Woltersdorfer Kietz

Der Woltersdorfer Kietz ist eine 1721 vom Berliner Magistrat gegründete Siedlung in der Gemeinde Woltersdorf.

Wappen Luftbild

Details
Südliche Kalkseestraße
Basisdaten
Bundesland:Brandenburg
Landkreis:Oder-Spree
Gemeinde: Woltersdorf an der Schleuse
Einwohner:332
Fläche:18 ha
Höhe:36 bis 46 m. ü. NN
Postleitzahl:15569

Geographie

Der Kietz liegt östlich des Dorfes am Kalkseeufer. Der historische Kietz umfasste die Häuser der heutigen Kalkseestraße auf der Seeseite von der alten Schleuse bis zur Ablage am Röthegrund. Die heutige Nachbarschaft umfasst die gesamte Kalkseestraße, abzüglich der Häuser am Mühlenteich, sowie die Blumen- und die Parkstraße.

Geschichte

Von der Bronzezeit bis in die Slawenzeit lebten auf dem Rötheberg am Nordende des Kietzes Menschen. Um das Jahr 1000 verwaiste die Gegend jedoch und bei der Gründung Woltersdorfs um 1240 bestand keine Siedlung mehr auf dem Rötheberg am Kalksee. Nachdem Woltersdorf im Dreißigjährigen Krieg von den Truppen Wallensteins fast völlig verwüstet wurde, setzte ab 1642 eine Neubesiedlung ein. Bis 1710 waren im Dorf alle Hofstellen besetzt, allerdings gab es immer noch einen Zuzug nach Woltersdorf. Am 19. Juni 1721 stellten die beiden Berliner Bürgermeister Werner Thieling und Ludwig Senning dem neuangestellten Heideläufer eine erste Baugenehmigung in der Nähe der „alten Schleuse“ aus, welche sich weiter nördlich befand als die heutige. Im Laufe der nächsten Jahre folgten weitere Genehmigungen, 1735 wurde erstmals die Bezeichnung „Kiez“ für diese Siedlung verwendet. Die Mehrzahl der Siedler stammte aus Bauernfamilien aus dem alten Dorf oder aus benachbarten Orten. Bis um das Jahr 1800 war der Kietz auf 16 Grundstücke mit 18 Häusern angewachsen, in denen ebenso viele Menschen lebten wie im Dorf.[1] Die meisten Kietzer lebten von der Schifffahrt. Sie transportierten Kalkstein von benachbarten Tagebau in Rüdersdorf nach Berlin.[2] Ihre Grundstücke boten Platz für Bootsreparaturen und die Häuser waren einfache Hütten mit Reetdach. 1843 wurde die erste gewerbliche Werft von Woltersdorf im Kietz gegründet. 1880 entstand in der nördlichen Verlängerung des Kietzes eine weitere Siedlung, die bald nach dem örtlichen Gasthaus den Namen Interlaken erhielt. Diese Bezeichnung wendete Fontane fälschlicherweise auf den gesamten Kietz an, als er ihn 1887 durchwanderte. 1896 wurde der Kietz im damaligen Stil der Zeit in „Kalkseestraße“ umbenannt und um 1900 wurden auch auf der Bergseite des Weges erste Häuser errichtet. Dazu gehörte auch die Thielburg, errichtet von einem der Woltersdorfer Kurhausgäste nach den Plänen von Gustav Lilienthal. Um 1900 setzte eine zunehmende Bautätigkeit ein. Die alten Reetdachhäuser wurden durch größere Mehrparteienhäuser ersetzt. Berliner Sommerfrischler zogen nun zwischen die Schifferfamilien. Im Laufe der nächsten 50 Jahre ging die Berufsschifffahrt fast völlig ein und wurde durch Freizeitschifffahrt ersetzt. Nach der Köpenicker Blutwoche zog der Köpenicker Vizebürgermeister Ehrlich in die Kalkseestraße 11. Zu DDR-Zeiten entstand in der Kalkseestraße 64 mit EMW einer der größten Betriebe von Woltersdorf. 2021 feierte der Kietz seinen 300. Geburtstag.[3]

Literatur

  • Oliver Mehlitz: „Häuschen am Kalksee“ Eine Wanderung durch den Woltersdorfer Kietz und seine Geschichte, 2022.

Einzelnachweise

  1. F. W. A. Bratring: Statistisch-topografische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 2. Berlin 1805, S. 219.
  2. Martina D'Hooge, Gerald Ramm, Siegfried Thielsch: Schiffe, Kähne, Kapitäne. In: Woltersdorfer Verschönerungsverein "Kranichsberg" e.V. (Hrsg.): Woltersdorfer Hefte. Nr. 10, 2018.
  3. Unser Kietz wird 300. In: Gemeindewebseite von Woltersdorf an der Schleuse. 19. Juni 2021, abgerufen am 2. September 2022.
This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. Additional terms may apply for the media files.