Hedwig und Robert Samuel-Stiftung
Die Hedwig und Robert Samuel-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung privaten Rechts mit Hauptsitz in Düsseldorf und weltweit rund 55 Mitarbeitern[2]. Ihr Schwerpunkt liegt in der Ausbildungsförderung, vorrangig in Ländern Mittelamerikas und Südasiens. Die geförderten Jugendlichen stammen alle aus sozial benachteiligten Schichten und erhalten über die Stiftung die notwendigen Mittel und den Zugang zu einer qualifizierten Berufsausbildung.
| Hedwig und Robert Samuel-Stiftung | |
|---|---|
| Zweck: | Entwicklungshilfe, Mildtätige Zwecke, Sonstige Soziale Zwecke[1] |
| Vorsitz: | Martin Barth[1] |
| Geschäftsführung: | Martin Barth[1] |
| Bestehen: | seit 3. Juni 1932[1] |
| Stifter: | Robert und Hedwig Samuel[1] |
| Mitarbeiterzahl: | 55 |
| Sitz: | Königsallee 14, Düsseldorf[1] |
| Website: | samuel.de/ |
Geschichte
Robert Hedwig
Die Stiftung geht auf das Düsseldorfer Ehepaar Robert und Hedwig Samuel zurück. Der 1871 in Düsseldorf geborene jüdische Kaufmann Robert Samuel war im Import und Verkauf von Tabakwaren tätig (hauptsächlich Zigarren) und belieferte unter anderem den Württembergischen Königshof. 1927 bestimmte Samuel testamentarisch die Gründung der Stiftung. Nach dem Tode der kinderlos gebliebenen Eheleute sollte die Stiftung wohltätigen Zwecken dienen. Als finanziellen Grundstock brachte Samuel das sogenannte „Hohenzollernhaus“ in Düsseldorf in die Stiftung ein.
Nach dem Tod von Robert Samuel im Januar 1931 wurde die Stiftung am 3. Juni 1932 mit Genehmigung des preußischen Justizministeriums gegründet. In der Folgezeit versuchten Behörden und nationalsozialistische Organisationen, Zugriff auf das vermeintlich jüdische Vermögen zu erlangen. Die staatlichen Organe blockierten sich jedoch gegenseitig, und da der Stiftungszweck nicht auf jüdische Menschen beschränkt war, überdauerte die Stiftung das Dritte Reich.
Da die Erträge aus dem Stiftungskapital zunächst zeitlebens der Mitstifterin Hedwig Samuel (1893–1976) zufielen, vergingen noch über 40 Jahre, bis die Stiftung nach deren Tod 1976 dem Stiftungszweck entsprechend ihre karitative Tätigkeit aufnehmen konnte. Die Mittel, die der Stiftung dann als Vermögenserträge zuflossen, wurden allerdings zunächst überwiegend für die dringend notwendige Renovierung des „Hohenzollernhauses“ an der Königsallee benötigt, das 1942 durch eine Brandbombe schlimme Schäden erlitten hatte. Die Verwirklichung des Stiftungszweckes wurde in dieser Zeit noch zurückgestellt. Dennoch wurden in dieser Phase schon kleinere Spenden für soziale Projekte geleistet, überwiegend für solche in Düsseldorf.
Beginn der Hilfsleistungen
Nach dem Abschluss der Substanzerhaltungsmaßnahmen und dem Aufbau einer eigenen Infrastruktur war es der Stiftung möglich, größere Projekte zu fördern. Ersten Spenden für Verbesserungsmaßnahmen in den städtischen Altenheimen Gallberg und Flehe folgten Hilfeleistungen für sozial besonders Benachteiligte. So wurde zum Beispiel eine Betreuungsmaßnahme für die Kinder in der Containerwohnanlage in der Schmiedestraße in Oberbilk durchgeführt, die Infrastruktur in einer Obdachlosenunterkunft der Stadt verbessert und die Hausaufgabenbetreuung von Kindern ausländischer Mitbewohner finanziert. Allesamt Maßnahmen, für die es keine Haushaltsverpflichtungen seitens der Stadt gab.
Ausland
Mitte der 1980er Jahre weitete die Samuel-Stiftung ihre Hilfe für sozial Bedürftige erstmals auf das Ausland aus. Angetrieben von der immer deutlicher zutage tretenden Armut in den Entwicklungsländern konzentrierte die Stiftung ihre Arbeit im Laufe der Jahre zunehmend auf diese Länder. Anfänglichen Spenden an Entwicklungshilfsorganisationen, darunter Menschen für Menschen oder Friedensdorf International, folgten direkte Hilfeleistungen an Personen und Institutionen in Entwicklungsländern. Anstelle der reinen Förderung von Fremdprojekten trat bald die Realisierung eigener langfristiger Hilfsprojekte vor Ort, und es entstanden ausländische Vertretungen der Stiftung in Costa Rica (1987), Nicaragua (1989), Indien (1993) und Thailand (2002).
Stiftungskapital

Die Finanzierung erfolgt zu 9⁄10 aus der Vermögensverwaltung und 1⁄10 aus Projekterlösen.[3][4][2] Die Vermögensverwaltung generiert ihr Einkommen durch Miet- und Kapitalerträge der Immobilien.
