Webersche Modulfunktionen
Die Weberschen Modulfunktionen zählen zu den elliptischen Funktionen in der Mathematik. Sie wurden durch den Heidelberger Mathematiker Heinrich Weber eingeführt und erforscht. Sie sind sowohl mit der Dedekindschen Etafunktion als auch mit den Ramanujanschen Funktionen g und G nahe verwandt.
Definition der Weberschen Modulfunktionen
Definition der imaginären Funktionen
Für die obere Halbebene der komplexen Zahlen ℍ sind die Weberschen Standardmodulfunktionen in Abhängigkeit vom imaginären Halbperiodenverhältnis 𝜏 auf folgende Weise[1] über die Dedekindsche Etafunktion definiert:
Somit können diese Weberschen Funktionen auch mit Hilfe der Pochhammerschen Produkte definiert werden:
Durch Multiplizieren dieser drei Definitionsgleichungen erhält man direkt folgende Beziehung:
Der Mathematiker Heinrich Weber definierte diese drei Funktionen in seinem Lehrbuch der Algebra auf der Seite 114.
Definition der reellen Funktionen
Zusätzlich wurde die Webersche Hauptfunktion in Abhängigkeit vom Nomeneintrag definiert:
| Modulfunktionen | 𝔣₀₀(x) | 𝔣₀₁(x) | 𝔣₁₀(x) |
|---|---|---|---|
| Produktdefinition | |||
| Pochhammersche
Definition |
|||
| Dedekindsche
Etafunktionsdefinition |
|||
| Jacobische
Thetafunktionsdefinition |
Generell gilt folgendes Produkt für alle Werte w:
Deswegen kann in der gezeigten Tabelle in jeder Zeile folgender Zusammenhang sofort abgelesen werden:
Wichtige Rechenhinweise über die Dedekindsche Etafunktion:
Summenreihen der Weberschen Funktionen
Strikte Partitionszahlenfolge
Die Koeffizienten der Summenreihe von der Funktionen 1/𝔣₀₁(x) und 𝔣₁₀(x) bilden die Folge der strikten Partitionen ab. Bei der strikten Partitionsfolge Q(n) wird bei jeder Summe n angegeben, auf wie viele verschiedene Weisen die Zahl n in Summanden ohne Summandenwiederholung aufgeteilt werden kann. So lautet die exakte Reihenentwicklung:
In der nun folgenden Tabelle werden die strikten Partitionen aufgelistet und exemplarisch dargestellt:
| n | Q(n) | Zahlpartitionen ohne wiederholte Summanden |
|---|---|---|
| 0 | 1 | () leere Partition/leere Summe |
| 1 | 1 | (1) |
| 2 | 1 | (2) |
| 3 | 2 | (1+2), (3) |
| 4 | 2 | (1+3), (4) |
| 5 | 3 | (2+3), (1+4), (5) |
| 6 | 4 | (1+2+3), (2+4), (1+5), (6) |
| 7 | 5 | (1+2+4), (3+4), (2+5), (1+6), (7) |
| 8 | 6 | (1+3+4), (1+2+5), (3+5), (2+6), (1+7), (8) |
| 9 | 8 | (2+3+4), (1+3+5), (4+5), (1+2+6), (3+6), (2+7), (1+8), (9) |
| 10 | 10 | (1+2+3+4), (2+3+5), (1+4+5), (1+3+6), (4+6), (1+2+7), (3+7), (2+8), (1+9), (10) |
Summenreihe aus dem Pentagonalzahlensatz
Für die Webersche Modulfunktion ist weiter folgender Ausdruck[2] gültig:
Diese Formel basiert auf dem Pentagonalzahlensatz und außerdem auf folgender Formel:
Die allgemeine Hauptthetafunktion hat diese von Whittaker und Watson aufgestellte Definition:
Zusammenhänge zwischen elliptischen Funktionen
Zusammenhang mit den Thetafunktionen
Die Thetafunktionen nach Carl Gustav Jacobi stehen in folgendem Zusammenhang[3] zu den Weberschen Modulfunktionen:
Daraus resultiert in Kombination mit der Jacobischen Identität:
Bezüge zum Rogers-Ramanujan-Kettenbruch
Diese zwei Formeln dienen zur effizienten Bestimmung der Werte vom Rogers-Ramanujan-Kettenbruch auf der Grundlage von den Weberschen Modulfunktionen:
Durch Hinzunahme der Dedekindschen Etafunkton gilt außerdem jene Formel für diesen Kettenbruch:
Und hieraus kann wiederum die nun folgende Formel hergeleitet werden:
Analog gilt für den alternierenden Kettenbruch S:
Und folgende Formel stellt den Zusammenhang zwischen R und S her:
Trigonometrische Zusammenhänge
Für die Hauptfunktion unter den Weberschen Modulfunktionen in Abhängigkeit vom elliptischen Nomen gilt dieser Zusammenhang:
Das bedeutet, dass die Funktion 𝔣₀₀(x) für den reellen Definitionsbereich ein relatives Minimum am Punkt hat.
