Lahntalschule
Die Lahntalschule (LTS) ist ein Gymnasium in der mittelhessischen Stadt Biedenkopf. Sie ging aus dem Realgymnasium Biedenkopf hervor, welches 1846 gegründet wurde. Das ehemalige Schulgebäude in der Hainstraße beherbergt heute das Rathaus der Stadt Biedenkopf. Heutiger Sitz der Lahntalschule ist ein in den 1980er Jahren errichteter Schulkomplex in Lahnnähe am nordwestlichen Stadtrand. Im Jahr 2022 besuchten 1277 Schüler die Lahntalschule.[1]
| Lahntalschule | |
|---|---|
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| Die Lahntalschule vom Schloss Biedenkopf aus, oben rechts im Bild die Lahntalhalle mit Sportgelände, im Vordergrund der Haltestelle Wissens- und Wirtschaftscampus (2007) | |
| Schulform | Gymnasium |
| Gründung | 1846 |
| Adresse |
Am Freibad 19 |
| Ort | Biedenkopf |
| Land | Hessen |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 50° 54′ 54″ N, 8° 30′ 58″ O |
| Schüler | 1277 (Stand September 2022) |
| Leitung | Sabine Schäfer-Jarosz |
| Website | www.lahntalschule.de |


Zur Schule gehört eine anschließende Sporthalle, die Lahntalhalle, und ein Sportgelände, das sogenannte Schulsportzentrum Biedenkopf.
Geschichte
Nachdem in den 1840er Jahren in Biedenkopf immer wieder beklagt worden war, dass der Gewerbestand zurückgehe und es um die Ausbildung vieler Menschen unzureichend bestellt sei, konnte 1843 beim hessischen Innenminister die Genehmigung zum Bau einer „Großherzoglichen Realschule“ in Biedenkopf erwirkt werden. Am 23. März 1846 wurde das neue Schulhaus eingeweiht. Im Geiste der Pädagogik der nachnapoleonischen Ära trug die Schule Züge des reformerischen Denkens. Realschüler und Stadtschüler wurden gemeinsam unterrichtet. Es folgte die Angliederung einer sogenannten Selekta – einer höheren Mädchenschule. Die Schule wurde im Kaiserreich von der „Vollberechtigten Königlichen Höheren Bürgerschule“ zum „Königlichen Realprogymnasium“ umbenannt.
1927 wurde die Schule als Reformrealgymnasium vom Minister für Wissenschaft, Kultur und Volksbildung anerkannt. 1945 wurde das Schulgebäude als Lazarett genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das „Realgymnasium zu Biedenkopf“ mit Genehmigung der US-amerikanischen Besatzungsbehörden wiedereröffnet und in den 1950er Jahren in Lahntalschule (Abkürzung LTS) umbenannt. In der Folgezeit erhielt das Schulhaus einen Anbau nach Osten, der nach der Umnutzung zum Rathaus durch einen neuen ersetzt wurde.
Die bundesdeutsche Bildungsreform der 1960er Jahre zeitigte explodierende Schülerzahlen. Dadurch erlebte die LTS 1969 zum dritten Mal eine Verdopplung ihrer Schülerzahlen, damals von rund 500 auf bald 1000.[2]
1979 wurde ein Architektenwettbewerb für einen Neubau der Schule an den Lahnauen am nordwestlichen Stadtrand ausgeschrieben, den das Wiesbadener Architekturbüro Stillger für sich entscheiden konnte. 1980 wurde mit dem ersten Bauabschnitt begonnen (Fertigstellung 1987), 1996 wurde der vierte Bauabschnitt fertiggestellt.
Im Jahr 1991 wurde auf dem Schulgelände die Lahntalhalle errichtet (siehe unten), 1997 folgte daran anschließend eine Kleinsportanlage, das Schulsportzentrum Biedenkopf, mit zwei Spielfeldern, einer Bahn, zwei Weit- und einer Hochsprunganlage sowie einer Kugelstoßanlage.[1]
Bis ins Jahr 2000 gab es eine Arbeitsgemeinschaft „Dialekt“ an der Lahntalschule, an der die Mundart des Hessischen Hinterlands, das Hinterländer Platt vermittelt und behandelt wurde.[3]
Zum Schuljahr 2004/2005 wurde an der Lahntalschule der Bildungsgang achtjähriges Gymnasium (G8) eingeführt. Die Hessische Landesregierung hatte den Gymnasien zum Schuljahr 2013/14 die Möglichkeit eingeräumt, selbst zu entscheiden, ob weiterhin das Abitur nach acht oder nach neun Schuljahren am Gymnasium erteilt wird. Die zu beteiligenden schulischen Gremien haben sich damals jeweils fast einstimmig für die Rückkehr zu G9 zum Schuljahr 2013/14 ausgesprochen.
