Rüppell-Papagei

Der Rüppell-Papagei (Poicephalus rueppellii), auch Rüppells Blausteißpapagei oder nur Blausteißpapagei genannt, ist eine Papageienart aus der Gattung der Langflügelpapageien (Poicephalus). Das Art-Epitheton ehrt den deutschen Naturwissenschaftler und Afrikaforscher Eduard Rüppell.

Rüppell-Papagei

Rüppell-Papagei (Poicephalus rueppellii)

Systematik
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Eigentliche Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Psittacinae
Gattung: Langflügelpapageien (Poicephalus)
Art: Rüppell-Papagei
Wissenschaftlicher Name
Poicephalus rueppellii
(Gray, 1849)

Beschreibung

Der Rüppell-Papagei wird 22–25 cm lang und erreicht ein Gewicht von 100–130 g. Sein Gefieder ist überwiegend dunkelgraubraun mit gelben Schultern, Unterflügeldecken und gelben „Strümpfen“ sowie gelbem Flügelbug. Die Unterschwanzdecken und der Bürzel sind blau – daher auch häufig die Bezeichnung „Blausteißpapagei“. Jungvögel haben den blauen Bürzel, bei den Männchen verfärbt er sich jedoch nach 2–3 Jahren grau. Also zeigen nur Jungtiere und Weibchen das Blau. Der Schnabel ist schwarzgrau, die Iris rot-orange und die Füße dunkelgrau.

Jungvögeln fehlt der gelbe Fleck an den Schultern.[1]

Verbreitung

Der Rüppell-Papagei kommt im südwestlichen Angola sowie in den nördlichen und zentralen Teilen Namibias endemisch vor. Dort bewohnt er hauptsächlich trockene Waldgebiete, in denen er besonders auf Bäumen in der Nähe von Flussufern oder Flussbetten anzutreffen ist. Außerdem bevorzugen die Vögel offenbar Euphorbien-Wälder.

Lebensweise

Der Rüppell-Papagei lebt gewöhnlich in kleinen Gruppen von bis zu 20 Tieren, in Zeiten von reichlichem Futterangebot kann es zum Zusammenschluss von größeren Schwärmen kommen. Der Flug der Vögel ist schnell und direkt. Wenn die Vögel auf der Flucht sind, wird ihr Flug von einem schrillen durchdringenden Pfiff begleitet, der in Tonhöhe und Intensität variiert.

Brutverhalten

Die meisten Nester mit Eiern des Rüppell-Papageis werden im Februar in Namibia und etwa März bis April in Angola gemeldet. Einige Meldungen erfolgen auch später im Jahr. Bis August kann man noch Nester mit Jungtieren finden. Grund für diese Variabilität ist, dass das Brutverhalten der Rüppell-Papageien mit den Zeiten des Regenfalls zusammenhängt.[2]

Nester befinden sich in Bäumen in einer Höhe von 3 bis 5 m über dem Boden und können über mehrere Jahre in Folge besetzt sein. Über das Gelege von Rüppell-Papageien in Gefangenschaft ist bekannt, dass es aus durchschnittlich 3–5 Eiern besteht.

Nahrung

Rüppell-Papageie ernähren sich von Schoten verschiedener Bäume und Sträucher, z. B. von Akazienarten (Acacia) und Faidherbia, außerdem von anderen Pflanzen, z. B. Grewia, sowie Früchten von Ficus-Arten. Außerdem fressen sie Samen, z. B. von Elephantorrhiza, Prosopis juliflora und Combretum imberbe, Nektar der blühenden Mistel (Tapinanthus) und junge Triebe im Blätterdach von höheren Bäumen und Sträuchern. Sie fressen zum Teil auch Insektenlarven und Melonen.[3]

Stimmverhalten

Der häufigste Ruf des Rüppell-Papageis ist ein kurzes, explosives „Cheet!“ (viel tiefer als der Ruf von P. meyeri). Er äußert auch kurze, höhere, durchdringende Quietschgeräusche.[4]

Schutzstatus

Seit den 1980er Jahren sind die Bestände der Rüpell-Papageien in freier Wildbahn rückläufig, was vor allem auf den umfangreichen, oft illegalen Fang dieser Papageien für den Heimtiermarkt zurückgeführt wird. Südafrika war mit 7175 Vögeln, die zwischen 1994 und 2010 gehandelt wurden, der größte Exporteur dieser Vogelart. In Folge des Bestandsrückganges und wegen ihres begrenzten Verbreitungsgebiets wird die Art bereits in der Roten Liste Namibias von 2012 als beinahe bedroht eingestuft (Simmons 2012).[5] Rüppell-Papageien sind in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gelistet und unterliegen deshalb bestimmten Handelsbeschränkungen.[6]

Systematische Stellung innerhalb der Gattung Poicephalus

Das folgende Kladogramm zeigt die Gattung Poicephalus mit ihren jeweiligen Verwandtschaftsgraden. Es fehlt der Niam-Niam-Papagei (Poicephalus crassus), dessen Artstatus umstritten ist[7].

 Poicephalus (Gattung)  
  Eupsittacus (Untergattung)  
  N.N.  

 Poicephalus gulielmi


   

 Poicephalus robustus


   

 Poicephalus fuscicollis


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 Poicepalus flavifrons



  N.N.  
  N.N.  

 Poicephalus senegalus


   

 Poicephalus rufiventris



  N.N.  

 Poicephalus cryptoxanthus


   

 Poicephalus meyeri


   

 Poicephalus rüppellii


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Literatur

  • Dieter Hoppe, Peter Welcke: Langflügelpapageien, Ulmer Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-8001-4786-6
Commons: Rüppell-Papagei – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. R%C3%BCppell-Papagei. Abgerufen am 21. November 2022.
  2. Parrot Encyclopedia | Ruppell's Parrot | World Parrot Trust. Abgerufen am 21. November 2022.
  3. D. K. B. Vorstand: Rüppell-Papagei (Poicephalus rueppellii) - Kurzsteckbrief vom DKB e.V. In: Deutscher Kanarien- und Vogelzüchterbund e.V. 11. April 2022, abgerufen am 21. November 2022 (deutsch).
  4. D. K. B. Vorstand: Rüppell-Papagei (Poicephalus rueppellii) - Kurzsteckbrief vom DKB e.V. In: Deutscher Kanarien- und Vogelzüchterbund e.V. 11. April 2022, abgerufen am 21. November 2022 (deutsch).
  5. Parrot Encyclopedia | Ruppell's Parrot | World Parrot Trust. Abgerufen am 21. November 2022.
  6. Taxon Information. In: WISIA - wissenschaftliches Informationssystem für den internationalen Artenschutz. Bundesamt für Naturschutz Deutschland, abgerufen am 30. Dezember 2022.
  7. Hoppe und Welcke, S. 79
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