Dolní Podluží

Dolní Podluží (bis 1947 Dolní Grunt, deutsch Niedergrund) ist eine Gemeinde im Böhmischen Niederland im tschechischen Bezirk Děčín, Ústecký kraj.

Dolní Podluží
Dolní Podluží (Tschechien)
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Děčín
Fläche: 1517,5306[1] ha
Geographische Lage: 50° 53′ N, 14° 36′ O
Höhe: 370 m n.m.
Einwohner: 1.173 (1. Jan. 2021)[2]
Postleitzahl: 407 55
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Straße: I/9:
Prag-Rumburk (Grenzübergang CZ/DE)
Bahnanschluss: Rybniště–Varnsdorf
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 3
Verwaltung
Bürgermeister: Adéla Macháčková (Stand: 2021)
Adresse: Dolní Podluží 6
407 55 Dolní Podluží
Gemeindenummer: 562432
Website: www.dolnipodluzi.cz
Lage von Dolní Podluží im Bezirk Děčín

Ortsnamen und Gliederung

Die Ersterwähnung des heute lang gestreckten Ortes im Tal des Bachs Lužnička (Lausur) erfolgte unter dem Namen Voigtsdorf (1363). Bereits im Jahr 1471 wurde Voigtsdorf Grund genannt. Im 16. Jahrhundert kam der östlich gelegene Ort Schneckendorf zu Grund hinzu. Mit der Zeit verlor Schneckendorf seinen eigenen Namen. 1566 kam es erstmalig zur Unterscheidung zwischen dem Ort Niedergrund (Dolní Grund) und Obergrund (Horní Grund).

Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden die Siedlungen Kateřina und Světliny. Sie Ansiedlung Kateřina (Katharinenthal) wurde um 1690 auf dem Gebiet von Jiřetín pod Jedlovou (Sankt Georgenthal) gebildet und 1748 erstmalig schriftlich erwähnt. Světliny (Lichtenhain) nördlich der Lausur wurde 1702 in Katasterbüchern und 1734 schriftlich erwähnt. Světliny 2. díl (Lichtenhain 2. Anteil) gehört zu Dolní Podluží – Světliny 1. díl (Lichtenhain 1. Anteil) ein Teil der Nachbargemeinde Varnsdorf.

Da die Bezeichnung Dolni Grunt auch anderweitig für den unweiten Ort Dolní Grunt an der Elbe (seit 1949 Dolní Žleb) benutzt wurde, fing 1947 die Suche nach einem neuen Namen an. Den Namen Dolní Podluží schlug der lokale Schüler Jiří Mašek, später nach Australien emigriert und dort 2005 verstorben, vor. Er bezog sich dabei auf die Lage unterhalb der Lausitzer Gebirge (Lužické hory) sowie auf den nahen Berg Lausche (Luž). Der Name Dolní Podluží bedeutet in der wörtlichen Übersetzung Niederes unter der Lausche. Am 16. Januar 1948 hat das tschechoslowakische Innenministerium mit einem Erlass die amtliche Umbenennung in Dolní Podluží zum Jahr 1947 genehmigt.

Im Jahr 1980 wurden Dolní Podluží der Ort Horní Podluží vereinigt, womit der Zustand von vor 1566 eintrat. In dieser Zeit gab es Pläne auch Jiřetín pod Jedlovou der Gemeinde anzuschließen, was von den Bürgern abgelehnt worden ist. Nach 1990 wurden die Orte Dolní und Horní Podluží wieder unabhängige Gemeinden.[3]

Geographie

Luftfoto von westlichen Teil von Dolní Podluží

Geographische Lage

Dolní Podluží ist ein langgestrecktes Dorf im Tale des Baches Lužnička (Lausur) am nördlichen Fuße des Weberberges im Lausitzer Gebirge, etwa ein bis vier Kilometer südlich und südwestlich von Varnsdorf. Im Westen hängt es mit Horní Podluží (Obergrund) zusammen, mit dem es eine etwa sechs Kilometer lange zusammenhängende Talsiedlung bildet. Im Osten grenzt der Ort an den Freistaat Sachsen.

