Talbiya

Die Talbiya (arabisch ٱلتَّلبِيَة, DMG at-Talbīyah ‚Folgeleistung, Befolgung, Willfahrung[1]) ist ein Ausruf muslimischer Pilger während der Haddsch.

Die Talbiyya in der vorislamischen Zeit

In der Literatur wird erwähnt, dass es bereits in vorislamischer Zeit (die verschiedenen arabischen Stämme brachten damals ihre Idole nach Mekka) jeder Stamm eine eigene Talbiya besaß, die sie verwendeten, wenn sie ihre Götter dort besuchten. Eine Überlieferung mit diesen sogenannten Talbiyât al-Jâhiliyya (Talbiyat aus der Zeit der Unwissenheit) stammt von Sayyid Muʿaẓẓam Ḥusayn, der in seinen Schriften insgesamt 28 solcher Formeln sammelte.

Die Talbiyya bezeichnet eine gesprochene Formel, die mit dem Wort Labbayka beginnt, welche die II. Form des Verbs labbā (im Sinne der IV. Form alabba) mit der Bedeutung „seinen Fuß auf ein Gebiet setzen“ oder „anhalten“ darstellt. Der Bezug ist das Absteigen der vorislamischen Pilger von ihren Reittieren am Rande des heiligen Gebiets, um in den rituellen Weihezustand zu treten.

Die Talbiyya während der islamischen Wallfahrt

Muslimische Pilger beginnen damit, die Talbiyya laut auszusprechen, nachdem sie sich in den für die Wallfahrt notwendigen Weihezustand (iḥrām) begeben haben. Dabei ist das Aussprechen dieser Formel obligatorisch, wie in zahlreichen Ahadith berichtet wird.

Die Formel lautet wie folgt: لَبَّيْكَ ٱللَّٰهُمَّ لَبَّيْكَ، لَبَّيْكَ لَا شَرِيكَ لَكَ لَبَّيْكَ، إِنَّ ٱلْحَمْدَ وَٱلنِّعْمَةَ لَكَ وَٱلْمُلْكَ لَا شَرِيكَ لَكَ oder transkribiert:

„labbayka -llāhumma labbayka, labbayka lā šarīka laka labbayka, ʾinna -l-ḥamda wa-n-niʿmata laka wa-l-mulka lā šarīka lak“

Zu Deutsch:

„O Allah, mein Gott, da bin ich (zu Diensten!) da bin ich. Da bin ich, Teilhaber hast Du nicht, und da bin ich. Wahrlich, alles Lob gebührt Dir, die Gnade ist nur von Dir, und das Königreich gehört nur Dir. Teilhaber hast Du nicht!“

(vgl. Sahih Al-Buchari Hadith-Nummer 1265 und 1550)[2]

Literatur

  • Fahd, T., “Talbiya”, in: Encyclopaedia of Islam, Second Edition, Edited by: P. Bearman, Th. Bianquis, C.E. Bosworth, E. van Donzel, W.P. Heinrichs. Abgerufen am 31. Dezember 2022. online

Einzelnachweise

  1. Hans Wehr:Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart, V. Ausgabe, S. 1142
  2. Eintrag auf "islamische Datenbank". Abgerufen am 31. Dezember 2022.
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