Soko Tierschutz
Soko Tierschutz ist ein 2012 in Deutschland gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich für Tierrechte einsetzt.[1] Er finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden.
| Soko Tierschutz | |
|---|---|
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| Rechtsform | Freiwilligen-Verein |
| Gründung | 2012 in München, |
| Gründer | u. a. Friedrich Mülln |
| Sitz | Augsburg |
| Methode | Informationsstände, Kampagnen, Pressearbeit, Recherche |
| Website | soko-tierschutz.org |
Methode
Der Verein setzt langwierige, genaue und umfassende Recherchen vor Veröffentlichung ein. Der Verein betreibt verdeckte Ermittlungen an Orten, an denen Tieren mutmaßlich Leid zugefügt wird, informiert die Medien und erstattet gegebenenfalls Strafanzeige. Themenschwerpunkte sind in der Öffentlichkeit als skandalträchtig angesehene Vorgänge aus der Landwirtschaft, Tierhaltung und Forschung an Versuchstieren in Universitäten, Forschungseinrichtungen und Pharmaunternehmen.
Ziel
In den Zielen der Organisation heißt es: „Wir wollen dem Wort Tierschutz seine ursprüngliche Bedeutung wiedergeben, die von den großen Organisationen bis zur Unkenntlichkeit verwässert wurde. Tierschutz bedeutet Schutz vor Tod, Schmerz und Angst. Die eindeutige Konsequenz ist die Umsetzung der Tierrechte und der veganen Lebensweise. Um dies zu erreichen gehen wir dort hin, wo Tiere leiden. Egal, ob es sich um den kleinen Bauernhof um die Ecke oder die letzten Verstecke der Tierquäler in Fernost handelt. Für uns spielt es keine Rolle, ob auf dem Stall Freiland, Bio oder Konventionell steht. Wir zeigen die Realität hinter den Mauern und Absperrzäunen. Unsere Taktik ist die investigative Recherche, unser Ziel ist es, die Wahrheit über die Tierhaltung und ihre Folgen für die Umwelt und den Verbraucher aufzudecken. Wir distanzieren uns von jeglicher Gewalt gegen Lebewesen und Gegenstände, Hassreden und Menschenverachtung. Die Durchsetzung der Tierrechte ist nur auf friedlichen demokratischen Weg unter Berücksichtigung der aller Lebewesen möglich.“[1] -->
Aktivitäten
Bad Iburg
2018 deckte die Organisation mit Videoaufnahmen schwerwiegende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz in einem Rinderschlachthof in Bad Iburg (Niedersachsen) auf, die zu dessen Schließung führten. Die zuständigen Veterinärmediziner des Landkreises Osnabrück wurden entlassen; bis August 2022 wurden 48 Verfahren geführt, die zumeist mit Geldstrafen endeten. Ende August 2022 wurden drei Angeklagte – der frühere Geschäftsführer und zwei Beschäftigte – vom Amtsgericht Bad Iburg zu Haftstrafen auf Bewährung sowie Geldstrafen verurteilt.[2]
Erfolge (Auswahl)
- 2021 – Schlachthof von Selm geschlossen. In einem schriftlichen Bericht für den Landtag befasst sich auch das Umweltministerium mit dem Vorgang: „Eine erste Sichtung des Videomaterials lässt erschreckende Filmaufnahmen über Aufhängen von Tieren bei vollem Bewusstsein und Töten durch Kehlschnitt ohne Betäubung erkennen.“ Demnach ist nach Informationen der Tierrechtsorganisation die Rede davon, dass allein in diesem Jahr mindestens 117 Schafe und 31 Rinder nachts außerhalb der regulären Schlachtzeiten ohne amtliche Schlachttier und Fleisch-Untersuchungen geschächtet wurden. Der gesamte Schlachtbetrieb auf dem Hof sei weiterhin untersagt, so der Kreissprecher. Den beiden Betreibern wurde zudem der Umgang mit Tieren verboten.[3]
- 2021 – Schlachthofbetriebe von Mecke GmbH geschlossen. Die Schlachtbetriebe von Mecke sowie die Metzgereien in Lünen und Werne und die Tiersammelstelle Werne, in der vor allem Rinder und Pferde, bevor sie in einen naheliegenden Schlachthof gebracht werden, wurden geschlossen. Zudem hat der Geschäftsführer von Mecke ein Tierhalteverbot erhalten.[4]
