1655 in Nordsteimke; † 1717) war Kammerjungfer von Sophia Dorothea von Braunschweig-Lüneburg und schrieb vor allem geistliche Gedichte.

Leben

Eleonore von dem Knesebeck wurde 1655 auf dem Gut Nordsteimke geboren.[1] Sie war die Tochter von Christian Franz Ernst von dem Knesebeck und Ursula (geborene von Veltheim).[2] Sie hatte einige Brüder und Schwestern, namentlich werden Franz Kurt, Ferdinand Christoph Friedrich, Christian Wilhelm, Sibylle Juliane, Idea Ursula und Anna Elisabeth genannt.[3]

Sie war die Vertraute und Kammerjungfer der Kurprinzessin Sophia Dorothea von Braunschweig-Lüneburg, welche ein außereheliches Liebesverhältnis mit dem Grafen von Königsmarck hatte.[4] Eleonore von dem Knesebeck half der Kurprinzessin bei diesem Liebesverhältnis. In den Liebesbriefen der Zweien wurde sie mehrmals erwähnt. Sie war zuständig für die Übermittlung und Sendung der Briefe. Bei einigen Briefen schrieb sie sogar Absätze mit oder verfasste sie selbst für die Kurprinzessin. Auch mit Königsmarck hatte sie Briefe ausgetauscht, um über die Kurprinzessin zu reden. Eleonore von dem Knesebeck wusste alles von der Liebesaffäre und war eingeweiht. Zudem verhandelte und schützte sie die heimlichen Treffen der Geliebten. Somit half sie beim Ehebruch mit.[5]

Der Graf von Königsmarck verschwand unter unklaren Umständen am 1./2. Juli 1694 im Schloss von Hannover. Danach forderte der Ehemann von Sophia Dorothea von Braunschweig-Lüneburg, Kurprinz Georg I., die Scheidung. Sie wurde schließlich zur lebenslanger Haft im Gefängnis verurteilt. Als ihre Kammerjungfer wurde Eleonore von dem Knesebeck in die Affäre miteinbezogen. Am 12. Juli wurde sie in Gewahrsam genommen.[4] Sie wurde verhört, aber beschützte die Kurprinzessin, indem sie behauptete, dass diese unschuldig sei und kein Ehebruch stattgefunden habe.[6]

Zuerst wurde sie am 26. Juli im Amtshof Springe festgehalten und später am 24. Januar 1695 nach Scharzfels gebracht.[4] Amtmann Volckmar war dort für sie zuständig. Er hatte Befehle, sie von der Außenwelt abzukapseln. Ihre Gefängniszelle war zudem stark von dem Wetter beeinflusst worden.[7]

Nach drei Jahren, am 25. Oktober 1697, gelang ihr die Flucht aus dem Gefängnis.[4] In dieser Nacht wurde sie von Hans Veit Rentsch, einem Dachdecker, aus ihrer Gefängniszelle befreit. Den Kontakt mit ihr konnte er herstellen, als er Arbeiten am Dach der Festung Scharzfels vollführte. Bei der Flucht ging er auf den Dachboden und erschuf eine Öffnung in der Decke des Zimmers der Eleonore von dem Knesebeck. Dann mussten sie sich von einer Klippe hinunterlassen. Als nächstes wurde sie von vier Männern mit Pferden[8] auf das Gebiet des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel gebracht.[1] Sie kam nach Braunschweig und von da aus ging sie nach Wien, wo sie Hilfe und Sicherheit bei Kaiser Leopold I. gesucht und bekommen hat. Danach kehrte sie im Jahre 1698 zurück nach Braunschweig.[8]

Im Roman Römische Octavia von Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel wird das Leben und die Geschichte von der Kurprinzessin Sophia Dorothea von Braunschweig-Lüneburg neu und verändert verarbeitet.[9]

Schriften

In ihrem Zimmer, in dem sie eingesperrt gewesen war, waren die Wände, die Tür und das Bett mit Kohle beschrieben. Bei den Schriften handelte es sich einerseits um geistliche Dichtungen, andererseits richteten sich die Schriften an ihre unglückliche Situation. Darunter waren vor allem Klagen an ihre Peiniger sowie Ermutigungen und Hoffnung zu finden. Diese hinterlassenen literarischen Werke sind in Vers und Prosa verfasst.[4]

Der Historiker Adolf Köcher hat ihr Leben recherchiert und ihre Schriften sind bei ihm zu finden.[10]

