Panzerbau III

Der Panzerbau III war eine Rüstungsfabrik der Firma Krupp in Essen-Borbeck während des Zweiten Weltkriegs. In ihr wurden zwischen 1941 und 1945 die Geschütztürme und Wannen für den Panzerkampfwagen IV und den Panzerkampfwagen VI Tiger hergestellt. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Betriebsgelände ein kleines wildwüchsiges Naherholungsgebiet mit Schutthalden, Pioniergehölzen und einigen ausgebauten Kieswegen. Fundamentreste sind noch vorhanden. Eine Informationstafel am Gewerbegebiet Ecke Weidkamp / Grasstraße erinnert an die Krupp‘sche Panzerproduktionsanlage.

Infotafel am ehemaligen Panzerbaugelände
Unter der großen Halde sind die Überreste der Produktionshalle begraben.
Heute ist der Panzerbauwald ein kleines Naherholungsgebiet.
Im Wald befinden sich heute Fundamentreste …
… und Löcher, die einen Blick in die unterirdischen Anlagen gewähren.
Bäume finden im Boden keinen vernünftigen Halt.

Geschichte

Zur Zeit des Krieges

Die Rüstungsfabrik im Essener Norden wurde 1941 mit einer Investition von knapp 20 Millionen Reichsmark in zwei Bauabschnitten[1] unter Zeitdruck errichtet. Sie steht im Zusammenhang mit dem Sonderprogramm „Tiger“ und war ein Zulieferbetrieb für die Hauptproduktionsstätten Henschel und Wegmann in Kassel. Sie galt als modernste Werkstätte ihrer Zeit.[2] Panzerbau III, so der offizielle Name, wurde zwischen Dezember 1941 und Februar 1943 errichtet. Neben dem großen oberirdischen Fabrikationshallenbau mit einer Länge von über 200 Metern und einer Breite von 192 Metern gab es auch drei unterirdische Fertigungsstätten und eine große Werkstatt. Durch eine Betriebsbahn war das Werk mit der Köln-Mindener-Eisenbahn verbunden.

Mit Beginn der Panzerproduktion im Oktober 1942 stieg die Zahl der Beschäftigten bis September 1943 von anfangs 144 auf 1580. Zum Teil waren dies ausländische Zwangsarbeiter vor allem aus Frankreich, den Niederlanden, Italien und den besetzten Ostgebieten. 570 Menschen waren als zivile Fremdarbeiter in einem Lager an der Straße Weidkamp untergebracht.[3] Trotz Schäden durch Luftangriffe der Alliierten kam die Produktion bis kurz vor Ende des Weltkriegs nie ganz zum Erliegen. Durch die moderne Stahlkonstruktion erlitt das Werk meist nur geringfügige Schäden am Dach, die schnell repariert werden konnten. Erst im Oktober 1944 führten die Bombenangriffe durch die Zerstörung der Energieversorgung zu einem zeitweisen Produktionsstopp. Mit dem Großangriff der Royal Air Force am 11. März 1945 und der kompletten Zerstörung der Infrastruktur, inklusive aller Bahnstrecken, konnten die kriegswichtigen Zulieferteile nicht mehr verschickt werden.

Nach dem Krieg

Nach dem Krieg ging bis 1949 alles, was brauchbar war, als Reparationsleistung in die Sowjetunion[1]. Sonst blieb das ehemalige Produktionsgelände sich selbst überlassen. Die Brache wurde mit der Zeit von der Natur zurückerobert und wandelte sich zu einem Biotop. Kinder und Jugendliche aus den benachbarten Wohngebieten nutzten die alten Werkshallen mit ihren unterirdischen Gängen und Bunkern als gefährlichen Abenteuerspielplatz. Der Abriss der oberirdischen Gebäude begann Ende 1959. Zuvor hatte man die unterirdischen Anlagen geflutet und provisorisch mit Bauschutt und Spritzbeton verschlossen. Mitte der 1960er Jahre wollte die Stadt Essen das Areal für ein geplantes Wohnbauprojekt der Firma Krupp abkaufen. Dies scheiterte jedoch am Willen der Eigentümer.

