Erwin H. Zander
Erwin Heinrich Zander (* 24. Januar 1929 in Köln; † 29. Dezember 2022 in Berlin[1]) war ein deutscher Architekt und Professor an der Fachhochschule Düsseldorf.







Leben
Erwin Zander war das älteste von vier Kindern von Hubert Zander und Anna Maria (geb. van Eygelshoven). Die Familie wohnte bis 1939 in Köln-Nippes, danach in der Waldsiedlung in Leverkusen-Schlebusch. Kriegsbedingt wechselte er mehrmals die Schule und bestand das Abitur 1949 in Köln-Mülheim.
Bevor Zander 1950 sein Architekturstudium an der RWTH Aachen aufnahm, absolvierte er 1949/1959 in Köln und Leverkusen Baupraktika. Er schloss das Studium 1955 mit dem Diplom ab und arbeitete im Anschluss im Büro von Heinz Ruempler in Köln.[2] Als Stipendiat des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie reiste er 1956 nach England und Schottland und gründete im Anschluss am 1. Oktober 1956 sein eigenen Büros als freischaffender Architekt in Köln.[3]
Ab den 1960er Jahren entstanden unter Zanders Federführung ca. 60 Wohnhäuser und Mehrfamilienhäuser, ca. 20 Büro- und Gewerbebauten sowie ca. 7 Schul-, Hochschul- und Sportbauten, letztere gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen (s. u.). Hervorzuheben sei hier das terrassierte Wohn- und Geschäftshaus Dr. Stoffel am Barbarossaplatz (Neue Weyerstraße 9) in Köln, erbaut 1970.[3]
Erwin H. Zander war Teil des Architektenkollektivs Werkgruppe 7, dessen Mitglieder gemeinsam an Wettbewerben teilnahm. Nach einigen Jahre gründeten Schneider-Wessling und Peter Busmann 1969 die freie Architekten- und Ingenieurgemeinschaft Bauturm, der später auch Zander sowie Godfrid Haberer, Walter Ruoff, Peter Trint und andere angehörten.[4]
1961 wurde Zander in den Deutschen Werkbund (DWB) berufen, und übernahm von 1970 bis 1973 den zweiten Bundesvorsitz und in den Jahren 1976 und 1977 den Vorsitzen des DWB in Nordrhein-Westfalen. Außerdem gehörte er von 1972 bis Ende 1975 dem Redaktionsteam der Zeitschrift des Deutschen Werkbundes Werk und Zeit unter der Leitung von Dieter Beisel an.[5] Ab 1967 war Zander Mitglied des BDA.
Im Jahr 1978 erfolgte die Berufung als Professor an die Fachhochschule Düsseldorf für das Lehrgebiet Technischer Ausbau / Haustechnik und Entwerfen, die er bis 1994 innehatte. Von 1980 bis 1986 hatte er dort außerdem die Rolle des Dekans des Fachbereiches Architektur inne.[3]
1979 gründete Zander das „Atelier Z & ASS“ (kurz für Atelier Zander & Associes), das ab 1987 im avantgardistischen Atelier- und Wohnhaus OBU in Köln-Hahnwald ansässig war.
Zander war über viele Jahre Mitglied des Kölnischen Kunstvereins. Von 1974 bis 2002 war er Vorstandsvorsitzender und ab 2006 Ehrenmitglied des Vereins.[2][3] Ab 1976 wirkte er mit im Kunstbeirat der Stadt Köln, von 1977 bis 1990 war er dessen Vorsitzender.
2005 gründete er zusammen mit namhaften Kölner Architekten und der Architektur verbundenen Persönlichkeiten und Institutionen den „Verein zur Förderung von Architektur und Städtebau e.V.“, der Träger des Haus der Architektur Köln ist. Er fungierte als Gründungsvorsitzender des Vereins und war ab 2011 Ehrenvorsitzender.[3]
Erwin H. Zander starb am 29. Dezember 2022 im Alter von 93 Jahren in Berlin, wo er seit vielen Jahren mit seiner Frau Mariarita Bargolini lebte.