2007 wurde die Mediothek der Lahntalschule Biedenkopf, bestehend aus einer Bücherei, PC-Arbeitsplätzen zur Recherche und einer Ausleihe für Notebooks, Beamer und Kameras sowie als Raum für eigenständiges Arbeiten neu eröffnet.
In den späten 2000er-Jahren wurde ein Anbau in Richtung Schulhof (Fertigstellung 2008) und einer in Richtung Lahntalhalle fertiggestellt sowie das Cafetarium, ein zum Schulhof hin verglaster Raum errichtet.[1]
Die Lahntalschule hatte sich 2011 beim bundesdeutschen Wettbewerb „Klasse, kochen!“ der Initiative „InForm“, die von Bundesernährungsministerium, Bertelsmann Stiftung, Nolte Küchen und Fernsehkoch Tim Mälzer unterstützt wird, um eine moderne Kücheneinrichtung beworben. Im April 2012 wurde die Schule als eine von zehn Gewinnern ausgewählt, der Einbau der Küche im ehemaligen Fotolabor wurde im Herbst 2013 abgeschlossen und sie wurde im November 2013 mit Fernsehkoch Tim Mälzer, der an der Seite von Schülern kochte, eingeweiht.[4]
2019 war das KiKA-Magazin „Erde an Zukunft“ mit Felix Seibert-Daiker in der Lahntalschule zu Gast.[5]
Im Sommer 2022 wurde ein temporäres Containergebäude an der Straße „Am Freibad“, östlich des Hauptgebäudes, an der Fußgängerbrücke errichtet.[6] Seit Herbst 2022 gibt es im Schulhof ein „Grünes Klassenzimmer“ (Freiluftklassenzimmer).[7]
Seit Januar 2023 darf die Lahntalschule das europäische Exzellenzlabel CertiLingua verleihen.[8]
Sportförderung
Die Lahntalschule ist eine von neun Schulen, die an dem aus einer Zusammenarbeit zwischen Deutschen Fußball-Bund, dem Hessischen Kultusministerium und dem Hessischen Fußball-Verband hervorgegangenen Projekt Fußball in der Schule teilnimmt. Bereits seit 1997 existiert die Talentförderung Sport mit dem Fußballzentrum, das auch Fußballtalente anderer regionaler Schulen unterstützt. Ein weiterer Schwerpunkt der Sportförderung ist der Volleyball. Seit 2000 existiert in Kooperation mit dem TV Biedenkopf das Volleyballzentrum Biedenkopf.
Lahntalhalle
Zur Lahntalschule gehört die ebenfalls auf dem Gelände befindliche Lahntalhalle (auch Sporthalle der Lahntalschule Biedenkopf oder Großsporthalle Biedenkopf). Sie besteht aus einer größeren Haupthalle, unterteilbar in drei Hallendrittel und einer weiteren Halle, der 409 Quadratmeter großen Kunstturnhalle, in der die Kunstturnvereinigung Obere Lahn e.V. für ihr Training dauerhaft Sportgeräte zum Kunstturnen installiert hat. Auslöser der Gründung des Vereins als Zusammenschluss von Kunstturnvereinen in der Region 1992 war der Bau der ebendieser Sporthalle im Jahr 1991 und die daraus resultierende Möglichkeit, einen Teil dieser Sporthalle intensiv für die Sportart nutzen zu können.[9] Die Halle dient ebenso zur Ausrichtung des Ligabetriebes der 1. Kunstturn-Bundesliga.
