Spar

Spar (Eigenschreibweise: SPAR) ist der weltweit größte freiwillige Zusammenschluss von Händlern zu einer Handelskette, die unter gleichem Namen und mit einheitlichem Logo auftreten, rechtlich jedoch eigenständige Gesellschaften sind (Franchise).

SPAR International
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1932
Sitz Amsterdam, Noord-Holland,
Niederlande Niederlande
Leitung Tobias Wasmuht
Mitarbeiterzahl 370.000
Umsatz 37,1 Mrd. Euro (2019)
Branche Einzelhandel
Website www.spar-international.com
Stand: Dezember 2019

Der Name ist ein Akronym vom niederländischen MottoDoor Eendrachtig Samenwerken Profiteren Allen Regelmatig“ (dt.: „Durch einträchtiges Zusammenarbeiten profitieren alle regelmäßig“) auf De Spar („Die Tanne“). Folgerichtig wurde die konzerneigene Marke für Fleisch- und Wurstwaren im deutschsprachigen Raum Tann benannt.

Von Anfang an in den Niederlanden erfolgreich, verbreitete sich das Modell ab Ende der 1940er-/zu Beginn der 1950er-Jahren schnell in Europa. Später wurden auch in Afrika, in Fernost und Australien Spar-Organisationen gegründet. 2019 gehörten der Gruppe über 13.320 Filialen an, die nach eigenen Angaben täglich 14 Millionen Kunden bedienen.[1]

Geschichte

Weltkarte mit aktiven Spar-Gesellschaften (in rot) sowie ehemaligen Spar-Gesellschaften (in grau)

Spar wurde 1932 von Adriaan van Well in Zoetermeer in den Niederlanden gegründet. Selbständige Groß- und Einzelhändler schlossen sich damals zu einer freiwilligen Handelskette zusammen.

Das erklärte Ziel dieses Zusammenschlusses war die „Konzentration der Kräfte“, die dem Druck einer immer stärker werdenden Konkurrenz entgegengestellt werden sollte. Vom Zusammenwirken dieser Kräfte sollten alle Mitglieder profitieren; die wirtschaftliche Existenz sollte sichergestellt werden.

Als erstes Land neben den Niederlanden wurden 1947 in Belgien Spar-Gesellschaften gegründet, im selben Jahr wurde der Name von Despar auf Spar gekürzt.[2] 1952 folgte die Expansion nach Deutschland, nur zwei Jahre später Österreich und Dänemark. 1957 wurde der erste internationale Spar Kongress abgehalten. Ziel des Kongresses war die Stärkung des losen Verbundes und der Austausch zwischen den Landesorganisationen. Zu diesem Zweck wurde 1953 die Spar International mit Sitz in Amsterdam gegründet. 1959 war Spar bereits in neun Ländern vertreten.[3]

Aufgrund der Weiterentwicklung im Lebensmitteleinzelhandel suchte auch Spar nach neuen Vertriebslinien und erweiterte diese mit der Eröffnung des ersten Eurospar-Marktes im Jahr 1968 sowie ein Jahr später durch die Eröffnung des ersten Interspar-SB-Warenhauses.[2]

Deutschland

Einer der letzten seiner Art: Ein Spar-Markt in der Bremer Neustadt, seit Dezember 2018 flaggt der Markt als Edeka

Die ersten Spar-Märkte wurden 1952 in der Bundesrepublik eröffnet, die Spar Handels AG wurde 1985 als Dachgesellschaft gegründet. Ab 1995 befand sich die deutsche Spar zunehmend in einer Krise, die eine umfassende Sanierung nach sich zog, u. a. gehörte Spar Deutschland ab 1997 zum französischen Konzern ITM Entreprises.

2005 wurde die in eine GmbH umgewandelte Gesellschaft durch die Edeka übernommen. Im Anschluss wurden alle größeren Spar-Märkte auf Edeka umgeflaggt. Einige kleinere Spar-Märkte behielten ihren Namen oder operieren unter der Vertriebslinie nah & gut. Neueröffnungen gibt es nur noch unter dem Namen und Konzept von Spar Express. Bereits 1998 hatte man sich im Rahmen der Sanierung von der Vertriebslinie Interspar getrennt und 74 Märkte an Walmart verkauft und die bei der Spar verbliebenen Interspar-Standorte auf Eurospar umgeflaggt.

