Das Kaffeehaus oder die Schottländerin

Das Kaffeehaus oder die Schottländerin (französisch Le Café ou l’Écossaise oder L’Écossaise) ist eine 1760 entstandene Komödie in fünf Akten und in Prosa von Voltaire. Die Comédie attendrissante mit satirischen Einlagen wurde am 26. Juli 1760 in Paris uraufgeführt und zuvor in Buchform veröffentlicht.

Daten
Titel: Le Café ou l’Écossaise
Gattung: Komödie
Originalsprache: Französisch
Autor: Voltaire
Erscheinungsjahr: 1760
Uraufführung: 26. Juli 1760 in der Comédie-Française
Ort der Uraufführung: Paris
Personen
  • Maître Fabrice, Kaffeehausbesitzer
  • Lindane, Schottin
  • Le Lord Monrose, Schotte
  • Le Lord Murrai
  • Polly, Dienerin
  • Freeport, Grossist
  • Frélon, Journalist
  • Ladi Alton
  • Mehrere Engländer, Besucher des Kaffeehauses
  • Diener
  • Ein Staatsbote
Jean-Michel Moreau: Illustration zu Le Café ou l’Écossaise, 1784

Handlung

Die verzwickte Handlung spielt in einem Londoner Kaffeehaus und im Appartement der Lindane. Das im Kaffeehaus herumlungernde Subjekt Frélon, eine Anspielung auf Élie Catherine Fréron, ist ein Schreiberling, der gegen Bezahlung Dedikationen, Pamphlete und Spitzelberichte verfasst. Er greift als Nebenfigur immer wieder unheilstiftend in die Handlung ein. In den Hotelzimmern des Hauses trifft Lord Monrose seine verlorengeglaubte Tochter Lindane, aber auch den Sohn seines früheren Feindes Murrai. Dieser schenkt ihm in einer Auseinandersetzung nicht nur großmütig das Leben, sondern nimmt auch Monroses tugendhafte Tochter Lindane zur Frau.[1]

Literarische Vorlage und biografische Bezüge

Voltaire schrieb seine empfindsame Komödie Le Café ou l’Écossaise zu Beginn des Jahres 1760 nach der Verfassung seiner Tragödie Tancrède innerhalb von acht Tagen. Er beabsichtigte weniger ein Bühnenstück als ein Pamphlet. Élie Catherine Fréron hatte die seit 1752 schwelende Fehde wieder aufgenommen und Voltaires 1759 veröffentlichte Komödie La Femme qui a raison in seiner literarischen Zeitschrift L’Année litteraire verrissen. Voltaire bediente sich daher eines bei Charles Palissot de Montenoy bereits 1755 verwendeten Kniffes. Dieser hatte in seiner Komödie Le Cercle einen verrückten Philosophen mit den Zügen Rousseaus als Nebenfigur eingefügt. Voltaire beabsichtigte mit der Figur des Frélon auch, Élie Catherine Fréron der Lächerlichkeit preiszugeben. Im Frühjahr 1760 kam Palissots Komödie Les Philosophes auf die Pariser Bühne, die Voltaires Freunde D’Alembert und Diderot verunglimpfte. Voltaire entschloss sich daher für die Uraufführung, Frélon in Wasp, eine Anspielung auf nunmehr Palissot, umzubenennen. Palissot, eigentlich ein Verehrer Voltaires, war betroffen und antwortete mit dem offenen Brief Les Avis. Voltaire selbst war mit dem Erfolg des Stückes durchaus zufrieden. Auf das Titelblatt einer Folgeausgabe setzte er das Motto „J’ai vengé l’univers autant que j’ai pu“ (Ich habe das Universum mit aller Kraft gerächt).

Aufführungen und zeitgenössische Rezeption

Die Komödie wurde am 26. Juli 1760 an der Comédie-Française aufgeführt. Das Publikum war entzückt. Das zunächst nicht zur Aufführung vorgesehene Stück Le Café ou l’Écossaise geriet wider Erwarten zu einem großen Bühnenerfolge Voltaires. Zehn Buchausgaben im Jahr des Erstdruckes belegen die Popularität des Stückes, das mit großem Erfolg auch in Deutschland, Großbritannien und Italien aufgeführt wurde.[2]

