Tár

Tár (Eigenschreibweise: TÁR) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Todd Field aus dem Jahr 2022. Das fiktionale Musikdrama stellt eine Dirigentin (gespielt von Cate Blanchett) in den Mittelpunkt, die als Erste ihrer Zunft ein großes deutsches Orchester leitete.

Der Film wurde am 1. September 2022 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt. In der Folge wurde die Schauspielleistung von Hauptdarstellerin Blanchett vielfach preisgekrönt. Ein regulärer Kinostart in den USA erfolgte am 7. Oktober 2022. In Deutschland soll der Film am 23. Februar 2023 im Rahmen einer Sondervorführung bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin erstmals gezeigt werden. Ein regulärer deutscher Kinostart von Tár ist am selben Tag geplant. Auf der Berlinale soll auch der im Tár-Universum angesiedelte Kurzfilm The Fundraiser vorgestellt werden.

Handlung

Der Film handelt von der fiktiven[1] Figur Lydia Tár, der ersten Frau, die jemals als Chefdirigentin eines großen deutschen Orchesters eingeladen wurde.[2] Dabei muss sich die weltbekannte Künstlerin in einem männerdominierten Beruf bewähren. Der Film folgt Lydia Tár in ihrem Alltag in der deutschen Hauptstadt bis hin zu ihrer neuesten Aufnahme, Gustav Mahlers 5. Symphonie. Dabei hat die ambitionierte Frau Mühe, ihr Berufs- und Privatleben voneinander zu trennen, was Konsequenzen haben könnte. So deutet sich eine Beziehung mit einer Cellistin an – was auch Társ Ehefrau nicht verborgen bleibt.