Österreich

Spar Österreich wurde nach Vorbild des niederländischen Spar-Systems 1954 in Österreich gegründet. 1970 erfolgte der Zusammenschluss aller damaligen zehn Großhandelsfirmen zur Spar Österreichische Warenhandels-AG. Im Jahre 1990 wurde die ASPIAG (Austria SPAR International AG) gegründet, die heute ihren Sitz in Widnau in der Schweiz hat.[4] Unter ihrer Beteiligung und fachlichen Führung entstanden in Italien, Slowenien, Ungarn, Tschechien und Kroatien eigene Spar-Landesorganisationen.[5] Spar Österreich ist nach wie vor eigenständig und die größte Spar-Gesellschaft der Welt. Im Lebensmitteleinzelhandel hält Spar in Österreich 2021 einen Marktanteil von 36,00 % und ist damit Marktführer vor der Rewe International AG.[6]

Schweiz

Die SPAR Holding AG ist ein 1989 gegründetes Schweizer Detailhandelsunternehmen mit Sitz im sankt-gallischen Gossau. Das Familienunternehmen erwarb die Spar-Lizenz für die gesamte Schweiz von Spar International. 2016 verkaufte die Familie 60 % (mit Option auf die weiteren 40 % des Kapitals) an den irischen Sparbetreiber BWG (mit SPAR Geschäften in Irland und in England), der wiederum im Jahr 2014 von der südafrikanischen SPAR Group erworben war.[7]

Dänemark

Ehemaliger Eurospar-Markt in Hadsund

Nur zwei Jahre nach dem ersten Spar-Markt in Deutschland, wurde 1954 die dänische Spar gegründet. Grundstein für die heutige Spar war im Jahr 2000 die Fusion von Spar mit den Ketten Super1 und Super Nærkøb, 2004 erfolgte die Übernahme von 1 af De Friske. Den Rückzug der deutschen Edeka-Gruppe aus Dänemark nutze Spar, indem man 2009 mehr als 100 Märkte der Edeka Danmark-Vertriebslinien Aktiv Super und Merko übernahm und auf die Spar-Vertriebslinien umflaggte. Ab 2010 wurden in Dänemark Eurospar-Märkte eröffnet.[8] Im April 2013 wurden gut 70 ebenfalls zur Dagrofa-Gruppe gehörenden SuperBest-Märkte auf Eurospar umgeflaggt.[9] Am 4. September 2014 wurde bekannt, dass alle Eurospar- und SuperBest-Märkte ab Frühjahr 2015 auf die Vertriebslinie Meny umgeflaggt werden.[10][11] Heute betreibt Spar Dänemark ausschließlich Märkte, die als Spar flaggen.

Finnland

Ehemalige Spar-Filiale im Hauptbahnhof Helsinkis, heute befindet sich dort eine Filiale der Supermarktkette Alepa

Ab 1962 war Spar auch in Finnland vertreten.[12] Am 1. April 1999 wurde bekannt, dass die finnische Spar bis April 2001 ihren Eigentümer wechselt. Käufer war die Axel Johnson-Gruppe.[13] Im Zuge der Gründung des schwedischen Lebensmittelkonzerns Axfood AB, einer Tochter der Axel Johnson-Gruppe, zu dem neben der schwedischen Spar auch die finnische Spar gehörte, fand eine Umstrukturierung in Finnland statt.[14] Die ehemaligen Vertriebslinien Super Spar, Spar Express und Rabatti wurden zum 1. März 2001 zugunsten von Spar und Eurospar aufgegeben. Zu Beginn des Jahres 2001 betrieb die finnische Spar 11 Eurospar- sowie 314 Spar-Märkte. Des Weiteren wurde im Großraum Helsinkis ein Onlineshop für Lebensmittel betrieben.[15] Am 7. September 2005 wurde bekannt, dass die finnische S-Gruppe die finnische Spar für 51,8 Millionen Euro übernimmt.[16] Voraussetzung war der Weiterverkauf von gut 30 Märken an Konkurrenten. Am 12. Januar 2006 war der Kauf vollzogen, es folgte ein Squeeze-Out von Minderheitsaktionären.[17] Ab Februar 2006 begannen Tarifverhandlungen für rund 1.000 Mitarbeiter, wobei ca. 100 Anstellungen auf den Hauptsitz abfielen und sich die restliche Anzahl von Angestellten in den Filialen auf gut 900 beziffern ließ.[18] Am 27. März 2006 wurde bekannt, dass 217 Mitarbeiter entlassen und 29 Spar-Märkte geschlossen werden.[19] 2007 erfolgte die Umflaggung auf die Vertriebslinien der S-Gruppe, der Eintrag für die finnische Spar-Gesellschaft erlosch mit Wirkung zum 31. März 2019.[20][21]

