Metropolie Kiew

Die Metropolie Kiew (russisch Киевская митрополия, ukrainisch Київська митрополія) war die orthodoxe Kirchenprovinz der Kiewer Rus und der Ukraine von 988 bis 1688. Sie unterstand dem Patriarchen von Konstantinopel. Von 1458 bis 1596 bestand sie als die Metropolie von Kiew, Galizien und der ganzen Rus (Митрополия (Верховная архиепископия) Киевская, Галицкая и всея Руси). Nach 1596 bestand die Metropolie von Kiew, Galizien und der ganzen Rus als Unierte Kirche, aus ihr entstand die Ukrainische griechisch-katholische Kirche. 1620 wurde mit Hiob Borecki ein neuer Metropolit in Kiew eingesetzt, so dass nun parallel zur Unierten Kirche erneut die Metropolie von Kiew unter dem Patriarchat von Konstantinopel bestand. Nach dem Frieden von 1686 wurde die Metropolie von Kiew dem Patriarchat von Moskau unterstellt, daraus entsand die Ukrainisch-orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats.

Geschichte

988 wurde der erste Bischof von Kiew eingesetzt. Dieser war zugleich Metropolit der Kiewer Rus.

1240 wurde Kiew von der Goldenen Horde erobert und tributpflichtig. 1299 wurde der Sitz des Metropoliten nach Wladimir verlegt.

1302/03 entstand eine eigene Metropolie Galizien. 1321 kam Kiew und die westliche Rus an das Großfürstentum Litauen. Unter Metropolit Peter (r. 1308–1326) wurde 1325 wurde der Sitz des Kiewer Metropoliten von Wladimir nach Moskau verlegt. Spätestens 1331 gab es einen eigenen Metropoliten für Litauen. Seit 1391 (1419) gab es keinen Metropoliten für Galizien mehr.

1437 wurde von Patriarchen von Konstantinopel der Abt des Klosters des hl. Demetrios Isidor als neuer Metropolit von Kiew eingesetzt, was die Unzufriedenheit des Moskauer Großfürsten erregte, der für diesen Posten einen seiner Bischöfe, Iona von Riazan nach Konstantinopel geschickt hatte. Isidor von Kiew nahm am Konzil von Ferrara-Florenz teil, auf dem die Union der West- und Ostkirche verkündet wurde. Nach seiner Ankunft vom Konzil konnte er die Union in den Eparchien verkünden, die sich in Polen-Litauen befanden. In der nördlichen Rus wurde er hingegen auf den Geheiß des Moskauer Großfürsten im März 1441 festgenommen. Entsprechend der unterschiedlichen Einstellung zur Union von Florenz wurde die Kiewer Metropolie vom Papst Pius II. 1458 aufgeteilt. Für die südlicheren, sich in Polen-Litauen befindenden Eparchien wurde vom Papst ein Schüler und Begleiter Isidors Gregor der Bulgare zum Metropoliten bestimmt, dessen Rechte als Metropoliten vom polnischen König und Großfürsten von Litauen Kasimir Jagiellonen bestätigt wurden.

In der nördlichen Eparchien wirkte als Metropolit hingegen Iona von Rjazan, der 1448 auf einer Synode der nördlichen Eparchien, die unter dem Einfluss Moskaus standen, zum Metropoliten von Kiew gewählt wurde. 1451 erkannte Kasimir, der König von Polen und Großfürst von Litauen Iona als Metropoliten von Kiew auch für seine Gebiete an, entzog ihm jedoch seine Anerkennung mit der Ankunft des von Rom gesandten Metropoliten von Kiew Gregor des Bulgaren, der seit 1458 der Kiewer Metropolie vorstand. Iona bezeichnete sich trotzdem als Metropolit von Kiew und ganz Rus.

Nach dem Tod von Iona 1461 verwendeten die nördlichen Metropoliten für sich nur die Bezeichnung „Metropolit von Moskau“, während die südlichen den Titel „Metropolit von Kiew und ganz Rus“ behielten. In der Union von Brest (1596), an der der Metropolit von Kiew und ganz Rus und die Mehrheit seiner Bischöfe teilnahmen, erkannten diese die Grundlagen einer Union nach dem Konzil von Florenz an, wurden also eine Unierte Kirche,[1] daraus entstand die Griechisch-katholische Kirche in der Ukraine. Die nicht an der Union beteiligten Bischöfe und Kleriker verblieben in der Verbundenheit mit Konstantinopel; 1620 wurde deswegen ein neuer orthodoxer Metropolit in Kiew eingesetzt.

1688 wurden die orthodoxe Metropolie von Kiew dem Patriarchat von Moskau unterstellt.[2]

Die Ukrainisch-orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats bestand von 1919 bis 1990 als Exilkirche, neben der Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche (1919–1937). 1990 bildete sich zusätzlich die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche (1990–2018) 1995 kam es zur Spaltung unter Filaret von Kiew, der das Moskauer Patriarchat verließ.

2018 hat das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel die Entscheidung von 1688 aufgehoben und die Metropolie Kiew direkt Konstantinopel unterstellt.[3] 2019 wurde auf dem Gebiet der Metropolie Kiew die Orthodoxe Kirche der Ukraine vom Ökumenischen Patriarchat gegründet. Im Mai 2022 sagte sich die verbleibende Ukrainisch-orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats ebenfalls von Moskau los und besteht nun als Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (2022).

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Serhii Plokhy: Das Tor Europas. Die Geschichte der Ukraine. Aus dem Englischen von Anselm Bühling u. a. Hoffmann und Campe, Hamburg 2022, S. 145. ISBN 978-3-455-01526-3.
  2. Josef Gill: Personalities of the Council of Florence and Other Essays. In: Speculum. Basil Blackwell, 1964, ISSN 0038-7134, S. 65–69.
  3. Ukraine: Konstantinopel hebt Kirchenspaltung auf. Vatican News
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