In einigen Stellen in ihren Schriften lässt sich deutlich die Sehnsucht nach Befreiung und Freiheit erfassen. Die meisten Gedichte richten sich an Gott, damit dieser ihr hilft aus ihrer Situation herauszukommen. Ergänzend soll Gott sie bei ihrem Gefängnisausbruch unterstützen, indem er dafür sorgt, dass niemand sie bei der Flucht entdecke oder aufhalte.[11]

Dazu richtet sie sich in ihren Schriften direkt an die Menschen, die sie beschwindelt und hintergangen haben und verurteilt diese. Sie wendet sich an Gott als deren Verurteiler.[12] Zudem erwähnt sie, dass die hannoverische Regierung sie rechtswidrig und unrecht in die Gefängniszelle eingesperrt hat.[13]

Literatur

  • Jean M. Woods, Maria Fürstenwald: Schriftstellerinnen, Künstlerinnen und gelehrte Frauen des deutschen Barock. Ein Lexikon (Repertorien zur deutschen Literaturgeschichte. Bd. 10), Metzler, Stuttgart 1984, ISBN 978-3-476-00551-9, S. 58.
  • Adolf Köcher: Die Prinzessin von Ahlden. Erster Artikel. In: Historische Zeitschrift. Band 48. De Gruyter Oldenbourg, 1882, S. 144.
  • Adolf Köcher: Memoiren der Eleonore von dem Knesebeck, Hofdame der Prinzessin von Ahlden. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen. Hannover 1882, S. 228–253 (online).
  • Georg Schnath: Eleonore v. d. Knesebeck, die Gefangene von Scharzfels. In: Historische Kommission für Niedersachsen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 27. August Lax, Hildesheim 1955, S. 149–205.

Einzelnachweise

  1. Eleonore v.d.K. Familienverband von dem Knesebeck, abgerufen am 17. Dezember 2022.
  2. Jean M. Woods, Maria Fürstenwald: Schriftstellerinnen, Künstlerinnen und gelehrte Frauen des deutschen Barock. Ein Lexikon (Repertorien zur deutschen Literaturgeschichte. Bd. 10). Metzler, Stuttgart 1984, ISBN 978-3-476-00551-9, S. 58.
  3. Georg Schnath: Eleonore v. d. Knesebeck, die Gefangene von Scharzfels. In: Historische Kommission für Niedersachsen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 27. August Lax, Hildesheim 1955, S. 157158.
  4. Adolf Köcher: Die Prinzessin von Ahlden. Erster Artikel. In: Historische Zeitschrift. Band 48. De Gruyter Oldenbourg, 1882, S. 144.
  5. Georg Schnath: Eleonore v. d. Knesebeck, die Gefangene von Scharzfels. In: Historische Kommission für Niedersachsen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 27. August Lax, Hildesheim 1955, S. 152–156.
  6. Georg Schnath: Eleonore v. d. Knesebeck, die Gefangene von Scharzfels. In: Historische Kommission für Niedersachsen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 27. August Lax, Hildesheim 1955, S. 162–163.
  7. Georg Schnath: Eleonore v. d. Knesebeck, die Gefangene von Scharzfels. In: Historische Kommission für Niedersachsen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 27. August Lax, Hildesheim 1955, S. 171.
  8. Georg Schnath: Eleonore v. d. Knesebeck, die Gefangene von Scharzfels. In: Historische Kommission für Niedersachsen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 27. August Lax, Hildesheim 1955, S. 177–189.
  9. Georg Schnath: Eleonore v. d. Knesebeck, die Gefangene von Scharzfels. In: Historische Kommission für Niedersachsen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 27. August Lax, Hildesheim 1955, S. 191–192.
  10. Adolf Köcher: Memoiren der Eleonore von dem Knesebeck, Hofdame der Prinzessin von Ahlden. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen. Hannover 1882, S. 228–253.
  11. Adolf Köcher: Memoiren der Eleonore von dem Knesebeck, Hofdame der Prinzessin von Ahlden. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen. Hannover 1882, S. 240–242.
  12. Adolf Köcher: Memoiren der Eleonore von dem Knesebeck, Hofdame der Prinzessin von Ahlden. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen. Hannover 1882, S. 245.
  13. Adolf Köcher: Memoiren der Eleonore von dem Knesebeck, Hofdame der Prinzessin von Ahlden. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen. Hannover 1882, S. 250–251.
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