Der Ort wird grenzt westlich teilweise an die Staatsstraße I/9, im nördlichen Gemeindeteil wird Dolní Podluží von dieser Straße aufgeteilt.

Nachbarorte

Varnsdorf (Warnsdorf)
Horní Podluží (Obergrund), Jiřetín pod Jedlovou (Sankt Georgenthal) Großschönau
Mařenice (Großmergthal)

Geschichte

Flagge von Dolní Podluží

Archäologische Funde belegen, dass im heutigen Gebiet des Dorfes Ende des 13. Jahrhunderts mittelalterliche Glashütten standen, die zu den ältesten bekannten Glashütten in Böhmen gehören. Im Milířka-Tal gibt es Spuren von eines mittelalterlichen Bergbaus. Dort wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts Quarz für Glashütten abgebaut.

Später wurde auch Eisen, Blei und Kupfer abgebaut. Bereits um 1800 werden in Büchern 200 bis 300 Jahre alte Bergbauschächte und -stollen erwähnt. Vor dem 12. Jahrhundert war das Tal, in dem sich die heutige Dolní Podluží befindet, in einem Gebiet namens "Záhvozdí". Es gab nur dichte Wälder und nicht bewirtschaftetes Land. Die ersten Bewohner waren deutsche Kolonisten, welche die Wälder rodeten.

Der erste Herrscher des Gebietes, in dem sich das Dorf heute befindet, war Berka aus dem Geschlecht der Hovor, dem das Gebiet als Lehen vom Fürsten Jaromír zur Verfügung gestellt wurde. Sein Nachfahre gründete die Burg Tolštejn an der Stelle der ehemaligen Holzfestung. Die Siedlung Schneckendorf wurde im Osten entlang des Bachs errichtet. Vogstdorf stand im Zentrum des Dorfes und Bölmsdorf an der Stelle des heutigen Horní Podluží.

Das Dorf gehörte zum Erzbistum Prag und wurde 1363 in den Firmungsbüchern erwähnt und 1384 in den päpstlichen Listen der an den Papst gezahlten Zehnten. In diesen päpstlichen Listen taucht der latinisierte Name vom Vogstdorf Vila advocati auf. Während der Hussitenkriege wurde das Gebiet stark verwüstet. Eine erneute Verwüstung folgte während des Dreißigjährigen Kriegs die mit starker Armut und Flucht der Bevölkerung verbunden war.

Josef Fröhlich aus dem benachbarten Warnsdorf führte 1792 die Textilproduktion von Samt und Cord im Ort ein. Der ab 1794 angefangene und 1806 vollendete Bau der Prager Kaiserstraße (heute Staatsstraße I/9) von Böhmisch Leipa nach Rumburg und Sachsen löste die alte Handelsstraße ab und trug bedeutend zur Belebung der Region bei. 1816 folgte Ignác Richter mit einer weiteren Textilproduktion. Im Jahr 1825 befanden sich in Niedergrund vier Bleichbetriebe. Einen eigenen Bahnanschluss erhielt die Gemeinde im Jahr 1869 mit der Bahnstrecke Teichstatt-Warnsdorf (Rybniště–Varnsdorf). In den 1880er Jahren entstand im Dorf durch den Fabrikanten Wilhelm Brass eine Rotgarnspinnerei. Es folgten eine Baumwollwarenfabrik, eine Papierfabrik sowie eine Stärkefabrik von Josef Worm und die Kartonagenfabrik Stolle und Lehnert. Es gab zwei Mühlen und ein Sägewerk.[4] Niedergrund bildete ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Gemeinde im Gerichtsbezirk Warnsdorf.

