Sektion Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung
Die Sektion Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung (Sektion NIS) ist eine Arbeitsplattform der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, die auf wissenschaftlicher, praktischer, beruflicher und interdisziplinärer Ebene die Teilbereiche Notfallmedizin, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung und angrenzenden Teilbereichen der Unfallheilkunde und Traumatologie weiterentwickelt. Die Sektion NIS wurde auf Beschluss der DGU-Präsidiumssitzung am 15./16. Juni 2007 aus dem Zusammenschluss der Arbeitsgemeinschaft Polytrauma und der Arbeitsgemeinschaft Notfall- und Intensivmedizin der DGU gegründet.
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Aufgaben
Die Aufgabe der Sektion besteht gemäß §2 der Satzung der DGU darin, die Teilbereiche Notfallmedizin, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung des Faches Unfallheilkunde/Traumatologie in Wissenschaft und Forschung aber auch in praktischen, beruflichen und interdisziplinären Aspekten weiterzuentwickeln.[1] Die Sektion ist dem Präsidium unterstellt und diesem berichtspflichtig.[2] Themengebiete (Auswahl):
- Schockraumalarmierung und Alarmierungskriterien
- Neue Qualitätsindikatoren im TraumaRegister
- Messung des Langzeitbehandlungsergebnis nach schwerem Unfalltrauma
- S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung (Registernummer 012 – 019)
- Weißbuch der Schwerverletztenversorgung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
- Maßnahmenbündel zur präklinischen Versorgung von Schwerverletzten (Trauma Care Bundle)
- Algorithmus zur Freigabe von Beckengurten (Clear the Pelvis)
- Reanimation bei traumatischem Kreislaufstillstand
- Effekte der therapeutischen Hypothermie nach schwerem Trauma
- Kolloidaler Volumenersatz beim Schwerverletzten
- Randomisiert-kontrollierte Studie zur osteosynthetischen Versorgung von Femurschaftfrakturen beim Polytrauma (Damage-Control-Study)
- Einführung der Kursformats Definitive Surgical Trauma Care (DSTC) in Deutschland
- Wissenschaftliche Leitung des TraumaRegister DGU
- Wissenschaftliche Begleitung des nationalen Advanced Trauma Life Support (ATLS-Programms)
Organisation
Sektionen sind zeitlich unbefristet eingerichtete Arbeitsplattformen der DGU, die zur Bearbeitung besonderer Teilbereiche der Unfallchirurgie durch einstimmigen Beschluss des Präsidiums gebildet werden.[3] Zur Bearbeitung von spezifischen Themen bildet die Sektion Arbeitskreise, die sich definierten Aufgaben widmen. Die Sektion NIS trifft sich etwa 2–3 Mal pro Jahr. Die Veranstaltungsorte wechseln zwischen den Kliniken, an denen die Mitglieder tätig sind. Im Frühjahr findet ein 2-tägiges und im Herbst ein eintägiges Arbeitstreffen statt. Traditionell findet im Herbst die Veröffentlichung des Jahresbericht TraumaRegister DGU statt. Das Ereignis hat sich inzwischen zur gemeinsamen Jahrestagung von TraumaRegister DGU, Sektion NIS und TraumaNetzwerk DGU (kurz TNT-Kongress) weiterentwickelt. Das Herbsttreffen findet im Anschluss an diesen wissenschaftlichen Kongress statt. Fester Bestandteil der Sektionsarbeit ist die ebenfalls öffentliche, wissenschaftliche Sitzung im Rahmen des DKOU, die sich mit aktuellen Themen aus dem Bereich Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung auseinandersetzt und traditionell am Tag der Sektionen stattfindet. Der Leiter und dessen Stellvertreter werden vom Präsidium auf Vorschlag des Geschäftsführenden Vorstandes der DGU gewählt. Die Amtszeit beträgt 3 Jahre. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich.[4] Aufgrund der vielfältigen Themengebiete im Bereich Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung wird die satzungsgemäße Leitung der Sektion seit 2011 durch das sog. NIS-Board verstärkt. Auf Vorschlag des Arbeitskreises Umsetzung TraumaNetzwerk DGU (AKUT) entsendet die Sektion NIS zwei Vertreter in den Ausschuss TraumaNetzwerk DGU.[5] Die Mitarbeit innerhalb der Sektion steht allen Mitgliedern der DGU frei. Nichtmitglieder der Gesellschaft können als assoziierte Mitglieder in der Sektion tätig werden, wenn sie ordentliche Mitglieder einer anderen wissenschaftlichen Vereinigung sind, deren Aufgaben und Ziele mit denen der DGU grundsätzlich übereinstimmen.[6] Von den Mitgliedern wird eine aktive Mitarbeit gefordert.
