Pfarrkirche Gratkorn

Die Pfarrkirche Gratkorn ist die römisch-katholische Pfarrkirche der in der Marktgemeinde Gratkorn in der Steiermark gelegenen Pfarre Gratkorn St. Stefan. Die dem heiligen Stephanus gewidmete Kirche gehört zum Seelsorgeraum GU-Nord (Graz-Umgebung-Nord) der Region Steiermark Mitte in der Diözese Graz-Seckau.

Katholische Pfarrkirche hl. Stephan in Gratkorn

Die Kirche und der ehemalige Friedhof stehen unter Denkmalschutz (Listeneintrag).[1]

Lage

Die Kirche steht zentral im Dorf Sankt Stefan im südwestlichen Teil der Marktgemeinde Gratkorn, im Nordosten des Ortsgebietes von Gratkorn, auf einer Seehöhe von 394[2] Metern. Direkt südlich der Kirche befindet sich der Kirchplatz, zu dem aus westlicher Richtung die Dr. Karl Renner-Straße, die von Süden kommende St. Stefaner Straße, aus dem Osten der Raiffeisenweg und von Norden her die Felberstraße führen. Südwestlich der Kirche befindet sich der Pfarrhof und das Gemeindeamt von Gratkorn liegt circa 80 Meter westlich. Der Friedhof der Pfarre liegt etwa 130 Meter südwestlich der Kirche. Die Kirche selbst hat die Adresse Kirchplatz 3.

Geschichte

Ursprünge und erster Kirchenbau

Das mittlere Murtal und damit auch die Gegend um den heutigen Ort Gratkorn waren spätestens ab der Urnenfelderzeit dauerhaft besiedelt.[3] Zur Römerzeit verlief durch das Gratkorner Becken eine Römerstraße, welche von Flavia Solva entlang der Mur nordwärts führte. Am Standort der heutigen Kirche wurden 2017 bei Renovierungsarbeiten die Reste einer Villa rustica entdeckt. Eine Christianisierung der Gegend erfolgte vermutlich erst ab dem 9. Jahrhundert, als im Jahr 860 die in einem Majestätsbrief von König Ludwig dem Deutschen erwähnten duo loca ad Strazinolum, also zwei bei Straßengel gelegene Gegenden, darunter auch das Gebiet um Brunn und Dult an das Erzbistum Salzburg gingen. Dieses begann vermutlich bereits kurz danach mit der Einrichtung von kirchlichen Strukturen und Organisationen in der Umgebung. Vermutlich noch im 9. Jahrhundert ließ das Erzbistum die Pfarre Gratwein als Mutterpfarre gründen, der erste urkundliche Nachweis dieser Pfarre stammt aber erst aus dem Jahr 1188.[4][5][6]

Wann die erste Kirche bei Gratkorn errichtet wurde ist nicht bekannt. Beeinflusst durch den Neubau des Dom St. Stephan in Passau gegen Ende des 10. Jahrhunderts kam es zur Entstehung zahlreicher dem heiligen Stephanus gewidmeten Eigenkirchen im heutigen Österreich. Das lässt die Vermutung zu jener Zeit auch bei Gratkorn ein erster romanischer Sakralbau errichtet wurde. Als Bauherren könnten dabei die hier ansässigen Herren von Velgau in Frage kommen, da der Kirchenweiler bis in das 14. Jahrhundert hinein den Namen Velgau trug. Der Historiker Ingo Misch wiederum vertritt die Ansicht das die Grafen von Montfort die Bauherren der Kirche waren. So werden die Montforter in einem 1544/45 ausgestellten Visitationsprotokoll neben den Lannghaimern oder Herren von Weissnegkh als Stifter der Pfarre genannt. Damit wäre eine Entstehung der Kirche zwischen 1373, als Margarethe von Pfannberg zusammen mit ihrer gleichnamigen Tochter die Grafen Wilhelm III. und Hugo von Montfort heirateten und die Grafen dadurch in den Besitz der Burg Peggau kamen und 1390 möglich. Margarethe die Jüngere ließ bereits vor 1389 die Margarethenkirche in Peggau errichten. Die erste urkundliche Erwähnung der damals möglicherweise bereits eigenständigen Pfarre Sankt Stefan erfolgte 1373 in einem Zehntverzeichnis als in sand Stephans Pfarr. Ungefähr zu jener Zeit verdrängte auch der Name des Pfarrpatrons den bisherigen Namen Velgau für den Kirchweiler. Möglicherweise unterstand die Pfarre damals bereits als eigener Pfarrbezirk der Pfarre Gratwein. Eine Kirche selbst wird erstmals im Marchfutterverzeichnis des Landesfürsten von 1390 als sannd Steffan ob Endrics, also oberhalb von Andritz, erwähnt.[2][7][6]

Ab dem 15. Jahrhundert

In der Pfarre Sankt Stefan wurde um 1450 ein sogenanntes ewiges Vikariat eingerichtet, sie blieb aber weiterhin der Pfarre Gratwein zugehörig. Die Mutterpfarre hatte weiterhin die Vogteirecht im Pfarrgebiet inne und konnte den Pfarrvikar vorschlagen, der dann noch vom Bischof von Seckau bestätigt werden musste. Im Jahr 1453 wird in einer Urkunde des Stiftes Rein ein plebanus ad S. Steffanum ultra flumen muram, also ein Leutpriester bei Sankt Stefan jenseits der Mur genannt. Dies ist der erste schriftliche Nachweis eines Geistlichen in Gratkorn. Ein 1468 genannter Peter war der erste namentlich bekannte Pfarrvikar von Sankt Stefan.[7][8][6]

