Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD, eigene Schreibweise: kfd) ist mit rund 350.000 Mitgliedern (Stand 2019) in 3.600 kfd-Gemeinschaften der größte katholische Frauenverband und einer der größten Frauenverbände Deutschlands.[1] Er geht zurück auf die ab 1856 gegründeten Bruderschaften christlicher Mütter. Die kfd ist Interessenvertretung für Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft, bietet aber auch eine Gemeinschaft für Frauen. Die kfd-Pfarrgemeinschaften sind Begegnungsstätte für ihre Mitglieder und bieten kulturelle und soziale Dienste. Auch haben sie in vielen Kirchengemeinden eine wesentliche Bedeutung für das Gemeindeleben.

kfd-Logo

Ziele und Selbstverständnis

Die kfd setzt sich „für die Interessen von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft ein“.[2] Nach ihrer Satzung versteht sie sich als eine Gemeinschaft von Frauen, die sich helfen und ermutigen, „in der Nachfolge Jesu Christi“ zu leben, am Leben der Kirche teilzunehmen und in der Gesellschaft in christlicher Verantwortung mitzuwirken.[3]

Aufbau

Der kfd-Bundesverband setzt sich aus 20 Diözesanverbänden (Aachen, Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt, Essen, Freiburg, Fulda, Görlitz, Hamburg, Hildesheim, Köln, Limburg, Magdeburg, Mainz, München-Freising, Münster, Osnabrück, Paderborn, Speyer und Trier)[4] und dem Landesverband Oldenburg zusammen. Der Bundesverband wird durch einen elfköpfigen Bundesvorstand vertreten, der „die politische und wirtschaftliche Gesamtverantwortung“[5] trägt und dessen Amtszeit vier Jahre beträgt. Aktuelle Bundesvorsitzende ist die im September 2021 gewählte Mechthild Heil.[6] Die „mittlere Ebene“ wird durch Dekanate, Pfarrverbände, Bezirke und Regionen gebildet.[5]

Die Mitglieder sind Personen, die „die Ziele und Aufgaben der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands bejahen und aktiv unterstützen“. Auch Männer können Mitglied der Frauengemeinschaft werden. Die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche ist nicht notwendig: Der Bundesverband geht davon aus, „dass ungetaufte (z.B. muslimische), getaufte, aber keiner Konfession/Kirche angehörende oder einer anderen christlichen Konfession (z.B. orthodox oder evangelisch) angehörende Frauen Mitglied der kfd werden/sind.“[7]

Der 11-köpfige Bundesvorstand wird durch eine Vorsitzende und zwei Stellvertreterinnen gebildet:[8]

  • Bundesvorsitzende: Mechthild Heil
  • Stellvertretende Bundesvorsitzende: Monika von Palubicki
  • Stellvertretende Bundesvorsitzende: Agnes Wuckelt

Geschichte

Der kfd-Bundesverband wurde 1928 unter dem Namen Zentralverband der katholischen Müttervereine gegründet. 1939 lösten die Nationalsozialisten den Verband auf, Haus und Vermögen wurden beschlagnahmt. Elemente der Verbandsarbeit konnten unter dem Dach der bischöflichen Ordinariate als kirchliche Frauenarbeit aufrechterhalten werden. 1951 erfolgte die Wiedergründung des Verbandes unter dem Namen Zentralverband der katholischen Frauen- und Müttergemeinschaften. Die erste Präsidentin des Verbandes war Marianne Dirks. 1954 wurde die Verbandszentrale in Düsseldorf wieder eingeweiht. 1968 verabschiedete der Verband eine neue Satzung und mit ihr den Namen Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd).[9] 1981 wurde Irene Schmale-Ott Präsidentin der kfd. Seit 2017 ist die CDU-Politikerin Mechthild Heil MdB Bundesvorsitzende.[10] Am deutschen Synodalen Weg (seit 2019) ist die kfd beteiligt.[11]

Eine 2024 in Kraft tretende Beitragserhöhung wurde vorab in der kfd-Verbandszeitschrift Junia bekanntgegeben. In der Reaktion darauf denken mehrere Ortsverbände über ihre Auflösung oder einen Austritt aus dem Verband nach.[12][13][14]

Verbandszeitschrift

Junia ist die Mitgliederzeitschrift der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands. Unter ihrem ursprünglichen Namen „Frau und Mutter“ feierte die Zeitschrift 2017 ihr 100. Erscheinungsjubiläum.[15] „Frau und Mutter“ erschien monatlich und war mit einer Druckauflage von 450.000 Exemplaren (2017)[16] die auflagenstärkste katholische Frauenzeitschrift im deutschsprachigen Raum.[17] 2020 erfolgte nach längerer verbandsinterner Diskussion eine Änderung in Junia, benannt nach der Apostelin Junia[18] und die Halbierung des Erscheinungsrhythmus auf 6 Exemplare im Jahr.[19] Chefredakteurin ist Friederike Frücht.[20]

Positionen (Auswahl)

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands forderte im Juni 2019 die Ermöglichung der Frauenordination in der römisch-katholischen Kirche.[21] Bereits in den im Jahr 1999 verabschiedeten Programm „Leitlinien ’99“[22] hatte der Verband die Forderung nach Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche aufgestellt, musste diese aber aufgrund von Konflikten mit der Deutschen Bischofskonferenz herausnehmen.[23]

Im September 2020 verabschiedete der Verband einen Unvereinbarkeitsbeschluss für Parteimitglieder der Alternative für Deutschland.[24]