AK TraumaRegister Die wissenschaftliche Leitung des TraumaRegister DGU unterliegt der Sektion NIS, die somit für die stetige Fortentwicklung des Datensatzes, die Erarbeitung neuer Qualitätsindikatoren, die Inhalte der Qualitätsberichte und die Art der Datennutzung verantwortlich ist. Die zugehörige Arbeitsplattform ist der Arbeitskreis TraumaRegister, der bekannteste Arbeitskreis der Sektion NIS, der die wissenschaftliche Weiterentwicklung des TraumaRegister DGU gewährleistet. Der Arbeitskreis trifft sich jährlich zu einer zweitägigen Klausurtagung im Kardinal-Schulte-Haus in Bensberg, einem Stadtteil von Bergisch Gladbach, nahe Köln.
TNT-Kongress Der Jahreskongress der Sektion NIS ist der TNT. Dieser öffentlich stattfindende eintägige Kongress dient dem kollegialen Austausch im Bereich Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung und wird in Kooperation mit dem Ausschuss TraumaNetzwerk DGU® organisiert und durchgeführt. Der Veranstaltungsort wechselt jährlich. Hier werden die wichtigsten Neuigkeiten im Bereich der Schwerverletztenversorgung aus den Bereichen Wissenschaft und Forschung sowie den Traumanetzwerken vorgestellt. Präsentiert und diskutiert werden dabei neue Entwicklungen in der Versorgungsrealität, der aktuellen Literatur und neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Auf dem Treffen wird traditionell der Jahresbericht TraumaRegister DGU der Öffentlichkeit präsentiert. Seit 2016 werden auf dem TNT die drei wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten des zurückliegenden Jahres, die auf der Datenbasis des TraumaRegister DGU entstanden sind, vorgestellt und von der DGU dem Preis „TraumaRegister DGU-Publikation des Jahres“ ausgezeichnet. Über die Vergabe entscheide das NIS-Board. Ausschlaggebend für die Nominierung sind der Erzielte wissenschaftliche Impact der Arbeit (gemäß Impact-Factor nach Journal Citation Report) und die Originalität des Themas. Jedes Jahr kann nur jeweils eine Arbeit pro Klinik berücksichtigt werden. Der TNT stand am Ende einer eher kurzen Entwicklung, die mit einem jährlich im Herbst stattfindenden Symposium des AK TraumaRegister begann, auf dem der Jahresbericht TraumaRegister DGU präsentiert wurde. Dieses Symposium fand in einem eher kleinen Rahmen statt und war Teil des Herbstreffens der Sektion. Um dem Treffen und dem Jahresbericht eine breitere Aufmerksamkeit einzuräumen konzipierte die Sektion daraus ihren Jahreskongress, der überregional bei allen teilnehmenden Kliniken angekündigt wurde und der erstmals im September 2011 am Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) veranstaltet wurde. Weil es in der Folge immer wieder zu terminlichen Überschneidungen mit dem Jahreskongress TraumaNetzwerk DGU, der Jahrestagung des Arbeitskreises Umsetzung TraumaNetzwerk DGU kam und weil thematischen Gemeinsamkeiten bestanden, entschloss an sich, die Veranstaltungen gemeinsam zu organisieren. Der erste TNT fand erstmals im Jahr 2014 in Düsseldorf statt.