Norwegen

Das Großhandelsunternehmen Joh. Johannson AS erhielt 1984 die Nutzungsrechte für Spar in Norwegen, allerdings eröffneten erst ab 1993 die ersten Märkte unter dem Namen Spar. Die norwegische Spar wurde als SPAR Norge AS mit Hauptsitz in Oslo gegründet und besitzt sechs regionale Niederlassungen. 1996 folgte die Übernahme von 25 Märkte, hauptsächlich in Westnorwegen. Im Februar 1997 fusionierte das Unternehmen mit AKA Gruppen AS zur AKA SPAR NORGE AS. Die 28 Filialen der AKA Gruppen, die hauptsächlich in Ostnorwegen und Rogaland zu finden waren, wurden auf Eurospar umgeflaggt. 2000 erfolgte die Übernahme des Großhandelsunternehmens Joh. Johannson AS durch NorgesGruppen. In den Folgejahren fanden weitere Übernahmen statt, u. a. übernahm die norwegische Spar 2000 die Kette Prima.[22]

Schweden

Kundenstopper vor dem ehemaligen Spar-Markt in der Kungsgatan in Norrköping im Jahr 2004.

In Schweden war Spar ab 1990 vertreten.[12] Zu Beginn flaggten die Märkte dabei als Spar Inn Lågpris (dt.: Spar Inn Niedriger Preis) mit einem eigenen Konzept. Im Zuge der Übernahme durch die Axel Johnson-Gruppe wurde 1999 die schwedische Spar in den in Gründung befindlichen Lebensmittelkonzern Axfood AB eingebracht. Daraus resultierte 2001 die Anpassung des Konzepts an die bekannten Spar-Vertriebslinien Spar und Eurospar. Zu Beginn des Jahres 2001 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,4 Milliarden SEK und beschäftigte ca. 700 Mitarbeiter. Zu diesem Zeitpunkt bestanden dabei 17 Spar Inn-Märkte, wobei zum 15. April 2001 acht Standorte auf Spar und die restlichen neun Standorte auf Eurospar umgeflaggt wurden.[23] Märkte der Kette Vivo, die sich außerhalb Stockholms befanden wurden ab diesem Zeitpunkt ebenfalls umgeflaggt, deren Umflaggungsprozess konnte in etwa einem Jahr bis Mitte 2002 abgeschlossen werden.[24] Auch andere Ketten wurden auf Spar oder Eurospar umgeflaggt.[25][26] Dazu wurden im Juli 2001 individuelle Gespräche mit Kaufleuten innerhalb des Konzerns geführt, nachdem man am 18. Juli 2001 das Spar-Franchise-Konzept detailliert vorstellte. Zum gleichen Zeitpunkt wurde verkündet, dass zuerst in Dalsland und im nordwestlichen Teil von Götaland mit den Gesprächen und entsprechenden Umflaggungen begonnen werden soll.[27]

Ab dem 15. April 2002 führte Spar erstmals 40 Eigenmarkenartikel.[24] Im Juni 2002 war ein späterer Umsatz von etwa 6 Milliarden SEK geplant, bei einem Ladennetz von ca. 160 Standorten.[28] Im November 2002 wurden 126 Spar- und Eurospar-Märkte in ganz Schweden betrieben.[29] Am 22. April 2004 beschloss der Vorstand von Axfood AB, Spar zugunsten von Hemköp aufzugeben. Die Märkte wurden ab Oktober 2004 auf Hemköp umgeflaggt, bis Ende 2005 sollte die Umflaggung abgeschlossen werden.[30][31] Bereits im Sommer 2005 konnte der Prozess abgeschlossen werden.[32] Bis zum 1. Oktober 2004 wurde das Büro der schwedischen Spar in Göteborg geschlossen.[33]

