Postzeitungsamt

Das Postzeitungsamt war eine dem Reichspostamt unmittelbar unterstellte, von einem Postdirektor geleitete Behörde. Das Amt war betraut mit der Wahrnehmung der Geschäfte einer Verlagspostanstalt für sämtliche in Berlin erschienenen und zum Inlandsvertrieb angemeldeten Zeitungen und Zeitschriften sowie für die vom Gesetzsammlungsamt (später Reichsverlagsamt) verlegten Blätter (Reichsgesetzblatt, Preußische Gesetzsammlung, vier Verordnungsblätter des Reichsfinanzministeriums). Es war zugleich Zentral- und Auskunftsstelle für die das ganze Reichspostgebiet berührenden Angelegenheiten des in- und ausländischen Zeitungsvertriebs.[1]

Postzeitungsamt

Ehemaliges Postzeitungsamt,

Daten
Ort Berlin-Mitte, Dessauer Straße 4–5
Architekt Ernst Hake
Baustil Stilformen der Renaissance
Baujahr 1893–1895
Koordinaten 52° 30′ 21,8″ N, 13° 22′ 44″ O
Besonderheiten
Bis auf Nebengebäude im Zweiten Weltkrieg zerstört.
UE Campus Berlin, 2022

Geschichte

Am 1. Januar 1822 wurde das „Königliche Zeitungs-Komtoir“ gegründet, das 1825 mit dem preußischen „Gesetzsammlungs-Debits-Komtoir“ vereinigt wurde. Nach der Reichsgründung wurde es zum „Kaiserlichen Post-Zeitungsamt“, das anfänglich seinen Sitz in der Leipziger Straße Nr. 16 hatte.[2] Wegen der fehlenden Fläche zur Erweiterung konnte bereits 1892/93 Mittel zum Ankauf geeigneter Fläche an der Dessauer Straße/Königgrätzer Straße von 5026 m² bewilligt und ein Neubau in der Nähe zweier Hauptbahnhöfe, dem Anhalter- und dem Potsdamer Bahnhof, geplant werden.

Gebäude

Das Hauptgebäude bestand aus Vorderhaus, Mittelbau und Hinterhaus. Das dreigeschossige Vorderhaus mit einem Vorhof an der Dessauer Straße hatte im Erdgeschoß einen Verkaufsraum für die Gesetzblätter, einen Erfrischungsraum sowie den Annahmeraum mit Vorhalle zu dem im Mittelbau anschließenden Versendungssaal. Daran anschließend befand sich im Hinterhaus der etwa 200 m² große Packraum (Paketsammel- und Verladestelle). Im 2. Geschoß des Vorderhauses befanden sich das Direktoren-Zimmer, die Registratur, das Amtszimmer und die Kanzlei. Im Mittelbau befand sich ein ebensogroßer Versendungssaal wie darunter. Diese waren durch Aufzüge und Gleitbahnen mit den darunterliegenden Betriebsräumen verbunden. Das 3. Geschoß diente zur Unterbringung der übrigen Büros, der Kasse und der Buchhalterei. Das Dachgeschoß hatte unter anderem auch zwei Wohnungen für Unterbeamte.

Am 16. März 1895 bezog das Postzeitungsamt einen nach Entwurf des Geheimen Postrats Ernst Hake[3] und der Bauleitung des Postbaurats Heinrich Techow errichteten Neubau in der Dessauer Straße 4–5. 1907 bis 1913 erfolgten Erweiterungen in der Königgrätzer Straße 20 (heute Stresemannstraße 121).[4]

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Postzeitungsamt, bis auf einige Nebengebäude, zerstört. Heute befindet sich auf dem Gelände die University of Europe for Applied Sciences.[5]

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Die Zeitungspreislisten der Reichs-Postverwaltung.. Archiv für Post und Telegraphie. 6. Jhrg. S. 257 - 270 In: Beihefte zum Amtsblatt der Deutschen Reichs-Post und Telegraphenverwaltung. Berlin 1878.
  2. Postaemter der Ober-Post-Direction. Das Post Zeitungs-Amt In: Berliner Adreßbuch, 1873, Teil 3, S. 11.
  3. Ernst Hake. In: Structurae, abgerufen am 14. Mai 2018.
  4. Das Postzeitungsamt in Berlin Archiv für Post und Telegraphie Jhrg. 23. 1895 S. 303–314
  5. University of Europe for Applied Sciences Berlin
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