Russemusikk
Russemusikk ist ein Musikgenre aus Norwegen, das zur Partymusik gehört. Die Lieder des Genres entstehen größtenteils als Auftragsarbeiten für die Russfeiern der norwegischen Abschlussschüler. Typisch für die Lieder sind provozierende Texte.[1]
Hintergrund und Geschichte
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Norwegische Abschlussschüler werden in Norwegen als „Russ“ bezeichnet. Um die Zeit ihrer Abschlussarbeiten veranstalten diese Russfeiern, die ihren Höhepunkt am norwegischen Nationalfeiertag, dem 17. Mai, erreichen. Vor allem in der Region um Oslo entwickelte sich der Brauch, dass die Abschlussschüler in Gruppen mit teils hohen Kosten Busse zu ihren Gruppenslogans umbauten. Diese Busse werden im Norwegischen Russebusser genannt.[2][3]
Jedes Jahr kristallisierten sich Lieder heraus, die bei den Russfeiern des Abschlussjahrgangs besonders populär wurden. Im Jahr 1989 begann man damit, das „Russelied des Jahres“ zu küren. Das erste Lied, das mit dem Titel ausgezeichnet wurde, war Splitter Pine der Band Dum Dum Boys. Etwa um das Jahr 2005 ließen in der Region Østlandet erstmals Busgruppen eigene Lieder anfertigen. Von dort verbreitete sich der Trend ins restliche Norwegen. Der Trend wurde dadurch begünstigt, dass das Produzieren von Musik leichter geworden war und viele Anfänger in der Musikbranche damit begannen, in dem Genre ihr erstes Geld zu verdienen.[4][5] Das DJ-Duo Broiler und die DJs Kygo und Martin Tungevaag produzierten beispielsweise zu Beginn ihrer Karriere Lieder für Abschlussschüler.[1]
Im Jahr 2011 galt ein Preis von 10.000 bis 20.000 Kronen als typischer Preis. Als die teuerste Auftragsarbeit galt zu diesem Zeitpunkt ein Lied des US-amerikanischen Musikproduzenten Skrillex, das für 15.000 US-Dollar, was zu diesem Zeitpunkt rund 80.000 Kronen entsprach, an eine Busgruppe aus Bærum ging.[6] Im Jahr 2016 soll der Preis für die Lieder bei den bekanntesten Künstlern bei rund 100.000 Kronen gelegen haben. Die Rechte an den Liedern verbleiben im Normalfall bei den Produzenten, womit sie auch Erlöse durch Streaming und andere Verwertung der Lieder erzielen. Den Busgruppen wird nur ein befristetes Recht dazu eingeräumt, die Lieder auf Veranstaltungen spielen zu dürfen.[3]
Charakteristische Elemente, Liedtexte und -titel
Bei den Liedern der Russemusikk handelt es sich häufig um elektronische Tanzmusik (EDM).[7] Die Texte sind meist in norwegischer Sprache und erregten in den Medien für ihre provozierenden und sexualisierten Texte Aufmerksamkeit.[4] Im Jahr 2015 schaffte unter anderem das Lied Sjeiken 2015 von Tix eine größere Kontroverse, da es Sätze wie „I kveld er det lov å være hore“ (deutsch: „Heute Abend ist es erlaubt, eine Hure zu sein“) und „Vil du bli med meg hjem hvis jeg skjenker deg noe sprit da?“ (deutsch: „Kommst du mit mir heim, wenn ich dir Alkohol einschenke?“) enthält.[8][9] Die Beschreibung von Drogenkonsum wurde mit der Zeit ebenfalls ein wiederkehrender Inhalt in den Liedern des Genres.[10]
Viele Lieder aus dem Genre sind nach den gleichen Schema benannt und setzten sich aus dem Namen der Busgruppe und dem Abschlussjahr zusammen. Einige Bands wie Ballinciaga gingen dazu über, dieses Schema nicht mehr anzuwenden.[11]
Einzelnachweise
- Magnus Lutnæs Aas: Russemusikk: Et springbrett til en internasjonal musikkarriere. In: NRK. 22. Februar 2016, abgerufen am 20. Dezember 2022 (norwegisch (Bokmål)).
- Tor Ivar Hansen: russ. In: Store norske leksikon. 9. Mai 2019, abgerufen am 20. November 2022 (norwegisch).
- Webjørn S. Espeland: De lettlurte. In: p3.no. 11. Mai 2016, abgerufen am 20. November 2022 (norwegisch).
- Anne-Lise Aase Aamli: Russelåter. In: NRK. 13. Juni 2017, abgerufen am 20. November 2022 (norwegisch).
- Maiken Svendsen: Så mye koster russelåtene. In: Verdens Gang. 9. Mai 2016, abgerufen am 20. November 2022 (norwegisch).
- Jan Gunnar Furuly: Kjøpte tidenes dyreste russelåt fra Skrillex. In: Aftenposten. 2. Mai 2011, abgerufen am 20. November 2022 (norwegisch).
- Anne-Lise Aase Aamli: Russelåter. In: NRK. 13. Juni 2017, abgerufen am 20. Dezember 2022 (norwegisch).
- Elin Reffhaug Craig: – Vi har skapt et monster. In: Budstikka. 2. Mai 2015, abgerufen am 19. September 2022 (norwegisch).
- Thomas Talseth: Skandale-russelåt stormer VG-lista. In: Verdens Gang. 15. Mai 2015, abgerufen am 20. November 2022 (norwegisch).
- Ingvild Vik, Bastian Lunde Hvitmyhr: Russelåtene i endring: – «Coke» høyt på listen. In: Verdens Gang. 14. Mai 2022, abgerufen am 20. Dezember 2022 (norwegisch (Bokmål)).
- Sjur Systad Tyssen: Festmusikkens samleband. In: p3.no. 20. November 2022, abgerufen am 20. November 2022 (norwegisch).