Columbo: Wein ist dicker als Blut
Wein ist dicker als Blut (Originaltitel: Any Old Port in a Storm) ist eine erstmals am 7. Oktober 1973 im Rahmen der NBC-Sunday-Mystery-Movie-Reihe gesendete Episode aus der Filmreihe Columbo. Die zweite Folge der dritten Staffel wurde am 19. April 1975 erstmalig im Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Der Schauspieler Donald Pleasence verkörpert als Weingutbesitzer Adrian Carsini den Gegenspieler von Columbo (Peter Falk).
Handlung

Adrian Carsini ist ein leidenschaftlicher Winzer, der sich durch seine Hingabe und Expertise einen hervorragenden Ruf in der Branche erarbeitet hat. Seine extravagante Vorliebe für den Ankauf wertvoller Weinraritäten kostet ihn allerdings viel Geld und schmälert den Ertrag des Unternehmens. Während er zusammen mit drei Freunden eine Weinprobe auf seinem kalifornischen Weingut veranstaltet, stattet ihm sein Halbbruder Ric – sportlicher Lebemann und charakterlicher Gegensatz zu Adrian – einen Besuch ab. Um sein ausschweifendes Leben finanzieren zu können, möchte Ric das ihm gehörende Grundstück verkaufen, auf dem sich das Weinanbaugebiet befindet. Adrian fühlt sich um seine Lebensaufgabe betrogen und schlägt Ric im Affekt mit einem schweren Gegenstand nieder. Anschließend widmet er sich wieder den ahnungslosen Gästen in der Probierstube und schickt seine Sekretärin Karen Fielding zwecks Vorbereitung einer bevorstehenden Geschäftsreise fort. Nachdem sich auch die Gäste verabschiedet haben, trägt Adrian seinen bewusstlosen Bruder in den Weinkeller, fesselt ihn und schaltet die Klimaanlage aus. Danach versteckt er Rics Wagen in der Garage und fliegt für eine Woche zu einer Weinauktion nach New York City.
Einige Tage später gibt Rics Verlobte Joan Stacey bei der Polizei eine Vermisstenmeldung auf, da ihr Partner nicht zur vorgesehenen Hochzeit erschienen ist. Nach der Rückkehr von der Reise findet Carsini seinen Bruder leblos im Gewölbe vor. Er fährt mit dessen Wagen zu einer abgelegenen Klippe, zwängt den Körper in einen Tauchanzug und stößt den präparierten Leichnam ins Meer. Mit einem Faltrad fährt er zum Weingut zurück. Am nächsten Tag entdeckt die Küstenwache den Toten und alarmiert die Behörden um Inspektor Columbo. Dem ersten Anschein nach muss Ric mit dem Kopf gegen einen Felsen gestoßen und nach einer längeren Bewusstlosigkeit erstickt sein. Als Columbo Stacey die schlechte Nachricht überbringt, berichten ihm Rics Freunde von der problematischen Beziehung zwischen den beiden Brüdern. Der Inspektor wundert sich darüber, dass das Verdeck des gepflegten Sportwagens nicht geschlossen war, obwohl es am Tag des vermeintlichen Tauchunfalles geregnet hat. Darüber hinaus habe Ric laut Gutachten der Gerichtsmediziner über einen Zeitraum von zwei Tagen vor seinem Tod nichts gegessen.
Columbo, der zwischenzeitlich über die Kunst der Weinherstellung recherchiert hat, befragt Carsini zu den zurückliegenden Ereignissen und lässt sich den Weinkeller zeigen. Dort erfährt er unter anderem, wie wichtig die Raumtemperatur für die Konservierung der gelagerten Flaschen ist. Der Inspektor sucht auch Fielding in ihrer Wohnung auf. Sie behauptet, Ric sei am fraglichen Tag unmittelbar nach der Unterredung mit Carsini weggefahren. Um sich für sein aufdringliches Verhalten im Zuge der Ermittlungen zu entschuldigen, lädt Columbo beide in ein exklusives Restaurant ein. Zum Dessert bestellt er einen sehr seltenen Portwein. Carsini ist zunächst erfreut über die Aussicht, das kulinarische Erlebnis mit dem edlen Tropfen abzurunden. Beim ersten Schluck stellt er jedoch entrüstet fest, dass der Wein einer hohen Temperatur ausgesetzt gewesen und damit ungenießbar geworden ist. Beim Gehen erzählt der Inspektor beiläufig von einem für die Jahreszeit ungewöhnlichen Hitzetag in der zurückliegenden Woche. Dank der Aussage von Fielding habe er den Fall aber abschließen können. Auf der Rückfahrt äußert Carsini seinen Unmut über die Falschaussage seiner spröden Sekretärin. Diese offenbart nun ihre wahren Absichten: Nach den langjährigen treuen Diensten als Angestellte möchte sie ihn heiraten und an seinem Reichtum teilhaben.