Ab dem 4. Oktober 2001 war die schwedische Spar mit einer eigenen Webpräsenz unter spar.se erreichbar. Sie ergänzte das Portal spar.nu, das bereits seit 1997 bestand.[34] Über das Portal spar.nu wurde im Juni 1999 der Onlineshop Spar Direkt betrieben, über den die Bewohner am Mälaren und in Västerås aus ca. 4.000 Artikeln Lebensmittel bestellen konnten.[35][36] Zu Beginn bestand ein Logistiklager bei der Spar-Schwestergesellschaft Spar Snabbgross – das Großhandelsformat von Spar Inn in Schweden, das später innerhalb der Axfood-Gruppe neu organisiert wurde – in Västerås, Mindestbestellwert war zunächst 300 SEK, eine Liefergebühr von 49 SEK wurde erst später erhoben.[23][35][36] Weitere Lager waren in Örebro, Uppsala, Norrköping und Stockholm geplant.[36]

Kroatien

Über die Tochtergesellschaft der österreichischen Spar, ASPIAG, ist Spar seit 2005 auch in Kroatien vertreten. im selben Jahr eröffnete der erste Markt als Interspar in Zadar. Zwei Jahre später erfolgte die Eröffnung des Großhandelszentrums in Zagreb. 2009 übernahm Spar Hrvatska den Konkurrenten Ipercoop in Zagreb, Osijek sowie Split-Kaštela und flaggte das erste der vier SB-Warenhäuser auf Interspar um. im selben Jahr eröffneten das erste Interspar-Restaurant des Landes sowie der erste Spar-Markt Kroatiens, in Varaždin. 2010 erfolgte die Umflaggung der restlichen Ipercoop-Standorte sowie die Eröffnung des ersten Spar 200-Marktes in Zadar. Im Jahr 2014 folgte, nenebn der Eröffnung des ersten Spar City-Marktes in Zagreb, mit der Übernahme von Diona und die folgende Umflaggung auf Spar-Standorte eine weitere Expansion. 2017 folgte mit der Übernahme von 62 Billa-Standorten und dem Billa-Logistikzentrum in Sv. Helena die nächste Umflaggungswelle auf Spar.[37]

Slowenien

Die ASPIAG ist weiterhin auch in Slowenien vertreten. 1991 wurde dabei die slowenische Spar gegründet, ursprünglich ein Joint-Venture mit dem slowenischen Handelsunternehmen Mercator. im selben Jahr eröffneten der erste Spar- und Interspar-Markt, 1999 folgte die Einführung einer eigenen Handelsmarke, ein damaliges Novum in Slowenien. Im neuen Jahrtausend eröffnete der Citypark Ljubljana mit dem damals weltweit größten Interspar-Marktes (2002) sowie ein modernes Großhandelslager, ebenfalls in Ljubljana (2003). Im Jahr 2008 eröffnete eine neue Großbäckerei, ein Jahr darauf erfolgte die flächendeckende Einführung von SB-Kassen sowie die Eröffnung des ersten Spar 2000-Supermarktes in Slovenj Gradec. 2011 erfolgte die Einführung der SPAR plus genannten Kundenkarte, 2012 die Eröffnung des ersten City Spar-Marktes in Ljubljana. Ebenfalls in Ljubljana konnte im Jahr 2013 der 90. Spar Standorts in Brod eröffnet werden. Während zu Beginn die Märkte ausschließlich als Regiemärkte entwickelt sich ab 2015 das Franchisekonzept auch in Slowenien. So eröffnete erstmals ein selbstständiger Kaufmann einen SPAR Supermarkt in Ljubljana-Lavrica. Seit 2018 besteht zudem ein landesweiter Online-Shop.[38]

Tschechien

In Umflaggung auf Albert Supermarket befindlicher, ehemaliger Spar-Markt im Einkaufszentrum Fontana in Teplice, am 21. September 2014.