Einnahmen und Ausgaben
Die jährlichen Einnahmen 2018–2020 lagen vor Fertigstellung des Bürohauses Centro Corporativo 100 Calle Blancos in Costa Rica bei 2,0–2,3 Mio. Euro, die Ausgaben bei 1,5–1,7 Mio. Euro. Von den Ausgaben entfielen 70 % auf die Projektförderung, 15 % auf Projektbegleitung, 7 % auf Verwaltung, 6 % auf Öffentlichkeitsarbeit und Spendenwerbung, 3 % auf Wechselkursumrechnung, Zinsen und Abschreibungen.[4]
Hohenzollernhaus
Das sogenannte „Hohenzollernhaus“ ist ein 6-stöckiges Geschäftshaus mit Ladenzeile an der Adresse Königsallee 14 in Düsseldorf. Dort befindet sich auch der Hauptsitz der Stiftung. Das Gebäude war 1907 von Robert Samuel erworben und von ihm nach dem Umbau durch den Architekten Hermann vom Endt für die Lagerung und Verkauf der Zigarren sowie für Büroräume genutzt worden. Der Name des Hauses entstand vermutlich aus der Tätigkeit Samuels als Hoflieferant des württembergischen Königshauses der Hohenzollern. Im Zweiten Weltkrieg durch eine Brandbombe zerstört, wurde das Haus nach dem Krieg schrittweise renoviert und erweitert. Seit der Gesamtsanierung und dem Wiederaufbau des historischen Daches Anfang der 1980er Jahre bildet das Haus die wichtigste Finanzgrundlage der Stiftungstätigkeit.
Centro Corporativo 100 Calle Blancos
Im März 2021 wurde in Costa Rica ein 10-stöckiges Bürohaus der Stiftung mit 5.400 m² Nutzfläche fertiggestellt.[5] Gebaut wurde es von Zürcher Arquitectos auf einem Teilgelände des stiftungseigenen Ausbildungszentrums in der Nähe des Stadtzentrums von San José, der Hauptstadt Costa Ricas.[6]
Hilfsprojekte
Neben dem Schwerpunkt Ausbildung in den Bereichen Technik, Handwerk und Dienstleistung für sozial benachteiligte und geeignete Jugendliche unterstützt die Samuel-Stiftung Einzelprojekte, auf die sie im Rahmen ihrer Stiftungsarbeit aufmerksam geworden ist. So unterstützt sie seit 1990 den Gesundheitsposten El Tepeyac in Nicaragua. Auch im Nachbarland Costa Rica ist sie mit einem weiteren Projekt aktiv: In San Isidro de El General unterhält sie in Zusammenarbeit mit der zuständigen Behörde PANI zwei Kinderheime (Albergues), in denen gewaltgeschädigte Kinder Zuflucht in familienähnlichen Verhältnissen finden.[7] In Deutschland ist die Stiftung Begründerin und Mitgesellschafterin der Organisation KiD gGmbH, einer stationären Facheinrichtung für missbrauchte Kinder in Düsseldorf. Außerdem unterstützt die Stiftung regelmäßig junge Studentinnen und Studenten der Kunstakademie Düsseldorf durch Stipendien, so beispielsweise die polnische Künstlerin Agata Agatowska.[8] 2018 wurde eine Theateraufführung von zehn Migranten aus acht Ländern im Jungen Schauspiel des Düsseldorfer Schauspielhauses unterstützt: Deutschland. Ein Wintermärchen — nach Heinrich Heine — Ein transkultureller Roadtrip durch die neue Heimat.[9] Außerdem wurde das Café Eden, das im Foyer oder auf dem Vorplatz des Jungen Schauspielhauses in Mörsenbroich stattfand, von 2016 bis 2019 gefördert.[10]
Weblinks
Einzelnachweise
- Hedwig und Robert Samuel-Stiftung. Stiftungsdetails. Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 28. Dezember 2022.
- HRS Jahresbericht 2020. 6. Dezember 2021, abgerufen am 28. Dezember 2022.
- HRS Jahresbericht 2018. Abgerufen am 28. Dezember 2022.
- HRS Jahresbericht 2019. Abgerufen am 28. Dezember 2022.
- Nuevo centro corporativo de 10 niveles en la capital estará disponible para marzo. 11. Januar 2021, abgerufen am 28. Dezember 2022 (spanisch).
- Centro Corporativo 100 Calle Blancos. Abgerufen am 28. Dezember 2022 (spanisch).
- Herramientas para la vida, nacion.com (Website der Tageszeitung La Nación aus Costa Rica), 7. April 1999: „La Fundación Hedwig y Robert Samuel -su nombre completo- nació por iniciativa del comerciante alemán Robert Samuel, quien dispuso en su testamento que se creara la fundación después de su muerte y la de su esposa Hedwig. … Un hogar de ancianos y dos albergues para huérfanos, construidos en San Isidro del General a inicios de los noventa, fueron sus primeros aportes en suelo costarricense.“ (spanisch, deutsch: „Die Hedwig und Robert Samuel-Stiftung, wie sie mit vollem Namen heißt, entstand auf Initiative des deutschen Kaufmanns Robert Samuel, der testamentarisch festlegte, dass die Stiftung nach seinem Tod und dem seiner Frau Hedwig errichtet wird. … Ein Altersheim und zwei Waisenhäuser, die Anfang der 1990er Jahre in San Isidro del General gebaut wurden, waren ihre ersten Beiträge auf dem Boden Costa Ricas.“)
- Piotr Rapalski: Kraków. Nowoczesna rzeźba Ateny stanie pod Uniwersytetem Pedagogicznym. In: dziennikpolski24.pl. 13. Oktober 2021, abgerufen am 28. Dezember 2022 (polnisch).
- Deutschland. Ein Wintermärchen — nach Heinrich Heine — Ein transkultureller Roadtrip durch die neue Heimat, Premiere am 5. November 2018, dhaus.de.
- Künftig im Central am Düsseldorfer Hbf? Kritik an Umzugsplänen für das Junge Schauspielhaus, rp-online.de, 11. Dezember 2018.