Martin Wehrle
Martin Wehrle (* 17. März 1970 in Löffingen) ist ein deutscher Journalist, Karriereberater, Autor und Webvideoproduzent.

Leben
Martin Wehrle besuchte die Akademie für Publizistik in Hamburg und war stellvertretender Chefredakteur der Angler-Zeitschrift Blinker.[1] In dieser Zeit siegte er bei der Europameisterschaft im Hechtangeln.[2] Später leitete er zwei Abteilungen in einem MDAX-Konzern.[3] Ehe er den zweiten Bildungsweg einschlug, hatte Wehrle seine Berufslaufbahn mit 18 Jahren in einer Gemeindeverwaltung als Beamtenanwärter begonnen.[4]
Anfang der 2000er Jahre machte er sich als Karriereberater selbstständig und veröffentlichte 2003 Geheime Tricks für mehr Gehalt.[5] In den folgenden Jahren schrieb er weitere Bücher zu den Themen Karriere und Gehalt, beispielsweise Die Geheimnisse der Chefs. 2007 verfasste Wehrle mit Uwe Kamenz Professor Untat, das unter anderem von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als „Universalangriff auf das deutsche Hochschulsystem“ eingestuft wurde.[6] Es löste eine Debatte über Nebentätigkeiten von Professoren aus.[7][8] 2011 erschien Ich arbeite in einem Irrenhaus, das zu einem der meistverkauften Wirtschaftsbücher in Deutschland wurde.[9] Der Stern beurteilte es als das „ultimative Trostbuch für genervte Mitarbeiter“.[10] 2012 fand es mit dem Bestseller Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus seine Fortsetzung.[11]
Die Bücher von Wehrle basieren laut Spiegel Online auf der Sicht seiner Kunden und seinen eigenen Erfahrungen als Führungskraft, die satirisch zugespitzt würden.[12] Er leitet eine Karriereberater-Akademie in Hamburg und hat nach eigener Aussage die erste Ausbildung für Karriereberater in Deutschland realisiert.[13] Von 2010 bis 2017 war er als Kolumnist für Die Zeit tätig,[14] über den Irrsinn Büro schrieb er 2012 eine Titelgeschichte für den Stern.[15]
Wehrle kritisiert, dass die Reallöhne in Deutschland, insbesondere im Niedriglohnsektor, zwischen 1991 und 2016 deutlich gesunken sind, während sich zur gleichen Zeit die Unternehmensgewinne der Kapitalgesellschaften verdreifacht hätten.[16] Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, schlägt er vor, dass der Staat von großen Unternehmen einen Solidaritätsbeitrag verlangen sollte, um ein Grundeinkommen zu finanzieren.[16]
Prozess vor dem Bundesverfassungsgericht
1992 hatte die Badische Zeitung einen seiner Leserbriefe veröffentlicht, der die nächtliche Abschiebung einer asylsuchenden Familie durch die Polizei mit Gestapo-Methoden verglich.[17][18] Die Behörden sahen sich in den Äußerungen in ihrer Ehre verletzt; Wehrle wurde zunächst vom Amtsgericht Titisee-Neustadt und später vom Landgericht Freiburg wegen Beleidigung verurteilt. Das Bundesverfassungsgericht hob die Entscheidungen mit Verweis auf die Meinungsfreiheit auf, die in den vorhergehenden Urteilen nicht ausreichend berücksichtigt worden sei.[19][20]
Auszeichnungen
- 1993: Reportagepreis der Akademie für Publizistik Hamburg[1]
- 2016: Coaching-Award[21]
Publikationen (Auszug)
- Geheime Tricks für mehr Gehalt. Ein Chef verrät, wie Sie Chefs überzeugen. Econ, München 2003, ISBN 3-430-19542-X.
- Den Netten beißen die Hunde. Wie Sie sich Respekt verschaffen, Grenzen setzen und den verdienten Erfolg erlangen. Mosaik, München 2021, ISBN 978-3-442-39377-0.
- Fänger statt Anfänger. Angeln lernen – der schnellste Weg. Müller Rüschlikon, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-275-02000-3.
- Echte Angler weinen nicht. 50 neue Geschichten. Müller Rüschlikon, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-275-02075-1.
Weblinks
Einzelnachweise
- Stefanie Köhler: Marotten springen auf Mitarbeiter über. In: Stuttgarter Nachrichten. 30. April 2011.
- Wenn bei der Arbeit Stress und Frust entstehen. In: SWR1. Südwestrundfunk, 15. Juni 2012, abgerufen am 9. April 2014.
- Martin Wehrle. Deutschlands erster Gehaltscoach. Econ Referenten-Agentur, abgerufen am 9. April 2014.
- Martin Wehrle: Sei einzig, nicht artig! Hrsg.: Goldmann. Mosaik, München 2015, ISBN 978-3-95891-024-9, S. 14.
- Clemens von Frentz: Gehaltspoker: „Timing ist alles“. In: manager magazin online. 15. Februar 2003, abgerufen am 8. Mai 2015.
- Etliche unter euch sind nicht frei von Korruption. Uwe Kamenz und Martin Wehrle zählen die schwarzen Schafe unter den deutschen Hochschullehrern. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 60, 12. März 2007, S. 37 (Rezension: Sachbuch).
- Faule Professoren? Die Arbeitsmoral der Forscher gerät wieder einmal ins Zwielicht. In: Süddeutsche Zeitung. 5. März 2007.
- Jens Mühling: Die Professoren-Hasser. Faul, geldgeil: Ein Buch rechnet mit Deutschlands Hochschullehrern ab. In: Der Tagesspiegel. 16. März 2007, S. 30.
- Die meistverkauften Wirtschaftsbücher in Deutschland. In: Handelsblatt. 3. Juni 2011, S. 72.
- Kulturmagazin Buch. In: Stern. Nr. 33, 11. August 2011, S. 120–121.
- Beste Platzierung(en). (Nicht mehr online verfügbar.) In: buchreport. Archiviert vom Original am 2. Mai 2014; abgerufen am 24. April 2014 (Die Wirtschaftsbestseller). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- Jochen Leffers (jol): Superstars, kreative Chaoten, Nichtskönner. In: Spiegel Online. 18. April 2011, abgerufen am 29. April 2014.
- Teurer Etikettenschwindel. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010, abgerufen am 24. April 2014.
- Artikel von Martin Wehrle. In: Zeit Online. Abgerufen am 9. April 2014 (Autorenregister).
- Thomas Osterkorn: Stromberg ist überall. In: Stern. 27. September 2012 (Editorial).
- Martin Wehrle: Darum kann unbegrenzter Urlaub böse enden. In: Focus Online. 8. Oktober 2018, abgerufen am 27. Mai 2021.
- Hanno Kühnen: Erlaubte Polemik. Karlsruhe urteilt: Jeder soll sagen können, was er denkt. In: Die Zeit. Nr. 15, 1992 (zeit.de [abgerufen am 8. Mai 2020]).
- taz. die tageszeitung vom 26. 3. 1992 "Freie Meinungsäußerung"
- Helmut Kerscher: Kränkender Leserbrief muß nicht strafbar sein. In: Süddeutsche Zeitung. 26. März 1992.
- juris.de "BVerfG 1. Senat 3. Kammer | 1 BvR 1770/91"
- Die Preisträgerinnen und Preisträger der Coaching Awards seit 2008. In: Coaching Award. (coaching-award.de [abgerufen am 20. Januar 2018]).