Schematheorem
Das Schematheorem nach John H. Holland behandelt das Konvergenzverhalten genetischer Algorithmen. Das Theorem beweist, dass sich Individuen mit überdurchschnittlicher Fitness mit höherer Wahrscheinlichkeit durchsetzen[1].
Herleitung
Das Schematheorem betrachtet das Genom eines Individuums, in der Regel also eine Bitkette, die Werte kodiert. Zunächst muss der Begriff Schema erläutert werden: Ein Schema ist ein Bitmuster, das eine Menge von Bitketten repräsentiert. Ein Schema besteht aus den Zeichen 0 1 oder #. Das Zeichen # fungiert als Platzhalter für eine 0 oder 1.
Beispielsweise bezeichnet das Schema #101# die folgende Menge von Bitketten:
01010, 01011, 11011, 11010.
Das Schematheorem berechnet nun den Erwartungswert dafür, dass ein gewisses Schema H von einer Generation zur nächsten „überlebt“. Hierzu werden die drei zentralen Schritte eines Genetischen Algorithmus untersucht:
Es wird eine Population bestehend aus N binären Genomen der Länge l zu einem Zeitpunkt t betrachtet. Die verwendete Fitness-Funktion f sei normiert und für alle Bitketten der Länge l definiert.
Im Zuge der Herleitung werden folgende Schreibweisen verwendet:
Anzahl der Genome zum Zeitpunkt t, die das Schema H enthalten.
Der Durchmesser des Schemas H, wird definiert als Länge der kürzesten
Teilkette, die noch alle festen Bits des Schemas enthält.
Z. B. d(#0101##1##)=7.
Steht für die Anzahl der festen Bits in H. Z. B. b(##0##11#)=3
Selektion
Da die Fitness normiert ist, gilt für die Wahrscheinlichkeit p, dass eine bestimmte Elternkette aus einer Population ausgewählt wird:
Seien nun ohne Einschränkung alle diejenigen Bitketten der Population zur Zeit t, die das Schema H enthalten.
Die Fitness des Schemas H wird dann definiert durch: .
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Kette ausgewählt wird, die H enthält, ist somit:
Für die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Elternketten, die beide H enthalten, ausgewählt werden, gilt: .
Rekombination (Crossover)
Beim 1-Point-Rekombination wird zunächst ein Trennpunkt zwischen den Bitstellen 1 und l-1 gewählt. Falls beide Elternteile H enthalten, so enthält auch die Tochterkette dieses Schema. Enthält nur eine Elternkette das Schema, so wird H im Mittel in der Hälfte der Fälle weitergegeben, falls es nicht beim Crossover selbst durchtrennt wird.
Die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht durchtrennt wird, ist:
Damit gilt für die Wahrscheinlichkeit W, dass beim Crossover das Schema H weitergegeben wird:
Falls beim Crossover das Schema H durchtrennt wird, besteht die Möglichkeit, dass das fehlende Teilstück an passender Stelle in der anderen Elternkette enthalten ist. Daher rührt die Ungleichung. Falls 2-Point-Crossover durchgeführt wird, hat das lediglich Auswirkungen auf , die Wahrscheinlichkeit, dass das Schema durchtrennt wird, steigt.
Mutation
Sei p die Mutationswahrscheinlichkeit, das heißt, jedes Bit der neuen Kette wird mit der Wahrscheinlichkeit p negiert. Dies bedeutet, dass das Schema H mit festen Bits mit der Wahrscheinlichkeit erhalten bleibt.
Wird dieser Effekt berücksichtigt, so ergibt sich für die Wahrscheinlichkeit , dass eine durch die Operatoren Crossover und Mutation erzeugte Kette das Schema H enthält:
Mit .
Fazit
Werden also insgesamt N neue Ketten erzeugt, so gilt für den Erwartungswert der Anzahl der Ketten, die das Schema H zum Zeitpunkt enthalten:
Die letzten beiden Formeln zeigen, dass Schemata mit überdurchschnittlicher Fitness und kleinem Durchmesser sich mit großer Wahrscheinlichkeit durchsetzen. Die Reproduktionswahrscheinlichkeit steigt aber auch mit der Häufigkeit eines Schemas . Das heißt, ein durchschnittliches Schema kann sich innerhalb einer Population durchsetzen, wenn es oft genug vorkommt. Dieser Effekt wird genetisches Driften genannt.
Weiterhin verdient der Faktor Beachtung. Eine hohe Mutationsrate p bewirkt eine verstärkte Destruktion erfolgreicher Muster. Andererseits ist eine gewisse Mutationshäufigkeit nötig, um den Suchraum möglichst umfassend zu durchsuchen. Durch Justierung von p kann also die Suchaktivität des Algorithmus gesteuert werden.
Einzelnachweise
- John H. Holland: Adaptation in natural and artificial systems : an introductory analysis with applications to biology, control, and artificial intelligence. 1st MIT Press ed Auflage. MIT Press, Cambridge, Mass. 1992, ISBN 0-585-03844-9.