Drucklegung

Le Café ou l’Écossaise wurde bereits vor der Uraufführung, im April 1760, mit der fingierten Veröffentlichungsangabe „Londres, MDCCLX.“ von den Frères Cramer in Genf gedruckt (OCV 50, L’Écossaise, 60).[3] Ein früher, mutmaßlich französischer, zeilengetreuer Nachdruck der Erstausgabe ist an der fehlerhaften Schreibweise „L’Ecossaisse“ im Kopftitel auf Blatt A3 zu erkennen (OCV 50, L’Écossaise, 60X).[4] Nach der Uraufführung erschien eine revidierte Wiederauflage dieser (französischen?) Edition: Vortitel und Titelblatt sind neu gedruckt, auf dem Titelblatt wird auf die Aufführung hingewiesen: Le Caffé, Ou L’Ecossaise, Comedie. […] Réprésentée pour la premiere fois par les Comédiens Français ordinaires du Roi, le 26 Juillet 1760. Verso ist eine Besetzungsliste mit den Namen der Schauspieler abgedruckt. Es folgen 4 hinzugefügte Seiten Errata mit kleineren Textänderungen der Bühnenfassung. In einem einleitenden Hinweis wird der Leser gebeten, das Wort „Wasp“ (für Freron) durch „Frelon“ zu ersetzen. Es gibt außerdem mehrere Austauschblätter (Cancellantia oder Cartons) mit umfangreicheren Änderungen des ursprünglichen Textes. (Die meisten dieser Cartons sind durch Asterisken gekennzeichnet). Während der vor der Uraufführung entstandene Druck ein Duodezband ist, haben die neu gedruckten Lage mit den Präliminarien (Vortitel, Titelblatt und Errata) sowie eines der Austauschblätter (B8) Octavformat. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass diese Blätter auch in einer anderen Ausgabe Verwendung fanden oder finden sollten.[5]
Eine ähnliche Teil-Neuausgabe erschien 1760 auch bei den Frères Cramer auf der Grundlage einer eng an die Erstausgabe angelehnten Edition (OCV 50, L’Écossaise, 60CR und 60CR:AC).[6] Diese revidierte Wiederauflage (Duckworth bezeichnet sie als „second state“) wird auf dem neu gedruckten Titelblatt als „Nouvelle édition, à laquelle on a joint, par supplément les corrections & augmentations faites aux Réprésentations“ angezeigt. Während auf dem ursprünglichen Titelblatt noch der fingierte Erscheinungsvermerk „Londres. M.DCC.LX.“ steht, sind auf dem neuen der wirkliche Erscheinungsort („A Geneve“) und die Drucker („Chez les Freres Cramer“) genannt. Eine namentliche Besetzungsliste und ein 6-seitiges Errata-Verzeichnis (bezeichnet als „Additions et corrections“) wurden auch hier hinzugefügt. Auch bei dieser Ausgabe hat die an Stelle des ursprünglichen Titelblatts eingefügte Lage ein anderes Format (8°) als der weitere Text (12°). Bei der Beschaffenheit des Papiers und der Typographie gibt es ebenfalls Unterschiede.[7]
1760 und in den folgenden Jahren erschienen darüber hinaus bei verschiedenen Drucker-Verlegern etliche andere Ausgaben des Werks.

Beigaben

Martin F. (Élie Fréron) als Esel

In seinem Vorwort bezeichnete Voltaire das Stück als Übersetzung eines Werkes des Edinburger Pastors Hume, eines Bruders des Philosophen David Hume. Einer Genfer Ausgabe des Tancrède ist ein Frontispiz Gravelots vorangestellt, das Fréron als Esel unter der Leier Melpomenes darstellt. Dieser Stich war ursprünglich für die Buchausgabe von Le Café ou l’Écossaise bestimmt. Fréron hatte den ihm bekannten Anschlag unterlaufen, in dem er ankündigte, die Buchausgabe werde mit einem Porträt des Autors erscheinen.

Erste Ausgaben

  • Le Caffé ou l’Écossaise, Comédie, Par Mr. Hume, traduite en Français, Londres (Cramer, Genf), 1760, 12°, XII S., S. 6–204 S.online
  • Le Caffé ou l’Écossaise, Comédie, Par Mr. Hume, traduite en Français, Londres (Genf), 1760, 12°, (IV) V–VIII, XII, 204 S.
  • Le Caffé ou l’Écossaise, Comédie, Par Mr. Hume, traduite en Français, Londres (unbekannt), 1760, 12°, 204 S. (Schreibweise Ecosaisse auf Blatt A3)
  • Le Caffé ou l’Écossaise, Comédie, Par Mr. Hume, traduite en Français, Londres (unbekannt), 1760, 12°, XII, 204 S. (Schreibweise Ecosaisse auf Blatt A3) online
  • Le Caffé ou l’Écossaise, Comédie, Par Mr. Hume, traduite en Français, Londres (unbekannt), 1760, 12°, IV, 62 S. online
  • Le Caffé ou l’Écossaise, Comédie, Par Mr. Hume, traduite en Français, Londres (unbekannt), 1760, 12°, XV, (1), 107 S. online

Literatur

  • L’Ecossaise. Critical edition by Colin Duckworth. In: Oeuvres complètes de Voltaire (OVC) 50. Oxford 1986, S. 221–469.
  • Valérie André: L’Écossaise, in: Dictionnaire Voltaire, Hachette Livre, 1994, S. 67 f.
  • Siegfried Detemple: Das Kaffeehaus, in: Voltaire: Die Werke. Katalog zum 300. Geburtstag. Reichert, Wiesbaden 1994, S. 132 f.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Siegfried Detemple: Das Kaffeehaus, in: Voltaire: Die Werke. Katalog zum 300. Geburtstag. Reichert, Wiesbaden 1994, S. 91.
  2. Valérie André: L’Écossaise, in: Dictionnaire Voltaire, Hachette Livre, 1994, S. 66.
  3. L’Ecossaise. Critical edition by Colin Duckworth. In: Oeuvres complètes de Voltaire (OVC) 50. Oxford 1986, S. 299, 60
  4. L’Ecossaise. Critical edition by Colin Duckworth. In: Oeuvres complètes de Voltaire (OVC) 50. Oxford 1986, S. 299 f., 60X
  5. In der revidierten und erweiterten Fassung ist die Ausgabe weder in Oeuvres complètes de Voltaire (OVC) 50, noch in Georges Bengesco: "Voltaire, bibliographie de ses oeuvres", noch im "Catalogue général" der Bibliothèque national de France (Stand 11. November 2022) nachgewiesen. Ein Exemplar aus der Voltaire-Sammlung Jochen Früh befindet sich in der Staatsbibliothek zu Berlin mit der Signatur 3 in: 34 ZZ 433. Vgl. Englisch Short Title Catalogue ESTC N509848
  6. L’Ecossaise. Critical edition by Colin Duckworth. In: Oeuvres complètes de Voltaire (OVC) 50. Oxford 1986, S. 302 f., 60CR and 60CR:AC
  7. Angaben nach Colin Duckworth. In: Oeuvres complètes de Voltaire (OVC) 50. Oxford 1986, S. 303.
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