Lydia Tár ist eine amerikanische Pianistin, Ethnomusikologin, Komponistin und die erste Chefdirigentin der Berliner Philharmoniker. Während eines Interviews mit Adam Gopnik beim New Yorker Festival wirbt sie für mehrere neue Projekte, darunter ihre bevorstehende Live-Aufnahme von Mahlers Fünfter Sinfonie und das neue Buch Tár on Tár. Sie verlässt sich auf Francesca, ihre persönliche Assistentin und Ex-Liebhaberin, und Sharon, ihre Frau und Konzertmeisterin. Lydia isst mit Eliot Kaplan zu Mittag,[a] einem Investmentbanker und Amateurdirigenten, der zusammen mit Lydia die Accordion Foundation gegründet hat, um aufstrebende Dirigentinnen zu unterstützen. Sie besprechen Technik, ersetzen Lydias Assistenzdirigent Sebastian und besetzen eine vakante Cellostelle in Berlin. Lydia hält eine Meisterklasse an der Juilliard School. Sie fordert einen BIPOC-Pangender-Studenten heraus, weil er sich nicht für weiße Cisgender-Komponisten wie J. S. Bach[11] interessiert, und ermutigt die Schüler, über oberflächliche Unterschiede hinwegzusehen und sich auf die Musik selbst zu konzentrieren. Vor ihrer Rückkehr nach Berlin erhält Lydia von Krista Taylor, einer ehemaligen Akkordeon-Stipendiatin, eine Erstausgabe von Vita Sackville-Wests Roman „Challenge“. Traumsequenzen und E-Mails deuten darauf hin, dass Lydia und Krista in einer sexuellen Transaktionsbeziehung waren, die schief ging, wobei Krista unberechenbar wurde, nachdem Lydia sie von verschiedenen Orchestern auf die schwarze Liste gesetzt hatte. Vor einem blinden Vorsingen für die Celloposition entdeckt Lydia die russische Hoffnungsträgerin Olga Metkina im Badezimmer. Von Olga angezogen, sichert sich Lydia ihre Gefälligkeiten, wie z. B. die Änderung ihrer Scorecard, um sich einen Platz im Orchester zu sichern, und die Gewährung einer Pflaumensolistenposition im Begleitstück zu Mahlers Fünftem, Edward Elgars Cellokonzert. Während Lydia sich auf die Aufnahmen vorbereitet, werden ihre Beziehungen zu Francesca und Sharon angespannt, da beide ihre Anziehungskraft auf Olga erkennen. Nachdem Krista zunehmend alarmierende E-Mails an Francesca geschickt hat, nimmt sie sich das Leben und Lydia weist Francesca an, jegliche Korrespondenz von oder über Krista zu löschen. Lydia behält auch einen Anwalt, da Kristas Eltern klagen wollen. Lydia informiert Sebastian über seinen bevorstehenden Ersatz. Wütend zeigt er an, dass das Orchester sich ihrer Bevorzugung bewusst ist und dass es missbräuchliches Verhalten gegenüber jungen Frauen nahelegt. Er spekuliert, dass Francesca sein Ersatz sein wird, was einen Austausch sexueller Gefälligkeiten impliziert. Verunsichert von den Vorwürfen plant Lydia, Sebastian durch einen anderen Kandidaten zu ersetzen. Lydia wird von schreienden Frauen in der Ferne, Alpträumen, chronischen Schmerzen, einer zunehmenden Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen und rätselhaften Kritzeleien heimgesucht, die denen von Krista ähneln. Während sie versucht, eine neue Komposition fertigzustellen, wird sie ständig durch das Geräusch eines medizinischen Alarmgeräts nebenan gestört, wo sich ihre unberechenbare Nachbarin um ihre sterbende Mutter kümmert. Ein irreführend bearbeitetes Video von Lydias Juilliard-Klasse geht viral, und in der New York Post erscheint ein Artikel, in dem sie der sexuellen Vergewaltigung beschuldigt wird. Lydia kehrt in Begleitung von Olga nach New York zurück, um an einer Aussage für die Klage von Kristas Eltern teilzunehmen und für ihr Buch zu werben. In New York wird sie von Demonstranten empfangen. Während der Aussage wird impliziert, dass Francesca belastende E-Mails mit den Klägern geteilt hat. Zurück in Berlin wird Lydia aufgrund der Kontroverse als Dirigentin abgesetzt. Wütend über die Anschuldigungen und Lydias mangelnde Kommunikation verbietet Sharon Lydia, ihre Tochter Petra zu sehen. Lydia zieht sich in ihr altes Atelier zurück und wird zunehmend depressiv und verwirrt. Sie schleicht sich in die Live-Aufnahme von Mahlers Fünfter und greift ihren Nachfolger Eliot gewaltsam an. Von ihrer Verwaltungsagentur geraten, sich zurückzuhalten, kehrt sie in das Haus ihrer Kindheit auf Staten Island zurück, wo Leistungsnachweise zeigen, dass ihr Geburtsname Linda Tarr ist. Unter Tränen sieht sie sich eine alte Kassette von Leonard Bernsteins erster Folge von Young People's Concerts an, „Was bedeutet Musik?“[12] Ihr Bruder Tony kommt nach Hause und tadelt sie, weil sie ihre Wurzeln vergessen hat. Einige Zeit später findet Lydia eine langweilige und beruflich wenig anspruchsvolle Arbeit als Dirigent auf den Philippinen vor.[13] Auf der Suche nach einer Massage, um ihren Jetlag zu lindern, bittet sie den Concierge des Hotels um eine Empfehlung. Sie wird in ein High-End-Bordell geschickt, wo sie in das "Fischglas" geleitet wird, wo zahlreiche junge Frauen in nummerierten Roben in einer kammerorchesterartigen Anordnung sitzen. Eine Frau sieht Lydia in die Augen, ihr Gewand hat die Nummer 5, dieselbe Nummer wie die wichtige Symphonie, die Lydia nicht dirigieren konnte, und ihre Position ist dieselbe wie Olgas; Lydia eilt nach draußen, um sich zu übergeben. Mit ihrem neuen Orchester dirigiert Lydia die Filmmusik für die Videospielserie „Monster Hunter“ vor einem Publikum von Cosplayern.

Entstehungsgeschichte

Stab und Filmcrew

Todd Field (2006)

Tár ist der dritte Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs und Schauspielers Todd Field, der auch das Drehbuch verfasste. Es ist seine erste Regiearbeit seit dem Oscar-nominierten Liebesdrama Little Children (2006). In seiner 15-jährigen Schaffenspause als Filmemacher war Field mit mehreren Projekten in Verbindung gebracht worden, ohne dass sich etwas Produktives ergeben hatte. Im April 2021 wurde bekannt, dass er an Tár arbeitet und die renommierte Schauspielerin Cate Blanchett für die Titelrolle verpflichtet hat,[3] die auch als Executive Producer fungiert. Laut Field kam für ihn keine andere Künstlerin in Frage. Hätte Blanchett ihm eine Absage erteilt, wäre auch der Film nie zustande gekommen.[4] Zum weiteren Schauspielensemble gehören Mark Strong, Julian Glover, Noémie Merlant und Nina Hoss.[5] Blanchett habe sich vor allem über die Zusammenarbeit mit Hoss gefreut, die sie zu ihren absoluten Lieblingsschauspielerinnen zähle.[6] Für die Filmmusik wurde die isländische Komponistin Hildur Guðnadóttir verpflichtet.

