Strade Bianche
Strade Bianche (ehemals Monte Paschi Eroica) ist ein italienisches Eintagesrennen für Radrennfahrer. Das Besonderheit des Rennens sind die namensgebenden weißen Schotterstraßen der Toskana, die einen Teil der Streckenführung ausmachen. Während die Erstaustragung im Jahr 2007 im Herbst stattfand, wird das Rennen seither im Frühjahr Anfang März ausgetragen.[1] Mit der Saison 2017 wurde das Rennen Teil der UCI WorldTour.[2]

Veranstalter des Rennens ist die RCS Sport, die auch den Giro d’Italia ausrichtet und zur Mediengruppe RCS MediaGroup gehört, die u. a. die Sportzeitung Gazzetta dello Sport herausgibt.[3] Die Geschichte der Strade Bianche geht auf die radtouristische Veranstaltung der L’Eroica zurück, die erstmals im Jahr 1997 stattfand.[4] Mit der Strade Bianche femminile wird seit dem Jahr 2015 auch ein Frauen-Bewerb abgehalten.[5]
Rekordsieger ist mit drei Erfolgen der Schweizer Fabian Cancellara.[6]
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Geschichte
Hintergrund und Erstaustragung
Als Vorläufer der Strade Bianchi gilt die L’Eroica, die erstmals im Oktober des Jahres 1997 ausgetragen wurde. Bei dieser Jedermann-Veranstaltung handelte es sich jedoch weniger um ein Radrennen im klassischen Sinn, als um eine touristische Veranstaltung, deren Ziel es war den alten Geist des Radsports wiederzubeleben. In Anlehnung an die Duelle zwischen Fahrern wie Fausto Coppi und Gino Bartali befuhren die Teilnehmer Schotterstraßen auf alten Fahrrädern. Bei der Erstaustragung, der von Giancarlo Brocci gegründeten L’Eroica, starteten 92 Fahrer.[4]
Zum 10-jährigen Jubiläum der L’Eroica wurde am 9. Oktober erstmals ein Profi-Rennen abgehalten, das unter dem Namen Monte Paschi Eroica lief. Als namensgebender Sponsor diente die italienische Großbank Monte dei Paschi di Siena (umgangssprachlich meist nur Montepaschi genannt), während die RCS MediaGroup die Organisation des Rennens übernahm. Die Strecke führte von Gaiole in Chianti über 180 Kilometer nach Siena, wo sich das Ziel auf dem Piazza del Campo befand. Insgesamt mussten 60,7 Kilometer auf den sogenannten „sterrati'“(Schotterstraßen) zurückgelegt werden, die auf sieben Sektoren verteilt wurden. Mit einer Länge von drei bis 13 Kilometern führten die Schotterstraßen durch die hüglige Toskana und beinhalteten zahlreiche Anstiege und Abfahrten. Im Vorfeld der Veranstaltung hoffte die Organisation eine große Anzahl an Klassiker-Spezialisten für das Rennen zu begeistern, wobei letztendlich in erster Linie die einheimischen Stars wie Alessandro Ballan und Filippo Pozzato erschienen.[7] Bei der Erstaustragung gingen 116 Fahrer an den Start, von denen nur 42 das Ziel erreichten. Zum Premierensieger kürte sich der Russe Alexander Kolobnew, der sich auf dem vorletzten Sektor von seinen Gefährten absetzten hatte können.[8]
Termin- und Namensänderung
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Die zweite Austragung fand nicht mehr im Oktober statt und war somit zeitlich nicht mehr an die L’Eroica gebunden. Stattdessen wählten die Organisatoren einen Termin im März, um die Attraktivität des Rennens für die Klassiker-Spezialisten zu erhöhen. Weiters änderte sich die Anordnung der Schotterstraßen geringfügig und es wurde der 2,4 Kilometer lange Sektor des Colle Pinzuto hinzugefügt, der rund 11 Kilometer vor dem Ziel passiert wurde.[1]
Im Rahmen der dritten und vierten Austragung distanzierte sich das Rennen weiter von der L’Eroica und lief im Jahr 2009 als Montepaschi Strade Bianche - Eroica Toscana[9], ehe es 2010 den heutigen Namen Montepaschi Strade Bianche erhielt.[10] Mit dem Sektor „Le Tolfe“ kam eine weitere kurze und steile Schotterrampe im Finale hinzu, die den leichteren Bergfahrern entgegenkam.[11] In den nachfolgenden Austragungen gewann das Rennen zusehends an Popularität und präsentierte ein immer stärkeres Fahrerfeld. Mit dem Italiener Moreno Moser war im Jahr 2013 erstmals ein einheimischer Fahrer erfolgreich, ehe das Rennen zwei Jahre später von der 1.1 Kategorie in die HC Kategorie aufstieg.[12][13] Seit dem Jahr 2017 ist die Strade Bianche ein Teil der UCI WorldTour, der höchsten Serie im Straßenradsport.[2]
Im Jahr 2020 wurde die Strade Bianche vom 7. März auf den 2. August verschoben und bildete somit den Auftakt des Alternativen-Kalenders, der aufgrund der zahlreichen Absagen, während der COVID-19-Pandemie umgesetzt wurde.[14]
Streckenführung
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Seit der Erstaustragung im Jahr 2007 sind die Schotterstraßen Sektoren ein fixer Bestandteil des Rennens. Die Streckenführung der Strade Bianche hat sich über die Jahre nur geringfügig verändert. Bis ist Jahr 2013 diente Gaiole in Chianti als Startort, ehe mit San Gimignano (2014 und 2015) ein neuer Ausgangspunkt gewählt wurde. Seit dem Jahr 2016 dient Siena sowohl als Start- als auch Zielort. Auf der ersten Rennhälfte führt die Starde Bianche in Richtung Süden und passiert dabei über kürzere Schotterstarßenabschnitte. Bei Montalcino dreht die Fahrtrichtung gen Norden, ehe die entscheidenden Segmente befahren werden. Die Zielankunft findet traditionell auf dem Piazza del Campo statt. Dieser wird über die steile und enge Via Santa Caterina erreicht, die auf einer Länge von rund 500 Meter Steigungsprozente von bis zu 16 % aufweist.
