Rolf Buch

Rolf Eberhard Buch (* 2. April 1965 in Weidenau) ist ein deutscher Industrie- und Immobilien-Manager. Er wurde 2013 zum Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Annington berufen, die nach der Übernahme der Gagfah im Jahr 2015 in Vonovia umbenannt wurde. Unter seiner Führung rückte Vonovia 2015 in den DAX auf und übernahm 2021 die Deutsche Wohnen.

Rolf Buch (2019)

Herkunft

Buch wurde in Weidenau bei Siegen geboren.[1] Im Alter von drei Jahren zog seine Familie in den Essener Stadtteil Kettwig. Sein Vater war dort für das weltweite Walzstraßengeschäft von Krupp verantwortlich.[2] Nach dem Abitur studierte Buch Maschinenbau und Betriebswirtschaftslehre an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und schloss 1990 mit dem Ingenieurdiplom ab.[1]

Buch lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Gütersloh.[3]

Karriere

Bertelsmann

Buch begann seine berufliche Laufbahn 1991 im Druck- und Industriebereich von Bertelsmann.[4] Zunächst arbeitete Buch als Assistent der Geschäftsführung für die Bertelsmann Distribution.[5] Nach verschiedenen Positionen in Vertrieb und Marketing in- und ausländischer Tochtergesellschaften wurde er 1996 zum Geschäftsführer von Bertelsmann Services in Frankreich berufen. 1999 übernahm er als Vorsitzender der Geschäftsführung die Verantwortung für die gesamte Bertelsmann Services Group.[6]

2002 rückte Buch in den Vorstand der Servicesparte Arvato[7] auf, dessen Vorsitz Hartmut Ostrowski innehatte.[8] Unter seiner Leitung entwickelte sich das internationale Dienstleistungsgeschäft zu einem wichtigen Umsatz- und Gewinnbringer.[5] Buch baute die Aktivitäten im Bereich Customer-Relationship-Management aus und stabilisierte das Geschäft mit der Produktion von Tonträgern.[9]

2008 trat Buch die Nachfolge von Ostrowski als Vorstandsvorsitzender von Arvato an und wurde Mitglied des Vorstands von Bertelsmann.[10] In dieser Position forcierte er das Geschäft mit Dienstleistungen für Städte und Gemeinden.[11] Hierbei lag der Fokus auf dem Vereinigten Königreich und Spanien.[12] Zudem investierte Buch in digitale Angebote, um Arvato auf den digitalen Wandel vorzubereiten.[13]

Ende 2012 schied Buch aus dem Arvato-Vorstand aus und verließ den Bertelsmann-Konzern.[14]

Vonovia

2013 gab das Immobilienunternehmen Deutsche Annington bekannt, Buch als Vorstandsvorsitzenden zu verpflichten.[15] Er führte das Unternehmen an die Börse und vergrößerte durch Zukäufe den Wohnungsbestand.[16] Außerdem baute er das Angebot wohnungsnaher Dienstleistungen aus.[17] Mit Übernahme der Gagfah[18] im Jahr 2015 und der Buwog[19] im Jahr 2018 schuf Buch den größten deutschen Immobilienkonzern.

Unter dem neuen Namen Vonovia[20] stieg das Unternehmen in die Leitindizes DAX 30[21] und EURO STOXX 50[22] auf. Im weiteren Verlauf expandierte der Konzern auch international, insbesondere in Schweden. 2021 gelang Buch die Übernahme der Deutsche Wohnen,[23] dem größten Konkurrenten der Vonovia auf dem deutschen Markt. Vonovia ist heute das größte europäische Immobilienunternehmen.[24]

Wahrnehmung

Vor dem Hintergrund der Debatte um die gesellschaftliche Verantwortung der Immobilienwirtschaft steht Rolf Buch als Chef des Marktführers im Fokus der Öffentlichkeit.[25][26] Ihm wurde die Vervielfachung des Marktwertes von Vonovia unmittelbar zugerechnet. Gleichzeitig wurde er für starke Mieterhöhungen und weitere Probleme der Branche verantwortlich gemacht.

Buch gestand Fehler bei Vonovia ein und reagierte mit verschiedenen Maßnahmen für soziale und wirtschaftliche Härtefälle.[27][28] Beispiele sind die Begrenzung der Modernisierungsumlage,[29] die Wohngarantie für Senioren und der Schutz vor Kündigungen im Winter.[30][31] Buch bekräftigte das Ziel, die Auswirkungen der Energiekrise abzumildern.[32]

Weitere Mandate (Auswahl)

Zudem ist Buch stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und Vizepräsident des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA). Aus Perspektive der Spitzenverbände äußerte er sich immer wieder zu gesamtwirtschaftlichen Themen, etwa den Auswirkungen der Inflation auf Mieten.