Dreharbeiten in Deutschland

Konzertsaal des Kulturpalasts in Dresden

Die Vorproduktion begann ab Juni 2021. Ab August fanden die Dreharbeiten überwiegend in Berlin statt.[7] Im September 2021 wurde in Dresden der Kulturpalast[8] als weiterer Drehort mit der Dresdner Philharmonie als Orchester genutzt. Dort diente für eine Woche der Konzertsaal als Kulisse. Dabei wurden am 18. und 19. September auch Filmaufnahmen von regulären Publikumskonzerten um Dirigent Stanislav Kochanovsky gemacht, der Gustav Mahlers 5. Sinfonie in cis-Moll dirigierte.[9] An dem Filmprojekt waren insgesamt 93 Musiker der Dresdner Philharmonie beteiligt.[10] Eine 120-köpfige Filmcrew von X Filme International war vor Ort und musste aufgrund der COVID-19-Pandemie ein strenges PCR-Test-Prozedere durchlaufen.[9] Field lobte später den Konzertsaal als „akustisch und optisch der beste, in dem er je gewesen sei“.[8] Weitere Aufnahmen wurden im Palais im Großen Garten durchgeführt.[8] Weitere Drehorte waren ab Oktober in Potsdam das Orangerieschloss[11] sowie in Berlin laut Boulevardmedien der Dom und ab November 2021 die Britzer Hufeisensiedlung.[12] Als Kameramann wurde der Deutsche Florian Hoffmeister verpflichtet. Für den Schnitt zeichnete die Österreicherin Monika Willi verantwortlich, die in ihrer Karriere wiederholt mit Michael Haneke zusammengearbeitet hatte.

Cate Blanchett übernahm die Titelrolle

In einem im Januar 2022 geführten Interview gab Blanchett an, beeindruckt von der Arbeit mit Field gewesen zu sein. Sie nannte sie „lebensverändernd“ und dass der Film nicht weiter entfernt von ihrer persönlichen Erfahrung sein könne. Fields Skript stelle die kreative Arbeit einer gefallenen Dirigentin in den Mittelpunkt und blicke nicht hauptsächlich auf die Konkurrenz mit männlichen Berufskollegen. Tár würde viele Themen ansprechen, darunter den Konflikt zwischen privater und öffentlicher Person, die Midlife-Crisis sowie institutioneller Rassismus und systemischen Machtmissbrauch. Mit der Frage „Was passiert, wenn Menschen in einer schöpferischen Position dem Epizentrum der Macht und Autorität nahe kommen?“ umschrieb Blanchett die Geschichte des Films.[13]

Field produzierte Tár mit seiner eigenen Filmproduktionsfirma Standard Film Company gemeinsam mit Alexandra Milchan und Scott Lambert von Emjag Productions[14] für Focus Features. Vom Deutschen Filmförderfonds wurde das Projekt mit 5,2 Mio. Euro unterstützt.[15] Parallel zum Spielfilm wurde ein im Tár-Universum angesiedelter Kurzfilm namens The Fundraiser produziert.[16]

Rezeption

Veröffentlichung

Noch vor seinem Kinostart wurde Tár von amerikanischen Branchendiensten zu den möglichen Höhepunkten des Kinojahres 2022 gezählt[17] und als einer der Mitfavoriten für die Oscarverleihung 2023 gehandelt.[18] Ein Teaser wurde Ende Juli veröffentlicht.[19] Einen Monat später folgte ein weiterer, längerer Teaser.[20]

Die Premiere von Tár fand am 1. September 2022 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig statt.[21] Zwei Tage später fand die Nordamerika-Premiere auf dem Telluride Film Festival statt, wo Hauptdarstellerin Blanchett mit einem Preis und einer Hommage geehrt wurde.[22] Ein regulärer Kinostart in den USA erfolgte am 7. Oktober 2022 im Verleih von Focus Features.[5] Am selben Tag fand auch eine Präsentation auf dem Filmfestival von New York statt.[23] Die Premiere in Deutschland soll am 23. Februar 2023 im Rahmen einer Sondervorführung bei den 73. Internationalen Filmfestspielen Berlin in der Sektion Berlinale Special erfolgen.[24] Ein regulärer deutscher Kinostart von Tár ist am selben Tag geplant.[25]

Im Rahmen der Sektion Berlinale Talents soll auch der Kurzfilm The Fundraiser öffentlich vorgestellt werden.[16]

Einspielergebnis

Die weltweiten Einnahmen des Films aus Kinovorführungen belaufen sich auf über 5,4 Millionen US-Dollar.[26]

