Fischer Holding

Die Fischer Holding GmbH & Co. KG (Eigenschreibweise: fischer holding) ist die Konzernmutter und Führungsgesellschaft der Unternehmensgruppe Fischer, einer Gruppe deutscher Industrieunternehmen, die in den Bereichen Befestigungstechnik (Fischer-Dübel), Automobilinterieur und Konstruktionsspielzeug (Fischertechnik, FischerTiP), Unternehmensberatung (fischer Consulting) und dem  Elektronik-Dienstleister (fischer Electronic Solutions) weltweit tätig sind. Die Unternehmensgruppe Fischer ist aus der 1948 im baden-württembergischen Waldachtal gegründeten Artur Fischer GmbH & Co. KG hervorgegangen.

Fischer Holding GmbH & Co. KG
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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1948
Sitz Waldachtal
Leitung Klaus Fischer[1]
Mitarbeiterzahl 5400 (2022)[2]
Umsatz 1,0 Mrd. Euro (2022)[2]
Branche Befestigungstechnik, Konstruktionsspielzeug
Website fischer.de
Stand: 31. Dezember 2020
Unternehmensgruppe fischer

Unternehmensstruktur

Besitzstruktur und Eigentumsstruktur

Das Familienunternehmen wird seit 1980 in der zweiten Generation von Klaus Fischer geführt. In den 1990er Jahren übernahm er die Mehrheitsanteile der Unternehmensgruppe von seinem Vater Artur Fischer. Seit 2001 lagen 98 Prozent der Anteile bei Klaus Fischer, jeweils ein Prozent bei seinen beiden Söhnen Jörg Klaus und Frank. 2014 lagen 40 % der Anteile bei den beiden Söhnen und 60 % bei Klaus Fischer.[3]

Zu Jahresbeginn 2011 übernahm Jörg Klaus Fischer die operative Leitung der Unternehmensgruppe. Er war seit 2008 Mitglied der Geschäftsführung für den Bereich Befestigungssysteme. Nach etwas über einem Jahr verließ Jörg Klaus Fischer im März 2012 das Unternehmen wieder.[4] „Wir haben in den vergangenen Wochen feststellen müssen, dass unsere Vorstellungen im Hinblick auf Ausrichtung und Führung des Unternehmens gravierend unterschiedlich sind“ ließ sich Klaus Fischer in einer Mitteilung seines Unternehmens zitieren.[5] Anfang 2018 übertrug Klaus Fischer den Vorsitz der Geschäftsführung an Marc-Sven Mengis.[6][7] 2022 übernimmt Andreas Voll die Geschäftsführung.

2022 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe einen konsolidierten Umsatz von einer Milliarde Euro.[2] Rund drei Viertel des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Der Fertigungsanteil im Inland liegt bei über 50 Prozent.

Die fischerwerke sind Mitglied im Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden[8][2] und im Klimaschutz-Unternehmen e.V.[9]

Mitarbeiter und Werke

Die Fischerwerke GmbH und die weiteren Unternehmen der Fischer Holding beschäftigen rund 5400 Mitarbeitern. 2000 Mitarbeiter sind in Deutschland beschäftigt, davon über 1200 am Stammsitz Waldachtal. Weitere deutsche Standorte sind Horb (Automotive), Freiburg-Hochdorf und Denzlingen. Produktionsstandorte im Ausland gibt es in Italien (Padua), Tschechien, China, Argentinien, Brasilien, Serbien, Vietnam und in den USA. Mit 50 Landesgesellschaften in 38 Ländern vertreibt fischer in rund 120 Länder.

Geschäftsbereiche

Die Unternehmensgruppe ist in fünf Geschäftsbereiche gegliedert

Befestigungstechnik

Der größte Unternehmensbereich ist mit Abstand fischer Mit Abstand größter Bereich ist Befestigungssysteme. Er gehört zur fischerwerke GmbH & Co. KG und produziert rund 14 Millionen Dübel täglich.[10] Das Produktportfolio umfasst über 15.000 Artikel. Dazu zählen u. a. Kunststoffdübel, Metallverankerungen, dynamische Anker für Erdbebengebiete oder stark belastete Bauwerke, Brandschutzbefestigungen, innovative Fassadensysteme und der erste Punkthalter für Glas, bei dem die Lochbohrung das Glas nicht durchdringt. Ein umfassendes Schraubenprogramm, spezielle Sortimente für Wärmedämmverbundsysteme, die Sanität-, Heizungs-, Lüftungs- und Elektromontage, Kleber, Dichtstoffe, Schhäume und Bohrer belegen die hohe Vielfalt.[11] Seit Juli 2009 führt fischer ein Sortiment von Holzschrauben mit 2700 Artikeln. Die fischer Akademie ist zuständig für Beratung, Bemessungssoftware und Produktschulungen. Fischer-Produkte wurden im Burj Khalifa, dem Gotthard-Basistunnel, den Alten Prokuratien[12] in Venedig sowie zur Befestigung der überhängenden Glasfassade im Porsche-Museum in Stuttgart verwendet.

Automobilzulieferer

Der zweitgrößte Unternehmensbereich, fischer Automotive GmbH & Co. KG mit Sitz in Horb am Neckar entwickelt und produziert Interieur Komponenten für die Erstausrüstung von Automobilen. Neben Kinematik Komponenten wie Cupholdern und Aschenbechern gehören Ablagesysteme und Lüftungsdüsen zum Produktportfolio. Außer in Deutschland produziert fischer Automotive in Tschechien, China, Serbien und in den USA. Der Grundstein für den Bereich wurde 1982 mit einem Aufbewahrungssystem für Musikkassetten (Fischer CBOX) gelegt.

