Taylan Burcu

Leben

Burcu wurde als jüngstes von vier Kindern in Frankfurt am Main geboren. Seine Eltern kamen als Gastarbeiter Ende der 1960er Jahre aus der Türkei nach Deutschland. Taylan Burcu gehört dem alevitischen Glauben an und ist kurdischer Abstammung. Er besitzt seit seinem elften Lebensjahr die deutsche Staatsangehörigkeit. Burcu ist verheiratet, das Paar hat einen Sohn.

Nach seinem Abitur am Frankfurter Max-Beckmann-Gymnasium studierte er Rechtswissenschaft, jedoch ohne Abschluss eines Staatsexamens. Bereits während seines Studiums an der Goethe-Universität Frankfurt war er als Werkstudent für die Arbeiterwohlfahrt Wiesbaden im Projekt „Alltagsengel“ tätig, das sich um die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt kümmert. Anschließend arbeitete er in einer Anwalts- und Notariatskanzlei. Zuletzt war er Geschäftsführer eines gemeinnützigen Tochterunternehmens der Arbeiterwohlfahrt Wiesbaden.

Politik

Partei und Ämter

Im Jahr 2014 trat Taylan Burcu der Partei Bündnis 90/Die Grünen bei und wurde 2015 zum Sprecher des Ortsverbands (Stadtteilgruppe) „Frankfurt Nord-Ost“ gewählt.

Bei den Kommunalwahlen in Hessen im März 2016 errang er ein Mandat im Ortsbeirat „Frankfurt Nord-Ost“ und zog zugleich in die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung ein. Hier war er unter anderem Mitglied des Präsidiums, der Ausschüsse Recht, Verwaltung und Sicherheit sowie Umwelt und Sport, und beschäftigte sich insbesondere mit Innen- und Sicherheitspolitik.

Bei der Landtagswahl in Hessen 2018 kandidierte er im Wahlkreis Frankfurt am Main VI und erhielt über die Landesliste seiner Partei ein Mandat als Abgeordneter im Hessischen Landtag. In seinem Wahlkreis erzielte Burcu ein Erststimmenergebnis von 21,2 %.

Burcu ist Migrations-, Integrations- und Flüchtlingspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Hessen. Er ist Mitglied in Präsidium und Ältestenrat des Hessischen Landtags sowie in dessen Sozial- und Integrationsausschuss, im Petitionsausschuss und als Obmann im Unterausschuss für Heimatvertriebene, Aussiedler, Flüchtlinge und Wiedergutmachung vertreten. Zusätzlich ist er Mitglied des Untersuchungsausschusses UNA 20/2 (Hanau).[1]

Verwicklungen in AWO-Affäre

Im Dezember 2019 wurden im Rahmen der Arbeiterwohlfahrt-Affäre gegen Burcu Vorwürfe laut, er habe gegen die Verhaltens- und Transparenzregeln des Hessischen Landtages verstoßen. Burcu habe demnach falsche Angaben zur Dauer seiner früheren Tätigkeit als Geschäftsführer der AWO ProServ GmbH, einer Tochtergesellschaft der AWO Wiesbaden gemacht. Nach einer Überprüfung durch das Präsidium des Landtages im Januar 2020 konnten diese Vorwürfe jedoch entkräftet werden.[2][3] Eine erneute Prüfung ergab im September 2020, dass Burcu aufgrund nicht vollständiger Angaben zu seinen vorigen Tätigkeiten „eine leichte Fahrlässigkeit begangen hat und durch den Präsidenten des Hessischen Landtags dafür ermahnt wird“.[4][5] Er lieferte daraufhin eine persönliche Erklärung ab, in der er die Umstände genauer erklärte und sich beim Landtagspräsidenten und der Öffentlichkeit entschuldigte.[6]

Burcu erhielt vor seiner Wahl in den Landtag 2018 von dem Sicherheitsunternehmen AWO Protect, einem Tochterunternehmen der AWO Frankfurt, 41.000 Euro Gehalt sowie einen Dienstwagen. Tatsächlich gearbeitet hatte Burcu für die Sicherheitsfirma einem Bericht der hessenschau zufolge nie. Nachdem der AWO-Skandal an die Öffentlichkeit kam, meldete die AWO Protect Insolvenz an. Der Insolvenzverwalter stieß bei Inaugenscheinnahme einer Liste der Gehaltsempfänger auf Burcu, der auch nach eigenen Angaben nie für die Firma tätig war, sondern für die damals in Gründung befindliche AWO ProServ, wobei vereinbart gewesen sei, dass die Gesellschaften die Zahlungen später untereinander ausgleichen. Der Insolvenzverwalter verklagte Burcu vor dem Arbeitsgericht Frankfurt, das allerdings eine Rückzahlungspflicht Burcus verneinte.[7]

Einzelnachweise

  1. Taylan Burcu | Hessischer Landtag. Abgerufen am 14. Oktober 2021.
  2. WELT: Awo-Affäre: Kein Verstoß bei Grünen-Abgeordnetem Burcu. In: Die Welt. 24. Januar 2020 (welt.de [abgerufen am 24. Januar 2020]).
  3. Hessischer Landtag entlastet den Grünen Burcu. 24. Januar 2020, abgerufen am 24. Januar 2020.
  4. Prüfung der Angaben des Abg. Burcu nach den Verhaltensregeln des Hessischen Landtages | Hessischer Landtag. Abgerufen am 22. September 2020.
  5. Süddeutsche Zeitung: Abgeordneter Burcu wegen "leichter Fahrlässigkeit" ermahnt. Abgerufen am 22. September 2020.
  6. Taylan Burcu-Mitglied des Hessischen Landtags: Persönliche Erklärung zur Entscheidung des Landtagspräsidenten (Pressemitteilung) | Taylan Burcu – Mitglied des Hessischen Landtags. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 22. September 2020 (deutsch).@1@2Vorlage:Toter Link/taylanburcu.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  7. Frankfurter Arbeitsgericht: Abgeordneter Burcu muss kein Geld an AWO-Tochter zahlen. In: hessenschau.de. 19. Dezember 2022, abgerufen am 20. Dezember 2022.
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