Als ehemalige Tochtergesellschaft gehörte auch das Unternehmen SPAR Česká obchodní společnost sro zur österreichischen ASPIAG. Bereits 1992 erhielt das Unternehmen SPAR Partner eine Lizenz zum Betreiben von Spar-Märkten in Tschechien, betrieb vorerst ab März 1992 aber nur einen Cash & Carry-Markt in Budweis. 1996 wurde das Unternehmen SPAR Partner in die ASPIAG eingegliedert und das Geschäftsmodell geändert. Im April 1997 eröffnete in Budweis der erste tschechische Interspar-Markt, gefolgt von einem Interspar in Brünn. Ab 2006 betrieb die tschechische Spar auch Märkte in der Vertriebslinie Spar, wobei der erste Markt in Třebíč eröffnet wurde, der zweite folgte in Česká Lípa.[38][39] Der Bruttoumsatz belief sich 2010 auf 498 Millionen Euro.[40] Im August 2014 betrieb das Unternehmen 35 Interspar- und 13 Spar-Märkte.[41] Am 11. März 2014 wurde bekannt, dass die Märkte an den Konkurrenten Albert für gut 5,2 Milliarden CZK verkauft wurden. Im August 2014 erfolgte die strategische Eingliederung in das Unternehmen, im Herbst des gleichen Jahres begann die Umflaggung der damals 14 Spar-Märkte auf Albert Supermarket. Danach folgte die Umflaggung von Interspar auf Albert Hypermarket.[42] Mit der Umstellung des Interspar-Marktes in Ostrava-Poruba konnte die Umflaggung aller Spar- und Interspar-Märkte im März 2015 abgeschlossen werden.[43][44]

Ungarn

LKW der ungarischen Spar vor einem Logistikzentrum

Mit der Teilübernahme des Unternehmens General fasste Spar über die ASPIAG 1990 auch in Ungarn Fuß. Ein Jahr später konnte der erste Spar-Markt eröffnet werden, 1994 folgte die Eröffnung eines Distributionszentrums in Bicske, 1995 der erste Interspar-Markt in Győr. Nach der Übernahme einzelner lokalen Unternehmen, die vor allem Budapest und die Region um Szeged und Pécs erschlossen, konnten 2002 14 Billa-Märkte von der Rewe Group übernommen werden. Nur ein Jahr später erwarb man von der Tengelmann-Gruppe 22 Kaiser’s-Märkte, die vor allem in Budapest und Umgebung vertreten waren. Während die Billa-Märkte nach der Übernahme zügig auf Spar-Vertriebslinien umgeflaggt wurden, bestand Kaiser’s vorerst als weitere Vertriebslinien fort. 2004 konnte das Distributionszentrum in Bicske um ein Fleischwerk mit rund 120 Mitarbeitern erweitert werden. Um die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter zu fördern, wurde 2006 die Spar-Akademie gegründet. im selben Jahr eröffnete der ersten City Spar-Markt in Budapest. 2008 zog sich Tengelmann komplett aus Ungarn zurück, auch die 177 Märkte der Discounttochter Plus wurden dabei an die ungarische Spar veräußert. Auch in die Logistik wurde weiter investiert. So konnte 2008 in Üllő ein zweites Logistikzentrum mit einer Nutzfläche von 47.000 m² eröffnet werden, am Standort werden 600 Menschen beschäftigt. 2009 wurde die SuperShop Kundenkarte eingeführt, im selben Jahr begann die Umflaggung der Plus-Märkte auf Spar, die 2010 abgeschlossen werden konnte. Nach Abschluss der Umflaggung wurde auch die Vertriebslinie Kaiser’s zugunsten Spar aufgegeben, die Umflaggung erfolgte 2011. Ebenfalls konnte 2011 der erste Spar 2000-Markt in Szeged eröffnet werden. Mit der Eröffnung zweier Spar-Märkte in Mór erfolgte 2012 der Beginn des Franchisekonzepts in Ungarn, 2013 folgte der erste Markt in Budapest sowie die Eröffnung des ersten Spar express-Shops an einer Tankstellen, der ebenfalls von einem eigenständigen Kaufmann betrieben wird. Seit 2019 besteht zudem ein landesweiter Online-Shop. 2020 konnte das Regnum-Fleischwerk in Perbál durch den Zimbo-Betrieb erweitert werden.[45]

