Ramsenthal

Ramsenthal ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Bindlach im oberfränkischen Landkreis Bayreuth. Zur Gemeinde Ramsenthal gehörten die Orte Bremermühle, Hauenreuth, Heinersgrund, Fuhrmannshöhe und Zollhaus.[2] 1978 verlor sie ihre Eigenständigkeit und wurde Teil der Gemeinde Bindlach.

Ramsenthal
Gemeinde Bindlach
Höhe: 352 m ü. NHN
Einwohner: 703 (20. Mai 2016)[1]
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 95463
Vorwahl: 09208
Hauptstraße in Ramsenthal

Lage

Das Dorf liegt nördlich von Bayreuth im Tal der Trebgast am Nordostrand des Höhenzugs Hohe Warte.[3]

Geschichte

Mit Wolframus de Ramsental trat das Ministerialengeschlecht von Ramsenthal am 18. Januar 1255 erstmals urkundlich in Erscheinung. Auf dem Stammsitz Ramsenthal sind mit Konrad von Ramsenthal Angehörige der Familie erstmals 1398 bezeugt. Zwei Burgställe wurden in jenem Jahr als „wale“ erwähnt, das Landbuch des Amts Bayreuth von 1398 verzeichnet zudem einen Besitz des Klosters Himmelkron. Der Zehnt musste an das Bistum Würzburg entrichtet werden. Vor 1476 erlosch das Geschlecht der Ramsenthal im Mannesstamm. Ein Gut der Familie Förtsch von Thurnau ist im 15. Jahrhundert in Ramsenthal nachweisbar. Im Lehenbuch des Markgrafen Friedrich I. von 1421 erscheint ein seit 1398 in Ramsenthal ansässiger Conrad Leyßauer als Inhaber burggräflicher und Förtsch’scher Lehen.[4]

Als Teil des hohenzollernschen Fürstentums Bayreuth lag Ramsenthal ab 1500 im Fränkischen Reichskreis. Aus dem Jahr 1616 stammt das für die Herren von Seckendorff errichtete Schloss.[5] Als Mitglieder der Vogtländischen Ritterschaft besaßen sie vom Markgrafen garantierte Gerichts- und örtliche Polizeibefugnisse. 1750 ging Ramsenthal von den Herren von Künsberg an jene von Wild und 1764 an den Markgrafen Friedrich Christian über.[6]

Zur Realgemeinde Ramsenthal gehörten Bremermühle und Heinersgrund. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Ramsenthal aus 37 Anwesen. Die Hochgerichtsbarkeit stand dem bayreuthischen Stadtvogteiamt Bayreuth zu. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Hofkastenamt Bayreuth. 7 Tropfhäuser waren freieigen. Die übrigen Anwesen unterstanden folgenden Grundherren:

  • Fürstentum Bayreuth (18 Anwesen):
    • Hofkastenamt Bayreuth (1 Sölde mit Zapfenschenke und Bräuhaus, 1 Söldengut, 1 Schmiede, 1 Tropfhaus),
    • Amt Unternschreez (1 Tropfhaus),
    • Stiftskastenamt Himmelkron (1 Halbhof, 1 Söldengut, 1 Haus),
    • Verwaltung Ramsenthal (Ehemals ritterschaftliches Schlossgebäude, 5 Söldengüter, 1 Tropfhaus mit Schmiedstatt, 1 Schäferhaus),
    • Amtsverwaltung Nemmersdorf (2 Söldengüter);
  • Rittergut Guttenberg (2 Sölden),
  • Rittergut Thurnau (2 Güter),
  • Rittergut Laineck (1 Söldengütlein),
  • Vogt Solger zu Schauenstein (1 Sölde, 2 Häuser)
  • Pfarrei Bindlach (2 Halbhöfe) und Gotteshaus Bindlach (1 Viertelhof, 1 Tropfhaus).[7]

Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Bayreuth. Nachdem im Jahr 1810 das Königreich Bayern das Fürstentum Bayreuth käuflich erworben hatte, wurde Ramsenthal bayerisch. Infolge des Gemeindeedikts wurde 1812 der Steuerdistrikt Ramsenthal gebildet.[8] Neben dem Hauptort gehörten hierzu Bremermühle, Buchhof, Cottenbach, Dörflas, Euben, Forkenhof, Forsthaus, Friedrichshof, Haselhof, Hauenreuth, Heinersgrund, Heisenstein, Martinsreuth, Neuenplos, Obergräfenthal, Pferch, Stockhaus und Theta.[9] Zugleich entstand die Ruralgemeinde Ramsenthal, zu der Bremermühle, Hauenreuth und Heinersgrund gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Bayreuth zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden die ehemals ritterschaftlichen Güter den Patrimonialgerichten Laineck (1 Anwesen bis 1848), Untersteinach (2 Anwesen bis 1841) und Thurnau (2 Anwesen bis 1848). Ab 1862 gehörte Ramsenthal zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Bayreuth (1879 in Amtsgericht Bayreuth umgewandelt).[8] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 4,924 km².[10] Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Ramsenthal am 1. Mai 1978 nach Bindlach eingemeindet.[11]