Die Webersche Funktion 𝔣₀₀(x) ist für den reellen Definitionsbereich streng monoton linksgekrümmt.
Funktionswerte
Lemniskatische Funktionswerte
Einige Funktionswerte von natürlichzahligen Potenzen des Kehrwerts der Gelfondschen Konstante werden nun genannt:
| x-Werte | 𝔣₀₀(x) | 𝔣₀₁(x) | 𝔣₁₀(x) |
|---|---|---|---|
Weitere Werte von 𝔣₀₀(x):
Solche Werte lassen sich auch mit Hilfe der lemniskatischen Funktionen für alle Werte n ∈ ℕ vereinfacht so darstellen:
Mit cl wird hierbei die Funktion Cosinus Lemniscatus dargestellt.
Nicht lemniskatische Funktionswerte von 𝔣₀₀(x)
Wenn der Kehrwert der Gelfondschen Konstante mit Quadratwurzeln aus rationalen Zahlen potenziert wird, dann sind von den so entstehenden Zahlen die Weberschen Funktionswerte stets algebraisch darstellbar:
Mit T_TRI wird die Tribonacci-Konstante, mit rho wird die Plastische Zahl und mit psi wird die Supergoldene Zahl dargestellt:
| Konstante | Algebraischer Ausdruck | Kubische Gleichung |
|---|---|---|
| Tribonacci-Konstante | ||
| Plastische Zahl | ||
| Supergoldene Zahl |
Zur Ramanujanschen G-Funktion besteht folgender direkter Zusammenhang:
Nicht lemniskatische Funktionswerte von 𝔣₀₁(x)
Diese Werte sind elementar mathematisch darstellbar:
Zur Ramanujanschen G-Funktion besteht folgender direkter Zusammenhang:
Reduzierte Webersche Funktionen
Definition der reduzierten Funktionen
Die reduzierten Weberschen Modulfunktionen können auf folgende Weise in Abhängigkeit vom elliptischen Modul beziehungsweise von der Exzentrizität ε definiert werden: Definition über die Weberschen Standardmodulfunktionen:
Definition über die Ramanujansche g-Funktion und G-Funktion:
Definition über Pochhammersche Produkte:
So ist das elliptische Nomen definiert:
Berechnungsformeln
Diese zwei vom Parameter n und vom Modul abhängigen Funktionen dienen zur effizienten Berechnung der Werte von sehr vielen Modulfunktionen. Denn sie unterliegen einfachen Theoremen:
Somit lösen diese beiden Funktionen für ungerade Parameter n die abgebildeten antisymmetrischen und symmetrischen Gleichungen.
Für die Tangensverdopplung und die Sinusverdopplung gelten diese trigonometrischen Theoreme:
Direkte Berechnungsformel für Parameter n = 3:
Für die Kubizierung des elliptischen Nomens gilt:
Das symmetrische Produkt bei der Funktion in Bezug auf zwei zueinander Pythagoräisch komplementäre Module liefert folgenden Wert:
Wenn in diese Formel der Wert eingesetzt wird, dann entsteht auf beiden Seiten der Gleichungswaage der Wert und somit das Quadrat der Goldenen Zahl. Und wenn der Wert eingesetzt wird, dann entsteht der Wert auf beiden Seiten. Wichtiger Rechenhinweis für die Hyperbolisch Lemniskatischen Funktionen:
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Identitäten mit den Jacobischen Funktionen
Folgende Identitäten haben die beiden reduzierten Weberschen Modulfunktionen zu den Jacobischen Thetafunktionen und zu den Jacobischen Amplitudenfunktionen:
Identitäten für n = 3:
Identitäten für n = 5:
Deswegen gilt für die Quintierung des elliptischen Nomens:
Identitäten für n = 7:
Deswegen gilt für die Septierung des elliptischen Nomens:
Werteliste für die reduzierten Funktionen
Im Folgenden werden für verschiedene Module ε einige Werte der reduzierten Weberschen Funktionen aufgelistet:
Werte für n = 3:
Klein-w-Werte für n = 5:
Groß-W-Werte für n = 5:
Werte für n = 7:
Bei dieser Werteliste sind in den W-Klammern an allen Stellen die elliptischen Lambdafunktionswerte von rationalen Zahlen eingetragen.