Für rund zwei Millionen Euro soll an der Lahntalhalle ein Anbau entstehen. Geplant ist, dass er sich auf der Seite zur Lahn direkt an die Fensterfront der heutigen Kunstturnhalle anschließt. Platz finden sollen in der neuen Halle Sportgeräte zum leistungs- wettkampftauglichen Kunstturnen; die bisherige Kunstturnhalle soll dann flexibel für Bodenturnen, anderen Schulsport oder als Kletterhalle genutzt werden können. Die angebaute Hallenfläche soll mehr als 500 Quadratmeter haben; zusammen mit weiteren Flächen für Geräte- und andere Räume kommt der Anbau auf rund 730 Quadratmeter.[10] Bereits 2017 sprach man von Platzmangel in der Kunstturnhalle, damals waren der Bundestagsabgeordnete Stefan Heck und der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière in der Lahntalhalle zu Gast.[11]
Im Oktober 2019 übergab Staatssekretär Manuel Lösel (CDU) die Förderzusage des Landes Hessen über 1,2 Millionen Euro; der Landkreis Marburg-Biedenkopf steuert weitere 400.000 Euro bei. Etwa die gleiche Summe wird über ein Darlehen bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen finanziert.[10] Die Baugenehmigung wurde erst Anfang Mai 2022 erteilt; sie verzögerte sich einerseits wegen der COVID-19-Pandemie und anderseits weil der Standort des Anbaus direkt an das Überschwemmungsgebiet der unweit verlaufenden Lahn grenzt. Wann tatsächlich mit dem Anbau begonnen werden kann, steht aber noch nicht fest, denn durch besagten feuchten Untergrund der Lahnauen wurde eine Neuberechnung der Gebäudestatik nötig.[12]
Am 6. und 7. Mai 2022 fand erstmals in der Lahntalhalle die Ausbildungs- und Studienmesse der IHK Lahn-Dill und der Kreishandwerkerschaft Biedenkopf statt.[13]
Schulbiologiezentrum
Das „Schulbiologiezentrum des Landkreises Marburg Biedenkopf“ wurde am 31. März 1987 auf dem Gelände der Lahntalschule in Biedenkopf eingerichtet und seitdem weiterentwickelt. Träger ist der Landkreis Marburg-Biedenkopf. Ziele des Zentrums sind:
- Umweltbegegnung für Schülerinnen und Schüler,
- Beratung und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern,
- Beratung von Bürgerinnen und Bürgern,
- Bereitstellung von Materialien und Unterrichtshilfen
Cafeteria
Im Schulgebäude befindet sich seit den frühen 2000er-Jahren eine vom INTEGRAL-Schulservice betriebene Cafeteria. Angeboten werden Snacks und Getränke sowie täglich zwei verschiedene Mittagessen. An die Cafeteria schließt das sogenannte Cafetarium, ein zum Schulhof hin verglaster Raum, an.
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Verkehr
Mit dem Auto ist die Schule ausschließlich über die Straße Am Freibad erreichbar, die sie über den Obermühlsweg mit der zentralen Hainstraße verbindet. Unterhalb des Schulgeländes liegt der Lahnpromenadenweg, der die Schule über die direkt anschließenden Lahnauen mit dem Hessischen Radfernweg R2, der D-Route 4 „Mittelland-Route“ und dem Lahnradweg verbindet. Außerdem gibt es Fußwege nach Ludwigshütte und in die Biedenkopfer Innenstadt.
Mit Bus und Bahn ist die Schule über die Haltestelle Wissens- und Wirtschaftscampus (kurz Wissenscampus oder Campus, bis 2018 Schulzentrum) an der Oberen Lahntalbahn zu erreichen. Diese und die anschließende Brüder-Grimm-Straße ist mit der Schule über eine Fußgängerbrücke, die die Bahngleise und die Straße Am Freibad überquert, verbunden. Die Haltestelle besteht aus einem 110 Meter langen Haltepunkt für die Bahn und sieben Bussteigen entlang der Vater-Jahn-Straße. Der Bahnhaltepunkt wird auch außerhalb der Schulzeiten werktags stündlich und sonntags zweistündlich von der Linie RB 94 (Marburg (Lahn)–Bad Laasphe (–Erndtebrück)) der Kurhessenbahn bedient. Die Bushaltestelle hingegen wird nur zu Schulzeiten angebunden; außerhalb davon kann die Schule über die 200 Meter entfernte Haltestelle Katholische Kirche erreicht werden.
Kurioses
Im Roman Grenzgang von Stephan Thome, der in der fiktiven Stadt „Bergenstadt“ (womit Biedenkopf gemeint ist) angesiedelt ist, ist einer der Protagonisten Lehrer am dortigen Gymnasium. Einige Charaktere, die mit der Schule in Verbindung stehen (z. B. der Schuldirektor) tragen deutliche Züge von realen Personen, welche an der Lahntalschule gewirkt haben.