Kritiken

Von den bei Rotten Tomatoes nach der Premiere aufgeführten über 230 Kritiken sind 90 Prozent positiv („fresh“) und einer Durchschnittswertung von 8,2 von 10 möglichen Punkten.[27] Auf der Website Metacritic erhielt Tár eine Bewertung von 91 Prozent, basierend auf mehr als 40 ausgewerteten englischsprachigen Kritiken. Dies entspricht einhelligem Beifall („universal acclaim“).[28] Im Kritikenspiegel der italienischen Zeitschrift Venezia News erhielt das Werk 3,3 von fünf möglichen Sternen und belegte unter allen 23 Wettbewerbsfilmen einen achten Platz, während der iranische Beitrag No Bears (4,14) das Favoritenfeld anführte.[29] Durchgehend gepriesen wurde Cate Blanchetts Leistung in der Titelrolle.[30][31][32] Wiederholt wurde die Arbeit des US-amerikanischen Regisseurs Todd Field als sehr europäisch[33][30] empfunden und in seiner kühlen Präzision in einer Reihe mit den Werken des österreichischen Filmemachers Michael Haneke eingeordnet.[34][35][36] Dies wurde unter anderem dem fragmentarischen Erzählstil und den „weit offenen“ Interpretationsräumen der Editorin Monika Willi zugerechnet.[37][35][38] Die im Film eingesetzten Verfremdungseffekte erinnerten manch Kritiker an italienische Horrorfilme.[30][39] In der Kritikerumfrage des Branchendiensts IndieWire, an der 165 internationale Kritiker teilnahmen, gewann Tár die Abstimmungen in den Kategorien Film, Regie, Drehbuch und Hauptrolle.[40]

David Ehrlich (IndieWire) gab dem „spannenden, täuschend strengen“ Film die Schulnote „A“ (deutsches Schulsystem: 1) und nannte Tár einen der „aufregendsten neuen amerikanischen Filme seit Jahren“. Das Werk sei „genauso brillant und implosiv“ wie seine Titelfigur, die Cate Blanchett als „großartigen Ikarus des 21. Jahrhunderts“ interpretiere. Die Schauspielerin habe schon früher Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs im Kino dargestellt, aber sie habe sich „noch nie mit solch erschütternder Kraft ausgelöscht“. Diese Leistung zeige „eine nuanciertere (und vorsichtig sympathische) Interpretation der sozialen Dynamik hinter der #MeToo-Bewegung, als jeder männliche Schauspieler oder Figur bieten“ könne. Es sei Blanchett zu verdanken, dass der Film in der Lage sei, „das nutzlos veraltete Paradigma der Trennung der Kunst vom Künstler in das viszerale Porträt einer Künstlerin zu überführen, die sich von sich selbst“ trenne, so Ehrlich. Zu einer „Meisterleistung“ gerate der Film durch den Untergang der Titelheldin, was „weniger abstrakt und unerschrocken persönlicher“ gezeigt werde. Ehrlich verglich Tár mit Stanley Kubricks Eyes Wide Shut, in dem Regisseur Field den Jazzpianisten Nick Nightingale gespielt hatte und mutmaßte, dass ein kommerzieller Erfolg des Films ausbleiben könnte.[30]

Peter Bradshaw (The Guardian) vergab vier von fünf Sternen, nannte den Film „fesselnd“ und pries ebenso die Darstellung Blanchetts als „kolossal“ und lobte die Kameraarbeit von Florian Hoffmeister. Mit seinen Ideen zu den Themen „Überwachung, die Rückkehr des Verdrängten und die Tyrannei und Grausamkeit in der bürgerlichen europäischen Klassik-Tradition“ erinnere Field an Michael Haneke. Einzig den Höhepunkt des Films kritisierte er als „sicherlich schockierend, wenn auch ein wenig melodramatisch und sogar absurd“.[34]

Maria Wiesner (Frankfurter Allgemeine Zeitung) verwies wie auch Ehrlich auf den Konflikt zwischen Öffentlichkeit und Privatleben, in den sich die Titelfigur im Verlauf des Films wiederfinde. Blanchett spiele eine Person, der nichts mehr bedeute als ihre Arbeit und die keine Fehler dulde, „am wenigsten von sich selbst“. Field unterstütze die Darsteller „durch kluge Kameraarbeit“. Nina Hoss sei als Ehefrau Sharon „Blanchett in Talent und Können ebenbürtig“.[31]

