Hipra
Hipra ist ein 1971 gegründetes biotechnologisch-pharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Krankheitsprävention von Mensch und Tier konzentriert und eine breite Palette hochinnovativer Impfstoffe sowie einen fortschrittlichen Diagnoseservice anbietet. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Amer, Katalonien, ist der weltweit fünftgrößte Hersteller von Tierimpfstoffen und war in den 2010er-Jahren führend in der Branche der Humanimpfstoffproduktion.[1]
| Laboratorios Hipra S.A. | |
|---|---|
| Rechtsform | Sociedad Anónima |
| Gründung | 1971 |
| Sitz | Amer, Katalonien |
| Leitung | David Nogareda Estivill, Maria del Mar Nogareda Estivill, Carlos Montañés Estupiñá |
| Mitarbeiterzahl | > 20.000 |
| Branche | Pharmaindustrie |
| Website | www.hipra.com |
Mit den eigenen Tochtergesellschaften, drei Forschungs- und Entwicklungszentren und sechs strategisch gelegenen Produktionsstätten in Spanien und Brasilien verfügt Hipra über eine starke internationale Präsenz in mehr als 40 Ländern. Darüber hinaus hält das umfangreiche internationale Vertriebsnetz Marketingkanäle in mehr als 100 Ländern offen und deckt damit alle fünf Kontinente ab.[1] Seit 2020 entwickelt das Unternehmen einen Impfstoff gegen COVID-19.[2]
Hipra wird von den Direktoren David Nogareda Estivill, Maria del Mar Nogareda Estivill und Carlos Montañés Estupiñá geleitet.[3]
Unternehmensgeschichte
Die Anfänge des Unternehmens gehen auf das Jahr 1971 zurück, als eine Gruppe junger Unternehmer ein kleines, 1954 gegründetes Labor in Madrid übernahm, das den Namen Hipra (nach den Namen seiner ehemaligen Gründer: Hidalgo und Prada) trug, und dieses nach Amer in Katalonien umzog.[4] Im Jahr 1991 war das Unternehmen mit bereits 100 Mitarbeitern und einem Umsatz von 10 Millionen Euro an einem entscheidenden Punkt seiner Geschichte. Ein neues Managementteam definierte die Expansionspolitik des Unternehmens neu. Damit begann ab dem Jahr 2000 eine wichtige Phase der technischen und kommerziellen Expansion.[5]
Hipra begann im Jahr 2000 mit der Internationalisierung und gründete eigene Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt.[6] Derzeit verfügt das Unternehmen über Handelsniederlassungen in 40 Ländern, drei Forschungszentren und sechs Produktionsstätten an strategischen Standorten in Europa und Südamerika. Sein umfangreiches Vertriebsnetz erstreckt sich über alle fünf Kontinente.