Im Mai 1903 wurde der Grundstein für eine Bürgerschule gesetzt und im Sommer 1904 eingeweiht. Der Anschluss ans öffentliche Stromnetz erfolgte 1905, welches von einem Warnsdorfer Kraftwerk gespeist war. 1904 stiftete die Textilfabrik Ignaz Richter ein Siechenhaus, welches während des Ersten Weltkriegs als Lazarett diente. Danach folgte eine Nutzung als Landwirtschaftsschule und als Heim für kranke Kinder.[5]

Das industriell geprägte Dorf prosperierte insbesondere gegen Ende der Monarchie Österreich-Ungarns und in der Zwischenkriegszeit während der 1918 gegründeten ersten Tschechoslowakischen Republik. Der Wohlstand zeigte sich beispielsweise durch den Bau eines Kinos in den Jahren 1928/29. 1930 hatte die Gemeinde 3504 Einwohner.

Am 30. September 1938 wurden diverse Brücken, beispielsweise jene über der Lausur auf der Hauptstraße Prag-Rumburk (heutige Staatsstraße I/9) durch tschechoslowakisches Militär gesprengt (Mobilmachung in der Tschechoslowakei 1938). Anlass war ein Protokoll zum Schutz der Tschechoslowakei wegen der steigenden Gefahr und Aggressivität der NS-Herrschaft im Deutschen Reich. Taggleich wurde mit dem Münchner Abkommen ohne Beteiligung der Tschechoslowakei der Ort Niedergrund und die tschechoslowakischen Grenzgebiete dem Deutschen Reich zugesprochen und direkt durch die deutsche Wehrmacht besetzt.[6]

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelang die Gemeinde zur wiedererrichteten Tschechoslowakei. Die deutschsprachige Bevölkerung fing aus Angst vor der Roten Armee und Repressalien an zu fliehen. Später wurde sie vertrieben und ausgesiedelt. Eine Wiederbesiedlung folgte schleppend, was an der abgelegenen Lage und Nähe zur Grenze lag. 1950 lebten in Dolní Podluží 1787 Personen. Einen Aufschwung erlebte die Gemeinde ab 1961, als sich zunehmend Personen für Wochenendhäuser interessierten. Damit wurden zahlreiche vernachlässigte und verlassene Häuser saniert und bewohnt. 1979 und 1985 wurde das Kino saniert. Die Landflucht setzte sich dennoch bis in die frühen 1990er Jahre wo sich die Situation stabilisierte. 2004 wurden im ehemaligen Siechenheim 15 Wohnungen durch die Gemeinde geschaffen.

Seit dem Beitritt zum Schengen-Raum im Jahr 2007 entfielen die bis dahin üblichen Grenzkontrollen. Damit stieg auch wieder die Attraktivität des Ortes, da zahlreiche Einheimische nun auch von den grenznahen deutschen Orten profitieren, dort oftmals auch beschäftigt sind.

Im August 2010 kam es zu einem Hochwasser in der Lausur der durch starken Niederschlag ausgelöst wurde. Betroffen hiervon wurde die Gemeinde besonders am unteren Bachlauf im Bereich der Schulen.

Söhne und Töchter

In Niedergrund wurde 1624 der Kreuzkantor Jacob Beutel geboren.

Commons: Dolní Podluží – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.uir.cz/obec/562432/Dolni-Podluzi
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2021 (PDF; 349 kB)
  3. Historický vývoj Podlužska. In: Permoník. Nr. 220-221. Dolní Podluží / Jiřetín pod Jedlovou / Horní Podluží Juli 2011.
  4. Lužické a Žitavské hory. Abgerufen am 14. Januar 2023 (englisch).
  5. IGNAZ RICHTER A MĚŠŤANSKÁ ŠKOLA V DOLNÍM PODLUŽÍ. In: bgv.cz. 2014, abgerufen am 14. Januar 2023 (tschechisch).
  6. Josef Rydval: Kronika obce Dolní Podluží rok 2017. 2017 (PDF).
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