Erreichtes

Die kfd gibt Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft eine Stimme und setzt sich für ihre Interessen ein. Zu den kirchen- und gesellschaftspolitischen Meilensteinen der kfd gehören u. a.:

  • 2020 Über 131.000 Unterschriften für eine geschlechtergerechte Kirche
  • 2018 Aktion #MachtLichtAn zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche
  • 2017 Entgelttransparenzgesetz tritt in Kraft
  • 2017 Zulassung Geschieden-Wiederverheirateter zu den Sakramenten wird im Einzelfall möglich
  • 2016 „Nein heißt nein“ – Bundestag beschließt Änderung des Sexualstrafrechts
  • 2015 „Frauen.Macht.Kirche.“ – Wiederaufnahme der Diskussion um Dienste und Ämter von Frauen in der Kirche
  • 2015 Stärkung der Palliativ- und Hospizversorgung
  • 2015 Verbot der organisierten Beihilfe zum Suizid
  • 2014 Angleichung der Rentenanwartschaften für Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden
  • 2013 Notrufnummer für von Gewalt betroffene Frauen: www.hilfetelefon.de
  • 2011 kfd-Unterschriften-Aktion „Geschieden-Wiederverheiratete nicht von den Sakramenten ausschließen“
  • 2009 Bedenkzeit und Beratung wird bei Spätabtreibung verpflichtend
  • 2007 Mütterkuren werden Pflichtleistungen der Krankenkassen
  • 2006 Bibel in gerechter Sprache
  • 2004 Rentenmodell der katholischen Verbände: www.buendnis-sockelrente.de
  • 2001 Erstes Bundeserziehungsgeldgesetz
  • 2001 Erziehungsurlaub heißt Elternzeit
  • 2001 Offizielle Nachweise über Qualifikationen im Ehrenamt in NRW
  • 1997 Vergewaltigung in der Ehe wird strafbar
  • 1997 kfd-Aktion zum Nachweis über ehrenamtlich geleistete Arbeit
  • 1997 Gründung des Netzwerks Diakonat der Frau
  • 1995 Pflegeversicherung mit Rentenanwartschaften für pflegende Angehörige
  • 1994 Mädchen werden als Ministrantinnen zugelassen
  • 1994 Ökumenische Frauengottesdienste bei Katholiken- und Kirchentagen
  • 1993 TransFair-gesiegelte Ware in Supermärkten
  • 1992 Anerkennung von drei Jahren Erziehungszeit in der Rente
  • 1990 Leitfaden zur Gründung eines Frauenhauses
  • 1986 Erstmals Anerkennung von Erziehungsleistungen in der Rente
  • 1984 Frauenzentren bei Katholikentagen

Interessenvertretungen

Die kfd engagiert sich in folgenden Institutionen und Gremien auf nationaler und internationaler Ebene (Auswahl):[25]

Einzelnachweise

  1. Über uns – Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). Abgerufen am 9. Mai 2019.
  2. Wer wir sind - Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). Abgerufen am 10. Februar 2023.
  3. Yumpu.com: kfd-Satzung. Abgerufen am 10. Februar 2023.
  4. Diözesanverbände - Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). Abgerufen am 10. Februar 2023.
  5. Aufbau - Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). Abgerufen am 10. Februar 2023.
  6. katholisch.de: Katholische Frauen wählen neue Bundesvorsitzende
  7. Häufig gestellte Fragen - Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). Abgerufen am 9. Februar 2023.
  8. Der kfd-Bundesvorstand. Abgerufen am 9. Juli 2021.
  9. Geschichte der kfd – Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). Abgerufen am 15. Oktober 2019.
  10. kfd-Bundesversammlung begrüßt neuen Bundesvorstand und verabschiedet Mitglieder, darunter Maria Theresia Opladen. Abgerufen am 9. Februar 2023.
  11. Synodaler Weg - Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). Abgerufen am 10. Juli 2020.
  12. Katholische Frauenbünde hören reihenweise auf: Beitrags-Ärger bei kfd und KDFB. Abgerufen am 9. Februar 2023.
  13. Kirche und Leben, Münster Germany: KFD erhöht Beitrag drastisch – erster Ortsverband denkt an Austritt. Abgerufen am 9. Februar 2023 (deutsch).
  14. KFD erwägt Austritt, Auflösung und Neugründung. Abgerufen am 9. Februar 2023.
  15. Geschichte – Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). Abgerufen am 15. Oktober 2019.
  16. IVW: Frau und Mutter, verbreitete Auflage im 1. Quartal 2017: 450.002 Exemplare.
  17. Die kfd: Geschichte. Abgerufen am 21. März 2018.
  18. kfd benennt Mitgliederzeitschrift "Frau und Mutter" um. Abgerufen am 23. September 2020.
  19. "Frau und Mutter" hat jetzt einen Namen: Junia. Abgerufen am 9. Februar 2023.
  20. Neu in der kfd: Friederike Frücht ist Abteilungsleiterin Kommunikation und Chefredakteurin der Junia. Abgerufen am 9. Februar 2023.
  21. Katholisch.de: kfd fordert Priesterweihe für Frauen: Theologische Fragen geklärt, 21 Juni 2019
  22. kfd-Programm: Beschlüsse der Delegiertenversammlung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands: Leitlinien ’99: Herausforderung Gerechtigkeit. 1999, abgerufen am 15. Oktober 2019.
  23. gleich und berechtigt – Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). Abgerufen am 15. Oktober 2019.
  24. Katholisch.de: , September 2020
  25. Interessenvertretungen – Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). Abgerufen am 15. Oktober 2019.
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