1980 erwarb die Stadt Essen das knapp 20 Hektar große Gelände für vier Millionen Deutsche Mark.[4] Geplant war, den verwilderten Panzerbauwald zu roden, um ein Gewerbegebiet zu errichten. Demonstrationen von Bürgerinitiativen und Umweltschutzorganisationen sowie die aufkommende Diskussion zum Thema Pseudokrupp verhinderten die Komplettabholzung der Grünfläche. Nach diversen Gutachten, in denen der Panzerbauwald als Schutz gegen das am Rhein-Herne-Kanal entstandene Industriegebiet empfohlen wurde,[5] einigte man sich auf einen Teilerhalt des Panzerbauwaldes. Kleinere Gewerbegebiete wurden entlang der Grasstraße und der Alten Bottroper Straße errichtet.

Von der ehemaligen Panzerproduktionsanlage ist heute nicht mehr viel zu sehen. Das Gelände wurde 1983 mit Schutt vom U-Bahnbau zu einem kleinen Naherholungsgebiet umgestaltet. Die Überreste der Fabrikationshalle verschwanden unter einer großen Halde. Reste von Fundamenten, Werksbahntrassen und kleinen Wach- und Schutzbunkern sind noch erkennbar. Bis in die 2010er Jahre warnten noch Schilder vor Einsturzgefahr. Mittlerweile sind die Hauptwege ausgebaut. Anwohner nutzen das Braucker Wäldchen[6] für ihre Freizeit und Crossbiker die hügeligen Schutthalden. Entlang den Trampelpfaden im Wald bilden eingebrochene Betondecken bis heute eine Gefahr. Bäume im Wald finden mit ihren flachen Wurzeln im Boden keinen vernünftigen Halt und können bei Sturm umkippen.

Am 16. September 2016 stellten der Borbecker Bürger- und Verkehrsverein (BBVV) und der Kultur-Historische Verein Borbeck e. V. (KHV) am Weidkamp eine Informationstafel über den Panzerbau III auf.[1]

Literatur

  • Franz Josef Gründges: Die Siedlung Brauk und das Panzerbaugelände. In: Essener Beiträge 125/126. Bd. (2012/2013), S. 57–210
  • Vera Eckardt, Frank Stenglein: Panzerbaugelände in Borbeck – Von Tigern und Hunden (S. 128); In: Essen entdecken – 100 besondere Orte; WAZ-Edition; ISBN 978-3-8375-1315-8
  • William Manchester: Krupp – Zwölf Generationen; Kapitel 18 – Alfried befehligt den Kruppbunker (ab S. 426); Kindler Verlag München, 1968
Commons: Panzerbau III – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Lokalkompass vom 1. Oktober 2016: Informationstafel enthüllt: Erinnerungen an "Panzerbau 3"
  2. William Manchester: Krupp – Zwölf Generationen; Kapitel 18 - Alfried befehligt den Kruppbunker; Anmerkung zu Kriegswirtschaft Krupp (ab S. 453)
  3. Heimatsammlung-Essen: Arbeits-/Zivil- und Außenlager – Essen-Borbeck
  4. In heutiger Währung: 2.045.168 Euro (Wert mit Inflation: € 4.709.126,61)
  5. Wolfgang Sykorra: Gutachter der Uni Dortmund bieten Kompromissvorschlag an. Panzerbau-Papier unter die Lupe genommen, in: Borbecker Nachrichten / Essen vom 12. März 1982
  6. Weitere Bezeichnung für den Panzerbauwald. Namensgeber ist die ehemalige Werksiedlung bzw. das heutige Industriegebiet „Brauk“ an der Alten Bottroper Straße.

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