Als am 28. April 1607 das Stift Rein durch einen Tausch in den Besitz der Mutterpfarre Gratwein gelangte, wurde auch die Kirche in Sankt Stefan in das Stift inkorporiert. Bereits seit 1605 wurde die Pfarre von den Ordensgeistlichen seelsorgerisch versorgt. Um 1650 wurde das Kirchenschiff vergrößert, indem die Außenmauern um je ein Klafter, etwas unter 1,9 Meter, nach außen versetzt wurden.[8][6]

Seit 1933 trägt die Pfarre den Namen Gratkorn. Eine Restaurierung des Bauwerks fand 1974 statt. 2017 erfolgten weiter Renovierungsarbeiten, wobei auch die Reste einer römerzeitlichen Villa rustica freigelegt wurden.[9][6]

Architektur

Langhaus, Blick zum Chor
Langhaus, Blick zur Orgelempore

Der mächtige, in die Westfassade der Kirche eingestellte Turm hat einen achteckigen Spitzhelm. Er ist im Kern gotisch. Die heutige Beichtkapelle ist südlich an den Turm angebaut. Es war früher eine Donatuskapelle und wurde 1856 als Kriegergedächtniskapelle neu errichtet. Die Wandmalereien stammen von Toni Hafner.[9]

Das um 1700 erbaute dreijochige Langhaus ist barock gestaltet. An den Wänden befinden sich Wandpfeiler, die das Kreuzgratgewölbe mit Gurtbögen tragen. Die Fenster sind barock mit Scheiben von Ferdinand Koller im Jahr 1905. Der zweijochige gotische Chor hat einen Dreiachtelschluss, das westliche Joch ein Kreuzrippengewölbe aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Das östliche Joch wird von einer Ringtonne überspannt. Der runde Schlussstein im Chorgewölbe ist mit einem Blattornament verziert, der Chorschluss innen ausgerundet. Der rundbogige Fronbogen ist leicht eingezogen. Die dreiachsige Empore befindet sich im westlichen Teil des Kirchenbaus und wird von einem auf Rundsäulen ruhenden Kreuzgratgewölbe überdacht. Sie hat eine vorgezogene, geschwungene Holzbrüstung. Südlich des Chores befindet sich die kreuzrippengewölbte Sakristei mit einem barocken Eingangsportal im Westen.[9]

Ausstattung

Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1803 und zeigt auf dem aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammenden Altarblatt den heiligen Stephanus. Die beiden Seitenaltäre wurden 1809 errichtet und zeigen den heiligen Donatus und die nach Art von Matthias Schiffer gemalte Verkündigung des Herrn. Der barocke Taufstein stammt aus der Zeit um 1700. Das am Fronbogen angebrachte Kreuz stammt aus dem 17. Jahrhundert. Der gläserne Luster des Langhauses stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Orgel wurde 1885 von Carl Billich gefertigt. Auf den Konsolen des Chors befindet sich ein nach Art von Jakob Peyer gemaltes Bildnis des knienden Donatus aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts. Weiters befindet sich im Chor eine Pietà aus dem 18. Jahrhundert. In der Sakristei befindet sich ein von Franz Krainer 1846 gemaltes Rosenkranzbild.[9]

Quellen

  • Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio Steiermark (ohne Graz). 2. Auflage. Berger, Horn/Wien 2006, ISBN 3-85028-439-5, S. 143.
  • Ingo Mirsch: Kirchengeschichte. In: Marktgemeinde Gratkorn (Hrsg.): Die Geschichte der Marktgemeinde Gratkorn. Gratkorn 1997, S. 6985.
Commons: Pfarrkirche Gratkorn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bundesdenkmalamt: Steiermark – unbewegliche und archäologische Denkmale unter Denkmalschutz. (PDF) In: www.bda.gv.at. Abgerufen am 30. November 2022.
  2. Ingo Mirsch: Kirchengeschichte. In: Marktgemeinde Gratkorn (Hrsg.): Die Geschichte der Marktgemeinde Gratkorn. Gratkorn 1997, S. 71.
  3. Ingo Mirsch: Die Geschichte Gratkorns von der Steinzeit bis zum Untergang der Austria Romana. In: Marktgemeinde Gratkorn (Hrsg.): Die Geschichte der Marktgemeinde Gratkorn. Gratkorn 1997, S. 24.
  4. Ingo Mirsch: Kirchengeschichte. In: Marktgemeinde Gratkorn (Hrsg.): Die Geschichte der Marktgemeinde Gratkorn. Gratkorn 1997, S. 69.
  5. Ingo Mirsch: Kirchengeschichte. In: Marktgemeinde Gratkorn (Hrsg.): Die Geschichte der Marktgemeinde Gratkorn. Gratkorn 1997, S. 70.
  6. Hans Preitler: Kleine Chronik der Pfarre Gratkorn und der Kirche St. Stefan. Röm.-kath. Pfarre Gratkorn - St. Stefan, abgerufen am 7. Dezember 2022.
  7. Ingo Mirsch: Kirchengeschichte. In: Marktgemeinde Gratkorn (Hrsg.): Die Geschichte der Marktgemeinde Gratkorn. Gratkorn 1997, S. 72.
  8. Ingo Mirsch: Kirchengeschichte. In: Marktgemeinde Gratkorn (Hrsg.): Die Geschichte der Marktgemeinde Gratkorn. Gratkorn 1997, S. 73.
  9. Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio Steiermark (ohne Graz). 2. Auflage. Berger, Horn/Wien 2006, ISBN 3-85028-439-5, S. 143.

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