Japan

Auch in Japan war Spar einst vertreten. Ab 1976 bestand die japanische Spar, wobei es sich um verschiedene lokale Lizenznehmer handelte. Im Januar 1977 wurde regionale Büros in Aichi, Kumamoto, Hiroshima, Nagano, Osaka und Toyama eröffnet. Im Jahr 1983 verlegte die japanische Spar ihren Hauptsitz nach Tokio, den Meilenstein von 1.000 Standorten erreichte man im Dezember 1984, im März 1985 eröffnete der erste auf Convenience-Produkte ausgelegte Hot Spar-Markt.[46][47] Im Februar 1990, konnten bereits 1.500 Standorte, im Juni 1994 2.000 Standorte gezählt werden. Um alle regionalen Gesellschaften zu verknüpfen startete im März 1999 das Intranet SPAR-NET.[46] In Japan betrieb die Spar Märkte in den Vertriebslinien Spar und Hot Spar, die als Convenience-Konzept etabliert wurde, wobei Ende Juli 1999 376 Filialen auf Spar und 1.531 Filialen auf Hot Spar abfielen.[48][49] Inzwischen sind alle japanische Spar- und Hot Spar-Filialen auf andere Vertriebslinien umgeflaggt worden.

Südafrika

Mit dem Start in Südafrika etablierte sich Spar ab 1963 auf dem ersten Kontinent außer Europa. Zu Beginn wurden 500 kleine Einzelhändler durch Spar beliefert. Im Laufe der Jahre konnten eigene Standorte und verschiedene Vertriebslinien im Land etabliert werden. Es folgte die Expansion über die Landesgrenzen hinweg. So wurden 2014 80 % an der Muttergesellschaft der irischen Spar erworben, nur ein Jahr später erwarb man 60 % an der schweizerischen Spar, die seit 2021 beide komplett zur Spar Group gehören. Ferner betreibt das Unternehmen Märkte in Eswatini, Botswana, Lesotho, Mozambique, Zimbabwe und Namibia, auch die polnische Spar gehört seit 2020 zur südafrikanischen Spar.[3][7]

Vertriebslinien

Spar

Die Spar-Supermärkte bieten ein Lebensmittel-Vollsortiment auf einer Verkaufsfläche von 200 (in Österreich 400) bis 1000 m² an. Das Frischwarenangebot umfasst auch Frischfleisch. In Italien flaggen Spar-Märkte als Despar.[50]

Eurospar

Eurospar-Markt im nordirischen Belfast

Das Angebot in den Eurospar-Märkten umfasst neben dem Sortiment der Spar-Supermärkte ein erweitertes Lebensmittel- und Nichtlebensmittel-Angebot auf einer Verkaufsfläche von 1000 bis 2500 m². In Südafrika flaggen die Märkte dieser Größe als Superspar.[51]

Interspar

Interspar-Markt am Wiener Hauptbahnhof

Interspar ist der größte Markttyp von Spar. In den als SB-Warenhaus geführten Märkten wird ein Vollsortiment mit ca. 40.000 Artikeln für alle Bereiche des täglichen Lebens auf einer Verkaufsfläche ab 2500 m² angeboten. Nach Angaben von SPAR International gab es in Österreich, Italien, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, China und Indien 2015 insgesamt 327 Interspar-Märkte.'[52]

Die Interspar-Märkte in Österreich werden von der Interspar GmbH betrieben, die eine 100%ige Tochtergesellschaft von Spar Österreich ist. Einige Interspar-Märkte befinden sich dort in Einkaufszentren, die ebenfalls der Spar-Österreich-Gruppe gehören. Die Immobilienverwaltungsgesellschaft SPAR European Shopping Centers ist hier der führende Entwickler und Betreiber von Shopping Centern in Österreich. Die Interspar-Zentrale für Österreich befindet sich in Salzburg-Taxham, neben dem Einkaufszentrum Europark, das ebenfalls von SPAR European Shopping Centers betrieben wird. Der größte Interspar-Markt Österreichs befindet sich in Wien-Meidling und besitzt eine Fläche von knapp 8000 m². Den österreichischen Interspar-Märkten ist zumeist ein Interspar-Restaurant angegliedert.