Im Jahr 2009 wurde die strategische Positionierung mit dem klaren Ziel definiert, mit differenzierten und innovativen Produkten die weltweite Referenz in der Krankheitsprävention zu sein. Daher hat das Unternehmen seine Investitionen in pharmakologische Produkte eingestellt.[6]
Hipra stellte sich 2020 im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie einer neuen Herausforderung und nutzte dabei seine umfassende Erfahrung mit Hightech-Impfstoffen. Das Unternehmen begann damit, einen Impfstoff gegen das neue Virus zu entwickeln. Im Jahr 2021 wurde der erste Hipra-Impfstoff gegen SARS-CoV-2 fertiggestellt.[7] Damit wurde 2021 der neue Geschäftsbereich Human Health gegründet, um neue innovative Produkte zu entwickeln.[8] Im selben Jahr wurde GoodGut, ein Biotech-Start-up-Unternehmen für Erforschung und Entwicklung von Diagnosetests für Verdauungskrankheiten, übernommen.[9]
Tiergesundheit
Hipra hat mehr als 100 Impfstoffe für verschiedene Tierarten, sowohl für Nutz- als auch für Haustiere, gegen eine Vielzahl biologischer Gefahren entwickelt. Neben der Fabrik in Amer hat Hipra noch eine weitere in Brasilien gegründet, im Ballungsraum Porto Alegre. Das Unternehmen verfügt auch über ein universitäres Forschungszentrum in den Vereinigten Staaten von Amerika.[6] Zu den entwickelten Tiergesundheitsprodukten des Unternehmens gehören Impfstoffe, Impfgeräte, umfassende Dienste zur Rückverfolgbarkeit von Epidemien und Diagnosekits der neuesten Generation.[10]
Menschliche Gesundheit
Projekt COVID-19-Impfstoff
Im Zuge der COVID-19-Pandemie beschloss Hipra, ihren angestammten Markt, die Veterinärmedizin, zu verlassen und den ersten Impfstoff Spaniens gegen COVID-19 zu entwickeln. Dabei handelt es sich um PHH-1V, einen rekombinanten proteinadjuvanten Impfstoff, der auf einem Fusionsheterodimer mit rezeptorbindender Domäne (RBD) basiert und die Alpha- und Beta-Varianten von SARS-CoV-2 enthält. Ende März 2022 startete die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) eine beschleunigte Prüfung für den Impfstoff PHH-1V.[11][12][13]
Der Hipra-Impfstoff wird bei einer Temperatur zwischen 2 und 8 °C gelagert, was Verpackung und Vertrieb gegenüber anderen Impfstoffen erleichtert. Die verwendete Technologie ist sehr vielseitig und kann bei Bedarf an neue Varianten des Virus angepasst werden. Die heute erzielten Ergebnisse zeigen, dass der Impfstoff neutralisierende Antikoagulanzien gegen aktuelle Varianten und Mutationen produziert und auch bei der Krankheitsprävention wirksam ist.[13]
Kollaboration mit Hipra zu Beginn der Pandemie
Zu Beginn der COVID-19-Pandemie wandte sich Hipra an das Katalanische Gesundheitsinstitut, um seine uneigennützige Hilfe im Rahmen der Gesundheitskrise anzubieten. Von da an stellte das Unternehmen den Gesundheitsbehörden neue Einrichtungen zur Verfügung, die kürzlich an seinem Hauptsitz gebaut wurden und die es im Rahmen seines Expansionsplans in der ersten Jahreshälfte 2008 einweihen wollte (ca. 700 m² Labors, die mit der neuesten Technologie für die PCR-Diagnose ausgestattet sind).[14]
In diesen neuen Einrichtungen bildeten die Techniker von Hipra zusammen mit Fachleuten des Katalanischen Gesundheitsinstituts (ICS), des Biomedizinischen Forschungsinstituts von Girona (IDIBGI) und Mitarbeitern der Universität Girona (UdG) ein multidisziplinäres Team, das in Rekordzeit täglich fast 1000 Proben aus sieben Krankenhäusern der Region Girona und aus Wohngebieten in der Umgebung analysierte.[14]
Insgesamt konnten durch die Zusammenarbeit zwischen Hipra und den Gesundheitsbehörden mehr als 30.000 PCR-Tests in Rekordzeit ausgewertet werden. Das Ziel dieses Projekts war es, die Kräfte zu bündeln, um der hohen Nachfrage nach PCR-Tests gerecht zu werden, die in den ersten Monaten der Pandemie zu bewältigen war.[15]
Creu de Sant Jordi
Im Juni 2022 verlieh die Generalitat de Catalunya dem Unternehmen Hipra den Creu de Sant Jordi für „seine Beteiligung an der Suche nach einem neuen Impfstoff gegen die durch das SARS-CoV-2 verursachte Erkrankung“ und für ihr „Engagement für die öffentliche Gesundheit des Landes“.[16]
Weltgesundheit
Mit seinem Slogan „Building immunity for a healthier world“ bekräftigt das Unternehmen Hipra sein Ziel, zu Lösungen zur Verbesserung der Weltgesundheit von Mensch und Tier bei gleichzeitiger Umweltschonung beizutragen.[17] Das Unternehmen vereint Kompetenzen zur Prävention von Zoonosen wie COVID-19 im Bereich der Tier- und menschlichen Gesundheit. Außerdem behauptet das Unternehmen, dass Prävention die beste Alternative zum Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren sei und somit zur Verbesserung der Qualität von tierischem Eiweiß und zur Verringerung von Antibiotikaresistenzen beitrüge.[18]
Kontroversen
Anfang der 1990er-Jahre verwarnte die Nationale Kommission für den Wettbewerb Spaniens unter anderem Hipra, Zoetis, Bayer und Zeltia wegen Preisabsprachen vor der Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen und Angeboten zwischen 1987 und 1989.[19]
Weblinks
- Offizielle Webpräsenz (deutsch)
Einzelnachweise
- HIPRA. Parc Científic de Barcelona, abgerufen am 25. Januar 2023.
