Fritz Schwimbeck
Fritz Schwimbeck (* 30. Januar 1889 in München; † 29. August 1977 in Friedberg/Bayern) war ein deutscher Maler und Grafiker.
Leben

Fritz Schwimbeck wuchs im Schloss Friedberg auf, wo sein Vater Josef als Landrichter tätig war. Nach einer von Lungenkrankheit und Sanatoriumsaufenthalten geprägten Kindheit studierte er ab 1908 an der Technischen Hochschule München und legte 1912 die staatliche Lehramtsprüfung in Zeichnen und Modellieren ab. Nach der krankheitsbedingten Entlassung aus dem Kriegsdienst an der Westfront 1916 lebte er in München und begann, Zeichnungen, Radierungen, Exlibris und Buchillustrationen zu fertigen. Schwimbeck war eng in der Münchener Kunst- und Autorenszene vernetzt, mit Kontakten unter anderem zu Lion Feuchtwanger, Hans Ludwig Held oder Gustav Meyrink; seit 1921 war Schwimbeck Mitglied in der Münchner Künstler-Genossenschaft. 1925 wurde Schwimbeck als Studienrat im Fach Zeichnen am Städtischen Luisengymnasium München verbeamtet, im selben Jahr heiratete er. Im Anschluss kam das eigenständige künstlerische Schaffen fast vollständig zum Erliegen. Neben dem bis zur Pensionierung ausgeübten Lehramt leitete Schwimbeck Studienreisen nach Griechenland, Ägypten oder Nordafrika. 1943 begann er unter Depressionen zu leiden. 1977 siedelte der verwitwete Künstler nach Friedberg über, wo er im selben Jahr starb. Er ist auf dem Waldfriedhof München beerdigt, sein künstlerischer Nachlass wurde an die Stadt Friedberg vererbt und befindet sich in der Sammlung des Museums im Wittelsbacher Schloss in Friedberg, wo auch bedeutende Werke von Schwimbeck in der Dauerausstellung gezeigt werden.[1]
Werk
Fritz Schwimbeck trat überwiegend als Grafiker in Erscheinung. In den 1910er/1920er-Jahren illustrierte er Bücher aus dem Bereich der phantastischen Literatur wie Gustav Meyrinks „Der Golem“ (1913), aber auch Literaturklassiker wie „Macbeth“ von William Shakespeare oder Erzählungen von Heinrich von Kleist. Seine eigenen grafischen Zyklen mit unheimlichen Motiven sind durch die Schrecken des Ersten Weltkriegs, Krankheit, Schmerz und Begegnung mit dem Tod geprägt. Die düsteren Gewölbe und bedrohlich engen Gassen mit fratzenhaften Häusern in seinen Werken scheinen von den Keller- und Tunnelräumen des Friedberger Schlosses sowie den verwinkelten Friedberger Altstadtgassen geprägt zu sein. Ein weiterer unheimlicher Effekt seiner Arbeiten entsteht durch die Verwendung von Schattengestalten und lediglich vereinzelten Lichtquellen, die das Dargestellte beleuchten.[2]
Werke (Auswahl)
Buchillustrationen
- Heinrich von Kleist: Das Erdbeben in Chili und Die Verlobung in St. Domingo. Mit Radierungen von Fritz Schwimbeck, Morawe & Scheffel Verlag, Berlin 1920.
- Beat von Müller: Die unsichtbare Brücke. Verlag Parcus u. Co, München 1920.
- Fritz Schwimbeck: Zeichnungen zu Meyrink. Das grüne Gesicht und der Golem. Georg Müller Verlag, München 1919.
- William Shakespeare: Macbeth, Verlag Herrmann A. Wiechmann, München 1920.
Eigenständige Grafikzyklen
- Phantasien über ein altes Haus. Verlag Parcus u. Co, München, 1918.
- Werden – Vergehen. Ein Zyklus in acht Original-Radierungen von Fritz Schwimbeck. Mit einer Einführung von H.L. Held. Verlag Parcus u. Co, München 1919.
- Fieber. Verlag „Die Wende“, München 1919.
- Apokalypse. Ausstellung der Münchener Künstlergenossenschaft im Glaspalast, 1924.
Literatur
- Alice Arnold-Becker: Glanzvoll. Das neue Museum im Wittelsbacher Schloss. Likias, Friedberg 2019. ISBN 978-3-9820130-3-9.
- Alice Arnold-Becker: Unheimlich. Die Kunst von Fritz Schwimbeck. Begleitband zur Ausstellung „Unheimlich. Die Kunst von Fritz Schwimbeck“, Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg, 28. Januar bis 23. April 2023. Likias, Friedberg 2023. ISBN 978-3-949257-08-7.
- Hans Ludwig Held: Fritz Schwimbeck. In: Der Wächter. H. 4 (München 1919), S. 156–162.
- Ilda Mutti: L'opera grafica di Fritz Schwimbeck. Magisterarbeit an der Università degli studi di Bergamo, 1985/85.
- Veronika Schmeer: Inszenierung des Unheimlichen. Prag als Topos – Buchillustrationen der deutschsprachigen Prager Moderne. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015. ISBN 978-3-8471-0405-6.
- Fritz Schwimbeck: Kâmarûpa. Nachdruck der Zeitschrift EOS 1919 für das Heimatmuseum Friedberg mit einem Nachwort von Ilda Mutti und Erich Unglaub. Futura Edition, Friedberg 1992. ISBN 3-924834-10-5.
Einzelnachweise
- Fritz Schwimbeck: Kâmarûpa. Mit einem Nachwort von Ilda Mutti und Erich Unglaub. Hrsg.: Erich Unglaub. Futura Edition, Friedberg 1992, ISBN 3-924834-10-5, S. 21 f.
- Alice Arnold-Becker: Glanzvoll. Das neue Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg. Likias, Friedberg 2019, ISBN 978-3-9820130-3-9, S. 174.