Leitung
Leiter
- Andreas Seekamp, seit Gründung bis 2010
- Sascha Flohé, 2011 bis 2016
- Gerrit Matthes, 2017 bis 2022
- Dan Bieler, seit 2023
Stellv. Leiter
- Steffen Ruchholtz, seit Gründung bis 2010
- Thomas Paffrath, 2011 bis 2016
- Heiko Trentzsch, 2017 bis 2022
- Uwe Schweigkofler, seit 2023
Schriftführer
- Rolf Lefering, seit Gründung bis 2010
- Heiko Trentzsch, 2011 bis 2016
- Dan Bieler, 2017 bis 2022
- Philipp Störmann, seit 2023
Geschichte
Die Unfallchirurgie versteht sich auch innerhalb des neu geschaffenen gemeinsamen Fachbereichs Orthopädie und Unfallchirurgie als diejenige medizinische Disziplin, die verunfallte Patienten vom Unfallort bis zum Abschluss der Rehabilitation betreut, soweit dies möglich ist. Somit liegen sowohl die präklinische Notfallmedizin als auch die Intensivmedizin im Rahmen der Schwerverletztenversorgung im zentralen Tätigkeitsfeld des Unfallchirurgen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, traten die damaligen Arbeitsgemeinschaften „AG Notfall- und Intensivmedizin“ und „AG Polytrauma“ (Gründungsname AG Scoringsysteme) im Jahre 2007 zusammen, weil sich sowohl die Themenbereiche, insbesondere aber auch die handelnden Personen beider Arbeitsgemeinschaften über die Jahre zunehmend überschnitten. Nachdem Arbeitsgemeinschaften satzungsgemäß zeitlich begrenzt an definierten Fragestellungen arbeiten, erschien es sowohl den Mitgliedern beider Gruppen als auch dem damals amtierenden DGU-Generalsekretär Siebert, naheliegend, die Themenbereiche neu zu strukturieren und zu einer zeitlich dauerhaft eingerichteten Sektion zusammenzufassen. Auf einem gemeinsamen Treffen der beiden AGs am 9. Februar 2007, in der Bibliothek der Uniklinik Frankfurt am Main, wurde, unter dem Vorsitz von Oestern und Seekamp, der Antrag an das Präsidium der DGU zur Gründung der neuen Sektion aus dem Zusammenschluss dieser beiden Arbeitsgemeinschaften formuliert und von den Anwesenden einstimmig beschlossen. Im Antrag wurden gleichzeitig die Vorsitzenden dieser neu zu gründenden Sektion vorgeschlagen, nachdem diese von den Mitgliedern beider Arbeitsgemeinschaften in einem Wahlverfahren ausgewählt worden waren. Auf der Sitzung wurde auch ein mögliches Konzept für die zukünftige Struktur und Arbeitsweise der Sektion erarbeitet. Innerhalb der Sektion sollten 5–8 Arbeitskreise/Projektgruppen ihre Themen autark bearbeiten. Im Rahmen der DGU-Präsidiumssitzung am 15. Juni/16. Juni 2007 wurde aus dem Zusammenschluss der Arbeitsgemeinschaft Polytrauma und der Arbeitsgemeinschaft Notfall- und Intensivmedizin der DGU die neue Sektion mit dem Namen Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung gegründet. Das erste offiziellen Treffen stattfindenden der neu gegründeten Sektion unter dem Namen „Sektion Notfall-/Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung (NIS)“ fand statt am 13./14. Juli 2007 am Universitätsklinikum in Kiel, im Seminarraum 4.11 des Verwaltungsgebäudes in der Brunswiker Straße 10, unter dem Vorsitz der neu berufenen Leitung, Seekamp und Ruchholtz. Auf Vorschlag der Anwesenden wurde Lefering per Akklamation zum ersten Schriftführer der Sektion gewählt.
Netzwerk und Kooperationen
- AG Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie (EKTC) der DGU
- American College of Surgeons (ACS)
- ATLS Deutschland
- AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) e.V.
- Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)
- Deutscher Rat für Wiederbelebung (GRC)
- Programm-Komitee des Deutschen Interdisziplinären Notfallmedizin Kongresses
- International Association for Trauma and Intensive Care (IATSIC)
- PHTLS Deutschland
TraumaNetzwerk DGU
TraumaRegister DGU
Sonstiges
Die Sektion NIS nennt sich im Englischen „Committee on Emergency Medicine, Intensive Care and Trauma Management“. Der Umstand, dass das Akronym des TNT-Kongresses identisch ist mit der Abkürzung des Sprengstoffs Trinitrotoluol war von den „Machern“ der ersten Tagung durchaus beabsichtigt und erwünscht; erhoffte man sich doch auf diesem Treffen Themen mit bundesweiter Sprengkraft zu diskutieren.
Weblinks
Einzelnachweise
- Quelle: Geschäftsordnung lt. Beschluss des Präsidiums vom 9. Juni 2006 VI Sektionen und Arbeitsgemeinschaften §1 Sektionen (2)
- Quelle: Geschäftsordnung lt. Beschluss des Präsidiums vom 9. Juni 2006 VI Sektionen und Arbeitsgemeinschaften §1 Sektionen (1) und Satzung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (Satzung zuletzt geändert durch die DGU-Mitgliederversammlung vom 29. Oktober 2014)
- Quelle: Geschäftsordnung lt. Beschluss des Präsidiums vom 9. Juni 2006 VI Sektionen und Arbeitsgemeinschaften §1 Sektionen (1)und Satzung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (Satzung zuletzt geändert durch die DGU-Mitgliederversammlung vom 29. Oktober 2014)
- Quelle: Geschäftsordnung lt. Beschluss des Präsidiums vom 9. Juni 2006 VI Sektionen und Arbeitsgemeinschaften §1 Sektionen (3)
- Quelle: Organisation TraumaNetzwerk DGU http://www.traumanetzwerk-dgu.de/de/ueber_uns.html
- Quelle: Satzung §3(5)