- Vacuna Covid Hipra: sus ventajas y cómo se utilizará. Ondacero, 3. August 2022, abgerufen am 25. Januar 2024.
- Hipra: Headquarter. Abgerufen am 25. Januar 2023.
- Über HIPRA. HIPRA, abgerufen am 25. Januar 2023.
- Jaume Roca i Torras: Historia de los medicamentos veterinarios en Catalunya y de sus laboratorios famacéutico-veterinarios. Barcelona 1993, S. 24 f.
- Josep Corbella: La vacuna de Hipra crea más anticuerpos que la de Pfizer como dosis de refuerzo. La Vanguardia, 15. März 2022, abgerufen am 25. Januar 2023.
- Hipra, de la salud animal a una vacuna competitiva y con pocas reacciones. Cope, 1. Februar 2022, abgerufen am 25. Januar 2023.
- HIPRA da un paso firme hacia la salud humana con la vacuna frente a la Covid-19. RumiNews, 14. Dezember 2020, abgerufen am 25. Januar 2023.
- Imma Bosch: Hipra compra l'empresa Goodgut. El Punt Avui, 19. August 2021, abgerufen am 25. Januar 2023.
- Hipra takes one step forward in Smart Vaccination. Pig Progress, 24. Juni 2016, abgerufen am 25. Januar 2023.
- Jan-Claudius Hanika: EU-Arzneimittelbehörde prüft Corona-Impfstoff von Hipra. BR 24, 30. März 2022, abgerufen am 17. April 2022.
- EMA starts rolling review of COVID-19 Vaccine HIPRA (PHH-1V). European Medicines Agency, 29. März 2022, abgerufen am 17. April 2022.
- Avanza el ensayo clínico de la vacuna de HIPRA contra el COVID-19, con la administración de las primeras dosis en humanos. Clínic Barcelona, 27. August 2021, abgerufen am 25. Januar 2023.
- El trasllat a HIPRA de part del procés de les proves diagnòstiques del coronavirus permet augmentar el nombre de mostres analitzades per dia i reduir el temps de resposta. Trueta, 8. April 2020, abgerufen am 25. Januar 2023.
- La Regió Sanitària de Girona ja ha analitzat més de 30.000 mostres de PCR, un 16% de les quals són positives. Trueta, 19. Juni 2020, abgerufen am 25. Januar 2023.
- Creu de Sant Jordi a 20 persones i 10 entitats. gencat, 28. Juni 2022, abgerufen am 25. Januar 2023.
- El Col·legi Oficial de Veterinaris de Barcelona premia las iniciatives més destacades en veterinària de 2021. COVB, 22. März 2022, abgerufen am 25. Januar 2023.
- Carles Fàbrega, director de Salud Humana de HIPRA: "Era necesaria una vacuna con una tecnología diferente". Infosalus, 1. Februar 2022, abgerufen am 25. Januar 2023.
- STS, 18 de Noviembre de 1996. vLex, 18. November 1996, abgerufen am 25. Januar 2023.