Laut Daniel Kothenschulte (Frankfurter Rundschau) habe der „verstörend-faszinierende Film“ das Premierenpublikum in Venedig zweieinhalb Stunden lang „elektrisiert“ und „es gespalten“ hinterlassen. Field suche „selbst die Kontroverse“, indem er als Mann die Muster des Missbrauchsskandals um den Dirigenten James Levine und andere MeToo-Fälle auf eine weibliche Karriere übertrage und ein lesbisches Paar durch zwei heterosexuelle Schauspielerinnen verkörpern lasse. Der Regisseur lasse aber schon in der ersten Szene „keinen Zweifel daran“, dass es sich um eine „Konstruktion“ handle. Kothenschulte zog einen Vergleich zu The Square, der ähnlich „auf einen elitären, scheinheiligen und von kommerziellen Interessen bestimmten Kulturbetrieb“ ziele, der Verfehlungen begünstige. Field verwende Verfremdungseffekte, die von der Atmosphäre her an die Horrorfilme Dario Argentos erinnern würde. Tár gerate damit nie in „Realismusverdacht“, was ihn „vor schematischer Ablehnung schützen“ sollte.[39]

Tobias Kniebe (Süddeutsche Zeitung) zeigte sich als einziger Kritiker enttäuscht von Tár. „All die Interviews und Meisterklassen und Konzertproben, in denen sich männliche Künstler seit jeher ungebremst als Genies ausleben dürfen, werden hier einfach eins zu eins mit einer Frau durchgespielt“, bemerkte nach Kothenschulte ebenso Kniebe. Ihn vermochte aber der Einbruch in das Irreale am Ende des Films nicht zu überzeugen. „Die harte Rationalität“ hätte es sowohl in Fields Regiearbeit als auch in den Werken von Alejandro González Iñárritu (Bardo) und Lars von Trier (Riget Exodus) schwer.[41]

Auszeichnungen

Tár wurde in der Filmpreissaison 2022/23 bisher für mehr als 200 internationale Film- bzw. Festivalpreise nominiert, von denen das Werk mehr als 50 gewinnen konnte. Vielfach preisgekrönt wurde die Leistung von Hauptdarstellerin Cate Blanchett. Auch wurde Tár von den Filmkritikervereinigungen von Los Angeles und New York sowie von der National Society of Film Critics als bester Film des Jahres ausgezeichnet.[42]

