Wilhelm II. (Oranien)

Wilhelm II. Prinz von Oranien (* 27. Mai 1626 in Den Haag; † 6. November 1650 ebenda) war ein Mitglied des Hauses Oranien-Nassau und ab 1647 Statthalter der Vereinigten Niederlande. Auch Wilhelms Vorfahren regierten das Land zusammen mit den Generalstaaten, einer Versammlung von Repräsentanten jeder der Vereinigten Provinzen, gewöhnlich jedoch durch die reichste und größte Provinz Holland dominiert.

Gerrit van Honthorst: Prinz Wilhelm II. (1651)

Leben

Prinz Wilhelm II. von Oranien im Alter von knapp 15, (Detailansicht aus einem Gemälde von Anthonis van Dyck, 1641)
Gerrit van Honthorst: Prinz Wilhelm II. von Oranien und Prinzessin Maria Henrietta Stuart, Öl auf Leinwand, 1647

Wilhelm (II.) war der Sohn von Fürst Friedrich Heinrich von Oranien und der Gräfin Amalie zu Solms-Braunfels. Am 2. Mai 1641 heiratete er in der Königskapelle im Whitehall-Palast in London die zehnjährige Princess Royal Maria Henrietta Stuart (1631–1660), älteste Tochter des englischen Königs Karl I. Stuart und der Prinzessin Henrietta Maria von Frankreich. Im Jahre 1642 setzte Maria mit ihrer Mutter nach Holland über und begann ab 1644 als Schwiegertochter des Statthalters am öffentlichen Leben teilzunehmen. Nach dem Tod seines Vaters am 14. März 1647 wurde Wilhelm II. Statthalter der Vereinigten Niederlande. In Geheimverhandlungen mit Frankreich versuchte Wilhelm, sein Staatsgebiet unter eine zentrale Regierung zu stellen. Zusätzlich arbeitete er an der Wiedereinsetzung seines Schwagers Karl II. auf den Thron von England.

Konflikt mit Holland

Wilhelm wurde schon am Beginn seiner Statthalterschaft in die heftige Auseinandersetzung mit der Provinz Holland und der Stadt Amsterdam unter ihren mächtigen Regenten Andries Bicker und Cornelis de Graeff hineingezogen. 1648 stellte er sich gegen die Annahme des Westfälischen Friedens – dessen Beteiligung der Republik seitens De Graeff und Bicker maßgeblich forciert wurde[1] – obwohl dieser die Unabhängigkeit der Niederlande anerkannte. Die danach erneut von Bicker verlangte Reduzierung des Heeres brachte das eine Eskalation der Situation. 1650 wollte sich Wilhelm die holländischen Stadtregenten mittels eines Staatsstreich gefügig machen. Diverse führende Köpfe wie Jacob de Witt wurden auf der Festung Loevestein inhaftiert, für die Gebrüder Bicker war gleiches vorgesehen. Andries und sein Bruder Cornelis Bicker ließen die Deiche des Amstellandes fluten und die Stadttore von Amsterdam schließen. Der Angriff auf das Zentrum Hollands misslang, da die Armee des Statthalters bei stürmischem und regnerischem Wetter in die Sümpfe gelockt wurde. Der pragmatisch gesinnte, auf einen Ausgleich zwischen den beiden Machtblöcken bedachte De Graeff veranlasste, dass die Brüder Bicker ihres Amtes enthoben wurden, um so die noch junge Republik zu sichern. Als Wilhelm kurze Zeit später nach nur drei Jahren Regierungszeit an den Pocken verstarb, wurde kein neuer Statthalter mehr benannt.

Ausblick

Wilhelms Tod leitete die Erste Statthalterlose Zeit ein, da in Holland und vier anderen Provinzen bis zum Rampjaar 1672 kein Statthalter eingesetzt wurde. Sein Sohn, Wilhelm III., der acht Tage nach seinem Tod geboren wurde, trat 1672 dessen Nachfolge als Statthalter der Niederlande an. 1689 wurde er an der Seite von Königin Maria II. König von England und Schottland.

Nachkommen

Aus der Ehe mit Maria Henrietta Stuart ging ein Sohn hervor:

  • Wilhelm III. (1650–1702), Statthalter der Niederlande und ab 1689 in Personalunion König von England und Irland und König von Schottland
⚭ 1677 seine Cousine Königin Maria II. (1662–1694)

Siehe auch

Literatur

  • Gerhard W. Kernkamp: Prins Willem II. Het onvoltooide leven van de kleinzoon van Willem van Oranje. Uitgeverij Omniboek, Utrecht 2021 [1943], ISBN 978-94-019-1792-6.
  • Pieter Lodewijk Muller: Wilhelm II. (Generalstatthalter der Niederlande). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 155–159.
  • Uwe Schögl (Red.): Oranien. 500 Jahre Bildnisse einer Dynastie aus der Porträtsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien und der Niederländischen Königlichen Sammlung Den Haag. (Ausstellung vom 1. Februar bis 19. März 2002, Camineum der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien). Österreichische Nationalbibliothek u. a., Wien 2002, ISBN 3-01-000028-6, S. 68–71.
Commons: Wilhelm II. von Oranien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Amsterdam: a brief life of the city. Von Geert Mak, Harvill Press (1999), Seite 123
VorgängerAmtNachfolger
Friedrich HeinrichFürst von Oranien
Graf von Vianden
Herr von Breda
1647–1650
Wilhelm III.
Friedrich HeinrichStatthalter von Holland und Seeland
1647–1650
Wilhelm III.
(ab 1672)
Friedrich HeinrichGraf von Moers
1647–1650
Friedrich Wilhelm von Brandenburg (Vormundschaft)
Wilhelm III. (ab 1668)
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