Bekannte ehemalige Schüler
- Wilfried Lückert (1920–2015), Jurist und letzter Oberkreisdirektor des Kreises Wittgenstein
- Franz Kroppenstedt (1931–2022), Staatssekretär und Bundeswahlleiter
- Eberhard Heck (1937–2022), Altphilologe
- Karin Tietze-Ludwig (* 1941), ehemalige „Lottofee“
- Karl Dietrich Wolff (* 1943), Verleger
- Gerhard Paul (* 1951), Historiker und Professor an der Universität Flensburg
- Hans-Jürgen Krug (* 1952), Medienwissenschaftler und Journalist
- Ulla Meinecke (* 1953), Musikerin
- Reinhard Achenbach (* 1957), evangelischer Theologe und Alttestamentler
- Gerlinde Unverzagt (* 1960), Autorin und Journalistin
- Andreas Steinhöfel (* 1962), Kinder- und Jugendbuchautor und Übersetzer
- Thomas Schäfer (1966–2020), hessischer Finanzminister
- Jörg Schmitt (* 1967), Journalist und Redakteur
- Sibylle Bamberger (* 1968), Journalistin und Autorin
- Michael Cyriax (* 1969), Landrat des Main-Taunus-Kreises
- Horst Falk (* 1970), Politiker, Abgeordneter im Hessischen Landtag
- Dirk Spaniel (* 1971), Ingenieur und Politiker
- Stephan Thome (* 1972), Philosoph und Schriftsteller
- Hülya Deyneli (* 1978), Fernsehmoderatorin und Journalistin
- Tobias Meyer (* 1979), Politiker
Literatur
- Osterprogramm : durch welches zu der … abzuhaltenden Prüfung der Schüler ergebenst einladet. 1883–1893. (Digitalisat)
- Königliches Realprogymnasium zu Biedenkopf (Hrsg.): Jahresberichte über die Schuljahre 1893/94 bis 1899/1900. Heinzerlingsche Buchdruckerei, Biedenkopf 1894–1900. (Digitalisat)
- Günter Bäumner: Schulbau in Biedenkopf vor 140 Jahren. In: Hinterländer Geschichtsblätter. 61. Jg., Nr. 2, 1982.
- Gerhard Bartussek: 150 Jahre Lahntalschule Biedenkopf (1846–1996) – Festschrift und Jahrbuch 1995/96. Haiger 1996.
Weblinks
Einzelnachweise
- Wir stellen uns vor. In: lahntalschule.de. Abgerufen am 30. Januar 2023.
- VRM Mittelhessen GmbH & Co KG: Reise in die Vergangenheit: Schule und Protest im Hinterland. 5. Juli 2022, abgerufen am 6. Juli 2022.
- „Lebendiger Dialekt“ entsteht – Neues Projekt im Dialektverein. In: Gemorje Hennerlaand. Dialekt im Hinterland e.V., 14. November 2008, abgerufen am 20. Oktober 2022.
- Tim Mälzer kocht an Lahntalschule. In: Oberhessische Presse. Abgerufen am 26. Mai 2022.
- KiKA-Kinderkanal von ARD und ZDF: Lecker, schmecker, Klimaschutz - KiKA. In: Erde an Zukunft. 25. November 2019, abgerufen am 26. Mai 2022.
- VRM Mittelhessen GmbH & Co KG: Lahntalschule Biedenkopf Unterricht mit Event-Charakter. 8. November 2022, abgerufen am 9. November 2022.
- Lahntalschüler bauen ein „Grünes Klassenzimmer“. Abgerufen am 16. Dezember 2022.
- Die Lahntalschule ist CertiLingua-Schule! | Lahntalschule Biedenkopf. Abgerufen am 20. Januar 2023 (deutsch).
- Verein. KTV Obere Lahn, abgerufen am 7. Mai 2022 (deutsch).
- VRM Mittelhessen GmbH & Co KG: Anbau für zwei Millionen geplant. 24. Oktober 2019, abgerufen am 7. Mai 2022.
- VRM Mittelhessen GmbH & Co KG: Minister frühstückt bei der KTV. 11. Juli 2017, abgerufen am 7. Mai 2022.
- VRM Mittelhessen GmbH & Co KG: Biedenkopfer Kunstturner warten auf den Baubeginn. 6. Mai 2022, abgerufen am 7. Mai 2022.
- VRM Mittelhessen GmbH & Co KG: Messe in Biedenkopf: Ausbildung, Studium oder beides? 9. Mai 2022, abgerufen am 23. Mai 2022.