Filmpreis
(Auswahl)
Kategorie Resultat Preisträger/
Nominierte
AFI Awards 2022 Film des Jahres Gewonnen k. A.
AACTA International Awards 2023 Bestes Drehbuch Nominiert Todd Field
Beste Hauptdarstellerin Nominiert Cate Blanchett
Art Directors Guild Awards 2023[43] Bestes Szenenbild eines zeitgenössischen Films Nominiert Marco Bittner Rosser
Artios Awards 2023[44] Bestes Casting – Big-Budget-Filmdrama Nominiert Avy Kaufman,
Simone Bär,
Jeremy Zimmerman
Boston Society of Film Critics Awards 2022 Beste Regie Gewonnen Todd Field
British Academy Film Awards 2023 Bester Film Nominiert Todd Field,
Scott Lambert,
Alexandra Milchan
Beste Regie Nominiert Todd Field
Bestes Originaldrehbuch Nominiert Todd Field
Bestes Hauptdarstellerin Nominiert Cate Blanchett
Bester Ton Nominiert Deb Adair,
Stephen Griffiths,
Andy Shelley,
Steve Single,
Roland Winke
Camerimage 2022 Goldener Frosch – Beste Kamera Gewonnen Florian Hoffmeister
Chicago Film Critics Association Awards 2022[45] Beste Hauptdarstellerin Gewonnen Cate Blanchett
Bester Film Nominiert k. A.
Beste Regie Nominiert Todd Field
Bestes Originaldrehbuch Nominiert Todd Field
Bester Schnitt Nominiert Monika Willi
Critics’ Choice Movie Awards 2023 Bester Film Nominiert k. A.
Beste Regie Nominiert Todd Field
Bestes Originaldrehbuch Nominiert Todd Field
Beste Hauptdarstellerin Gewonnen Cate Blanchett
Beste Kamera Nominiert Florian Hoffmeister
Beste Musik Gewonnen Hildur Guðnadóttir
Bester Schnitt Nominiert Monika Willi
Directors Guild of America Awards 2023[46] Beste Regie Nominiert Todd Field
Eddie Awards 2023[47] Bester Schnitt – Filmdrama Nominiert Monika Willi
Golden Globe Awards 2023 Bestes Filmdrama Nominiert k. A.
Bestes Drehbuch Nominiert Todd Field
Beste Hauptdarstellerin – Drama Gewonnen Cate Blanchett
Golden Reel Awards 2023[48] Bester Musikschnitt Nominiert Gerard McCann
Gotham Awards 2022 Bester Film Nominiert Todd Field,
Scott Lambert,
Alexandra Milchan
Bestes Drehbuch Gewonnen Todd Field
Beste Hauptrolle Nominiert Cate Blanchett
Beste Nebenrolle Nominiert Nina Hoss
Beste Nebenrolle Nominiert Noémie Merlant
Independent Spirit Awards 2023 Bester Film Nominiert Todd Field,
Scott Lambert,
Alexandra Milchan
Bestes Drehbuch Nominiert Todd Field
Beste Regie Nominiert Todd Field
Beste Hauptrolle Nominiert Cate Blanchett
Beste Nebenrolle Nominiert Nina Hoss
Beste Kamera Nominiert Florian Hoffmeister
Bester Schnitt Nominiert Monika Willi
IndieWire Critics Poll 2022 Bester Film Gewonnen k. A.
Beste Regie Gewonnen Todd Field
Bestes Drehbuch Gewonnen Todd Field
Beste*r Darsteller*in Gewonnen Cate Blanchett
London Critics’ Circle Film Awards 2023[49] Bester Film Gewonnen k. A.
Beste Regie Gewonnen Todd Field
Beste Hauptdarstellerin Gewonnen Cate Blanchett
Bestes Drehbuch Nominiert Todd Field
Beste Nebendarstellerin Nominiert Nina Hoss
Beste technische Leistung Nominiert Stephen Griffiths
Los Angeles Film Critics Association Awards 2022 Bester Film Gewonnen k. A.
Bester Film Gewonnen Todd Field
Bestes Drehbuch Gewonnen Todd Field
Beste Hauptrolle Gewonnen Cate Blanchett
Bester Schnitt Nominiert Monika Willi
National Society of Film Critics Awards 2023[50] Bestes Drehbuch Gewonnen Todd Field
Bester Film Gewonnen k. A.
Beste Hauptdarstellerin Gewonnen Cate Blanchett
Beste Nebendarstellerin Zweitplatzierte Nina Hoss
New York Film Critics Circle Awards 2022 Bester Film Gewonnen k. A.
Beste Hauptdarstellerin Gewonnen Cate Blanchett
Online Film Critics Society Awards 2023[51] Bester Film Nominiert k. A.
Beste Regie Nominiert Todd Field
Bestes Originaldrehbuch Nominiert Todd Field
Beste Hauptdarstellerin Nominiert Cate Blanchett
Beste Kamera Nominiert Florian Hoffmeister
Bester Schnitt Nominiert Monika Willi
Oscarverleihung 2023 Bester Film Nominiert k. A.
Beste Regie Nominiert Todd Field
Bestes Originaldrehbuch Nominiert Todd Field
Beste Hauptdarstellerin Nominiert Cate Blanchett
Beste Kamera Nominiert Florian Hoffmeister
Bester Schnitt Nominiert Monika Willi
Filmfestival von Palm Springs 2022 Beste Darstellerin Gewonnen Cate Blanchett
Producers Guild of America Awards 2023 Darryl F. Zanuck Award – Beste Kinofilm-Produktion Nominiert k. A.
Filmfestival von Santa Barbara 2023 Beste Darstellerin Gewonnen Cate Blanchett
Virtuoso Award Gewonnen Nina Hoss
Satellite Awards 2022 Bester Film – Drama Nominiert Cate Blanchett
Bestes Originaldrehbuch Nominiert Todd Field
Beste Hauptdarstellerin Nominiert Cate Blanchett
Bester Schnitt Nominiert Monika Willi
Screen Actors Guild Awards 2023[52] Beste Hauptdarstellerin Nominiert Cate Blanchett
Sunset Film Circle Awards 2022 Bester Film Nominiert k. A.
Beste Regie Nominiert Todd Field
Bestes Drehbuch Nominiert Todd Field
Beste Hauptdarstellerin Nominiert Cate Blanchett
Beste Kamera Nominiert Florian Hoffmeister
Telluride Film Festival 2022[53] Silver Medallion Award Gewonnen Cate Blanchett
Filmfestival von Venedig 2022 Coppa Volpi – Beste Darstellerin Gewonnen Cate Blanchett
Goldener Löwe – Bester Film Nominiert Todd Field
Queer Lion Nominiert Todd Field
Washington DC Area Film Critics Association Awards 2022 Beste Hauptdarstellerin Gewonnen Cate Blanchett
Writers Guild of America Awards 2023[54] Bestes Originaldrehbuch Nominiert Todd Field

