Lilith (Vorname)
Lilith ist ein weiblicher Vorname mit verschiedenen Herkunftssträngen. Er wird alternativ mit oder ohne finalem -h verwendet.
Herkunft und Bedeutung
→ siehe auch: Lilith (Dämon)
Der Name Lilith taucht ein einziges Mal in der Bibel auf (Jesaja 34:14), außerdem in midraschischen Texten des Judentums und im Talmud.[1] Im Jesaja-Text ist Lilith eines der Wesen, das die Ödnis des zerstörten Edom bevölkert. In der rabbinischen Literatur ist Lilith zum furchteinflößenden Wesen geworden. Bekannt geworden ist jedoch insbesondere die Entwicklung der Lilith-Figur im Alphabet des Ben Sira:[2]
„Das Alphabet des Ben Sira (9.-10. Jh.) lehnt sich an eine aus der Midrasch-Literatur stammende Legende an, die davon berichtet, dass Adam nach seiner Trennung von Eva mit einer Lilit namens Piznai Dämonen zeugt (Eruvin 18b). Im Alphabet des Ben Sira wird Lilit als die 'erste Eva' bezeichnet, die sich weigert, sich Adam (sexuell) unterzuordnen. Sie flieht verfolgt von drei Engeln ans Rote Meer und nimmt es auf sich, dass für ihre Trennung von Adam täglich hundert ihrer Kinder – Dämonen – sterben (vgl. Sohar I 34b; III 19b).“
Der Name, hebräisch לִילִית lilit, ist sumerischen Ursprungs. Er entwickelte sich über die akkadische Form lilītu aus dem sumerischen LĺL. Die genaue Bedeutung des Wortes ist umstritten, vermutlich ist es mit „Windhauch“ zu übersetzen.[3]
Mit der Übernahme von Lilith in den Talmud, verbreitete sich im hebräischen Sprachraum die volksetymologische Deutung „die Nächtliche“ (vgl. לַיְלָה lajlāh „Nacht“[4]). Luther übersetzte den Namen mit „Kobold“, spätere Revisionen gaben ihn mit „Nachtgespenst“ wieder.[3] Die revidierte Lutherbibel von 2017 verwendet wie die Einheitsübersetzung Lilith als Eigenname.
In Goethes Faust taucht Lilith als die Großmutter des Teufels auf und findet sich in der Schilderung der Walpurgisnacht wieder. In feministischer Lesart wird sie als das „Urbild der emanzipierten Frau rezipiert, die sich – im Gegensatz zu Eva – Adam nicht unterordnet“.[2]
Verbreitung
In den USA nahm der Name Lilith in den vergangenen Jahren stark an Popularität zu. Im Jahr 2010 trat er erstmals in die Hitliste der 1000 meistgewählten Mädchennamen ein und platzierte sich seitdem beinahe jedes Jahr höher als im Vorjahr. Im Jahr 2021 erreichte er mit Rang 267 erstmals die Top-300 der Vornamenscharts.[5]
In Deutschland ist der Name seit Mitte der 2000er Jahre geläufig, wird jedoch nur selten vergeben.[6] Im Jahr 2021 stand der Name auf Rang 230 der Vornamenscharts.[7] Dabei trägt die Mehrheit der Namensträger die Schreibweise Lilith, nur etwa 3 % tragen die Variante Lilit.[6]
Auch in Österreich ist der Name mäßig beliebt. Im Jahr 2021 belegte er in den Statistiken Rang 240 und wurde an 0,06 % der neugeborenen Mädchen vergeben. Als bislang höchste Platzierung erreichte der Name im Jahr 2009 Rang 207.[8]
Varianten
Neben Lilith finden sich die biblische Schreibweise Lilit.
Die armenische Namensvariante lautet Լիլիթ Lilit, die lettische Variante Lilita.
Namensträger
Lilith
- Lilith Häßle (* 1991), deutsche Schauspielerin und Hörspielsprecherin
- Lilith Lang (1891–1952), Modell des Künstlers Oskar Kokoschka
- Lilith Stangenberg (* 1988), deutsche Schauspielerin
- Lilith Ungerer (1944–2000), deutsche Schauspielerin
- Lilith Wittmann (* 1995), deutsche IT-Sicherheitsexpertin
Lilit
- Lilit Makunz (* 1983), armenische Politikerin
- Lilit Mkrttschjan (* 1982), armenische Schachspielerin
- Lilit Pipojan (* 1955), armenische Musikerin, Sängerin und Architektin
- Lilit Poghosjan (* 1996), armenische Badmintonspielerin
- Lilit Teryan (1930–2019), iranische Bildhauerin
Künstlername
- Lilith Love, ehemaliger Künstlername der niederländischen Kunstfotografin und bildenden Künstlerin HJIM van Gasteren (* 1964)
- Lilith Marschall, Künstlername der russisch-französischen Pornodarstellerin Anna Polina (* 1989)
Siehe auch
Einzelnachweise
- Lilith | Texts & Source Sheets from Torah, Talmud and Sefaria's library of Jewish sources. Abgerufen am 23. Dezember 2022.
- Lilit. 1. April 2007, abgerufen am 23. Dezember 2022.
- Henrike Frey-Anthes: Lilit. In: Bibelwissenschaft. Deutsche Bibelgesellschaft, April 2007, abgerufen am 12. April 2022.
- Wilhelm Gesenius: Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. 18. Auflage. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-25680-6, S. 607.
- Popularity in the United States. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 20. September 2022.
- Lilith. In: Beliebte Vornamen. Knud Bielefeld, abgerufen am 20. September 2022 (deutsch).
- Deutschlands beliebteste Namen des Jahres 2021 – Top 500. In: Beliebte Vornamen. Knud Bielefeld, abgerufen am 20. September 2022 (deutsch).
- Vornamen der Geborenen. In: STATISTIK AUSTRIA - Die Informationsmanager. STATISTIK AUSTRIA Bundesanstalt Statistik Österreich, abgerufen am 2. Juli 2022.