Wiraqucha
Wiraqucha (Schreibung auf Quechua; in spanischer Schreibweise: Viracocha, Huiracocha oder Wiracocha) ist eine andine Schöpfergottheit, die vor der spanischen Eroberung von allen Völkern des Kulturareals Zentralanden verehrt wurde. Wiraqucha wird oft (nicht jedoch von den Inka) auch gleichgesetzt mit dem Weltenschöpfer Pachakamaq (Pachacámac; Pacha heißt „Welt“ oder „Zeit“, kamaq „Schöpfer“) und dem „Weltlehrmeister“ (Pachayachachi). Andere Bezeichnungen sind Ticsiviracocha oder Con Ticsi Viracocha. Es taucht stellenweise auch der Doppelname Pachakamaq Wiraqucha auf. Bei den Aymara wird er in ähnlicher Form als Willkatata verehrt.
Der Name Viracocha lässt sich auf Quechua in die Bestandteile Vira („Fett“ oder „Schaum“) und Cocha („See“) zerlegen, wonach Viracocha soviel wie „Schaumsee“ bedeuten würde. Ticsi bedeutet „Ursprung“. Nach Max Uhle sei „Schaumsee“ ein unverständlicher Name, weshalb er darauf hinweist dass sich Vira auch vom Quechua-Wort huyra („das Ende aller Dinge“) ableiten ließe und man somit für Ticsi Viracocha sinngemäß die Bedeutung „See des Ursprunges und des Endes aller Dinge“ erhielte.[1]
In der Mythologie der Inka ist Qun Tiksi Wiraqucha (im Huarochirí-Manuskript: Quniraya Wiraqucha) der Schöpfer der Zivilisation und eine der wichtigsten Gottheiten. In einer Legende wird erzählt, dass er mit seiner Frau Mama Qucha (Mutter Meer) einen Sohn hatte, Inti (Sonne), und eine Tochter, Mama Killa (Mond). In dieser Legende lässt Wiraqucha fast alle Menschen um den Titicacasee in einer Sintflut sterben, die Unu Pachakuti (Wasser-Zeitenwende) genannt wird. Zwei lässt er überleben, um die Zivilisation in die Welt zu bringen. In einer anderen Legende schuf Wiraqucha die ersten acht zivilisierten Menschen.
Genesis
Die Schöpfungsgeschichte der Andenwelt handelt von einer wüsten und dunklen Welt (Purunpacha oder Tutayachacha genannt). Der Schöpfer Ticsi Viracocha sei der Erzählung nach in der Gegend von Tiwanaku erschienen und schuf dort Sonne, Mond und Sterne und danach auch die Menschen und alle anderen Lebewesen. Nach einer Sintflut sei die Welt an vier Herrscher verteilt worden. Die Boten Viracochas (ebenso Viracochas genannt) wurden entsannt um allen Völkern ihre Wohnorte zuzuweisen und zwei sollen entsandt worden sein um Bäume, Blüten, Früchte, Kräuter und Flüsse zu benennen. Der Erzählung nach ließ sich Viracocha bei Tiwanaku nieder und zu seinem Ehren wurden die Gebäude der heutigen Ruinenstätte errichtet.[2]
Siehe auch
Literatur
- María Rostworowski de Diez Canseco: Estructuras andinas del poder / Ideología religiosa y política. IEP Instituto de estudios peruanos. Lima 1988 (3. Auflage).
- Waldemar Espinoza Soriano: Los Incas / Econonomía sociedad y estado en la era del Tahuantinsuyo. Amaru editores, Lima 1987 (1. Auflage).
- Fernando Armas Asín: Wiracocha, pastoral católica y mitología del Titicaca Consideraciones desde la mitografía y la andinística. Anuario de Historia de la Iglesia, No. 11 (2002), S. 191–213.
- Arthur Andrew Demarest: Viracocha – the nature and antiquity of the Andean High God. Peabody Museum of Archaeology and Ethnology, Harvard University, Cambridge (Massachusetts) 1981.
- Verónica Salles-Reese: From Viracocha to the Virgin of Copacabana: Representation of the Sacred at Lake Titicaca. University of Texas Press, Austin (Texas) 1997.
- Paul Richard Steele: Handbook of Inca Mythology, ABC-CLIO, Santa Barbara (California) 2004, S. 149–151: Cuniraya Viracocha (Coniraya Wiraqucha).
- Elisabeth della Santa: Viracocha. Brüssel, 1963.
Einzelnachweise
- Alfons Stübel, Max Uhle: Die Ruinenstätte von Tiahuanaco im Hochlande des alten Perú: Eine kulturgeschichtliche Studie auf Grund selbständiger Aufnahmen. Hiersemann, Leipzig 1892, Zweiter Teil, S. 55 (digi.ub.uni-heidelberg.de).
- Alfons Stübel, Max Uhle: Die Ruinenstätte von Tiahuanaco im Hochlande des alten Perú: Eine kulturgeschichtliche Studie auf Grund selbständiger Aufnahmen. Hiersemann, Leipzig 1892, Zweiter Teil, S. 54 f. (digi.ub.uni-heidelberg.de).
Weblinks
- El dios más antiguo de América BBC Mundo.com (2003)
- El regreso de Viracocha Antoinette Molinié (1987)
- El felino, el mundo subterráneo y el rito de fertilidad: tres elementos principales de la ideología andina (1993)
- Tres usos de la mitlogía andina: Wiracocha-Tunupa, la no exploitación del cerro rico en potosí y tata santiago (2007)
- El icono religioso más antiguo del continente americano
- Viracocha: dioses, oralidad y memoria audiovisual