Seilrangieranlage

Eine Seilrangieranlage ist eine Einrichtung, welche meistens in Verbindung mit einem über mehrere Führungs- und Umlenkrollen geleiteten Stahlseil als Transport-Hilfsmittel für Fahrzeuge eingesetzt wird. Seilrangieranlagen werden in Eisenbahngleisen an Ver- oder Entladeeinrichtungen oder in Werks- und Lagerhallen installiert, um Schienenfahrzeuge ohne Verwendung eines Triebfahrzeugs verschieben zu können.

Spillanlage in der Eisenbahn-Umspuranlage Brest (Belarus)

Es wird zwischen Anlagen mit nicht umlaufenden Seil oder umlaufenden Seil unterschieden.[1]

Anlagen mit nicht umlaufenden Seil

Bei Anlagen mit nicht umlaufenden Seil (auch Anlagen mit endlichen oder offenen Seil bezeichnet) wird das „offene“ Ende des Seils an den zu verschiebenden Schienenfahrzeugen eingehängt und durch die Anlage eingezogen. Das vorhergehende Auslegen des Seils erfolgt manuell. Das Seil läuft somit nicht um und kann nur Zugkräfte aufbringen. Eine Fahrtrichtungsänderung ist nur mittels Umlenkrollen machbar. Die Schienenfahrzeuge können mit diesen Anlagen nicht gebremst werden und müssen stattdessen mit Hemmschuhen oder deren Handbremse gebremst werden.[2]

Anlagen mit nicht umlaufenden Seil werden sowohl stationär, als auch mobil ausgeführt. Das Seil wird in der Regel entweder in den Zughaken oder einen seitlich am Längsträger angebrachten Seilhaken eingehängt.

Drehscheiben und Schiebebühnen wurden häufig auch mit Seilrangieranlagen mit nicht umlaufenden Seil ausgestattet, um Schienenfahrzeuge auf sie ziehen zu können. Mithilfe zusätzliche Umlenkrollen an den anschließenden Gleisen konnten die Fahrzeuge auch wieder heruntergezogen werden.[3]

Spillanlage

Bei Spillanlagen (auch Rangierspill genannt) wird ein endliches Seil in mehreren Windungen um einen angetriebenen Spill gelegt und das ablaufende Seil von Hand geführt. Bei abschüssigen Gleisabschnitten können durch fahrlässiges Lösen der Seilschlingen um den Spill die Wagen unbeabsichtigt ins Rollen kommen.[4] Solche Anlagen werden jedoch aufgrund der damit verbundenen Gefahren nicht mehr eingesetzt.[1]

Rangierwinde

Bei Rangierwinden oder Verzugwinden[3] handelt es sich um Seilwinden, welche die Schienenfahrzeuge durch Aufwinkeln des Zugseils bewegen.

Anlagen mit umlaufenden Seil

Bei Anlagen mit umlaufenden Seil (auch Anlagen mit geschlossenen Seil genannt) läuft das endlos gespleißte Seil zwischen zwei Umlenkrollen. Es kann in beide Richtungen bewegt werden, wodurch ein Fahrtrichtungswechsel und auch das Bremsen der zu verschiebenden Schienenfahrzeuge möglich ist.[2] Anlagen mit umlaufenden Seil werden in der Regel stationär ausgeführt.

Die Anlagen unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Art und Weise des Anschlags an die zu verschiebenden Schienenfahrzeuge.[2]

Anschlagkette

In einen seitlichen Seilhaken oder eine seitliche Öse des zu verschiebenden Schienenfahrzeugs wird eine Anschlagkette eingehängt, welche mit dem umlaufenden Seil verbunden ist.

Radsatzwagen

Der Radsatzwagen (auch Radsatzschub-, Förder- oder Verschubwagen genannt) fährt innerhalb des Gleises und überträgt die Zug- und Druckkräfte mittels Mitnehmer/Rollen, welche einen Radsatz umgreifen. Somit können Kräfte von bis zu 60kN übertragen werden.[1]

Pufferwagen

Der Pufferwagen (auch Verholwagen oder Verschubwagen genannt) läuft auf demselben Gleis wie die zu verschiebenden Schienenfahrzeuge und wird daher häufig auf Stumpfgleisen oder in Gleisen mit Ausweichgleis eingesetzt. Mithilfe einer Zug- und Stoßeinrichtung werden sie mit den Schienenfahrzeugen gekuppelt. Hierdurch ist die Übertragung von großen Zug- und Druckkräften möglich.

Der Pufferwagen kann auch mit einer automatischen Mittelpufferkupplung oder einer Rangierkupplung ausgestattet sein, wodurch ein ferngesteuertes An- und/oder Abkuppeln möglich ist.

Einzelnachweise

  1. H. Krampe: Anschlussbahnen. 1. Auflage. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1976, Lizenznummer 162-925/38/76, 2.5.3 Seilrangieranlagen, S. 53–56.
  2. Verschieben von Eisenbahnfahrzeugen – bewegen ohne Lokomotiven. In: VGB (Hrsg.): VGB-Fachwissen - warnkreuz Spezial. Nr. 16, Juni 2019, 6.6 Seilzug- und Spillanlagen, S. 34–35 (vbg.de [PDF]).
  3. Walter Weikelt, Manfred Teufel: Die Technologie der Ausbesserung der Dampflokomotiven. 1. Auflage. Stuttgart 2005, ISBN 978-3-613-71256-0, 7.201.21 Anlagen für das Umsetzen der Lokomotiven, S. 191.
  4. Über Rangierwinden. In: Verkehrstechnische Woche. XIII. Jahrgang, Nr. 1/2. Berlin 11. Januar 1919, S. 32–33 (archive.org).
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