Baudenkmäler

  • Hauptstraße 03: Wohnstallhaus
  • Hauptstraße 44: Ehemaliges Schloss
ehemaliges Baudenkmal
  • Haus Nr. 25: Zweigeschossiger Massivbau von zwei zu drei Achsen; gegen 1800 erbaut. Im Erdgeschoss Sandsteinquader, Fenster- und Türrahmung gekröpft, mit Quasten. Obergeschoss unter Verputz, Fenster erneuert. Ecklisenen, Gurtgesims, Halbwalmdach.[12]

Einwohnerentwicklung

Gemeinde Ramsenthal

Jahr 182218401852185518611867187118751880188518901895190019051910191919251933193919461950195219611970
Einwohner 286321340337366354370375355367371389392408402391408396409610608573474501
Häuser[13] 48596566707990
Quelle [8][14][14][14][15][14][16][14][14][17][14][14][18][14][14][14][19][14][14][14][20][14][10][21]

Ort Ramsenthal

Jahr 001819001822001861001871001885001900001925001950001961001970001987002016
Einwohner 221*247296298296308325492385408668703
Häuser[13] 425253566472183
Quelle [22][8][15][16][17][18][19][20][10][21][23][1]

Religion

Ramsenthal ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und nach St. Bartholomäus (Bindlach) gepfarrt.[7][10]

Vereine

Ramsenthaler Feuerwehr (1903)

1871 gilt als das Gründungsjahr der Ramsenthaler Feuerwehr. Ins Leben gerufen wurde sie von 18 Einwohnern. Nach einem einstimmigen Beschluss der Gemeindebürger wurde eine Sondersteuer von 200 Gulden jährlich erhoben, um u. a. den Bau eines Feuerwehrhauses zu finanzieren. Ein Bayreuther Glockengießer lieferte 1872 eine fahrbare Löschmaschine. Bis 1902 war die Feuerwehr der einzige Verein im Ort. 1991 wurde eine Jugendfeuerwehr gegründet, seit 1992 werden auch Frauen aufgenommen.[24]

Der Gesangverein Liederhort Ramsenthal 1902 e.V. wurde 1902 gegründet, im Jahr 1913 kam der Gartenbauverein und nach dem Ersten Weltkrieg der Sportverein hinzu.[24] 1944 existierte nahe Ramsenthal an der Autobahn ein Lager für Zwangsarbeiter.[25]

Verkehr

Bahnstation

Im Jahr 1853 wurde die Bahnstrecke Bayreuth–Neuenmarkt-Wirsberg eröffnet, die Station Ramsenthal tauchte erstmals 1896 in einem Fahrplan auf.[2] Aktuell halten dort stündlich Regionalbahnen des Unternehmens Agilis.

Durch Ramsenthal verläuft die Staatsstraße St 2183, die von Bindlach nach Wirsberg führt. Nächste Autobahn-Anschlussstelle ist Bayreuth-Nord an der Autobahn A 9.

Wirtschaft

Mit Ertragsmesszahlen von 40 bis 45 gehören die Böden im Raum Ramsenthal zu den fruchtbarsten in Oberfranken.[26]

Literatur

Commons: Ramsenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gemeinde Bindelbach – (ISEK-Steckbriefe.o4522.html). (PDF; 5,3 MB) S. 24, abgerufen am 31. Oktober 2022.
  2. Informationsbroschüre Gemeinde Bindlach - page 33 bei spm-verlag.de, abgerufen am 15. Juli 2022
  3. Ramsenthal im BayernAtlas
  4. Richard Winkler: Bayreuth. Michael Lassleben, Kallmünz 1999, ISBN 3-7696-9696-4, S. 56, 79 f., 91, 101, 123 und 133.
  5. Schloss Ramsenthal bei alleburgen.de, abgerufen am 10. Juli 2022
  6. Bayreuth-Kulmbach, Markgraftum: Territorium und Verwaltung bei historisches-lexikon-bayerns.de, abgerufen am 10. Juli 2022
  7. R. Winkler: Bayreuth, S. 384.
  8. R. Winkler: Bayreuth, S. 482.
  9. R. Winkler: Bayreuth, S. 493.
  10. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 658 (Digitalisat).
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 676.
  12. A. Gebeßler: Stadt und Landkreis Bayreuth, S. 135. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Ursprüngliche Hausnummerierung.
  13. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet.
  14. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 139, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  15. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 847, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  16. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1018–1019, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  17. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 965 (Digitalisat).
  18. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1010 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1032 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 894 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 151 (Digitalisat).
  22. A. H. Hoenig (Hrsg.): Topographisch-alphabetisches Handbuch über die in dem Ober-Mainkreise befindlichen Städte, Märkte, Dörfer, Weiler, Mühlen und Einöden. Bayreuth 1820, S. 97 (Digitalisat).
  23. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 293 (Digitalisat).
  24. 150 plus eins: Die große Sause. In: Nordbayerischer Kurier. 8. Juli 2022, S. 14.
  25. Peter Engelbrecht: Ramsenthal. Das unbekannte Arbeitslager bei frankenpost.de, abgerufen am 10. Juli 2022.
  26. R. Winkler: Bayreuth, S. 4.
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