Fischertechnik

Das Konstruktionsspielzeug fischertechnik wurde 1965 auf den Markt gebracht. Seit Anfang der 1980er Jahre lassen sich fischertechnik-Modelle mit dem Computer steuern. Außerdem wird es in der Industrie zur Simulation von Prozessen genutzt. Seit Ende der 90er Jahre ist zudem fischer TiP erhältlich, ein ökologisches Kreativmaterial aus Kartoffelstärke und Lebensmittelfarbe.

Consulting in Prozessoptimierung

2004 wurde die fischer Consulting gegründet. Mit dem Ziel Verschwendungen zu vermeiden, berät sie Kunden bei der Optimierung ihrer Prozesse. Grundlage ist das seit 2000 entwickelte fischer ProzessSystem (fPS) zur Verschlankung aller Prozesse.

Elektronik Komponentenfertigung

2018 wurde die LNT Automation GmbH übernommen, an der Fischer seit 2016 beteiligt war. Das Unternehmen mit Sitz in Nellmersbach bei Stuttgart wurde 2021 in fischer Electronic Solutions GmbH umfirmiert und versteht sich als Elektronikdienstleister mit den Schwerpunkten Fertigungsdienstleistung für elektronische Komponenten und kapazitiven Touchscreen-Eingabekomponenten.[13]

Geschichte

Das Unternehmen wurde 1948 in Hörschweiler im Waldachtal von Artur Fischer gegründet. Erste Produkte waren Webstuhlschalter und elektrische Feuerzeuge. Die Erfindung des Synchronblitzes sorgte 1949 für einen Wachstumsschub und den Umzug ins Nachbardorf Tumlingen.

Am 7. November 1958 meldete Fischer in der Patentschrift mit der Nr. 1 097 117 seinen S-Dübel, einem Spreizdübel aus Nylon zum Patent an. Bis dahin wurden Holzstücke in Wände gegipst, in die wiederum Schrauben gedreht wurden. „Der Spreizdübel aus Plastik revolutionierte die Befestigungstechnik, ohne ihn wären weder Einbauküchen noch Wandregale denkbar“ (Süddeutsche Zeitung). Artur Fischer war zwar nicht der erste, der einen Kunststoff-Spreizdübel entworfen hatte, auch der schwedische Erfinder Oswald Thorsman hatte bereits 1957 Kunststoff-Spreizdübel konstruiert und zum Patent angemeldet, doch der Fischer-Dübel war aufgrund seiner speziellen Form für Mauerwerk jeglicher Art geeignet.[10]

Als weiteres Geschäftsfeld kam 1965 das Fischertechnik-Baukastensystem hinzu. 1980 übernahm Klaus Fischer die Gesamtleitung der Unternehmensgruppe, die damals mit 1480 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro erzielte. Unter seiner Regie wurde die Internationalisierung des Unternehmens vorangetrieben. Auch die Ausweitung der Produkte auf chemische und Metallverankerungen erfolgte ab dieser Zeit.

1982 stieg fischer mit der CBOX in die Produktion von Automobilkomponenten ein. 1993 übernahm fischer seinen Konkurrenten Upat aus Emmendingen, 1997 folgte die Firma Rocca. Der Automotive-Bereich wurde 2001 in die eigenständige fischer Automotive GmbH & Co. KG ausgegliedert. Auch für Fischertechnik wurde 2004 eine eigene GmbH gegründet. Der Geschäftszweig Prozessberatung nahm 2004 mit der Gründung der fischer Consulting GmbH seine Tätigkeit auf. Seit 2009 fertigt fischer neben Befestigungssystemen auch Holzschrauben. 2016 übernahm fischer mit der LNT Automation GmbH einen Hersteller von elektronischen Baugruppen.

2021 übernahm fischer das österreichische Start-up Baubot und entwickelt ein 1,2 Tonnen schweres Roboter-Fahrzeug, „das selbstständig Löcher präziser und kostengünstiger bohren als ein Bauarbeiter. Den Staub saugt das Gerät gleichzeitig ab.“ Einsatzbereiche sollen Großbaustellen sein wie beispielsweise im Tunnelbau.[2] Zudem wurde erstmals die eine Milliarde Euro Umsatzmarke geknackt.[2]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Impressum | fischer. Abgerufen am 10. Februar 2023.
  2. Fischer knackt erstmals die Umsatzmilliarde. Abgerufen am 10. Februar 2023.
  3. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. Februar 2014, S. 15, Klaus Fischer im Reich der Ideen.
  4. Fischer: Dübel-Patriarch entmachtet den eigenen Sohn, Spiegel Online, 3. März 2012
  5. Susanne Preuß: Dübelhersteller: Generationswechsel bei Fischer gescheitert. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 14. Oktober 2022]).
  6. Süddeutsche Zeitung vom 7. November 2018, S. 16, Die Ungeduld des Dübel-Königs.
  7. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. Februar 2018, S. 18, Dübel-Fischer stellt die Weichen.
  8. Fischerwerke. In: b2b.partcommunity.com. Abgerufen am 16. November 2022..
  9. fischer ist Mitglied der Klimaschutz-Unternehmen. In: WirtschaftsKraftPlus. 11. Januar 2023, abgerufen am 11. Januar 2023.
  10. Hubert Filser: Der Dübel ist der Anker des kleinen Mannes. 26. September 2016, abgerufen am 14. Oktober 2022..
  11. fischer.group. In: fischer.group. Abgerufen am 29. November 2018..
  12. M. Sonneborn: fischer Befestigungslösungen sichern Prokuratien in Venedig. In: Die Werkstatt. 11. Januar 2023, abgerufen am 11. Februar 2023.
  13. Über uns. In: fischer-electronic.com. Abgerufen am 5. Juli 2021..
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