w_PS-Funktion von Prasolov und Solovyev
Definition der w_PS-Funktion
Für das Lösen von Gleichungen fünften Grades definierten die russischen Mathematiker Viktor Prasolov (Виктор Прасолов) und Yuri Solovyev (Юрий Соловьёв) eine bestimmte elliptische Funktion auf Grundlage der Weberschen Modulfunktion 𝔣₀₀(x). Diese Funktion löst direkt die die quintische Bring-Jerrard-Normalform auf:
Für diese w-Funktion existieren auch Identitäten mit dem Rogers-Ramanujan-Kettenbruch und der Thetafunktion:
Diese beiden soeben genannten Identitäten stimmen miteinander überein.
Werteliste für die w_PS-Funktion
Im Folgenden werden Werte von dieser Funktion aufgelistet:
Anwendung bei der Bring-Jerrard-Form
Die w-Funktion nach Prasolov und Solovyev erfüllt auch folgende Gleichung:
Quintische Gleichungen in Bring-Jerrard-Form werden dann so aufgelöst:
Wichtiger Rechenhinweis für die hyperbolisch lemniskatischen Funktionen:
Entsprechender Algorithmus mit der reduzierten Modulfunktion
Äquivalent hierzu ist folgendes Verfahren:
Der elliptische Modul und sein Pythagoräisches Gegenstück für diese Gleichung werden beim Bringschen Radikal nach Charles Hermite auf folgende Weise hervorgerufen:
Und so wird die reelle Lösung dieser quintischen Gleichung hervorgebracht:
Auch richtig ist:
Quintisches Rechenbeispiel
Folgende Gleichung hat eine reelle Lösung, welche nach dem Satz von Abel-Ruffini nicht elementar, aber elliptisch darstellbar ist:
Reelle Lösung dieser Gleichung:
Genähert ergibt sich:
Siehe auch
Literatur
- Heinrich Weber: Lehrbuch der Algebra. Vols. I-II. New York: Chelsea, pp. 113–114, 1902.
- Atkin, A. O. L. and Morain, F. „Elliptic Curves and Primality Proving.“ Math. Comput. 61, 29–68, 1993.
- Max Koecher, Aloys Krieg: Elliptische Funktionen und Modulformen. 2. Auflage. Springer-Verlag, Berlin (2007), ISBN 978-3-540-49324-2
- Edmund Taylor Whittaker und George Neville Watson: A Course in Modern Analysis, 4th ed. Cambridge, England: Cambridge University Press, 1990. S. 469–470.
- Charles Hermite: Sur la résolution de l’Équation du cinquiéme degré Comptes rendus, Comptes Rendus Acad. Sci. Paris, Nr. 11, März 1858.
- Francesco Brioschi: Sulla risoluzione delle equazioni del quinto grado: Hermite – Sur la résolution de l’Équation du cinquiéme degré Comptes rendus –. N. 11. Mars. 1858. 1. Dezember 1858, doi:10.1007/bf03197334.
- Viktor Prasolov, Yuri Solovyev: Elliptic Functions and Elliptic Integrals. American Mathematical Society, Translation of Mathematical Monographs, vol. 170, Rhode Island, 1991, pp. 149–169.
- Jonathan Borwein und Peter Borwein: π and the AGM: A Study in Analytic Number Theory and Computational Complexity. Wiley, 1998, ISBN 978-0-471-31515-5, Seite 139 (englisch, wiley.com)
Einzelnachweise
- Eric W. Weisstein: Weber Functions. Abgerufen am 26. April 2022 (englisch).
- Eric W. Weisstein: Dedekind Eta Function. Abgerufen am 5. Mai 2022 (englisch).
- https://archive.org/details/lehrbuchderalgeb03webeuoft/page/244/mode/2up