Bauten
Auswahl:
- 1962–1963: Wohnhaus Prof. Dr. Dr. Hirsch, Theodor-Körner-Str.13 in Rodenkirchen[2][3]
- 1963: Bürohaus Höpfner, Auf dem Berlich 24 in der Kölner Innenstadt[2][3]
- 1964: Wohnhaus Peill, Van-Gogh-Straße 2 in Köln-Müngersdorf (1994 umgebaut)[3]
- 1969: Reihenhäuser mit variablen Grundrissen in Köln-Lövenich[3]
- 1969: Wohnhaus mit acht variablen Eigentumswohnungen, Im Buchenkamp 76 in Köln-Brück[3]
- 1970: Wohnbebauung mit 42 Wohnungen, Richard-Bertram-Straße in Brühl-Mitte[3]
- 1970: Wohn- und Geschäftshaus Dr. Stoffel (Terrassenhaus), Neue Weyerstraße 9 am Barbarossaplatz in Köln[2][3]
- 1970: Wohnhaus Rasner, Am Wingert 14 in Weiß am Rhein[3]
- 1971: Schwimmhalle NevenDuMont in Rösrath[3]
- 1972: Gesamtschule Köln-Rodenkirchen als Federführender der Werkgruppe 7 und Bauturm Köln mit Eckehard Zielhofer[2][3]
- 1972: Wohnhaus Grassmann in Lichtenberg[3]
- 1972–1974: Wohnhaus mit 14 variablen Wohnungen, Saarstraße 50 in Rodenkirchen[2][3]
- 1973–1975: Umbau der Scheune des Roggendorfhofes in Rath/Heumar mit Mirko Baum[2]
- 1973–1977: Staatliche Hochschule für Musik in Köln mit Werkgruppe 7 und Bauturm und Herbert Karrasch[2][3][6]
- 1977: Schulzentrum Niederpleis in Sankt Augustin mit Werkgruppe 7[2][3]
- 1976–1980: Schulzentrum Ostheim, Hardtgenbuscher Kirchweg 100 in Köln-Ostheim mit Werkgruppe 7[2]
- 1977: Wohnhaus Dr. Amann, Am Morsdorfer Hof 5 in Köln-Braunsfeld (verändert)[3]
- 1976: Weingut mit Wohnhaus und Wirtschaftsgebäuden bei Saint-Tropez/Frankreich[3]
- 1978: Wohn- und Atelierhaus OBU, Unter den Birken 221a in Köln-Hahnwald (im März 2012 abgebrochen)[3]
- 1982: Wohnhaus Dr. Engels mit Einrichtung, Sperberweg 33 in Mülheim an der Ruhr[3]
- 1990: Umbau Kölnischer Kunstverein, Cäcilienstraße in der Kölner Altstast mit Marianne Stockebrand und dem Hochbauamt der Stadt Köln[2]
- 1990–1991: Studio Haus Prof. Raimund Girke, Kaesenstraße 4 in der Kölner Südstadt mit Kerstin Lange und Michael Prochnow[2]
- 2003: Wohnhaus in Kapstadt/Südafrika mit Jochen Ewe und Anke Huerkamp[3]
- 2003: Neubau Wohnhaus Karlstraße 28, in Köln-Rodenkirchen mit Stefan Zander[3]
- 2001: Gaststätte „kitchenette“, Gladbacher Straße 15 in Köln mit Barbara und Stefan Zander[3]
Auszeichnungen
- Kölner Architekturpreis 1975 für die Staatliche Hochschule für Musik Köln mit Werkgruppe 7 und Bauturm[7]
Literatur
- 1962 Bauwelt 40/62 „Wohnhaus mit Atelier in Köln“
- 1963 Bauwelt 11/63 „Atriumhaus in Bensberg“
- 1969 Werk und Zeit 8/69 „werkbund 1969“
- 1984 Beton Atlas: Staatliche Hochschule für Musik Köln Beton-Verlag GmbH, Düsseldorf
- 2003 L’architecture d’aujourd’hui 349 novembre-decembre 2003: La Maison Obu, Cologne, Allemagne. Erwin E. Zander architect. S. 68–71 Verfasserin Eva Kraus (französisch + englisch)
Weblinks
- Atelier Z & ASS. Prof. Dipl.-Ing. Erwin H. Zander dwb Architekt BDA
- Haus der Architektur. Verein zur Förderung von Architektur und Städtebau e.V.
- Kitchenette.
Einzelnachweise
- Michael Kohler: Architekt Erwin H. Zander gestorben: Gebäude aus einem beweglichen Geist. In: Kölner Stadtanzeiger. 20. Januar 2023, abgerufen am 20. Januar 2023.
- Wolfram Hagspiel: Lexikon der Kölner Architekten vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Köln 2022, ISBN 978-3-412-52447-0, S. 753 (2176 S.).
- Atelier Z & ASS. In: Prof. Dipl.-Ing. Erwin H. Zander dwb Architekt BDA. Abgerufen am 10. September 2022.
- Nachruf Erich Schneider-Wessling 1932-2017. In: Webseite BDA Bayern. 26. Oktober 2017, abgerufen am 10. September 2022.
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- WEITERLEITUNG Werk und Zeit
- SOS BRUTALISM Werkgruppe 7 / Bauturm: Staatliche Hochschule für Musik. Abgerufen am 10. September 2022.
- Kölner Architekturpreis 1975 Preisträger. Abgerufen am 10. September 2022.