Seit 2002 gehört Maximarkt zu Interspar, die Märkte flaggen jedoch weiterhin als Maximarkt. Am Standort Bahnhof Wien Mitte (Landstraße) betreibt die österreichische Spar neben dem Interspar-Hauptmarkt zudem ein Convenience-Store-Konzept namens Interspar Pronto.[53]

In Deutschland wurden alle Interspar-Märkte 1998 von der US-Kette Wal-Mart übernommen. Nachdem Wal-Mart Ende 2006 aufgrund seines Rückzugs aus Deutschland seine Märkte an Real weiterveräußerte, wurden die meisten ehemaligen Interspar-Märkte, bis zur Zerschlagung Reals, als Real-Warenhäuser geführt.

Spar Express

Spar Express-Kiosk im Frankfurter Hauptbahnhof

Spar Express ist ein Ladenformat, das auf einer kleinen Verkaufsfläche (unter 200 m²) insbesondere auf die Bedürfnisse von Reisenden ausgerichtet ist, zumeist an Flughäfen, Bahnhöfen und in Stadtzentren zu finden ist und damit einem Convenience Shop entspricht. Ende 2015 existierten weltweit 1128 Spar-Express-Filialen.[52] Typisch für diesen Markttyp sind die im Vergleich zu den übrigen Markttypen zumeist erweiterten Öffnungszeiten.

In Deutschland, wo Spar Express von Edeka betrieben wird, führen zudem einige Jet-, Esso- und Shell-Tankstellen ihr Shop-Angebot unter dem Namen Spar Express. Damit ist Spar Express das derzeit einzige Spar-Format auf dem deutschen Markt seit der Übernahme durch Edeka 2005, in deren Folge der Name Spar auf dem deutschen Markt weitestgehend verschwand.

In Österreich wird Spar Express in Form von Tankstellenshops oder Bahnhofshops betrieben. Geworben wird dabei mit Supermarktpreisen, diese beziehen sich jedoch lediglich auf Spar-Eigen- und Exklusivmarken, Obst und Gemüse sowie Brot und Gebäck in Bedienung. Die Preise für alle übrigen Produkte sind in der Regel höher als in herkömmlichen Spar-Supermärkten.

In Südafrika flaggen solche Märkte unter dem Namen Kwikspar.[51]

Spar Gourmet

Spar Gourmet in Wien

Diesen Markttyp gibt es nur in Österreich. Mitte 2000 übernahm Spar Österreich 76 Standorte der Firma Julius Meinl. Diese neuen Standorte wurden in das Spar-Filialsystem integriert. Dabei wurde ein neuer Geschäftstyp – der Spar Gourmet – ins Leben gerufen. Dieser ist auf exklusive Lebensmittel spezialisiert, während Non-Food-Artikel nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Ehemalige Vertriebslinien

Durch die Eigenständigkeit der einzelnen nationalen Gesellschaften bestehen bzw. bestanden auch Vertriebslinien, die nur in ausgewählten Ländern vertreten waren. In Dänemark unterschied man auch bei Märkten, die unter der Vertriebslinien Spar flaggten ein weiteres Mal nach der Größe des Marktes bzw. des angebotenen Sortiments. Kleinere Märkte flaggten dabei unter der Vertriebslinie Kwik Spar (Umflaggung auf Min Købmand), mittlere Märkte unter Spar, größere Märkte unter Super Spar (Umflaggung auf Min Købmand bzw. Eurospar). Heute flaggen alle Märkte unter Spar, auch die Vertriebslinie Eurospar wurde in Dänemark zugunsten der Schwestermarke Meny aufgegeben.[54][55] In Deutschland betrieb die deutsche Spar ab 1976 unter dem Namen Bauspar bis zur Abgabe an Praktiker 1996 32 Baumärkte.[56][57]

Entwicklung des Spar-Logos

Entsprechend der niederländischen Bedeutung von De Spar (dt. „Die Tanne“) nutzt die Firma eine grüne Tanne im Kreis. Im Laufe der Jahre wurde das Logo immer weiter stilisiert.

Die endgültige Form des heutigen Logos wurde von dem Designer Raymond Loewy 1968 entworfen. Es soll durch Klarheit im Ausdruck und eine zeitlose Form hervorstechen.