Einzelnachweise

  1. Alexander Keuk: Stunts, Glamour und Romance. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 20. September 2021, S. 9.
  2. Philharmonie meets Filmset. In: dresdnerphilharmonie.de (abgerufen am 1. April 2022).
  3. Brent Lang: Cate Blanchett Teams With Todd Field on Focus Features’ ‘TAR’. In: variety.com, 12. April 2022 (abgerufen am 1. April 2022).
  4. Tár. In: labiennale.org (abgerufen am 24. August 2022).
  5. Anthony D’Alessandro: Todd Field-Cate Blanchett Movie ‘Tár’ Sets 2022 Release & Adds Nina Hoss, Noémie Merlant, Mark Strong, Others. In: deadline.com, 23. November 2021 (abgerufen am 2. April 2022).
  6. Cate Blanchett ("Don't Look Up", "Nightmare Alley"). In: Variety Awards Circuit, 20. Januar 2022 (Podcast, 30:55 min. ff.; abgerufen via Spotify).
  7. Nadja Laske: Hollywoodstar Cate Blanchett in Dresden. In: Sächsische Zeitung, 18. September 2021, S. 22.
  8. dpa: Cate Blanchett von Dresden beeindruckt. In: sueddeutsche.de, 30. September 2021 (abgerufen am 2. April 2022).
  9. dpa: Cate Blanchett bei Dreharbeiten in der Dresdner Philharmonie. In: fr.de, 18. September 2021 (abgerufen am 1. April 2022).
  10. Hollywood-Feeling im Kulturpalast. In: Sächsische Zeitung, 9. September 2021, S. 22.
  11. In der Orangerie laufen Dreharbeiten für einen Hollywood-Film. In: pnn.de, 1. Oktober 2021 (abgerufen am 2. Aprili 2022).
  12. Hollywoodstar Cate Blanchett mit Wärmflasche in Berlin. In: Bild, 12. November 2021, Nr. 265, S. 9.
  13. Cate Blanchett ("Don’t Look Up", "Nightmare Alley"). In: Variety Awards Circuit, 20. Januar 2022 (Podcast, 28:50 min. ff.; abgerufen via Spotify).
  14. Ryan Lattanzio: ‘In the Bedroom,’ ‘Little Children’ Director Todd Field Sets First Film in 15 Years, Starring Cate Blanchett. In: indiewire.com, 12. April 2022 (abgerufen am 1. April 2022).
  15. Tár bei crew united, abgerufen am 2. April 2022.
  16. Berlinale Special & Berlinale Series veröffentlichen erste Titel. In: berlinale.de, 20. Dezember 2022 (abgerufen am 20. Dezember 2022).
  17. Andreas Wiseman: From Iñárritu To Elvis & Harry Styles To Frances McDormand: 30 Movies (And A TV Series) That Could Light Up Film Festivals In 2022. In: deadline.com, 3. Januar 2022 (abgerufen am 2. April 2022).
  18. Clayton Davies: Oscars 2023: Our First Blind Predictions, From ‘Fabelmans’ to ‘Flower Moon’. In: variety.com, 31. März 2022 (abgerufen am 2. April 2022).
  19. TÁR - October 7 auf YouTube, 25. August 2022, abgerufen am 26. August 2022.
  20. TÁR | Teaser Trailer 2 (Universal Pictures) HD auf YouTube, 25. August 2022, abgerufen am 25. August 2022.
  21. Tár. In: labiennale.org (abgerufen am 16. August 2022).
  22. Program Guide. In: telluridecms-production.s3.amazonaws.com (PDF-Datei, S. 8–9; abgerufen am 7. September 2022).
  23. TÁR. In: filmlinc.org (abgerufen am 25. August 2022).
  24. Tár. In: berlinale.de (abgerufen am 7. Februar 2023).
  25. Tár. In: filmstarts.de (abgerufen am 7. September 2022).
  26. Tár. In: boxofficemojo.com (abgerufen am 17. Dezember 2022).
  27. Tár. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 17. Dezember 2022 (englisch).
  28. Tár. In: Metacritic. CBS, abgerufen am 17. Dezember 2022 (englisch).
  29. Le votazioni della stampa internazionale di Venezia 79 / International Critics’ Venezia 79 Movies Ratings. In: venezianews.it (abgerufen am 10. September 2022).
  30. David Ehrlich: ‘Tár’ Review: Cate Blanchett Orchestrates Her Own Destruction. In: indiewire.com, 1. September 2022 (abgerufen am 4. September 2022).
  31. Maria Wiesner: Blicke, an denen man sich schneiden kann. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. September 2022, Nr. 204, S. 11.
