Panzerkommission

Die Panzerkommission war ein Gremium beim Reichsministerium für Bewaffnung und Munition von Vertretern aus Industrie, Wissenschaft, Technik und Militär zu allen Fragen der Entwicklung, Produktion und Erprobung von Panzern im Zweiten Weltkrieg.

Zweck und Geschichte

Die Panzerkommission wurde durch eine geheime Verfügung vom 21. Juni 1941 vom Reichsminister für Bewaffnung und Munition Fritz Todt und dem Chef der Heeresrüstung Friedrich Fromm ins Leben gerufen. Ihr Zweck war die Prüfung bereits in Produktion befindlicher und neuer Panzermodelle auf die „zweckmäßigste technisch-fabrikatorische Gestaltung“.[1]

Ferdinand Porsche wurde Vorsitzender der Panzerkommission. Am 31. Dezember 1943 wurde Porsche entlassen, Nachfolger wurde Gerd Stieler von Heydekampf. Damit wurde nach Markus Pöhlmann der „geniale Konstrukteur“, der zu wenig Rücksicht auf fertigungsgerechtes Konstruieren nahm, durch einen Fertigungsfachmann ersetzt.[2]

Vorsitzende

  • Ferdinand Porsche: von 1941 bis 1943
  • Gerd Stieler von Heydekampf: von 1943 bis Kriegsende

Mitglieder (Auswahl)

Mitglieder waren u. a.:[3]

Von militärischer Seite wurden als Mitglieder ernannt:[1]

  • Leiter des Stabes II (Rüstung) beim Chef der Heeresrüstung
  • Chef der Abteilung für Schnelle Truppen (AHA/In 6)
  • Chef der Amtsgruppe für Industrielle Rüstung–Waffen und Gerät (WuG) des Heereswaffenamtes
  • Chef der Kraftfahr- und Motorisierungsabteilung des Heereswaffenamtes (WaPrüf 6): bis 1942 Ernst Kniepkamp, dann Oberst Friedrich Holzhäuser
  • Chef der Kraftfahrgeräteabteilung (Wa I Rü 6)

Sitzungen (Beispiele)

  • 18. April 1942[5]
  • 10. Juni 1942[5]
  • am 8. und 9. November 1942 auf der Wartburg. Thema war Entscheidung über den Tiger II und Aussprache über Motor- und Getriebefragen.[6]
  • 8. Mai 1943. Unter Leitung von Porsche und unter Beteiligung von Heinz Guderian[7]
  • 21. Dezember 1943[8]

Einschätzung

Laut Dietrich Eichholtz waren die Vertreter der Wehrmacht den Vertretern der Rüstungskonzerne schon zahlenmäßig unterlegen und sie mussten sich in ihren Typenwünschen der Kommission unterordnen.[9]

Rolf-Dieter Müller spricht von einem „schweren Einbruch“ in den Kompetenzbereich des Chefs der Heeresrüstung. Die Mitwirkung der militärischen Experten hat sich im Wesentlichen auf Zuarbeit beschränkt.[10]

Laut Pöhlmann wurde ab 1942 eine Situation herbeigeführt, in der die Zuständigkeit des Militärs auf Formulierung von Anforderungen, Erprobung und Abnahme beschränkt wurde und die Industrie die Hoheit über Forschung und Entwicklung zurückgewann.[11]

Für Pöhlmann unterliegt es keinem „Zweifel“, dass die Mitglieder auch ihre Unternehmen vertraten und sich Vorteile für die Auftragsvergabe erhofften, allem voran Porsche selbst.[12]

Müller schätzt ein, dass Porsche seine Position zu Gunsten seiner Firma missbrauchte, um konkurrierende Modelle auszuschalten. Dies führte zur Parallelentwicklung von Tiger und Panther und zur Serienfertigung zweier Tiger-Typen.[5]

Einzelnachweise

  1. Verfügung von Todt und Fromm über die Bildung einer Panzerkommission gedruckt in: Dietrich Eichholtz, Wolfgang Schumann (Hrsg.): Anatomie des Krieges. Berlin 1969, S. 336 ff.
  2. Pöhlmann: Panzer. S. 410.
  3. Befragung von Karl Saur durch amerikanische Militärbehörden. Wiedergegeben nach: Markus Pöhlmann: Der Panzer und die Mechanisierung des Krieges. Paderborn 2016, S. 410.
  4. Hartmut H. Knittel: Panzerfertigung im Zweiten Weltkrieg. Bonn 1988, S. 48.
  5. Rolf-Dieter Müller: Albert Speer und die Rüstungspolitik im Totalen Krieg. In: MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 1999, Band 5/2, S. 683.
  6. Dietrich Eichholtz: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft. Berlin 1985, Band 2, S. 335.
  7. Karl J. Walde: Guderian. Frankfurt/M 1976, S. 185.
  8. Eichholtz: Kriegswirtschaft. Band 2, S. 336.
  9. Eichholtz: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft. Berlin 1969, Band 1, S. 128.
  10. Rolf-Dieter Müller: Die Mobilisierung der deutschen Wirtschaft für Hitlers Kriegsführung. In: MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 1988, Band 5/1, S. 527.
  11. Pöhlmann: Panzer. S. 413.
  12. Pöhlmann: Panzer. S. 336.
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