Schotterstraßen
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Von den etwa 180 Kilometern führt die Strecke über mehr als 50 Kilometer Schotterwege, die auf Italienisch strade sterrate (unbefestigte Straßen, von „sterri“ Erdarbeiten) oder strade bianche (weiße Straßen, nach der Färbung des am häufigsten benutzten Kiesschotters) genannt werden.[15][16] Der wohl bekannteste Schottersektor ist jener von Monte Sante Marie (11,5 Kilometer), der seit der Erstaustragung Teil der Starde Bianche ist und meist das Finale des Klassikers einläutet. Der Abschnitt trägt den Namen des Schweizers Fabian Cancellara, der als erster Fahrer dreimal bei dem Rennen triumphierte.[17] Neben maximalen Steigungen von bis zu 15 % umfasst dieser Sektor auch steile und technische Abfahrten, die das Peloton in die Länge ziehen.[18]
Im Finale der Strade Bianche werden seit dem Jahr 2014 die drei kurze Schotteranstiege des Monteaperti (1,5 km), Colle Pinzuto (2,4 km) und Le Tolfe (1,1 km) befahren.[19] Diese werden innerhalb von rund 10 Kilometern absolviert, ehe die letzten 12 Kilometer auf asphaltierten Straßen zum Ziel führen. Der abschließende Sektor (Le Tolfe) verläuft zunächst abschüssig, ehe er in einen Anstieg führt, der Rampen von bis zu 18 % aufweist.[18] Ursprünglich fand das Finale auf dem längeren und flacheren Sektor von Catignano (7 km) statt, der jedoch bereits bei der zweiten Austragung durch den Abfahrtssektor des Montechiaro (3,3 km) und den Schotteranstieg des Colle Pinzuto ersetzt wurde.[20][1] Nachdem die Schotterpassage von Le Tolfe im Jahr 2009 hinzugefügt wurde, strich die Organisation im Jahr 2014 den Abfahrtssektor und ersetzte ihn durch den Schotteranstieg des Monteaperti.[21]
Sieger

Fabian Cancellara vor Alessandro Ballan
Nebenveranstaltungen
Einen Tag nach den Profi-Rennen der Damen und Herren findet mit dem Strade Bianche Granfondo seit dem Jahr 2016 eine Jedermann-Veranstaltung statt. Bei dieser können die Teilnehmer zwischen zwei unterschiedlichen Strecken wählen, die über die berüchtigten Schottersektoren führen.[22] Weiters findet auch die L’Eroica weiterhin auf den Schotterstraßen um Siena statt.[23]
Einzelnachweise
- www.cyclingnews.com presents the 2nd Monte Paschi Eroica. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- UCI Cycling calendar 2017. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- Cycling | Rcs Sport. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- EROICA - Ethos. The Heroic spirit. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- Strade Bianche Donne 2015 One day race results. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- Palmares Strade Bianche. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- www.cyclingnews.com - the world centre of cycling. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- www.cyclingnews.com - the world centre of cycling. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- www.cyclingnews.com presents the 3rd Montepaschi Strade Bianche - Eroica Toscana. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- Cycling News published: Montepaschi Strade Bianche 2010: Results. 6. März 2010, abgerufen am 4. Februar 2023 (englisch).
- www.cyclingnews.com presents the 3rd Montepaschi Strade Bianche - Eroica Toscana. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- Strade Bianche 2013 One day race results. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- Strade Bianche 2015 One day race results. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- Strade Bianche 2020 gallery: a scorching return for WorldTour racing. Abgerufen am 4. Februar 2023 (englisch).
- cyclingnews.com: Eroica's status grows with new springtime date abgerufen am 4. August 2014
- cyclingnews.com: A young classic with epic potential abgerufen am 4. August 2014
- Gregor Brown: Strade Bianche to name sector for Cancellara — if he wins. In: VeloNews.com. 2. März 2016, abgerufen am 4. Februar 2023 (englisch).
- Francesco Cilione: Focus on the 3 key gravel sectors: San Martino in Grania, Monte Sante Marie and Le Tolfe. In: Gran Fondo Strade Bianche. 28. Februar 2022, abgerufen am 4. Februar 2023 (britisches Englisch).
- Stage profiles Strade Bianche 2014 One day race. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- www.cyclingnews.com news and analysis. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- www.cyclingnews.com presents the 3rd Montepaschi Strade Bianche - Eroica Toscana. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- Gran Fondo Strade Bianche - Ride into the legend. Abgerufen am 4. Februar 2023 (britisches Englisch).
- Eroica | L'Eroica Gaiole in Chianti. Abgerufen am 4. Februar 2023.
Weblinks
- Offizielle Website Strade Bianche (italienisch, englisch)
- Strade Bianche in der Datenbank von ProCyclingStats.com