- 2021 – Schlachthof in Düdenbüttel bei Stade geschlossen. Der Betrieb hatte sich auf das Aufsammeln kranker und festliegender Kühe aus der Milchindustrie per Seilwinde spezialisiert. Angeklagt wurden 15 Fälle von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und 9 Fälle von gewerbsmäßigem Betrug durch den Handel mit illegal erzeugten minderwertigen Fleisch. Der Geschäftsführer und sein Sohn wurden zu einer Haftstrafe von einem Jahr und 10 Monaten und 9 Monaten zur Bewährung, und jeweils Geldstrafen von 4000 Euro und 1000 Euro verurteilt.[5]
Lob
Ein Verfahren gegen ein führendes Mitglied der Organisation (Friedrich Mülln), wonach er einen Strafbefehl von über 3500 Euro erhielt, weil er verdeckt aufgenommenes Videomaterial über Lebendrupfung an Gänsen bzw. „über die tierquälerische Gewinnung von Bettfedern und Daunen“ (so die Anklage) in TV-Beiträgen verwendet hatte, wurde im August 2014 gegen eine Zahlung in Höhe von 1500 Euro an das Tierheim München nach Rücksprache mit seinem Anwalt eingestellt. Der Richter Alexander Metz lobte Mülln: „Ich persönlich begrüße Ihre Arbeit für den Tierschutz“. Er habe sich die Reportage angeschaut und sei über die Qualen der Gänse entsetzt gewesen. „Es bedarf Menschen wie Sie, die sich für die Tiere einsetzen.“ Metz verabschiedete sich mit den Worten: „Setzen Sie sich weiter für den Tierschutz ein!“[6][7][8]
Kritik
Im September 2014 sendete Stern TV einen Beitrag über Tierversuche an Affen am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen, in welchem Aufnahmen aus verdeckter Recherche von Soko Tierschutz zu sehen waren, in denen der Umgang der Mitarbeiter mit den Tieren dokumentiert wurde.[9]
Laut Alexander Grau von Cicero seien die heimlich gedrehten Aufnahmen jedoch „publikumswirksam zurechtgeschnitten, mit emotionalisierender Musik unterlegt und mit einem unsachlichen, reißerischen Kommentar versehen, so dass der Zuschauer den Eindruck haben musste, in dem Tübinger Labor herrschten sadistische Zustände“.[10] So zeigten die Aufnahmen einen „scheinbar blutverschmierten, gequälten Rhesusaffen“. Tatsächlich war das „Blut“ nur Desinfektionsmittel.[11] Stefan Treue, der von der Max-Planck-Gesellschaft als Sachverständiger um eine Einschätzung gebeten wurde, kam zum Schluss, dass die Tiere am Max-Planck-Instituts in Tübingen mit großer Sorgfalt und Professionalität behandelt würden.[12] In Folge der Aufnahmen des Vereins kam es zu massiven Beleidigungen und Bedrohungen gegen die Wissenschaftler und Mitarbeiter des Instituts.[13] Dies ginge so weit, dass „Mitarbeitern des Instituts […] teilweise die Möglichkeit versagt worden sei, eine Wohnung anzumieten“.[14] Zudem kam es zu „Hass-Mails mit Morddrohungen, Pöbeleien in Geschäften […] sowie regelmässigen Demonstrationen“.[15] Laut Grau zeuge die Kampagne von „Hass, Gewaltbereitschaft und vor allem Desinformationen“.[10]
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer bezeichnete dies als „schweren Rückschlag für die Forschung“.[16] Hunderte Wissenschaftler, darunter 16 Nobelpreisträger, bekundeten ihre Solidarität mit dem Leiter des Instituts.[11]
Friedrich Mülln
Der Gründer des Vereins, Friedrich Mülln, recherchierte bereits lange vor der Vereinsgründung über Missstände in der Tierhaltung. Am 14. Oktober 2008 erhielt Friedrich Mülln für Aufdeckungen zum Thema Tierquälerei und insbesondere für seinen erfolgreichen Rechtsstreit um Meinungsfreiheit mit dem Weltkonzern Covance den Preis für Zivilcourage der Solbach-Freise-Stiftung.