Carsini fährt nach Hause und erinnert sich an Columbos Bemerkung zu den hohen Außentemperaturen während seiner Dienstreise sowie die abgeschaltete Klimaanlage im Gewölbe. Aufgebracht realisiert er, dass seine einzigartige Sammlung durch Überhitzung ruiniert worden ist. Er füllt etliche Körbe mit den nun wertlosen Flaschen, fährt zur Küste und wirft sie ins Meer. Als er zu seinem Wagen zurückkehrt, wartet dort bereits der Inspektor auf ihn. Bei der früheren Begehung des Weinkellers hatte Columbo die Flasche mit dem verdorbenen Portwein in einem unbeobachteten Moment entwendet und dem eingeweihten Sommelier im Restaurant vor dem gemeinsamen Abendessen übergeben. Sein Vertrauen, Carsini würde mit seinem feinen Gaumen den Unterschied erkennen und entsprechende Schlüsse ziehen, wurde belohnt. Erleichtert, fortan nicht in den Zwängen einer lieblosen Ehe mit Fielding leben zu müssen, gesteht Carsini die Tat. Zum Abschluss verköstigen beide in Columbos Wagen italienischen Dessertwein.
Synchronisation
Die deutschsprachige Synchronfassung entstand im Jahr 1975 bei der Studio Hamburg Synchron unter der Dialogregie von Werner Bruhns.[2]
| Rolle | Darsteller | Synchronstimme |
|---|---|---|
| Lieutenant Columbo | Peter Falk | Klaus Schwarzkopf |
| Adrian Carsini | Donald Pleasence | Wolfgang Spier |
| Enrico „Ric“ Carsini | Gary Conway | Volker Lechtenbrink |
| Karen Fielding | Julie Harris | Christa Berndl |
| Joan Stacey | Joyce Jillson | Heidi Schaffrath |
| Frederick Falcon | Dana Elcar | Alexander Welbat |
| Hugo Stein | Robert Ellenstein | Wolfgang Kieling |
| Lewis | Regis Cordic | Manfred Steffen |
| Oberkellner | Vito Scotti | Werner Schumacher |
Rezeption
Die Fernsehzeitschrift TV Spielfilm vergab eine positive Wertung (Daumen hoch): „Ein wirklich guter Columbo-Jahrgang“.[3]
Das Lexikon des internationalen Films befand: „Etwas langatmiger Kriminalfilm, der sich jedoch um Milieu- und Typenzeichnung bemüht“.[4]
Der Autor Michael Striss wertete mit vier von vier Sternen (Höhepunkt). Er resümierte: „Diese Episode hat alles, was zu einem Spitzen-Columbo gehört: diverse Kultmotive, hervorragend dargestellte Charaktere (z. B. durch Vito Scotti in seinem ersten Auftritt in der Serie) sowie eine ausgezeichnete Idee, den Täter zu überführen. Die Krönung ist die Verpflichtung von Donald Pleasence, dieses immer wieder […] faszinierenden Charakterdarstellers“. Er gebe „eine glänzende Charakterzeichnung eines Mannes ab, der für eine Leidenschaft lebt – und dem man kaum ernsthaft böse sein kann“.[5]
Der Kameramann Harry L. Wolf erhielt 1974 einen Emmy in der Kategorie Best Cinematography for Entertainment Programming – For a Series or a Single Program of a Series.[6]
Literatur
- Columbo: Wein ist dicker als Blut / Marys späte Rache / Linda und der perfekte Mord. Ins Deutsche übertragen von Rolf Kalenberg. 1. Auflage. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1993, ISBN 3-404-13452-4.
Weblinks
- Columbo: Wein ist dicker als Blut in der Internet Movie Database (englisch)
- Review der Episode bei columbophile.com (englisch)
Einzelnachweise
- Freigabebescheinigung für Columbo: Wein ist dicker als Blut. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF).
- Columbo: Wein ist dicker als Blut. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 3. Januar 2023.
- Columbo: Wein ist dicker als Blut. In: TV Spielfilm. Abgerufen am 3. Januar 2023.
- Columbo: Wein ist dicker als Blut. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 3. Januar 2023.
- Michael Striss: Columbo. Der Mann der vielen Fragen. Analyse und Deutung einer Kultfigur. Büchner-Verlag, Marburg 2019, S. 278.
- Best Cinematography for Entertainment Programming – For a Series or a Single Program of a Series – 1974. Television Academy, abgerufen am 3. Januar 2023.