  32. Tár – Critics Consensus. In: rottentomatoes.com (abgerufen am 9. September 2022).
  33. Richard Lawson: Cate Blanchett May Have Found Her Magnum Opus in the Tremendous TÁR. In: vanityfair.com, 1. September 2022 (abgerufen am 4. September 2022).
  34. Peter Bradshaw: Tár review – Cate Blanchett is colossal as a conductor in crisis. In: theguardian.com, 1. September 2022 (abgerufen am 4. September 2022).
  35. Dominik Kamalzadeh: Inmitten maroder Kultursysteme. In: Der Standard, 3. September 2022, S. 34.
  36. Raphael Abraham: Cate Blanchett wields the baton in Todd Field’s Tár. In: ft.com, 1. September 2022 (abgerufen am 4. September 2022).
  37. Stefan Grissemann: Schmerz der Frauen. In: profil, 4. September 2022 (abgerufen via lizenzpflichtiger Pressedatenbank Nexis Uni).
  38. Alexandra Seibel: Talente fördern und erotische Gegenleistungen erwarten. In: Kurier, 2. September 2022, S. 33.
  39. Daniel Kothenschulte: Philharmonisches Rausches. In: Frankfurter Rundschau, 2. September 2022. S. 22.
  40. Christian Blauvelt: 2022 Critics Poll: The Best Films and Performances, According to 165 Critics from Around the World. In: IndieWire, 12. Dezember 2022 (abgerufen am 17. Dezember 2022).
  41. Tobias Kniebe: Einblicke in die Künstlerseelen. In: Süddeutsche Zeitung, 2. September 2022, S. 10.
  42. Tár – Awards. In: imdb.com (abgerufen am 19. Januar 2023).
  43. Bruce Haring: Art Directors Guild Sets Nominees For 27th Annual Excellence In Production Design Awards In: Deadline.com am 9. Januar 2023, abgerufen am 9. Januar 2023.
  44. Tyler Coates: Casting Society Artios Awards: ‘Avatar: The Way of Water,’ ‘The Fabelmans’ and ‘Tár’ Among Nominees In: The Hollywood Reporter am 10. Januar 2023, abgerufen am 10. Januar 2023.
  45. Brian Tallerico: Everything Everywhere All at Once Leads Chicago Film Critics Nominations In: rogerebert.com am 12. Dezember 2022, abgerufen am 23. Dezember 2022.
  46. Tyler Coates: DGA Awards 2023: Steven Spielberg, Daniels Among All-Male Theatrical Feature Nominees In: The Hollywood Reporter am 11. Januar 2023, abgerufen am 11. Januar 2023.
  47. Erik Pedersen: ACE Eddie Awards Nominations: ‘Everything Everywhere’, ‘Top Gun: Maverick’, ‘Woman King’, ‘Banshees of Inisherin’ & More In: Deadline.com am 1. Februar 2023, abgerufen am 1. Februar 2023.
  48. Carolyn Giardina: ‘Everything Everywhere All At Once’ Leads Sound Editors’ Golden Reel Nominations In: The Hollywood Reporter am 9. Januar 2023, abgerufen am 9. Januar 2023.
  49. Alex Ritman: ‘Banshees of Inisherin,’ ‘Aftersun‘ Top London Critics’ Circle Nominations In: The Hollywood Reporter am 21. Dezember 2022, abgerufen am 22. Dezember 2022.
  50. Ryan Gajewski: ‘Tár’ Named Best Picture by National Society of Film Critics In: The Hollywood Reporter am 7. Januar 2023, abgerufen am 7. Januar 2023.
  51. Erik Anderson: 2022 Online Film Critics Association (OFCS) nominations In: awardswatch.com am 18. Januar 2023, abgerufen am 21. Januar 2023.
  52. Hilary Lewis: SAG Awards 2023 Nominations Revealed In: The Hollywood Reporter am 11. Januar 2023, abgerufen am 11. Januar 2023.
  53. Mona Tabbara: ‘Empire Of Light’, ‘Lady Chatterley’s Lover’, ‘The Wonder’, ‘Women Talking’ to world premiere at Telluride 2022. In: screendaily.com, 1. September 2022 (abgerufen am 4. September 2022).
  54. Erik Pedersen: WGA Awards Film Nominations: ‘Everything Everywhere’, ‘Top Gun: Maverick’, ‘The Menu’, ‘Nope’ & More In: Deadline.com am 25. Januar 2023, abgerufen am 25. Januar 2023.
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