Litoměřice

Litoměřice (deutsch: Leitmeritz) ist eine Stadt im Böhmischen Mittelgebirge in Tschechien.

Litoměřice
Region (kraj)Ústecký kraj
Einwohnerzahl22.950(2022)
Höhe136 m
Lagekarte von Tschechien
Litoměřice

Hintergrund

Sgraffito-Fassade am Marktplatz

Die nordböhmische Stadt Leitmeritz liegt in der Aussiger Region. Sie geht auf ein 1057 gegründetes Kollegiatsstift St. Stephan zurück, erhielt um 1225 das Stadtrecht und ist seit 1655 Sitz des katholischen Bistums Leitmeritz.

1938 wurde sie mit dem Sudetenland vom Deutschen Reich annektiert und Sitz des Oberlandesgerichts für dieses Gebiet. Traurige Bekanntheit hat sie durch das nahegelegene Konzentrationslager Theresienstadt erlangt, das wenige Kilometer südlich auf dem Gebiet des Protektorats Böhmen und Mähren lag. Nach 1945 wurde der deutschsprachige Teil der Bevölkerung vertrieben.

Seit den 1970er Jahren steht die sehenswerte Altstadt unter Denkmalschutz.

Anreise

Mit dem Flugzeug

Die nächsten internationalen Flughäfen sind Flughafen Prag internet wikipedia commons wikidata (IATA: PRG) ; 70 km und Flughafen Dresden internet wikipedia commons wikidata (IATA: DRS) ; 115 km. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist jeweils sehr umständlich, sodass ein Mietwagen oder Privattransfer (ca. 60–90 €) in Erwägung gezogen werden sollte.

Mit der Bahn

Am Bahnhof 1 Litoměřice město wikipedia commons wikidata halten jeweils zweistündlich Schnellzüge (R) der tschechischen Bahn, die an der Elbe entlang von Ústí nad Labem (Bahnhöfe Západ oder Střekov, nicht Hauptbahnhof; Fahrtzeit ca. 25 Minuten) bzw. von Kolín (1½ Std.) über Mělník (30 Minuten) nach Litoměřice fahren. Zudem fahren ebenfalls zweistündlich auf der Route Ústí n. L.–Litoměřice–Mělník–Lysá nad Labem etwas langsamere Regionalzüge (Os) mit mehr Unterwegshalten.

Zudem gibt es 700 Meter nördlich des Stadzentrums den Bahnhof 1 Litoměřice horní nádraží wikipedia commons wikidata sowie 1 Kilometer westlich davon 1 Litoměřice Cihelna wikidata . Dort halten halbstündlich Regionalzüge von/nach Lovosice (Fahrzeit 10 Minuten), stündlich von/nach Louny (1:50 Std.) und Postoloprty (2 Std.) sowie zweistündlich von/nach Česká Lípa (1:05 Std).

Von Dresden oder Berlin kommt man mit dem Eurocity bis nach Ústí und steigt dort in den Schnell- oder Regionalzug um, der durch das malerische Elbtal fährt. Etwas umständlich ist, dass innerhalb von Ústí der Bahnhof gewechselt werden muss: vom Hauptbahnhof (hl. n.) zum Westbahnhof (Západ). Dazu kann man den Regionalzug Richtung Bílina nutzen, der für den Transfer vom einen zum anderen Bahnhof in Ústí nur zwei Minuten braucht. Insgesamt dauert die Fahrt von Dresden nach Litoměřice 2 Stunden, von Berlin sind es gut 4 Stunden.

Aus Richtung Prag kommend, nimmt man einen Regional- oder Schnellzug Richtung Všetaty bzw. Tanvald (diese fahren in Prag vom Masarykovo nádraží, nicht vom Hauptbahnhof) und steigt in Všetaty um Richtung Ústí. Die Fahrt von Prag nach Litoměřice dauert insgesamt ca. 1½ Stunden. Alternativ gibt es eine Verbindung vom Prager Bahnhof Holešovice über Lovosice nach Litoměřice horní n. (1:40 Std).