Das Markenbild ist aus drei Basiselementen zusammengesetzt:

  • ein rotes Band (mit dem Wortbild SPAR)
  • gefolgt durch einen grünen Akzent (das Spar-Emblem im grünen Kreis)
  • auf weißem Untergrund

Als Basisfarben wurden Rot, Grün und Weiß gewählt, da diese Farben gemäß der Auffassung des Konzerns den Eindruck von Sauberkeit und Frische vermitteln.

Strukturdaten 2019

Land Umsatz
(Tsd. €)
Standorte Fläche
(m²)
durchschnittliche
m²/Standort
Eintrittsjahr
Österreich 7.189.076 1.498 1.187.332 793 1954
Südafrika 5.087.123 884 1.031.545 1.167 1963
Italien 3.615.582 1.240 757.774 611 1959
Vereinigtes Königreich 3.335.261 2.520 398.192 158 1956
Russland 2.143.662 550 405.305 737 2000
Ungarn 2.086.632 372 425.746 744 1992
Spanien 1.604.689 1.226 506.379 413 1959
China 1.532.420 384 811.875 2.114 2004
Norwegen 1.529.846 293 191.352 653 1984
Irland 1.327.792 457 118.884 260 1963
Belgien 1.064.159 320 159.148 497 1947
Frankreich 1.036.836 871 252.549 290 1955
Slowenien 848.245 123 164.005 1.333 1992
Kroatien 722.380 115 164.189 1.428 2004
Niederlande 670.963 456 103.119 226 1932
Dänemark 526.619 134 81.821 611 1954
Schweiz 492.334 186 70.137 377 1989
Deutschland 289.612 441 33.174 75 1953
Botswana 207.840 34 35.394 1.041 2004
Australien 190.897 126 44.038 350 1994
Indien 188.846 25 102.406 4.096 2014
Polen 165.832 153 41.070 268 1995
Namibia 153.714 30 31.782 1.059 2004
VAE 149.275 19 31.985 1.683 2011
Nigeria 128.867 14 44.961 3.212 2009
Portugal 109.939 142 36.090 254 2006
Georgien 82.088 189 27.155 144 2014
Simbabwe 79.763 38 28.430 748 1969
Mosambik 78.118 12 20.604 1.717 2012
Griechenland 64.900 30 15.990 533 2018
Albanien 58.342 60 31.110 519 2016
Saudi-Arabien 28.269 60 31.110 519 2016
Aserbaidschan 30.798 13 7.525 579 2014
Oman 30.643 23 11.081 482 2014
Sambia 28.269 10 17.315 1.732 2003
Ukraine 25.889 37 8.781 237 2001
Katar 25.592 3 5.796 1.932 2015
Belarus 20.878 9 6.328 703 2016
Kamerun 16.736 6 4.570 762 2014
Thailand 13.827 46 6.406 139 2016
Malawi 10.998 7 8.318 1.188 2014
Sri Lanka 10.402 3 2.150 717 2017
Pakistan 7.154 3 2.716 905 2017
Zypern 7.062 3 2.500 833 2017
Malta 6.937 3 3.080 1.027 2016
Seychellen 6.533 1 992 992 2015
Kosovo 2.827 4 2.593 648 2019
Total 37.059.476 13.320 7.457.857 560 (Durchschnitt)

Quelle: Geschäftsbericht 2019[1]

Literatur

  • Nadja v. Samson-Himmelstjerna: SPAR Eine deutsche Wirtschaftsgeschichte. SPAR Handelsgesellschaft mbh, 2008
Commons: SPAR – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Spar International Geschäftsbericht 2019. Abgerufen am 17. Februar 2021.
  2. Про SPAR | Мережа супермаркетів SPAR Україна. In: spar.ua. SPAR Україна, abgerufen am 8. November 2022 (ukrainisch).
  3. History. In: thespargroup.com. Abgerufen am 7. November 2022 (amerikanisches Englisch).
  4. Aspiag Geschichte. Abgerufen am 29. April 2021.
  5. Spar Geschichte. Abgerufen am 29. April 2021.
  6. SPAR bleibt Marktführer. In: salzburg.orf.at. 25. März 2022, abgerufen am 3. Juni 2022.
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