Spionageballon

Ein Spionageballon ist ein zu Spionagezwecken verwendeter Ballon. Er kann sowohl bemannt als auch unbemannt sein.

Kameratragende Gondel eines Genetrix-Ballons aus 1956, USA. (2016) Vgl. Luna 3
Chinesischer mutmaßlicher Spionageballon am 1. Februar 2023 über Billings (Montana)

Geschichte

Bemannte Spionageballons wurden bis zum Ersten Weltkrieg zum Ausspähen von Arealen hinter der feindlichen Frontlinie eingesetzt. Diese von Feldluftschiffern betriebenen Fesselballone spielten schon im Zweiten Weltkrieg nur noch eine untergeordnete Rolle.

Im Kalten Krieg zwischen den USA und der UdSSR spielten Spionageballons wieder eine Rolle. So wurden von Mitte der 1950er- bis Ende der 1960er-Jahre über 4000 Ballons fremder Herkunft über dem Territorium der UdSSR gezählt, die von der CIA eingesetzt wurden. Bei Beschwerden der UdSSR trat die NASA als Verantwortlicher auf und behauptete, es handele sich um harmlose Wetterballons (Project Skyhook, Project Genetrix, Project Moby Dick, Project Mogul).

Nach dem Vorfall mit einem Chinesischer Beobachtungsballon über Nordamerika 2023 berichtete die Washington Post unter Berufung auf CIA-Kreise, China nutze Spionageballons bereits etliche Jahre um in mehreren Ländern Informationen über dortige militärische Einrichtungen von "strategischem Interesse" einzuholen. In Japan, Indien, Vietnam, Taiwan und den Philippinen seien mutmaßlich Spionageballons eingesetzt worden. Das Land habe "eine unglaublich alte Technologie mit modernen Kommunikations- und Beobachtungsmöglichkeiten kombiniert, um Informationen über die Streitkräfte anderer Länder zu sammeln", wurde ein Vertreter der US-Regierung zitiert.[1][2]

Technik

Unbemannte Spionageballons werden zur optischen und fernmeldetechnischen militärischen Aufklärung eingesetzt. Anders als Spionage-Satelliten können Ballons quasi geostationär an einer Stelle verharren und können so umfangreicheres Bildmaterial aus geringerer Höhe generieren. Somit können Details und Bewegungen über längere Zeit beobachten werden. Die Ballons sind mittels Radar schwer zu entdecken. Als Aufklärungsmittel sind sie billiger als Satelliten.[1]

Wegen ihrer großen maximalen Flughöhe sind Spionageballons sehr gut geeignet für die Fernmeldeaufklärung, insbesondere für Frequenzen über 30 MHz.

Vermutete Operationen

  • Chinesischer Beobachtungsballon über Nordamerika 2023

Literatur

  • Wolfgang Schreyer: Die Piratenchronik. Dramatische Szenen und Berichte aus der Geschichte der Luftspionage. Kongress-Verlag, Berlin 1961 DNB 454469675

Einzelnachweise

  1. Süddeutsche Zeitung: Mutmaßliche Spionageballons aus China über fünf Kontinenten gesichtet. Abgerufen am 9. Februar 2023.
  2. tagesschau.de: Bericht: Nutzt China Ballons für weltweite Spionage? Abgerufen am 9. Februar 2023.
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