Commons: Rolf Buch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rolf Buch. In: Internationales Biographisches Archiv. Munzinger, 1. März 2016, abgerufen am 13. Juni 2019.
  2. Tina Kaiser: Maschinenbauer mit Faible für das Rasen. In: Welt am Sonntag. 3. August 2008, S. 72.
  3. Niedrigere Mieten – und trotzdem rentabel. In: Höxtersche Zeitung. 16. Dezember 2016, S. 6.
  4. Stefan Brams: Vor dem Karrieresprung. In: Neue Westfälische. 15. Dezember 2006.
  5. Ein Dienstleister rückt an die Spitze. In: Neue Westfälische. 20. Januar 2007.
  6. Stefan Schelp: Schneller als alle anderen. In: Neue Westfälische. 26. November 2015.
  7. Neuer Name, neue Ziele. In: Darmstädter Echo. 9. Juni 1999.
  8. Ostrowski folgt auf Thielen bei Arvato. In: Die Welt. 2. September 2002, S. 11.
  9. Andrea Frühauf: Arvato verstärkt sich: Bertelsmann-Tochter kauft fünf Callcenter von der Telekom. In: Neue Westfälische. 27. März 2007.
  10. Hans-Peter Siebenhaar: Rolf Buch wird Arvato-Chef. In: Handelsblatt. 22. Januar 2007, S. 13.
  11. Kai-Hinrich Renner: Bertelsmann-Tochter Arvato will Kommunen als Kunden gewinnen. In: Die Welt. 10. April 2008, S. 14.
  12. Hans-Peter Siebenhaar: Auf der Suche nach einem neuen Goldesel. In: Handelsblatt. 4. April 2008, S. 16.
  13. Lutz Knappmann: Arvato drängt ins Digitalgeschäft. In: Financial Times Deutschland. 24. März 2010, S. 7.
  14. Stefan Schelp: Arvato-Chef räumt das Feld. In: Neue Westfälische. 1. Dezember 2012.
  15. Hans-Peter Siebenhaar, Reiner Reichel: Der neue Herr im Haus. In: Handelsblatt. 1. März 2013, S. 70.
  16. Andreas Heitker: Rolf Buch soll Deutsche Annington an die Börse führen. In: Börsen-Zeitung. 2. März 2013, S. 16.
  17. Claudia Wagner: Stratege am Wohnungsmarkt. In: Südkurier. 11. Januar 2019, S. 19.
  18. Walther Becker: Groß, größer, Annington. In: Börsen-Zeitung. 1. März 2014, S. 8.
  19. Vonovia-Angebot für Buwog erfolgreich. In: Der Standard. 12. März 2018, abgerufen am 8. November 2021.
  20. Alles neu macht der Herbst. Deutsche Annington schließt sich mit Konkurrenten Gagfah zusammen und nennt sich Vonovia. In: Der Tagesspiegel. 2. Mai 2015, S. 3.
  21. Christoph Rottwilm: Wie Deutschlands größter Wohnungsvermieter in die erste Börsenliga aufstieg. In: Manager Magazin. 4. September 2015, abgerufen am 13. Juni 2019.
  22. Annette Becker: Vonovia-Chef Buch erklimmt den nächsten Gipfel. In: Börsen-Zeitung. 3. September 2020, abgerufen am 25. Januar 2023.
  23. Dritter Anlauf: Vonovia bei Deutsche Wohnen am Ziel. In: Berliner Morgenpost. 7. Oktober 2021, abgerufen am 25. Januar 2023.
  24. Heike Jahberg: Eine Million Mieter unter einem Dach. In: Der Tagesspiegel. 2. Dezember 2014, S. 6.
  25. Götz Hamann: Er kann es doch. In: Die Zeit. Nr. 37, 2015, S. 24 (zeit.de [abgerufen am 13. Juni 2019]).
  26. Volker ter Haseborg: Wie Vonovia-Chef Rolf Buch ein Immobilienimperium formte. In: WirtschaftsWoche. 18. Dezember 2018, abgerufen am 13. Juni 2019.
  27. Alexander Jung, Anne Seith: „Wir haben Fehler gemacht“. In: Der Spiegel. Nr. 38, 2018, S. 64 (spiegel.de [abgerufen am 13. Juni 2019]).
  28. Michael Fabricius, Ulf Poschardt: „Wir machen auch Fehler“. In: Welt am Sonntag. 21. April 2019, S. 38.
  29. Uta Knapp, Reinhart Bünger, Michaela Nehren Essing: Vonovia tritt auf die Bremse. In: Der Tagesspiegel. 8. Dezember 2018, S. 211.
  30. Immobilienkonzern Vonovia gibt Wohngarantie für Mieter ab 70. In: Spiegel. 16. Mai 2019, abgerufen am 25. Januar 2023.
  31. Vonovia: Niemand wird Wohnung wegen Energiekosten verlieren. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 27. September 2022, abgerufen am 25. Januar 2023.
  32. Mieten und Inflation: „Die Löhne müssen steigen, und zwar spürbar“. In: Süddeutsche Zeitung. 24. September 2022, abgerufen am 25. Januar 2023.
  33. Rolf Buch. Bloomberg, abgerufen am 13. Juni 2019 (englisch).
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