Michael Timm (Boxtrainer)

Michael Timm (* 13. November 1962 in Hagenow, Bezirk Schwerin, DDR) ist ein deutscher Boxtrainer und ehemaliger Amateurboxer. Der dreimalige DDR-Meister wurde 1985 Europameister im Halbmittelgewicht.

Seit 2012 ist er Leiter des Bundesstützpunktes des Deutschen Boxsport-Verbandes am Olympiastützpunkt Mecklenburg-Vorpommern und Bundestrainer für Frauenboxen.

Michael Timm
Timm beim 13. Chemiepokal 1984
(hintere Reihe, 3. von links)
u. a. mit Torsten Schmitz, Henry Maske, Andreas Zülow, Teófilo Stevenson
Timm bei seinem Sieg beim 16. Berliner TSC-Boxturnier 1985

Amateurkarriere

Als 11-Jähriger begann Michael Timm 1973 bei Empor Zarrentin und Traktor Wittenburg mit dem Boxsport. Bei beiden Betriebssportgemeinschaften trainierte er jeweils einmal in der Woche, bevor er im Jahre 1976 zum SC Traktor Schwerin delegiert wurde.[1] Im Nachwuchs wurde er DDR-Spartakiadesieger, sowie Junioren- bzw. Jugendmeister. Sein Trainer war Fritz Sdunek.

Bei den Erwachsenen wurde er 1981 und 1982 DDR-Meister im Weltergewicht sowie 1983 DDR-Meister im Halbmittelgewicht. Er schlug dabei in den Finalkämpfen Karl-Heinz Krüger, Roland Poye und Detlef Kästner.[2][3][4] Den prestigeträchtigen Chemiepokal von Halle (Saale) gewann er 1984 und 1985 im Halbmittelgewicht, jeweils mit einem finalen Sieg gegen Ralf Hunger.[5][6] Ebenfalls nahm Timm mehrmals beim renommierten TSC-Turnier in Ost-Berlin teil. In den Jahren 1981, 1982 und 1983 konnte er sich den 2.Platz sichern. In den Finalkämpfen verlor er jeweils gegen Karl-Heinz Krüger durch nicht antreten wegen einer Verletzung[7], 1:4 gegen Roland Poye vom gastgebenden Verein TSC Berlin[8] und gegen den amtierenden Vize-Europameister Ralf Hunger vom SC Chemie Halle[9], auf dem Weg ins Finale 1983 konnte er den Weltklasse-Stillisten Israel Hakobkochjan aus der UdSSR 2:3 besiegen. Im Jahr 1985 konnte er sich die Goldmedaille beim TSC-Turnier sichern, nach der in der Vorrunde fand die Finalneuauflage der Europameisterschaft 1985 statt, hier besiegte Timm Babken Sagradjan vorzeitig. Im Finale besiegte er den Italiener Michele Mastrodonato 5:0 nach Punkten.[10]

Bei den Wettkämpfen der Freundschaft in Havanna 1984, einer Gegenveranstaltung der Ostblockstaaten zu den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles, gewann er nach einer 2:3-Niederlage gegen Ángel Espinosa eine Bronzemedaille im Halbmittelgewicht.[11] Eine weitere Bronzemedaille dieser Gewichtsklasse gewann er beim Weltcup 1985 in Seoul, nach einer Niederlage gegen den späteren Olympiasieger Park Si-hun.[12]

Sein größter Erfolg war der Gewinn der Goldmedaille im Halbmittelgewicht bei der Europameisterschaft 1985 in Budapest. Er siegte dabei jeweils einstimmig gegen Kieran Joyce aus Irland, Dănuț Lugigan aus Rumänien, Hranek Sándor aus Ungarn und Babken Sagradjan aus der Sowjetunion.[13]

Trainerkarriere

1986 wurde Timm Trainer beim Schweriner SC. Von 1987 bis zu ihrer Auflösung 1990 trainierte er zusätzlich die Juniorennationalmannschaft der DDR. Unter seiner Führung wurden Enrico Berger 1989 und Torsten Bengston 1990 Juniorenweltmeister sowie Jan Schwank 1990 Junioreneuropameister. Ab 1991 trainierte er die Landesauswahl Mecklenburg-Vorpommerns.

Von 1997 bis 2012 war Michael Timm angestellter Trainer beim Hamburger Profi-Boxstall Universum Box-Promotion; seit 2010 als Nachfolger Fritz Sduneks in der Funktion des Cheftrainers. Zu den von ihm betreuten Boxern gehörten unter anderem Jürgen Brähmer, Serhij Dsindsiruk, Andreas Kotelnik, Ina Menzer, Wladimir Sidorenko, Dieter und Egon Roth, Lukas Wilaschek, Felix Sturm, Ruslan Chagayev, Stipe Drviš, Luan Krasniqi, Thomas Ulrich, Juan Carlos Gómez, Daisy Lang und Bert Schenk. Ab August 2012 ist Timm als Nachfolger von Willi Ramin Leiter des Bundesstützpunktes des Deutschen Boxsport-Verbandes in Schwerin.[14][15] Seine Trainingsgruppe umfasst 16 Boxer zwischen 17 und 23 Jahren.

Sonstiges

Michael Timm ist verheiratet, hat zwei Töchter (* 1983/1986) und lebt in Schwerin. 1984 wurde er mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Bronze und 1986 in Silber ausgezeichnet.[16][17]

Einzelnachweise

  1. Neues Deutschland, 16. Dezember 1981, S. 7
  2. DDR National Championships 1981
  3. DDR National Championships 1982
  4. DDR National Championships 1983
  5. Chemistry Cup 1984
  6. Chemistry Cup 1985
  7. 12.TSC Tournament - Berlin, GDR - October 2-7 1981. Abgerufen am 28. Januar 2023.
  8. 13.TSC Tournament - Berlin, GDR - October 2-7 1982. Abgerufen am 28. Januar 2023.
  9. 14.TSC Tournament - Berlin, GDR - October 2-7 1983. Abgerufen am 28. Januar 2023.
  10. 16.TSC Tournament - Berlin, GDR - October 2-7 1985. Abgerufen am 28. Januar 2023.
  11. Friendhips Tournament 1984
  12. World Cup 1985
  13. European Championships 1985
  14. Boxtrainer Michael Timm verlässt Universum zum 1. August Hamburger Abendblatt, vom 3. Juli 2012
  15. https://www.box-sport.de/news/das-neue-leben-des-michael-timm
  16. Neues Deutschland, 1./2. September 1984, S. 4
  17. Neues Deutschland, 15. Oktober 1986, S. 7
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