Auf der Straße

Von Prag wie von Dresden auf der mautpflichtigen Autobahn Dálnice 8, die sich auf sächsischer Seite als Bundesautobahn 17 fortsetzt (Via Porta Bohemica), bis zur Anschlussstelle Nr. 45 Litoměřice/Terezín. Romantischer ist die Fahrt von Ústí nad Labem (Aussig) die Elbe aufwärts an der Burg Schreckenstein vorbei. Aus dem Egerland führt die Landstraße Silnice I/15 nach Leitmeritz.

Mit dem Schiff

Die Stadt liegt an der schiffbaren Elbe. Sie besitzt einen kleinen Passagierhafen, an dem Kreuzfahrtschiffe anlegen.

Mit dem Fahrrad

Leitmeritz liegt am Elberadweg. In flussabwärtiger Richtung sind es von Kolín 137 km, von Nymburk 110 km, von Brandýs nad Labem-Stará Boleslav 74 km, von Mělník (Zusammenfluss von Elbe und Moldau) 45 km, von Roudnice 19 km. Elbaufwärts fährt man von Ústí 25 km, von Děčín 51 km, von Bad Schandau 73 km.

Sehenswürdigkeiten

Kirchen, Moscheen, Synagogen, Tempel

Die St.-Stephans-Kathedrale
Wenzelskirche
  • 1 St.-Stephans-Kathedrale (Katedrála svatého Štěpána), Dómské nám., Dómský pahorek, Litoměřice, Česko (500 m vom Mírové namestí, 1 km vom Bahnhof) wikipedia commons wikidata. Barock, 1681 geweiht. Bemerkenswert ist der separat stehende, durch einen Bogen mit dem Hauptgebäude verbundene Glockenturm.
  • 1 Allerheiligenkirche (Kostel Všech Svatých; am Marktplatz) wikipedia commons wikidata. Stammt ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert; ihre heutige, barocke Gestalt erhielt sie 1718–1719.
  • 1 Wenzelskirche (Chrám svatého Václava), Václavské náměstí wikipedia commons wikidata. Die kleine überkuppelte Barockkirche wurde von 1714 bis 1716 unter Mitwirkung des Bildhauers F. Dollinger und des Stuckateurs Rochus Bolla nach einem Plan von Ottavio Broggio errichtet.

Bauwerke

Das Kelchhaus
  • Haus zum Schwarzen Adler (dům U černého orla). Renaissancegebäude mit gut erhaltenen Sgraffiti am Marktplatz.
  • 1 Kelchhaus (dům U Kalicha) wikipedia commons wikidata. Mit kelchähnlichem Turmdach aus dem 16. Jahrhundert.
  • 1 Altes Rathaus (Stará radnice) wikipedia commons wikidata. Im 16. Jahrhundert erbaut, Renaissancestil; heute Regionalmuseum.

Museen

  • Regionalmuseum, Dlouhá 173 (beim Marktplatz). Mit Sammlungen zu Geschichte, Archäologie und Geologie sowie Gedenkstätte für den Dichter Karel Hynek Mácha in der Máchova 177/5 (rund 400 m entfernt). Geöffnet: Di-So 10–17 Uhr, montags geschlossen.
  • 1 Diözesanmuseum (Diecézní muzeum v Litoměřicích), Mírové namestí 16 wikipedia commons wikidata. Hier ist u. a. ein Gemälde von Lucas Cranach d. Ä. zu sehen.

Straßen und Plätze

  • Mírové namestí, der große Marktplatz, mit seinem mittelalterlichen Pflaster

Verschiedenes

  • Die gut erhaltene Stadtmauer
  • Das unterirdische Gängesystem (historické sklepy), zu erreichen über die Gaststätte Radniční sklípek

Ausflüge

Schloss Ploskovice
  • Für Geschichtsinteressierte empfehlenswert ist der Ausflug in das ehemalige KZ Theresienstadt (4 km südlich, auf der anderen Elbseite)
  • Schloss Ploskovice (Ploschkowitz), Rokoko-Sommerpalais rund 6 km nordöstlich, bevorzugter Aufenthalt des Habsburger Kaisers Ferdinand I. nach seiner Abdankung
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