Ernest Bauer
Ernest Bauer (* 4. April 1910 in Zagreb; † 29. Dezember 1995 ebenda) war ein kroatisch-österreichischer Publizist, Politikwissenschaftler und exilkroatischer Aktivist.
Leben und Wirken
Er wurde als Sohn eines deutschsprachigen Vaters und einer kroatischen Mutter in Zagreb,[1] der Hauptstadt des Königreichs Kroatien und Slawonien geboren. Nachdem Bauer in Zagreb ein Studium zum Lehramt und der Philosophie abgeschlossen hatte, war es ihm dank eines Stipendiums des französischen Außenministeriums möglich in Straßburg weiter zu studieren. 1937 erhielt er ein Stipendium der Alexander v. Humboldt Stiftung und promovierte in Leipzig. Nach seiner Rückkehr nach Kroatien wurde er für die Presseagentur Europapress tätig. Nach dem Jugoslawischen Staatsstreich 1941 wurde er verhaftet, um wenig später im Unabhängigen Staat Kroatien Leiter der Pressestelle des Auswärtigen Amtes in Kroatien zu werden. Er arbeitete auch für den Pressedienst des Ustascha-Regimes.[1] 1943 wurde Bauer zum Assistenzprofessor für Slawistik an der Universität Zagreb ernannt.
Nach dem Krieg lebte er in Österreich. 1948 promovierte er in Politikwissenschaften an der Universität Graz. Ab 1954 lebte er in München und war als Chefredakteur der Zeitschrift Kroatische Berichte tätig. Er galt stets als Unterstützer der kroatischen Unabhängigkeit. Er war Ratsmitglied des Kroatischen Nationalrates in New York und Präsident des Kroatischen Nationalkomitees in München.
Bauer übte maßgeblichen Einfluss auf die exilkroatische terroristische Hrvatski narodni otpor (HNO) aus. Als Sekretär der HNO wurde er in den 1950er-Jahren zu einer Schlüsselfigur der Organisation. Später fungierte er als Verbindungsmann des BND zu exilkroatischen Organisationen. In den 1970er-Jahren schloss er sich dem Hrvatsko narodno vijeće an und hatte dabei Kontakte zum Bundesamt für Verfassungsschutz.[1]
Veröffentlichungen
- Današnja Njemačka, Zagreb, 1937.
- Štampa europskih velevlasti i Amerike, Zagreb, 1940.
- Hrvati u Tridesetgodišnjem ratu, Zagreb, 1941.
- Novo lice Rumunjske, Zagreb, 1943.
- Die Entwicklung der Publizistik in Kroatien, Zagreb, 1944.
- Glanz und Tragik der Kroaten, Wien-München. 1969.
- Zwischen Halbmond und Doppeladler: 40 Jahre österreichischer Verwaltung in Bosnien und Herzegowina, Wien-München, 1971.
- Drei Leopardenkoepfe in Gold: Oesterreich in Dalmatien, Wien-München, 1973.
- Slava i tragika Hrvata, Wien-München, 1973.
- Joseph Graf Jellachich, Banus von Kroatien, Wien, 1975. (na hrv. jeziku Hrvatski ban Jelačić, München, 1981.)
- Aloisius Kardinal Stepinac. Ein Leben fuer Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit, Recklinghausen, 1984.
- Der Löwe vom Isonzo. Feldmarschall Svetozar Boroević de Bojna, Graz, 1985. (2. izd. 1986.; tal. izd. Boroevic il leone dell'Isonzo, Gorica, 1986., 2. tal. izd. 1987., 3. tal. izd. 2006., 4. tal. izd. 2010.)
- Život je kratak san (sjećanja), München-Barcelona, 1987.
- Der letzte Paladin des Reiches. Stjepan pl. Sarkotić, Graz, 1988. (tal. izd. L'ultimo paladino dell'impero: il colonnello generale Stefan Sarkotić barone von Lovćen, Trst, 1989.)
- Sjaj i tragika hrvatskog oružja. Nakladni zavod Matice hrvatske, Zagreb 1991, ISBN 86-401-0234-1 (UDB-a je spriječila izdavanje Bauerove knjige 1971. u Zagrebu).[2]
Anmerkungen
- Bernd Robionek: Hybride Identitäten in der Emigration. „Volksdeutsche“ und die jugoslawische Staatssicherheit. In: Stefan Lehr (Hrsg.): Unter Beobachtung. Under Surveillance. Vertriebenenverbände im Blick der sozialistischen Sicherheitsdienste. The Monitoring of Expellee Organizations by the Socialist Security Services. (=Journal für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (JKGE) / Journal for Culture and History of the Germans in Eastern Europe, Band 3), Walter de Gruyter, Berlin 2022, ISBN 978-3-11-079528-8, S. 227–240, hier: S. 233ff.
- Ernest Bauer: Sjaj i tragika hrvatskog oružja. Nakladni zavod Matice hrvatske, Zagreb 1991, ISBN 86-401-0234-1, S. 146.