Namensgebung
Der Name Soko Tierschutz wurde von einem großen Polizeieinsatz in Österreich gegen die Tierschutzszene abgeleitet, der von einer eigens gegründeten Soko Tierschutz durchgeführt wurden war.[17]
Literatur
- Friedrich Mülln: Soko Tierschutz: Wie ich undercover gegen den Wahnsinn der Massentierhaltung kämpfe. Droemer, München 2021, ISBN 978-3-426-27860-4.
Auszeichnungen
- Lush Prize (2015)[18]
- Panter Preis (2018)[19]
- Deutscher Engagementpreis (2019)[20]
- Lush Prize (2020)[21]
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- Selbstauskunft. In: Soko Tierschutz. Abgerufen am 14. Dezember 2022.
- Harff-Peter Schönherr: Milde für die Berufstierquäler. In: Die Tageszeitung – taz. 29. August 2022, abgerufen am 1. September 2022.
- Süddeutsche Zeitung: "Erschreckende Aufnahmen": Verdacht des illegalen Schächtens. Abgerufen am 7. Januar 2023.
- tagesschau.de: Vorwurf der Tierquälerei: Razzia bei Fleischhändler. Abgerufen am 7. Januar 2023.
- Kranke Tiere mißhandelt und geschlachtet, Haftstrafen im Schlachthof Skandal von Stade. Abgerufen am 7. Januar 2023.
- Natalie Kettlinger: Skandal aufgedeckt – angezeigt : Triumph für Tierschützer. In: abendzeitung-muenchen.de. 27. August 2014, abgerufen am 23. Juni 2015.
- Eberhard Unfried: Tierschützer demonstrieren für seinen Freispruch. In: tz.de. 27. August 2014, abgerufen am 23. Juni 2015.
- Oliver Grothmann: Tierschutz-Prozess „Machen sie weiter so“. Richter Alexander Metz lobt Gänse-Retter. In: bild.de. 27. August 2014, abgerufen am 23. Juni 2015.
- Die Debatte über Tierversuche am Max-Planck-Institut. (Memento vom 18. März 2015 im Internet Archive) Stern TV, 17. September 2014 (Onlineartikel)
- Tierrechtsbewegung - Moralische Fundamentalisten bedrohen die Wissenschaft. Abgerufen am 14. Dezember 2022.
- Pia Heinemann: Sind Tierversuche mit Affen wirklich nötig? In: DIE WELT. 11. Mai 2015 (welt.de [abgerufen am 14. Dezember 2022]).
- Stefan Treue zur Situation der Versuchstiere am Max-Planck-Institut - Tübingen - Schwäbisches Tagblatt Tübingen. 19. September 2014, abgerufen am 14. Dezember 2022.
- 3satMediathek. Abgerufen am 14. Dezember 2022.
- deutschlandfunk.de: Umstrittene Tierversuche mit Affen - "Aufnahmen sind teilweise nicht authentisch". Abgerufen am 14. Dezember 2022.
- Affenversuche werden beendet | NZZ. 16. Februar 2018, abgerufen am 14. Dezember 2022.
- Wegen blutverschmierter Tiere: Wissenschaftler bedroht! Max-Planck-Institut stellt Affenversuche ein - Tiere und Pflanzen - FOCUS Online - Nachrichten. 24. September 2015, abgerufen am 14. Dezember 2022.
- Friedrich Mülln: Soko Tierschutz: Wie ich undercover gegen den Wahnsinn der Massentierhaltung kämpfe. Droemer, München 2021, ISBN 978-3-426-27860-4. S. 239
- Preisträger 2015. Abgerufen am 14. Dezember 2022 (englisch).
- Lin Hierse: Panter Preis 2018: Die wahren Hüter der Verfassung. In: Die Tageszeitung: taz. 16. September 2018, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 14. November 2020]).
- WELT: Auszeichnungen: Vereine gegen Hasspostings und für Tierschutz mit Engagementpreis ausgezeichnet. 5. Dezember 2019 (welt.de [abgerufen am 5. Dezember 2019]).
- Braunschweiger Zeitung, Braunschweig Germany: Lush Tierschutzpreis 2020 fördert Undercover-Arbeit von SOKO Tierschutz mit 50.000 Pfund. 12. November 2020, abgerufen am 14. November 2020 (deutsch).
